Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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joritgt zu erziclen. ES war nur etne weitere
Ausführullg dieftr Äusicht, wcnn ein Redner
eine Aenderung des Proqrainms, von der Un-
möglichkeit einer preußischen Spitze überzeugt,
indem solche in Deutschland nie Vertrauen ge-
winnen werde, dahin verlangte, daß der Satz,
welcher hiervon handle, im Programm ge-
strichen und die Schaffung einer Centralge-
walt einem deutschen Parlament als einc noch
ganz vffene Frage überlassen werde; daß fer-
ner auch der Satz, welcher eine Einigung
Deutschlands, auch ohne daß Oesterreich sich
daran betheilige, wvlle, in Wegfall komme.
Spreche man dies offen aus: „kein Deutsch-
land ohne Oesterreich", dann werde die Partei,
welchc sich jetzt großdentsch nenne, aber klein-
deuisch handle, factisch zur kleindeutschen Par-
tei. In ihrer großen Mehrhcit sprach sich die
Versammlung für die letztere Richtung aus
*und wurden die 4 bis 5 Mttglieder, welche
uach Leipzig gehen, in diesem Sinne dort zu
wirken ersucht. Schließlich forderte noch ein
Retzner behufs befferer Organisation deS Na-
tionalvereins, daß künftig die Gcneralversamm-
lung von Abgeordneten zu beschicken sei, welche
vvn den ei'nzclnen Glicberschasten nach deren
Zahl gewählt werden müßten. (F. I.)

Ludwigshafen, 8. Oct. Heutc war hier
die baKerijcherseils zusammengesetztc Commts-
sion bezüglich der Erbauung ciner stehenden
Brücke über den Rhein zwischen hier und
Mannheim zusammengetreten und hat, üußerm
Vernehinen nach, die vvn der badischen Regic-
rung gemachten Vorschläge abgelehnt.

Nürnberg, 5. Octbr. Jm Auftrag des
VerwaliungsauSschuffes des germanischen Mir-
scums überreichte der Freiherr v. Aufseß den
zur Beralhung des deutschen BundeSreform-
werks in Frankfurt versammelten Fürsten ein
Promeinoria zum Zweck des Ankaufs sciner
Sammlungen für das genannte nationale Zn-
stilut. Die ganze Vorlage ward sofort an
einen Referenten zur Begatachtung abgegeben.
An Beiträgen wurden bereits gezejchnet vom
Herzog von Sachsen-Altenburg 100 Thaler,
vom Landgraf von Heffen-Homburg 100 Gul-
den, vom Fürsten vvn Lippe - Detmvld 100
Gulden, vom Großherzog von Baden 1000
Guldcn.

Koburg, 7. Ock. Der geineinschaftlichc
Landtag ist bereits gestern hier zusammenge-
trelen. Unter den Eingängen ist von allge-
meinerem Jntereffe ein Minl'sterialdecrkt, wo-
durch dem Landtag der Verzicht des Prinzen
von Wales für stch und scinc Nachkommen
auf die Thronfolge in den Herzogthümern mit-
getheilt wird.

Berlin, 8. Oct. Der Buchdrucker Ludwl'g
in Oels besitzt die Concession zur Herausgabe
der in seinem Vcrlage erscheinenden Zeitung: !
„Locomotive an der Oder." (DaS gedachte !
Blatt ist bereils zweimal verwarnt.) Kürz- I
lich ist derselbe durch die k. Regierung aufge. !
fordert wvrden, auch noch die Concession zum !
Verkaufe seiner Zeitung nachzusuchen, da in
eer ihm ertheilte» Concession zur Herausgabe
verselben nicht die Berechtigung liegc, diescs
Blatt auch an die Abonnenten gegen Zahlung ,
von vierteljährigcn Beträgcn abzulaffen. Ob-'
wvhl Ludwig gegen diese Azifforderung remon- >
strirt hat, so dürsten die Tage dcs Blatles
bereits gezählt sein.

Hannover, 7. Oct. Die Zahl deutschrr !
Congreffc wurde dieser Tage durch eine Mäßig- !
keitSve'rsammlung vermehrt, die nahezu von
300 Mitglieder aüs allen Theilen Europa's
besucht war. Die Versammlung beschloß auf
Anlrag ei'nes Jurisien, „daß die Erlaffung -
eines GeseßeS wünschenswcrth sei, wvnach !
notvrische Säufer unter Cnratel gestellt wer-
den können."

Oesterretchtsche Monarchte.

Hermannstadt, 9. Oct. Der sicbcnbür- !
gischc Landtag hat heutc die Befchickung des !
Reichsrathes beschloffen; morgen wird die
Wahl vorgenommen.

A r a „ k r e t ck.

Von der franzöfischen Grenze, 6.Oct. !
Napolcon III. wird morgen Poris zurück-
erwarkct, und die Ungewißhkit nber die Politik
dcs französischen Cabinets dürite «in Ende

s nehmen. So vtel ich wetß, ist der Kaiser ent-
' schloffen, auf die Vortschakoff'schen Noten m
gebührender Weije zu antworken. - Sollten
England und Oesterreich seiner Ansicht sich
nicht anschließen, so wird rr alletn austretelft!
Von einer Kriegs-Erklärung oder auch nur
voN Anerkennung der Pvlen als kriegführender
Macht ist jedoch vorläufig kcine Rede. Die
französische Regierung wird aber doch weit
gcnug porgchen, um die Polen zur Fvatsetzung
ihrcs Widerstandes oufzumuntcrn und um
selbst cine.Thür zur thatsächlichcn Dazwischen-
kunft vffen zu behalten. Rapoleon fühlt, daß
er ohne die größte Gefahr für seine Dpnastie
auf die Dauer nicht tn den Fußtapfen Ludwig
Philipp's bleiben könne. (KIn. Z.)

/ Gngland

London, 7. Oct. Wie man aus PgriS
melbet, ist Napoleon III. kriegerischer gestimmt,
denn jemals. Jn der Umgebung des Kaisers
wird der Krieg für das nächste Frühjahr alS
unzwetfelhaft betrachtet, und es hcißt, daß
asch die Rcise dcr Kaiserin nach Spanien den
politischen Zwecken ihres Gemahls nicht fremd
sei'. Das französische Cabinet richtet sich da-
uach cin, Englands und Oesterreichs Hülfe
entbehren zu können und betrachtet die Mit-
wirkung der Mächte zweiten RangeS und
Italiens alS hinreichend. Zur Bcruhigung
Eurvpa'S will dcr Kaiser vor Beginn der Cam-
pagne etn Manifest veröffentlichen, in welchem
er erklärt, „daß er auf jrde Erweiterung am
Rheine verzichte."

Z t a ! i e u

Turin, 7. Octbr. Der Kriegsminister ist
nach Neapel abgereist. Der Prinz Humbert
wird am 14, d. in Bcgleitung des Marine-
ministers nach dieser Stadt abreisen. — Ge-
neral Pallavicini hat, wic aus Neapel gemcl-
det wird, die Bande Caruso's und Chiavonne'S,
die cr etfrig versolgt, in drei Gescchten gc-
schlagen.—Der König wird der Einweihung
dcr Eisenbahn von Foggia bciwohnen.

Portugal

Aus Anlaß der Riederkunft der Königin tst
ei'ne Amucstie erlassen worden, welche nament-
lich dic in der Ainnesti'e vom 10. Oct. 1862
nicht ml'teinbegriffcnen Theilnehmer an der
Militärrevolte von Braga umfaßt.

Griechenland

Athen, 2. Octbr. Die Ministerkrisis ist -
noch nicht bcendigt. Nach Beschluß der Con-
stiluante sollte die Privatcorrespondenz des
Königs Otto dieskm unerbrochen zurückgestellt,
die diplomatischc Correspondenz dagegen dem '
neuen Könige Georqios ulierbrvchen übergeben !
und di'c „iiincre" Corrcspondenz veröffentlicht
werden. Dagegen haben jedoch der räiiische !
svwohl als dcr englische Gcsandte encrgische >
Einwenduilg erhvbcn und die Sache ist zur !
Zeit noch „nklitschiedcn. Anch hat dcr eng« !
lische Gesandtc gedroht, falls die am Jnni- !
Aufstanb betheiligt gkivesknen Soldaten uach !
Athen kämen, die Hauptstadt gcmeilischafklich ^
mit Frankreich und Rnßland vccupiren zu !
laffe». j

T » r k et

Konstantinopel, 2. Octbr. Zea-Bep
>st Justizminister.

Nachrichten über Polen

Warfchau, 6. Ock. Der Dzlenn. PowSz.
enthält eine Verordnung des Generals Berg >
vom 2. d. M.. die also lautet:

„Die Residenzstadt Warschau ist seit zwci
Zahreu ein Herd für Verbrechcn uud die
Hauplqurlle gewordcn, aus vcr allcs Unglück
für daS Land fließt. Aus dftser Ursache sieht
sich die Regierung genöthigt, die Staatsaus-
gabcn bedeutend zu vermehren, wclche Aus-
gaben durch einen so traurigen Zustand ver- !
anlaßt sind. Ebenso ist die Regierung >ver- !
pflichtct, der großeu Zahl der Unglücksfälle !
abzuhelfen, welche aus einer svlchen Lage her- >
rühren. Die Billigkeit vcrlangt also, daß die !
erwähnten vcrgrvßerten Ausgaben nicht aüein !
dem Staatsschatz (des Königreichs) zur Last j

! fallen, sondern daß auch di'e Stadt, welche
cine so große Zahl Verschwörer nnd Mörder
tolerirt nnd in ihrcm Schooße birgt, einen
Thcil der Lasten trägt, welche vvn emem svl-
chen Züstande der Dinge herrühren. In einer
sölchen- Lage der Dinge bin ich gezwunaen,
der Stadt Warschau eine aiißltroddentliche Con-
tribution aufzulegen tlnd befehle also Folgen-
des: 1) Eine außerordentliche Contributio»
soll von allen Eigenthümern vyn Häusern und
andcren Grundstückcn im Berhältniß von 8
Procent der im allgemcinen Verzeichniß der
Einkünfte »on Häuftrn und Gebäudcn War-
schaus und der Vorstadt Praga für 1861 ent-
haltenen Angaben entrichtet werden. 2) Dtesc
Eontribution ist bis 1. Novbr. I. I. zu ent-
richten. 3) Wer bis zum erwähnten Datum
die Contribution nicht zahlt, wird zu threr
'Entrichtung im Wege der militärischen Ere-
cution gezwungen werden und zwar im er-
höhten Verhältntß von 12 Proccnt. 4) Eigen-
thümer von HSusern und andern Grundstücken
haben das Rccht, wenn diese mit hppothe-
karischen Privatschulden belastet sind, von den
gesetzlich zu zahlenden Zinsen 8 Procent abzu-
ziehen. 5) Die Commisflon deS Jnncrn hat
dem Magistrat der Restdenzstadt Warschau die
Pflicht aufzulegen, dte unentbehrlichen Anord-
nnngen zur Durchführung dieses Befehls zu
ertheilen. Jndem ich von Obigem den Admini-
strationsrath benachrichtige, fordere ich ihn
auf, die geeigneten Befehle in dieser Ange-
legenheit zu ertheilen. Graf Berg."

Dieses an Jnhalt wte Form mnsterhafte
Edict straft die russischerseitS so oft ausgc-
sprochene Bchauptung Lüge, wonach der Auf-
stand und die Conspirati'on nur das Werk
einer kleinen Zahl Aufwiegler sei, denn Wir
sehen hier geradc dicjenige Klasse bestraft, die
als besitzende in der ganzen Welt der Revo-
lution feindlich ist.

Neueste Mnchrtchten

Konstantinopel, 8. Oct. Die polnische
Erpedition ist glücklich zu Vardas in Circas-
sicn gclandet.

Paris, 9. Oct. Der Ausweis der fran-
zöfischeii Bank zeigt eine Verminderung dcs
Baarvorraths von 43'/, Mill., des Gnthabens
des L-taatsschatzes von 3*/, Mill., die Vor-
schüffc auf Unterpfänder von 3Vi» Mill.; da-
gegen eine Vermehrung des Conto-Corrent der
Privaten von 1^ Mill., des. Notenunilailfs
von 14 Millionen und des Portefeuillcs von
58 Millionen.

PariS, 9. Oct. Eiu Artikel Limaprac's
im „Constitntionnel" crklärt, es sei nvthwen-
dig, den Besorgniffen und Ungewißhciten,
ivelche dic polnische Frage veranlaffe, ein Ende
zu inachen. Nachdem cs Frankrcich gelungen,
Pvlen unter den Schutz Europa'S zu stellen,
werde es dic erlangtcn Vortheile »icht auf-
gkben, um in die Gesahren ki'ner vcreinzelten
Action zu stürzen. Es werdc fortfahren, seiue
Pflicht gegen Polen zu erfüllen, ohne jedoch
das Schicksal Frankreichs auf's Spiel zu setzen,
was nur für Frankreich selbst geschehen dürfe.

Mannheim, 8. Oct. (Schwurgericht.)
(Forts.) Zwanzig Schritte von der Wohnung
des Adam Geierc entfcrnt, besindet sich die zum
Pachtgutc Gciers gehörige Miethwohnung deS
Schäftrs Johann Ficdler, die dersclbe mit
sciner Frau und sciner Mutter bewohnt. Vier-
zig Schritte scilwärts von der Behansung
a„ dem nach Allfelb führendcn Wege ist die
Wohnung des HofbauerS Mftvacl Ungcrer ge-
legen. — Hlkranf wurde zur Einvkrnahme
des Angeklagtcn geschrittcn. Auf Vorhalt,
was er auf die Änklage >m ANgcmeinen zu
erklären habe, gab er an: „ich hab's nicht
gethan, man kann doch in das Haus kommen,
ohne die StaUihür ailszumachen." Auf ein>
zelns Fragen gab er fcrner folgende Anskunft:
bei sei'nem Dieiistkintritt bei Gkier babe cr
noch 8 fl. 58 kr. beseffcn, nnd zwar cinen
prenßischen Thalcr, 4 Guldcnstücke, der Rest
in Münze. Als er auf den Hvf gekommcn
ftt, habe gerade die Fahrnißverstci'gerunq auf
dem Rathhausc zu Aüfeld stattgcfnnden; zwei
Tagc vor dem Tode Geirrs sci eine zweite
Versteigerung gewese«. Er habe gefchen, daß
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