Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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lag), sondern durch fremde Hand umgekomnien
sein dürfte. Mit Bestimmtheit wird behaup-
tet, daß Mertens ver Hauptentlastungszeuge
für Warburg gewesen sein würde. Die „Heff.
Ldsztg." deutet noch auf ein zwei'tcö, dem er-
stni rasch gcfolgtes, erschütterndes Erei'gniß.

Wiesbaden, 6. Octbr. Auf Beschwcrde
des Redacteurs des „Rhein. Cur." über seine
Verhaftung dahier bat daS Hofgericht durch
Urtheil vom 29. v. M. die von dcm herzogl.
Zustizamte gegen denselben auf Klage des Mi«
nisteriums cingeleitete Unlersuchung wegen
Dienstehrcnkränkung deßhalb eingestellt, weil
die naffauischen Gerichte über im AuSlande
begangene Vcrgehen der fraglichen Art nicht
competent seien. (Rh. C.)

Leipzig, 4. Oct. Die de.utsche Allg. Ztg.
schreibt: „Die Betheili'gung mancher deutschen
Stadt an der allgemeinen Schlachtfeier ist,
wie aus einzelnen Erwicderungen und aus
mehrfachen Anfragcn hervorgeht, hauptsächlich
deßhalb noch zurückgehalten worden, weil man
den Kostenaufwand, der fich noch nicht mit
Bestimmtheit übcrsehen ließ, als vicllkicht zu
bedeutend fürchtete. Nach zuverlässtgen Mit-
theilungen find wir jetzt im Stande, über
di'esen Puvkt die Angabe zu machen, daß der
Kostenbeitrag nach dem jetzigen Stande der
Anmeldungen von Städten für eine Einwoh-
nerzahl von 1000 Scelen höchstens 10 Lhlr.
betragcn wird, ein Anschlag, der stch natürlich
bei noch größerer Betheiligung noch herab-
setzen wird."

München» 5. Oct. Die hiestge Zollvor-
conserenz ist heute nicht eröffnet worden, wie
unsere Zeitungen irrthümlich ankündigten. Sie
wird morgen Vormittag im Gebäude des
StaatsministeriümS des Aeußern beginnen.
Von den theilnehmenden Staaten stnd bereits
hicr anwesend die Hcrren Bevollmächtigten von
Würtemberg, Ministerialdirector von Geßler
nnd Finanzrath Riecke (nicht Finanzrath Her-
degen, welcher zwar hier sich bestndet, aber
nur zu einem Besuche Münchens), von Frank-
furt Zollrath Mettenius, vvn Hessen (Groß-
herzogthum) Geh. Legativnsrath v. Biegeleben,
von Naffau Geh. - Nath von Hemskerk; der
königl. hannöver'sche Commiffär ist noch nicht
eingetroffcn. Die Ministerialräthe v. Weber
und v. Meirner werden die baperische Rcgi'c-
rung vertretcn. — Der kaiserl. österreichische
Sectionschef, Frhr. v. Kalchberg, ist von dem
kaiserl. Rath Maper nnd detn kaiserl. Conci-
pienten Wörz begleitet. — Auch der kurhes-
stsche Commiffär, Hr. Bode ist eingetroffen.

Regensburg. 7. Oct. Der von Nürn-
berg nach Paffau gehendc Eilzug ist gestern
Abend bei Ncukirchen mit cinem entgegenkom-
menden Güterzug zusammengestoßen. Ein Brem-
ser ist todt, von den Paffagieren zwei Damen
beschädigt; auch mehrere Wagen wurden be-
schädigt. Wahrscheinlichc Veranlaffung ein
starker Nebel. (Bapr. Ztg.)

Effen» 6. Octbr. Was I. Reitenbach in
Lithauen unternommen, ist in Westphalen mehr-
fach wiederholt. Jn der Ruhrgegend haben
mehrcre entschiedene Mitglieder der Fortschritts-
partei die Steuerzahlung verweigert, hier in
Effk« der Kohlcngrubenbesttzer Hr. v. Bernuth,
ein naher Anverwandter des früheren Justiz-
ministers uud der bishcrige Abgeordnete un-
seres Kreises, Kaufmann F. W. Waldthausen.
Es sind ihnen von der Steuerbehörde verschie-
dene Hausmöbel gepfändet. Donnerstag, den
15. d. M. sollen hicr auf öffentlichem Markt
Tisch und Bett des Hrn. v. Bernuth verkauft
werden, und es ist zu erwarten, daß sich zu
diesem Schauspiel ein großer Theil der Frei-
flnnigen aus den Kreisen Duisburg und Effen
einfinden werden. (N. F. Z.)

Aus Wien, 4. Oct. schreibt die Allg. Ztg.:
Sie werden bemerkt haben, daß fast sämmt-
liche Wiener Blätter die Antwort dcs Erzher«
zvgs Ferdinand Mar an die merikanischc De-
putation als eine höstichst eingewickelte Ableh-
nung des neu aufzurichtenden Kaiserthrons
auffaffen, und ich glaube behauptcn zu dürfen,
daß dicse Auffaffung auch den Anschauungen
der officiellen Kreise entspricht.

K r a „ k r e t ch.

Marfeille, 7. Oct. Leffeps ,'st hser an-
gekommm; er will die Nechte der Kanalcom-

pagnie unversehrt crhalten wiffen. Der Vice-
könig von Aegppten hat 3 Millionen Franken
angcboten, um den Sold der aus Europa
kommendcn Arbeitcr zu completiren.

Spante «

Man lieft in der „Epoca" vom 3. Octbr.:
„Dcr Krieg in St. Domingo ist nichr politi-
scher Art, es ist ein Raffenkrieg. Die Schwar-
zen enthaupten alle Weißen, welche sie ergrei-
fen, sclbst die Kranken sn den Spitälern mit
inbegriffen und nothzuchtigen weißc Fdauen
selbst biS in die Kirche, wohin diese stch flüch-
ten." — Die Madrider Zeitung gibt den Be-
richt des General-CapitänS der Jnsel Kuba
au den KriegSminister, datirt von Havanna
am 15. September d. I.: „Die Empörnng
dauert auf St. Domingo fort. Ein Bataillon
von Puerto-Rico und 3 Bataillone von Kuba
sind in Pnerto-Plata angekommen. Die Em-
pörer stnd in Micca und in andere kleine
Grenzstädte gezogen. Jhre Hauptmacht be-
fand fich am 31. Angust nahe bei Santjago
de las Caballeros, wo sich der Brigadier Bu-
reta befand. Von Puerto-Plata solltc in die-
scr Richtung ekne. Cvlonne von 1300 Mann
mit dem Generalstabs-Oberstcn Cappa und am
11. der Brigadier Prkmo de Rivero mit cinem
Bataillon und Bergartillerie abgehen. Man
sagt, General Santanc verfolge den Feind
mit 2000 Mann. Es stnd biS jeßt von Kuba
5 Bataillone, 2 Compagnien Bergartillerie u.
1 Compagnie Arbeiter mit den nöthigen Maul-
thieren, Lebensmitteln und Schießbedarf abgc-
gangen.

A m e r t ka

New-Aork, 26. Septbr. Dl'e neuesten
Blätter stellen den Kampf vom 19. als un-
entschicdencr geMeben dar; aber ste sagen,
daß die Schlacht vom 20. für Rosenkranz eine
förmliche Niederlagc gewcsen ist. Sein rechter
und linker Flügel, welchc vollständig gcschlagen
worden sind, haben stch in großer Unordnung
zurückgezogen. Allein die Corps Rcpnold's,
Bunnou's und Hvoker's haHcn festen Stand
gehalten und die Confvderirten genöthigt, sich
zurückzuziehen. Der Verlust von Rosenkranz
wird auf 10,000 Todte und Verwundete und
50 Kanonen gcschäßt. Wenn Rosenkranz kei-
nen Entsaß erhält, so befürchtet man, daß er
in Flanken angegriffen nnd genöthigt werde,
über den Tennessce zurückzugehcn. Die cvn-
föderirtcn Generale Puston, Smith, Hood,
Dishler und Helm sind gctödtet worden;
AdomS, Greff und Brown stnd vcrwundet wor-
den. Die Südblätter geben an, daß, falls
Rosenkranz stch in Chattanoga halten kann,
der Sieg Bragg's ohne Erfolg bleibt. Man
weiß nichts Bestimintes über die Abstchten und
Bewegungen Meade's. Man versichert, dic
Confödcrirten bcdrohen die Linien der Uniö-
nisten in Nord-Carolina. Zweitausend Mann
vvn Burnside's Corps haben einen vergebli-
chen Angriff gegen die Conföderirten gemacht.

A s i e n.

Suez, 4. Oct. Dic t'ndische Post bri'ngt
Nachrichten aus Melbourne (Australien) vom
25. August, Der Krieg gewann Ausdehnung
in Neu-Seeland. Die Moaris zeigcn fich in
großer Zahl. Uebersendungen von Verfiär-
kungen stnd nothwendig. — Die Nachrichten
aus Shanghai reichen bis zum 20. August.
Zn der Umgegend dieser Stadt herrschte Rnhe.
Man hatte 1000 Pf. St. für die Gefangen-
nahme Burgervi'nc's angeboten. Briefe aus
Japan confiatiren, daß die Vertreibung der
Fremden offen erklärt worden ist.

Nüchrichten über Polen

Warschau» 4. Oct. Als unzweifclhafte
Thatsache kann mitgetheilt werden, daß 36,000
Mann Jnfanteric und 10,000 Mann Cavallerie,
von Rußland kommend, in nicht langer Zeit
im Königreiche eintreffen werden. Jn jedem
Flccken fast ist Quartier zum Winter für eine
gewiffe Anzahl bestellt, so daß das Land förm-
lich von einem Soldatcnnetz umgarnt werden
wird._ — Die betreffcnde städtische Bchörde
hat v'orgestern den Befehl erhalten, in der
Marschaüsstraße, die dem Bahnhof der War-

fchau-Wiener Eisenbahn am nächsten kiegt, für
zehn Tage Localitäten vorzubereiten, um in
denselben täglich abwechselnd 2000 Mann un-
terbringen zu können. Man crklärt dies da-
mit, daß von dem aus Rußland Fommenden
Mi'litär 2000 Mann täglich mit jener Eisen-
bahn weiter nach der galizischen Grenze be-
fördert werden sollen. Die Eisenbahn-Direc«
tion hat aber vorläufig noch keine Weisung
zur Vorbereitung entsprechender TranSpvrt-
mittel erhalten. — Von den aus dcn beiden
Zamopski'schen Palais verhafteten Personen
stnd einzelne bereits in Freiheit gesetzt, die
mcisten sttzen jedoch noch in der Citadelle. Za-
moySki Svhn, Kaufmann Krupecki und die
Verwalter der beiden Paläste sttzen in dem
für Staatsverbrecher bestimmten zehnten Pa-
villon der Citadelle. — An den Straßenecken
war gestcrn eine Bekanntmachung angcheftet,
wvnach eine Belvhnung von 5000 Guldcn
demjenigen versprochen war, der einen bei der
Affaire im Zamopski'schen Palais „verloren
gegangcnen" Zuwelenschmuck abliefert.

Warschau, 6. October. Der gestern l'm
Hotel „de l'Europe" erdolchte Mann nannte
stch Dr. Harmani Bertoldi. Der Thäter ist
entkommen. Jm Ganzen schwebt über den
Mann ein dichtes Dunkel, und ist seine Räth-
selhaftigkeit durch die sich widersprechende po-
lizeiliche Reviston einer- und durch die Er-
mordung andererseits nur noch gestiegen. Als
daS Attentat der Militärbchörde bekannt wnrde,
umstellte ste das Hotel und nahm sämmtliche
darin befindlichc Personen in Haft. Das präch-
tige, 700,000 Rubel mindestens werthe Hotcl
ifi nebst Allem, was darin ist, confiscirt und
bereits von Soldatcn, als Kaserne eingenom-
men. Der Eigenthümer verliert dadurch sein
ganzes Habe und ist über Nacht aus einem
sehr wohlhabenden Mann Bettler geworden.
Wer im Hotel gewohnt und wte es mkt den
Ausländern, die daselbst logirt , geworden ist,
kann man nicht erfahren, da Niemand der Zu-
tritt gestattet ist. So viel weiß man'nur,
daß mehrere früherc Einwohner dcs Zamopski«
schen PalaiS, welche im Hotel d'Enrope Ob-
dach und Znflucht fanden, daruntcr der Pro-
feffor Kowalewski, wiederum in die Citadelle
kamen.

Lemberg, 6. Oct. General Wpsocki ist
heutc nach Linz abgesührt wordcn, wo er gegcn
Ehrenwort, Linz nicht zu verlaffen, auf freien
Fuß qesetzt werden wird.

Warschau, 7. Oct. Bei Molp Melchow,
im Gouvernement Radom, stnd die vereinigten
Banden von Otto, Chonelinski »nd Jskri mit
großem Berlust geschlagen wordcn.

Neueste Nachrtchteu

Kaffel, 8. Oct. Ständesttzung. Vier heute
eingetretene Ritterschaftsvertreter gaben eine
Erklärung ab, daß sie das Wahlgesctz nur
als Provisorium ansehen würden und ein
Gesetz über ausgedehntere Ritterschaftsrechte
erwarten.

Wien, 8. Oct. Wie der Botschafter ver-
nimmt, find nun die Antworten der meisten
deutschen Regierungen auf das österreichische
Circularschreiben, welches die diessei'ti'ge Auf-
faffung der Antwort des Königs von Preußen
auf die das Frankfurter Reformwerk betreffende
Collectivanzeige der Fürsten mittheilt, hier ein-
getroffen. Sie stimmen durchaus mi! der öster-
reichischen Auffaffung überein; keine der Regie-
rungen vcrmag in der prcußi'schen Antwort
ein Eingchen auf die Bundcsreform zu er-
kennen, und alle sprechen ihrc Geneigtheit aus,
dieser Auffaffung in einem gemeinsamen Akten-
stücke Ausdruck zu geben. Der Botschafter
vcrmuthet, daß.Oefierreich die Rückantwort
an Preußen in Borschlag bringen werde.

Kopenhagen, 8. Oct. Fädrelandet be-
hauptet, der Abschluß der „nordischen" Alliauz
sei jetzt als gestchert zu betrachten; der Traktat
sei zwar noch nicht unterschrieben und ratifi-
cirt, jcdoch werde dies in der allernächsten
Zeit geschehen. Die Ursache der Verzögerung
licge kcineswegs in einer Meinungsverschieden-
heit, sondern in Rückstchten der Höfiichkeit
gegen die Westmächte, von welchen dem Ber-
nebmen nach Frankreich die diesseitige Mit-
tyeüung auf bas Zuvorkommeudste und Er-
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