Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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München, 1. October. Dte Sonderzvll-
coaferenz wird >n nächster Woche ihre» An-
fang nehmen. Zhre Theilnahme haben bereitS
zugesagt: Hannvver, Würüemberg, Großher-
zogthuin Heffen, Naffau und Frankfurt. Der
Frhr. v. Kalchberg ist von Wien bereilS ein-
getroffen.

Berlin. DaS Buch: „Diesseits und Jen-
seitS des OceanS* von Gustav Struve ist hier
polizeilich mil Beschlag belcgt worden. — Der
vor einigen Tagen auf ärztlicheS Gutachten
gegen eine Caution von 10M0 Thalern aus
der Haft im HauSvoigteigebäude entlaffene
Untersuchungsgcfangene, frühcrc Abgeordnete
vvn Niegolewski, hat seinen Aufenthalk hier
nehmen muffen und darf Berlin nicht verlaffen.

Berlin. 30. Sept. Der Regierungsprä-
sident v. Kries in Gumbinnen ist zur Dispo-
stkion gestellt und der bisherige Polizeipräfi-
dent Maurach in königsberg zu seinem Nach-
solger ernannt worden. (v. Knies ist eincr
der wenigen liberalen Regierungspräsidenten,
die noch vom Ministerium Schwerin ernannt
wvrden sinb; der Polizeipräsident Maurach ist
dagegen ciner der lhatkräftigsten Borkämpfer
der fanatischen Kreuzzeitungs-Partei.

Triest, 1. Octbr. Dic heute hier einge-
troffene Ueberlandpost bringt Berichte aus
Bombap vom 9. und aus Calcutta vom 4.
Sept. Darnach haben 2000 bewaffnetc Un-
terthaneii des Emirs vvn Kabul, worunler
viele früher in britischen Diensten gestandene
Sipops, den Jndus überschritten unb einen
Einfall auf britisches Gcbiet gemacht. Es sind
Truppen gegen sie abgeschickt worden; aber
ISngs der Grenze herrschl große Bcsorgniß.
Jm December svll in Lahvre cin Armeecorps
von 12,000 Mann vcreinigt wcrden. Der
Vicekönig hat den Radschah von Kaschmir u.
Dost MohammcdS Söhne zum Erscheinen in
Lahore eingeladen. Die Behörden von Cawnpor
haben die Nichtidcntität deS angeblichen Nena
Sahib sestgestellt.

JnnSbruck, 29. Sept. Bei dem Schützen-
Fesizuge befitirten 6000 Schützen vor dcm
Kaiser, welcher sobann die Schießstälte besuchte
und am Festschießen persönlich theilnahm.

Türket

Konstantinopel, 24. Sept. Jn Bruffa
ist ein großer Brand ausgebrochen, ein Theil
der Stadt liegt in Asche, die Scibenspinnereien
blieben verschont.

Der russische Gesandte hat gegen die Durch-
lassung zweier englischer Schiffe durch die
Dardanellen protestirt, weil ste im unteren
Verdeck Waffen für Circassien gelaben hatten.
Die Pforte hat erklärt, daß sie für Defrau-
dation nicht verantwortlich sein könne.

Der König von Griechenland hat 850,000
Drachmen als Civilliste erhalten und wirb in
einem Privathaus wvhnen, bis über den Pa-
last König Oltv's entschieden sein wird.

Jn Chio hat eine Coüifion zwischen türki-
schen Artiüeristen und der griechischen Bevöl-
kerung stattgefunden; die Festung und die
Stadt bcdrohen stch gegenseitig. Fuad Pascha

Äufrus
a« das deutsche Volk!

Wenn gcgenwärtig in allcn deutschen Landen zur
Feier deS denkwürdigcn Tages, an wrlchem vor
fünfzig Jahren unscre Väter das sränkische Joch
zerbrachen, die großartigsten Vorbereitungen ge-
troffcn «erden, so möchte eS bei dicser Fcier wohl
geeignet erscheineu, auch einen Rückblick auf jene
Zeit zu werfen, wo in gleich krastvollcm Auf-
schwunge bie deutschen Stämine um etnen Helden-
arm sich schaarten, und die crste deutsche Grvßthat
die Wclt erzittern machtc!

Zur Ertnnerung an jene glorreiche Zeit ssll —
als ein Symbvl deutscher Einheit und Größe —
daS HermannS-Denkmal errichtet werden. Auf dcn
Höhen dcs Tcutberges erhebt sich bereits der ma-
jcstätische Unterbau, des StandbildcS harrend, wel-
cheö ihm setne eigcntliche Bed-utung vcrleihen soll.
DaS deutschc Bolk darf die Schmach nicht auf fich
laden, diesen Bau in halber Bollendnng als Ruine

hat nach Chio mehrere Corvettcn mit Truppen

abgeschickt.

A u, - r i k a

New-Avrk, 13. Sept. Rosenkranz wurde
in einer zweitägigen Schlacht von Bragg, der
bedeutendc Verstärkungen «rhalten hatke, gj-
schlagen und gezwungen. sich auf Chattanooga
zurückzuziehen. Der Verlust der Unionisten
beträgt an 12,000 Mann. — Am Rapidan
stehen sich immer noch die Unionisten unb Se-
cessionisten einander gegenüber.

AuS Charleston wird nnterm 20. berichtet:.
Die unionistischen Monitors können nicht gegen
Charleston vorrücken; die secessionistischcn Bat-
terien verzögern durch ihr Feuer die Errich-
tung unionistischer Batterien. Fort Sumter
wird von den Unionisten ausgebeffert. — Man
erwartct einen Zusammenstoß unionistischer u.
französischer Kanonenboote an der Mündung
des Rio-Grande.

Reueste Skachrichten

Berlin, 2. Oct. Die Eröffnung der Zoll-
conferenz stndet am 3. November Stalt. Preu-
ßen wird einen allgemeinen Zolltarifs-Entwurf
wegen des Handelsvertrags vorlegen. Die
Ausgangsabgaben sollcn nach dcn Grundsätzen
der Eingangsabgaben vertheilt werdca. Die
Theilung der gemeinschaftlichen AuSgangs- u.
Durchgangsabgaben, sowie dic Uebergangsab-
gaben für Wein und Traubenmost, ferner die
Verträge, betreffend die Tabaks- und Wein-
besteuerung, sollen aufhören.

Kopenhagen, 2. Octbr. Nach Ausweis
der dcm Reichsrathe vorgelegten Staatsrech-
nnng hat das Ministerium daS Budget' bis
April 1863 vhne Zustimmung der holsteini-
schen Ständeversammlung definitiv auch für
Holstein regulirt und zur Deckung der die
Einnahmen übersteigenden gesammtstaatlichen
Ausgaben die Summe von 593,000 Rthlr.
^aus der besonderen holsteinischen Caffe cnt-
nommen.

Bruchsal, 25. Sept. (Schivurgericht.)-
Anklage gegen Kanonier Wilhelm Hübner von
Brnchsal, wegen Mordversuchs. Der Angc-
klagte ist 25 Jährc alt, evangelischer Religion,
vermögenslos, und hat fich schvn in mehreren
Berufsarten »hnc sonderlichen Erfolg versucht,
obwohl er viel natürliche Anlagen und gutc
Schulkenntnisse befitzt. Die Zeugniffc sämmt-
licher Behörden lauten hinfichtlich des Cha-
rakters und Betragens des Angeklagtcn un-.
günstig, auch wurde er vom Cantonsgcricht
Schaffhauscn im Jahr 1861 wegen urkundcn-
fätschung mit zwci Monaten Gefängniß und
Landesverweisung bestraft. Deshalb, und da
er sich als Canzlei- und Telegraphengehülfe
zu Waldshut den Vorwurf der Unterschlagnng
von Telegraphengebühren zuzog, wurdc er vom
Corporal zuw Kanonier degradirt. Seit Febr.
v. I. beurlaubt, hielt er fich dahier bei seinem
Bruder, Orgelbauer Hübner, auf, um dessen
Geschäft zu lernen. Hier hatte er nun Ge-
legenheit, Mathilde Katz, ,,die jugendlich frisch

der Nachwelt zu überltefern; einmal begonnen, ist
cs jetzt auch Ehrensache der Nation, das Denkmal
zu vollenden.

So ist dcnn im feste.n Vertrauen auf die ferncre
Beihilfe unscrer deutschen Brüder mittelst der bis
jetzt bei uns eingegangencn Gelder die durch un-
günstige Zeitverhältniffe seit 18 Zahren unterbrochene
Arbeit wicdcr aufgenominen. Dcr Künstler ist bc-
reits so weit damit vorgcschritten, daß binnen kur-
zem Kopf und Schwcrt öffcntlich ausgistellt werden
können. Zur Vollendung deS coloffalen Stand-
bildes bedürfen wir aber noch bedeutender Geld-
mittel, die indeß lcicht und rasch zu befchaffcn sind,
wenn am 18. October bci dcr erhebcnden Erin-
nerungsfeicr an einen der glorreichsten Tage unserer
Geschichte jeder Deutsche ein kleines Scherflein dicsem
patriotischcn Zwecke widmet. Dazu wird aber jcdcr
gern und sreudig bercit sein, sobald solchcS von
gecigncter Stelle nur angcregt wird. Möchten sich
daher in allen deutschen Städten einige patüotische
MLnner bereit finden, die es unternehmen, solchc
Sammlungen zu veranstalten, so «ie darauf hin-
zuwirken, daß ein Theil der Einnahmen der an
diesem Tage stattfindenden Eoncerte und Theater-

heranblühende, nun 15V, Jahre zählende Toch-
ter deS chiesige» Buchhändters Katz ke»»en zu
lernen." Er traf das jimge MSdche» öfters,
theilS im Hause von Bekannten, theilS auf
dem Wegc zu und von der Singstunde, und
auf einem solchen Gange drnckte er ihr erst-
mals vor Weihnachten v. I. seine besondere
Zuneigung durch Ueberreichung eincs Gedich-
les aus. Der Angeklagte behauptet, bon
Mathilbe, was diese jedvch widerspricht, zu
Anfang dieses Jahres verschiedene Zcichcn der
Erwiederung seiner Neigung erlangt zu häben.
Auf seine Zuschriften hatte er übrigens ein-
mal bezüglich des Anknüpfens vder FortsetzenS
eineS Liebesverhältniffes eine abschlägige Ant-
wort drhalten, was jedoch durch begütigende,
mündliche Erklärungen wieder ausgeglichen
worden sein soll. Von Ende Februar an ver-
anstaltete Tanzlehrer Fridl in dem °Saale des
Gasthauses zur Fortuna einen Tanzuntcrricht,
bei dem sich auch Mathilde Katz betheiligte,
und wo sie der Angeklagte traf, der jedoch
anfänglich meistens mit einem andern Mäd-
chen tanzke und crst gegen Ende des zweiten
Cursus besondere Aufmerksamkeit für Mathilde
Katz zeigte. Die weigcrte sich übrigenS, mit
ihm zu tanzen, was ihn so aufbrachte, daß er
Mitte März l. I. des Nachts in ein Fenster
des Katz'schen Hanses schoß; allein deffenun-
geachtet nahm Jene zu ihrem Namenstag ein
Geschenk von ihm an. Ende März erschien
nun Verwaltungsfourier Kremp in der Tanz-
stunde, tanzte öfters mit Mathilde Kaß und
begleitete sie auch dreimal nach Haus, welche
übrigens trotz verschiedener Klagen bei Frau
Fridl und Kremp über des Angeklagten Zu-
dringlichkeit doch wieder mit demselben tanzte.
Der Angeklagte zeigte balb die heftigste Eifer-
sucht auf Kremp und wollte sich sogar mit
diesem duelliren, machte auch der Mathilve
Katz heftige Vorwürfe, und behauptet, darauf-
hin von dieser ein eidliches Gelöbniß dcr
Treue erhalten zu haben, waS biese jedoch
verabredet. Die Qualen der sich imizier mehr
steigernden Eifcrsucht ünd die vergeblichen Be-
mühungen, sich auf allerlei Wegen davon zu
befreien.brachten den schwärmerischen und durch
unpaffende Lectüre verdrehten Angeklagten zu
dcm Entschluß, zuerst das Mädchen und dann
sich selbst zu tödten, so daß er sich ein doppel-
läufiges Terzerol kaufte und solches mit Ku-
geln und gehacktcm Zinn lud; allein sein Bru-
der nahm es ihm ab. Jnzwischen kam er
jedoch auch wieder auf dcn Gedanken, von
hicr wegzugehen, machte dazu Vorbereitungen,
und fuhr am 23. Mai mii der Eisenbah» fort.
Allein da sein schriftliches, mit Todesdrohung
begleitetes Verlangen an Mathilde Katz, ihm
ein Andenken zn geben und ewige Treue zu
geloben, ohne Antwort geblieben war, stieg er
in Durlach aus, fuhr hieher zurück und dann
nach Bretten, wo er sich cin Dvppelterzerol
kaufte, das er scharf lud, nachdem er sich bei
eincm hiesigen Kaufmann die ausdtzücklich ver-
langte stärkste Art von Schrot (Nr. 0) ver-
schafft hatte. Am Pfingstsonntag tricb er sich
dahier herum, traf zufällig Mathilde Katz auf
der Bahnstraße, bestürmte sie mit Bitten und

vorstellungcn ebenfalls zum Besten bes Hermanns-
Dcnkmals vcrwandt wcrde!

Solches in mögiichst wcitem Umfange anzuregen
und auszuführen, ist unsere dringende Bitte an
unsere dcutschen Brüder nah und fern! Möge sie
in allen Theilen unseres Vaterlandes eine freund-
liche Aufnahme finden, und das Hermanns-Denk-
mal in seiner baldigen Vollendung neuerdings
Zeugniß ablegen vom Gemeinsinn des deütschen
Bolkes zur Ehre deutscher Kunst, deutscher Kraft
und dcutscher Tugend!

Sämmtllche verehrl.Redactlonen deutfcher Blätter
bittcn wir, diescn Aufruf in ihren Blättcrn auf-
zunehmen.

Der Vercin fttr as Hermanns-Dönkmal
in Hannover.

LüderS, O.-G.-Anw. Busse, Agent. Kar-
marsch, Dircctor. v. Kaven, Baurath. Kirch-

weger, Eiscnb.-Masch.-Dir. Nabert, vr.

Rümpler, Commerzrath.
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