Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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vov Oefierrrlch mid dcr König vsn Preußen
haben dieselbe Verpflichtung übernommen. Ihre
Maj. würde nicht gleichgültig einc militärische
Besetzung Holsteins aüt ansehen können, welche
vur unter Beoingungen aushören soll, die ge-
bieterisch dte Verfaffung der gesammten däni-
schen Monarchte abändern. Die Regierung
Zhrer Maj. würde eine solche militärische Be-
setzung nicht als einc rechtmäßige AuSübung
der Rechte des BundeS anerkennen, oder zu-
laffen, daß sie eine eigentliche Bundkserecutivn
genannt würde. Sie würde nicht gleichgültig
setn hinfichtlich der Tragweite eines solchen
ActS in Beziehung auf Dänemark und auf
die eurvpäischen Jntereffen, und ersuchl daher
ernstlich die deulsche Bunves - Versammlung,
einen Aufschub eintreten zu laffen und die
Streitfrage zwischen Deutschland und DSne-
mark der Vermittlung anderer Mächte zu über-
laffen, welche bei ihr selbst nicht, dagegen
doppelt betheiligt sind bei der Ausrechterhaltung
des europäischen FriedenS und der dänischen
Unabhängigkett."

Würzburtz, ä. Oct. Vorgestern tauchte
ein dänischer Emiffär in unserer Stadt auf,
welcher dei vier jugendlichen TambourS des
9. Jafaiiterie-Rcgiments den Versuch machte,
dieselben zur Desertion zu verleiten. Der
Versnch blieb aber erfolgloS und der dänische
Emiffär wurde verhaftek.

Berttn» 5. Oct. Am Sonntag wurde in
Poiödam Hrn. Schulze-Delitzsch die Summe
von 47,000 THIrn. als der zum Dank für
seine Bcrdienste um die Gcnoffenschasten ge-
samwelte Fonds durch eine Deputation über»
geben, au deren Spitze Präsident Lette, der
Vorsitzende des Vvlkswirthschastlichen Con-
greffes und des Centralvcreins für das Wohl
ber arbcitenden Claffe stand. Gleichzcitig wurde
Herrn Schulze alS Liebesgabe ber deutschen
Genvffenschasten ein silberner Humpcn und ein
Album mit den Photographicn seiner Verehrer
durch Hrn. Dr. Hcnneberg aus Gotha über-
reicht. ES solgte ein Festmahl.

Haüe, 30. Sept. Bei einer Versamm-
lung ber Conservativen hat auch Prof. Leo
eine Ansprache über die Nothwendigkeit eiues
krästigen königlichen RegimdntS in Preußen
gchalten. Dieselbe lautet nach der N. Hal!.
Ztg. schließlich wie fvlgt: „Wir woUen auch
Freiheit, d. h. daS wirkliche Gesühl, daß wir,
wo uns daS Wohl unseres VaterlandcS oder
die ihm nvthwendige Zucht nicht natürliche
Schranken ziehen, wir uns ungehemmt ent-
wickeln können. Dies Gefühl haben wir aber
auch vollkommen gehabt, ehe noch von Ver>
saffung bei uns die Rede war; wir warcn
unter unseren Königen daS in dcr That am
freiesten fich bewegenoe Volk der Erde, wenn
auch die liberalen Phrasen nicht auf unS paß-
ten; und 8m sreiesten werden wir unS fühlen,
wena wieder sefie Zuchk und Ansehen der kö-
niglichen Autoritä! in deu Herzen überall sest-
steht. Abstracte Freiheit aber, die sich in
mechanischen Mitteln darstellt, in Majoritäten
und dergleichen, die brauchcn wir eigenilich
gar nicht — uud baß wir sie aus cinen ge-
wiffen Grad ertragen können, ist das beste

unwett Grenoble von einem Klurschützen, der ihn
des RachtS hinter einer Hecke schlasend gesunden
hatte, arretirt und als Gesangencr vor den Mairc
der nachften Stadt tranSportirt wurde. Der Maire,
nachdem er d-S Lertificat der Wette gelesen, nahm
ihn sehr ehrenvoll auf, und bewirthete ihn mit
Lhampagner und kaltem Braten. Auch sranzöfische
Osfiziere, die von der Wette erfahren, haben thn
wiederholt ganze Strecken zu Auß begleitkt."

PariS, 3V. Sept. Dieser Tage war ein junges
Ehepaar in der Rähe der Solferino-Brücke in einen
Wortwechsel gerathen, laut genug, daß die Borü-
bcrgehenden darauS entnehmen konnten, es handlc
fich um eincn Toiletten-Gegenstand, den dic Frau
ebcn s» heftig begehrte, als der Mann hartnäckig
veaweigerte. Plöhlich riß fich dic sehr elegant ge-
kleidete Dame von dem Armc ihreS gesühllosen
Gatten «nd sprang mit den Worten: „Du verdiösist
gar n'icht, daß ich am Leben bleibe, ich stürze mtch
in'S Wafser," ohne Weitere« den Ouai hinunter
in dtr Setne. Voller Derzwciflung wollte der
Mann ihr nachspringen, obwohl er nicht schwim-

Zekchen ß wie viel Zucht doch noch überall kn
den Herzcn steckt. Wir können sie abcr auch
nur ertragen, so lange ein mächtiges König.
thum in unscrer Mitte steht. Wcr sich ein-
bildct, kiese Znchl bliebe, so bald dic Souve-
ränetät in Prcußen vom Throne ausgewan-
dert ist und sich auf den Sitzcn der Majorität
der Deputirten niedergelaffen hat, der ist in
der Politik einem unmündigen Kinde gleich."

Wie«, 2. Oct. Jn der heutigen Sitzung
dcs GemeindcrathS berichtete Pros. v. Stuben-
rauch Namens der erstcn Section in Sachen
dcr Feier der Schlacht bci Leipzig. Die Sec-
tion beantragt bekanntlich, daß sich die Com-
.munc Wien bei dem Volksseste in Leipzig be-
theilige. Referent mokivirt den Antrag damit,
daß eS für die größte Stadt DeutschlandS
nicht angemeffen sei, sich von dem Feste sern
zu halten. Es würde dies als eine anti-
deutsche Demvnstratlon angesehen und ausge-
be.utet werden. Von einem andern Gesichts-
punkte betrachtet aber habe Oesterreich ein
Recht, bei diesem Feste vertreten zu sesn, denn
es habe mil beigetragen, das fremde Joch ab-
zuschütteln. Aus der Verhandlung sclbst heben
wir solgende Redner hervor: Gemeinberath
Bacck (gegen die Betheiligung): Die Schlacht
bei Leipzig sei eine Völkerschlacht, kein beut-
scher Sieg allein, da die verschiedensten Na>
tionen bis zu den Tartaren und „Kameluken"
herab damals „entkämpsten." (Grvße Heiter-
keit.) Deutsche hätten damalS gegen Deutsche
gekämpft. Rcbncr kommt noch aus die ver-
derdlichen Wirkungen der heiligen Allianz und
den Nachtheil des russischen Einfluffes zu
sprechen, der Folge jener Schlacht gewesen,
wird mehrmals durch den Rus nach Schluß,
lebhaftc Unruhe und Glockenzeichen unter«
brochen und schließt mit dem Wunsche, daS
Fest ein „deutsches Fürstenfest" zu nennen.
Gemeinderath Umlauft hat gegen eine militä-
rische Feier nichts einzuwenden; gcgen die Be-
theiligung an bem Feste spreche außer Anderem
auch bcr Umstand, daß die außerdeutschen Na-
tionalitätcn Oesterreichs dadurch verlctz! wür-
den. (Unruhe.) Gemcinderath Nicola (für)
bemcrkt auf das Argument UmlauftS: Die
Phrase von dcr VcrlkKimg anberer Nationa-
litäien sei nicht stichhaitig. Scheue fich etwa
der Ungar, der Czeche, seine Nationalität zu
bekennen? Und der Deutsche allein soüe seine
Gefinnungen nicht manifesiircn, solle sich immer
nur leise zuflüstern dürfen, daß er ein Deut-
scher sei? Wien sei eine deutsche Stadt, und
hier tagen deutsche Vertreler. (Bravo!) Er
sei für dic Betheiligung um so mehr, alS man
den jüngsten Schritt des KaiserS dadurch un-
terstuxe. sBeisall.) Gemeinderath Bachmapsr
(für) constaiirt, baß bisher noch Nirmand
behauptet habe, vaß es beffer gewesen wäre,
wrnn bie Leipziger Schlacht verloren worden
wäre. (Lebhaste Heiierkeit.) Da eS nun beffer
sei, daß fle gcwoniicn wurde, ale verloren,
so sei er für die Betheiligung. Habe maa
doch auch ein Monumenl sür die Märzgesalle-
uen von 1848 voiirt, und was habe man iii
den fünfziger Jahren von den Ereigniffen dcs
Jahres 1848 gehabt? (Lebhafte Zustimmung.)

men konntc; zum Glkck kam ihm ein Polizeiscr-
gcant, Namens DeffuS, zuvor» und holte das
allzu resolute Dämchcn, daS, Dank der schirmen-
dcn Lrinoltne, noch flott war, «ieder an'S Land.
DaS Paar sehtc fich so schnell als möglich in eine
Droschkr und cntzog sich, anscheincnd wiedcr voll-
kommen einig, den indiScreten Blicken und Be-
merkungcn der zusammengrströmten Mcnge. Hof-
fentlich wird dies dem Ehcherrn eine heilsamc
Warnung seln, selner lmpresfionablcn HLlftc keine
ihrer Lapriccn mehr zu verweiger».

Der große Sängerkamvf in Brüffel ist von nicht
wcniger al« 28 bclgischen, 8 deutschcn und chen so
vielen französischen Gesellschafte» auSgcfochtcn wor-
den. Von den Belgiern hat cin Verein aus Ath
den ersten Preis crhalten; den für franzöfische Gc-
scllschasten ausgrschrtcbenen Prcis erlangte die Union ^
„LH°rale"von Lille, wahrend der„Aachmer SLnger- !
verein" den ersten, der „Männergesangverrin" auS
Neuß den zweiten und die Aachener G-sellschaft !
„Amphion" den dritten der für Deutschland be- !
stimmten Shrcnpreisc davontrugen.

j „Wir flnd Wiener«, schüeßt Redner, „wir flnd
Deutsche, und deShalb müffen wir uns bei
dem Feste bethklligen, sonst werdeii bik draußen
glaubcn, daß wir nlcht Deutsche, soadern Ta-
taren sind." (Bravo, Bravv!) Gemeinverath
Rausch (gcgen): Bor kurzer Zeit iioch seicii
die deulschen Abzeichen i'i, Oesterreich verpönt
gcwesen. Nun, da der Kaiser bie Jnitiative
in der BundeSreformsrage ergriffen, schwärme
man für Deutschlanv. Das schaue ja aue,
alS ob bi'es auf höhere Anregung geschehe.
(Murren.) Wenn schon waS gefeiert werden
solle, so solle man die Schlacht von Solfe-

rino-(ltbhafies Zischen in der Ber»

sammluna und auf yer Gallerie unterbrtcht
den Rednn) vamalS had» sich OesterreichS Ge-

schick zum Guten geweiidct-(nuu

wcrden sv stürmtsche Ruse und Zeichen des
MißsallenS laut, daß der Rebner nicht mehr
weiter sprechkn kann.) Bürgermeistcr: Wer
eine Feicr riner unglücklichen Schlacht begehen
wlll, möge dieS sur flch thun, hier «s zu >agen,
kann nicht gestattet sein. Bei der nun folgrii-
den Abstimmung wird der SectionSantrag mil
überwiegender Majorilät (81 gegen 12 Stim-
men) angenommen. Die zwölf Opponeuten
waren; Ministerialrath Dr. K. Helm, dann
elf Mitglirder der äußersten Linken. (Preffe.)

E ch w e t z.

Vevey (Waadt), 30. Septbr. Die Mit-
glieber de« deutjche» NailonalvereiliS i» Vcvep
hatten vor einigen Mouaien deschlsffen, bem
18S9 in Chatel-St. DeniS verstorbenen deut-
schen Berbanuten Dr. Karl D'Ester ein wür-
diges Denkmal auf dem Kiechhose zu sctzeu.
Schon vor einer Woche war soichcs aus eem
rühmlichst bekanntcn Atelier des Hr«. Dvrer
an seinen BestimmungSort gesandt worden.
Vergangeiien Sountag fand bie Enthüllungs-
feier statt. Der Gedenkstein ist cia schwarzer
Marmvrblock, rauh, in ungeregelter Form,
nach oben zugespitzt, wclcher aus bem hmein-
gchauenen ovaien und sauber polirten Schilde
folgende goldenc Iuschrifl irägr:

KVIil. V LZ'M«,

^rrt un>I karlnmvntsiuitAlioll,

Kkb. 1811 ?.u VnUevclar, Kvst. dier im Lxrle

cleu 18. 4u»i 1859.
vem brnven vutriolea

ciie cleutsodea ftiatioanIvereuismitKiiecker

iii V eve)'. 21./9. ti3.

Während alle Anwescuden mit eutblößleui
Haupte standrn, fei'erlen eme deiitsche und eine
in franzvsischer Sprache gehaltenc Gcdächtuiß.
redc ven Maun, welcher nach deS Lcbcns
Kämpfen hier auSruhtc, wo er cin Aspl gc-
funven. Das Deiikma! wurde den Bewoh»
nern von Ehalel-St. DeuiS als ein heiiigeS
Bermächtniß übergeben, in deren Mriie Karl
D'Ester in den letzie» Iahren seincS Lcbens
srine medicinischen Keiinmiffe, seine gristigen
Fätzigkeiten und seine Herzeusgüte so rcichlich
bekhätigt hatte. Von ben dcuischen Arbeiltrn
wurve ein frischec Lorbeerkranz auf die Spitze
drs Denkmals gelegt. ver Zug begad stch
alSbann nach dem Holel-de-Biüe, wo dke Theil-
nehmer in dem fefilich grfchmückken Saale in

Daß man allein oft billiger, als nach dcm be-
kannten Sprüchwort: „Sind wir zu zwei, so koftet
eS weniger!" reift, hat dieser Tagr ein« Damc
erfahren. Dieselbc ward auf drr Eiscnbahn mit
einer anftändigrn Krau bekannt und von derfelben
so ringenommen, daß fie brschtoffe», gemcinschaf!.
lich etn Zimmer erncS Mannheimcr Gasthofes zu
miethen. Dic Nffociation daucrtr aber nur bis
zum andern Morgen, dcun a!s dic eine Dame
auswacht«, war dle andrre schon in aller Krühc
abgereist, solchc hatke bei der Freundin abrr ganz
anstandloS vergeffrn, fich auch von deren Börs«
zu trennen.

(Zur'Pulver-ErPlosion.) Der am I.Sept.
bei drr Pulver.Ekplosion im öjicrreichischrn Feld-
lager nächst Bruck an drr Leikha mit vcrunglückte
Ühlanen-Obcrlicutenant Graf Stoiberg und der
Gemeine Anton Waidowski find diese Wochc als
RecönvalrScentcn aus deinWiencr GarinsonSspitalc
Rr. 1 entlaffen und sollständig hergcftcllt worden.
Sie wurden beide nur mll Baumwolle gehcilt.
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