Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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Stücken die Einladung hatte ergehen laffen,
dem Juristentag als solchem unv als Gast
schuldete. Mangcl an Tact und übertriebcner
Eifer sür auswärtige Hvfcavaliere thaten dann
das Ucbrige, und der Juristentag konnte nicht
aiihers, als dnrch dic beleidigende Thatsachc
seinen Entschluß bestimmen zu laffen, da er
iiber die Absichten ein Urtheil zu faffen außer
Stande war. (N. F. Z.)

Darmstadt, 28. Aug. Zur Beleuchtung
dcs VorfaüS iu der gestrigen Theatervorsteüung
ist noch nachzütragen, daß die Depntation des
Juristentags durch ein gedrucktes Programm
ausdrucklich zum Empfang deS Prinzen Aleran-
der beschieden war. Ferner schrcibd-die »Hess.
Landesz.": »Der Vorstand des Juristentags
sovte vor der Theaterstunde vom Prinzen
Alerandcr im Schloffe empsangen werden,
wurde abcr bei seiner Ankunft daselbst vo»
einem Lakaien benachrichtigt, daß Se. großh.
Hoh. zum Empfang des Kurfürsten von Heffen
nach dem Bahnhof beordert seien. Wie man
uns versichert, soll der Ertrazug der Juristen
später als verabredet von Mainz abgegangen
sein, ohne daß dies hierber telegraphirt wurde.
Trifft hkernach ein Theil der Schuld an die-
sem Etiqnettenvcrstoß das Bureau drs Zuristrn«
tags selbst, so bleibt doch ein nicht minder
großer im Schlosse haften; denn zu Männern
vo» so geachteten Namen wie Frhr. v. Wäch»
ter, Graf Wartenslebe», Dr. Schwarze u. A.
spricht man nicht durch den Mund von Lakaieu.

Frankfurt, 28. Aug. Das hiesige Jour«
nal ist in den Ltand gesetzt, anf das Bestimm»
teste zu versichern, daß der Herzog Ernst von
Codurg der Broschnre „Enthüllungen über den
Fürstentag" vvllständig fremd, also auch dic
ausgesprochene Vermuthung über die Autor»
schaft durchaus undegründet ist.

Frankfurr, 30. Äug. Wie die „Postztg."
veriuinnit, findet morgen die letzte Fürstensitz-
ung statt, wenn sich nicht abermalige erhebliche
Anstände ergeben, was aber nicht vermuthet
wird. Diffentirend sind die Großherzoge von
Baden, Sachsen-Weimar und Mecklenburg-
Schwerln, der seinen Nichtzutritt auf die geo-
graphische Lage seines Landes gründet. Diesen
wie dem Könige von Preußen wirv der Zu-
tritt offen gehalten. Bis zu diesem Zutritt,
auf deffen nachträgliches Gclingen alle Fürsten
hoffen, wird Artikel 11 der deutschen Bundesacte
(die Bundesglieder behalten zwar das Rccht
der Bündniffe aller Art, verpflichten sich je-
doch, in keiue Verbindungen einzugehen, welche
gegen dke Sicherheit des Bundes ober einzcl»
ner Bundesstaaten gerichtet wären rc.) a!s
das maßgebende Prinzip der nunmehr vorlic-
genden Einigung betrachtet. Zm Uebrigen
dürfte der Entschluß allsertig feststehen, daß
nunmehr mit möglicher Raschheit die vollzogene
Schöpfung in's Leben gerufen werden muß.
Die Ministerconferenzen werden in kürzester
Frist beginnen, um Ausführung und Organi-
sation auf der Basis der von der Fürstenver-
sammlnng vereinbarten Prinzipien zu bewerk-
stelligen.

Frankfurt, 30. Aug. Der Standpunkt
Bavens scheint in einer Note Roggenbachs

hier, ich würde ihn finben! Mcin Herz würde mich
sühren, mein armcs Herz, das Angst, Schmerz, !
Hunger und Durst unb meine cigenen Thriinen

ersticken. —-" I

„Wieder habe ich gerufen, geweht, alle möglichen ^
Anstrengungen gemacht. Meine Händc, metne
Knic, mcin ganzer Leib find wund. Meine Augen,
meine Lippcn brennen; in dcn Ohren habe ich ein
surchtbares Sausen. O, mein Gott, o mein Gott,
soll mtr denn keinc Hülfc werdcn? Hundertmal
war es mir, als wcnu ich Menschenstimmen h örte; ^
ganz deutlich meinte ich dte Muttcr nach mir rufen i
zu hören. Ach Muttcr, Dein armes Kind, Deine i
Adilia! Drangt Dich nicht etn dunkler Zug Deincr !
Secle hterher! Marie, George! Ihr itiüßt mich !
ja hören! Hört! Hört! Eure Schwester ruft, Eure f

armc verzweifcltc Schwcster!-"

(Schluß folgt.)

Mannheim, 27. Aug. Jn der Kunst-, Mu-
stkalien- und Pianoforte-Handlung vo.n K. Ferd.
Heckel hicrsclbst ist gegenwärtig ein Flügel aus-

I ihren bestimmten AuSdruck gefunden zn haben,
und bereits wird der kurze Jnhalt einer hicrauf
bezüglichen Antwortsnote des Hrn. v. Benst
bckannt. Darin soll es heißen: Die Fürsten
seien auf Basis der Reformactc vertrauens-
voll und entschloffen in Verhandlung getreten.
Volle Genehmigungsfreiheit sei gewahrt. Das
österreichische Promemoria habe vollkommen
beruhigende Erläuterungen gegeben. Diesmal
handle es sich darum, den Völkern Gewißheit
zu geben, daß es mit der Einigung ber Für-
sten ünd den Zugeständniffen Ernst sei. Ein-
stchtsvvlle Patrioten werden beschränktere Zu-
geständniffe der vereinigten Fürstcn weiter«
gehenden Verheißungen einer einzelnen Regie»
rung vorziehen. Die Unverantwortlichkeit ber
Fürsten sei kein Hinderni'ß für eine unmittel-
bare Berständignng. Die Minister des Aeußern
seien anwesend zur Wahrung der Verantwort-
lichkcit, welche gegenüber den Landesvertretun-
gen, deren Zustimmung vorbehalten fei, zur
Geltung kommc; das constitutionelle Princip
sei nicht verletzt. — Auf die zahlreichen An-
gaben bezüglich der Bcschlüsse des Fürsten-
Congreffes über einzelne Artikel der Reform-
acke einzugesen, ist nicht rathsam, da hierübcr
zu viel Ungewiffes und Widcrsprechendes ver-
brcitet wird. Nur eine Aufsehen erregcnde
Beschlußfaffung möchten wir erwähnen: Be-
treffend den Absatz des Art. 11, wornach Ab-
änderungen der Bundesverfaffung und dcrgl.
mit eiuer Mehrheit von 17 Stimmen sollten
beschloffen werden können, soll bestimmt wor-
den sein, daß statt der 17 Stimmen von 21,
Stimmeneinhklligkeit erforderlich sei. — Jn
der Sitzung vom letzten Freitag wurde ein
Vorschlag dcs Prinzen Heinrich der Nieder-
lande, wornach die Fürstenversammlung be-
seitigt nnd 'statt deffcn der Bunbesrath im
Sinne der Fürsteiiautorität hätte gestarkt wer-
den sollen, abgelehnt. Der Kaiser soll dagegen
gesprochen haben. — Der Kaiser soll Gelegen-
heit genommen haben, anläßiich einer Kanzel-
rede dcs hicsigen Pfarrcrs Thiffen dem preuß.
Oberstcoinmandirendeii hier crkläre» zu laffen,
daß er jene Rede, in welcher der Geistliche
von der nahe bcvorstehenden Realisirung des
Kaiserideals sprach, entschieden mißbillige.
Es hatten nämlich preußische Oisiciere dem
Gottesdienst beigewohnt und imchher über
Schritte beralhen, welche gegen diese Ansprache
zu thnn seien.

Frankfurt, 31. Aug. Der Widerstand
Badens gegen die Reformacte hat einen sehr
bedeutenden Erfolg gehabt. Die Beschlüffe
der Majorität des Fürffentages werden, wie
die „N. F. Z." erfährt, nicht als formulirtc
Paragraphenderkiinftigen ConstitutionDeutsch-
lands, fondcrn lediglich als die principiellen
Grnndlagen für die Constitution betrachtct
werden, -dercn Einzelheiten durch die folgenden
Ministerconferenzen festzustellen sein werdcn.
— Hierdnrch ist dem Versuch, die Reformactc,
wie sie aus dem österreichischen Cabinet her-
vorgcgangen, unmittelbar ins Lebcn einzufüh-
ren, dic Spitze abgebrochen.

Der Großherzog von Wcimar hat sich der
badischen Erklärung gegen die gefaßten Be-

gestellt, der zu den besten Erzeugniffen dicscr Gat-
tung gehört. Er ist aus der berühmten Prano-
fortefabrik von JulruS Blüthner tn Lcipzig
und vereinigt alle Vorzüge, die man skithcr dcn
Pianoforte's zu gcben wußte, mit denen einer
neucn, vom Fabrikanten crst unlangsr gemachtcn
Erstndung. WaS diese angielangt, so haben fich
bercitS die Leipziger Blätter, so u. A. die Leipziger
Zeitung u. A. aufs Vorthcilhafteste ausgesprochcn.
Dem Leipziger Tageblatt entnehmen wir folgende
Mittheilung: „Wir freuen uns, über eine neue
Erfindung auf dem Gebiete der Pianoforte-
fabrikatron berichtcn zu können, die ohnc Zweifcl
allgemcinstes Aufschen in dcr clavicrspiclenden
Wclt erregcn wtrd. Nachdem schon seit langcn
Iahren — seitdcm das Elavier alr eigcntlicheS
Eoncertinstrument auftritt — das Hauptbestreben
der Fabrikanten darauf gerichtet war, ihren Flü-
geln einc Kraft des ToneS zu vcrleihen, welche
ausrcichend wäre, die jetzt überall errichteten fast
übergroßen Lonccrtsäle auszufüllen, uns schon
früher, namcntlich Erard in PariS, Brodway in
Loudon, in neuestcr Zeit aber vor Allen Stein-
wcg in Newyork und, in engem Anschluffe »n ihn»

schlüffe angeschloffen. Anch der Großherzoq
von Mecklenburg-Schwerin will schließlich den
Bkschlüffcn nicht beitrete», freilich aus wesent-
lich andern Gründen, als die beiden liberalen
Großhcrzqge.

Jn Beireff des Directoriums hat man sich
endlich dahin geeiüigt, daß dasselke dvch nur
aus 6 Mitgliedern bestehen solle.

Frankfurt, 31. August. Die „Europe"
schreibt: Heutc keine Congreßsttzung; dagegen
fanden verschiedene' Fürsten- und Msnistercon-
ferenzen zur Verständrgmig über das Schluß-
votum und die morgen zu unterzeichnende
Protocollfaffung statt.

Sofort »ach Congreßschluß ergeht eine neue
Collectiveinladung an Prenßen betreffs dcr
Milthcilung der Beschlüffe und der Einladung
zur Zustimmmig. An den Coagreß schließen
sich wahrscheinlich unmittelbar die Conferenzen
der Minister veS Auswärtigen in Frankfurt
zur Erledigung der Einzelfragen der Re-
sormacte.

Mainj, 27. Aug. Vorgestcrn und gestern
Abenb fanven hier Zusammenkünfte zwl'schen
verschiedknen Mitgliedern des deutschen Abge-
ordnetcntags nnd österreichischen Reichsraths-
mitgliedern statt, um der Letzteren Stellung
zu Deutschland zu besprechen nnd ihren Ein-
lritt i» den Abgeordneicntag anzubahncn. Von
Oesterreichern nennt die „Heff. L.-Z." u. a.
Berger, Giskra, v. Mühlfeld »nd Rechbauer;
von nicht österrcichischen Abgeordneten Barth,
Hölber, Lang, Mctz, Oeiker, Planck, Pfeiffcr,
Schaffrath, Tafel, Völk und Zimmermailii von
Spandau. Unter kem Präsidiiim des von
Metz-vorgeschlagcnen Tafe! a»s Skuttgart
sand gestern im Hause des Champagnerfabri-
kanten Kupferberg eine Schlnßberathung von
höchstem Jntcreffe statt, über dcren Dctail
aber vorerst »ichts veröffenkticht werden solle.

Mainz, 28. Aug. Der Juristeiitag hat
auf Muhlseld's Antrag beschloffen: „Die To-
desstrafe soll in ein kiliiftigeZ dentsches Ge-
setzbuch nicht mehr aufgenommen werden. Aus-
genommen bleibe» die Fälle des Kriegs- und
Seerechtes." ^

Stuttgart, 27. Aug. I» der hentigen
Sitznng des GemeinderatheS erinnerte cin
Mitglied dicses Körpers, Herr Oesterlen, ge-
legentlich eines auf die Keier des 18. Octbr.
bezüglichk» Gcgenstandes daran, ob nicht ain
besten die bürgerlichcn Collcgicii die Jnitiative
ergi^ifcii und das Programm für die Festlich-
keiten dieses Gedenktages fkststellen würden.
Nach längerer Debatte, während welcher Stadt.
schultheiß Sick daran eriynert, daß am 18.
Octbr. 1813 die Württemberger noch a„ der
Seite der Franzosen gcgen die deutsche Sache
kämpften, weßhalb män also eigentlich ein
Fest gege» sich selber seiere und es stch am
Ende srage, ob man »icht lieber einen Bußtag
halten solle, beschloß der Gemeinderath, vor-
erst diese Frage bis zur in 8 Tagen ffattfin-
denden gemeinschaftlichen Sitzung mit dem
Bürgerausschuß zu vertagen."

Münche«, 28. Aug. Jn dem Abgeord-
netcnhause haben die Psälzer, unterstützt durch
eine Anzahl diesseitiger Abgcordneten, aus'S

Bechstetn tn Berltn wcltbekannte Erfolge in dieser
Ricktnng hin crzielt Haben, ist es näch langen
Versuchen cndlich unscrem Mltbürger, Herrn Zu-
liuSBlüthner, als denkender Künstler in seinem
Fache anerkannt, durch Anwendung ctnes ganz
nenen Prinzips gelungen, einen Fiügel hcrzultcl-
len, dcr reichc innere und äußcrc Vorzügc vor allcn
übrigen bekannten in Anspruch nehnien darf. Hcrr
Blüthner hat nämlich bei scincm Flügel — untcr
Benutzung der zuerst vom gcnialen Pape tn den
zwanziger Iahren dieses ZahrhundcrtS angcwandten
Schräglegung der Baßsaitcn über d,c Discantsaiten
— auf stnnretche Weise noch besondern

Steg und eincn -wetten Resonnanzboden
nur für die Baßsaiten angcbracht ufld ist dadurch
zu ctnem übcrraschenden Resultat gelangt. Der
Ton seincs, auch in Lußerer Beztchung symmetrisch
gcformten Flügels ist mcrkwurdig voll, kernig und
gesangrcich, nnd trotz der doppeltcn Resonnanz in
allen Lagen durchauS gleichmäßig. Wir wollen
unS für cinen spätern Bericht cine auSführiicherc
Beschreibung. dies-r ncuen Erfindung vorbehalten
und für heutc nur noch unserc lleberzeugung auS-
sprechen, daß dic Eoncertffügr! dkö Herrn Btüthner
in kurzer Zeit durch alle Concertsäle den Ruf ihrcS
Erbauers tragen werden."
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