Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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daß der dSni'sch-deutsche Zwi'st wegen HolstetnS
nicht zum Kri'ege sühre« wird. Am vorigen
Sonnabend habe die englische Regierung in
Gemeinschaft mit den Botschaftern FraukreichS
uud Rußlands eine friedliche Lösung angc-
nommen, welche geeignet sei, die Ehre und die
gercchten Jntereffen des dentschen Bundes und
DänemarkS mit einander in Einklang zu
bringen.

Deutschland

Konstanz, 14. Octbr. Die Deputation,
welche gestern Mitlag 12 Uhr Sr. Königl.
Hoheit dem Großherzog die Dankadreffe deö
ganzen Landes sür scin echt demscheS Ver-
halten bei dem Fürsten - Congreffe auf der
Mainau überreichte, bestand aus den Herren
Ober - Bürgermeistern Fauler von Freiburg,
Malsch von KarlSruhc, Achenbach von Mann-
heim, Krausmann von Heidelberg, und den
Herren Bürgermeistern Gauß von Baden,
Schmidt von Psorzheim und Stabler von
Konstanz. Herr Obcrbürgermeister Malsch von
Karlsruhe legte die in einem, einige Zoll
dicken, prachtvoll cingebundenen Großquartband
enthaltene Adreffe in die Hände Sr. Königl.
Hoheit nieder und bat um die Erlaubniß, die-
sclbe vorlescn zu dürfen. Ngchdem ihm sol-
chcS gestattet worden, sprach er zur Einleitung
einige ktef gesühlle Wvrte, in dencn er am
Ansang hervorhvd: ,,Daß er stch glücklich fühle,
diese Adreffe als den wahren Ausdruck der
Gesinnung der Treue und Liebe des bei wei-
tem größten Theilö der Bevölkerung des Lan-
deS überreichen zu dürscn." Die Adreffe selbst
verlas er mit sehr bewegter Stiuime, sichilich
ergriffen vvn drm Ernste und der Erhabenheit
des Augenblicks. Se. Königl. Hoheit antwor-
tete in einer längeren Rede, auS der wir die
Hauptmomente mittheilen: Se. Königl. Hoh.
baren züerst um Enischüldigung und Nachsicht,
wenn er nicht in der Lage sei, so zu anlwor-
teu, wie eS der Ernst und die Bedeutung des
Gegenstandes, welcher der Adreffe zu Gruude
liegc, verdiene. Er sei durch sie ebensv über-
rascht worden, wir in Frank>urt durch die
Vorlage der Reformacte. Wenn nun auch in
Frankfurt a. M. die deutsche Frage noch nicht
In einer von dem Volk gewünichten und er-
wartelen Weise gelöst wvrden sei, so sei es
doch von großem Werih gewesen, einmal gründ-
lich seine Ansrchten barüber auslauschen und
Meinungen vernehmen und bekämpsen zu kön-
nen, -dic man bis jetzt nvch nicht gekannl habe,
weil noch keine solche Gelegcnheit dagcwesen
sei, dieselben auszusprechen. Wenn er dort
auch nicht burchgedrungen sei mit seinen Wün-
schen und Anlrägen, so sei vorerst die Aner-
kennung bes Bedürsniffes einer grünblichen
Aeüderung der bisherigen Zustände von gro-
ßem Gewicht; auf jeden Faü würbe er dic
beutschk Gesinnung, die ber Beweggrund seineö
Hanbelns in Franksurt gewesen, und die er
dort ausgesprochcn hätie, bewahren. Diese
seine deutsche Gesinnung bat er nebst seinem
herzlichen Danke sür dic in der Adreffe aus-
gesprochene Liebe und Anerkennung scines Wir.

Vriu Lirbcn, Lridrn und Ztrrdcn rmpsängt allhier noch
dir Lron', —

Aoll Schnid aus Lchuld sich nicht häuftn uor Voltes
Mwissendem Thron!

ES strilien unsere Helden sür D-Uischlands völligstes Heil,
Siaü dem kam UnterdrüSuug zu bald in aller Eil'; —
Kanm daß von Bonaparte die Fnrsten sich fühllen stei,
Da war es bald vcrgeffen, datz stei das deirtsche Bolk
auch s-i.

Wo dlieb der Dank der Fürsten, den sie so sist g-lobi? i
'ltur Schmach hat man ersonnen dem Volk, so treu l
erprobt. —

Von einer Aeit zur andern die deutsche Klage ertönt:
Wann wird der Held erscheinen, dcr Deutschland einst
versöhnt?

llnd heul', am Tag der Ehren im deustchen Baterland, '
WaS hat rnan uns zu dieten als unverstilschteS Psand? I
' Wohl hat man jüngst sich erhoben zu tagen zu Frant- '
fnrt am Main, s

Doch welches wird daS Ende von unserm Glauben scin? '

kens seinem Volke mitzutheilen. Schließlich
bat cr noch in feierlichem Tone und in einer
Stimme, dkr man zugleich die tiefe Rührung,
ric sich auch allen Anwesenben müiheilkk, an-
merkte, an deiii Bunde, den cr in dieser Siunde
mit sciiicm Volkc durch seine Vertreter abge-
schloffen hätlc, festzuhalten, festzuhalten in gu-
ten und schlimmen Tagen. Er wünsche unb
hoffe gutc Zeiten, eS könnten aber auch schlimme
kommen, und für diesen Fall bat er, daß sich
dieser Bund bewährc, durch festes, treueS Zu-
sammenhalten all der Seiaen. — Die Depu-
tation wurde zur großh. Tafel gezogen, bei
wclcher Se. Königl. Hoheit wiederholt auf ein
glückliches Gelingen des großen deutschen Wer-
keS mil jedem Einzelnen anstieß, worauf Herr
Oberbürgermeister Malsch nochmals den Ge-
fühlen des Dankes des Volkes und der Ver-
treter selbst, warme, aus innigster Seele kom-
mende Worte lieh. Nach aufgchobcner Tafel
wurden beu Herren Abgesanvlen die großh.
Kinber vorgestellt. mi! welchen sie sich sreund-
lich unterhiclten und Sr. Königl. Hoheit ihre
Freude über Deren sichtlicheS, geistiges und
leibliches Gedeihen ausdrückten. Mit dem 3
Uhr-Schneüzuge verließe» uns wieder die mei-
sten der Herren Abgesandten. (Bds.-Z.)

Frankfurt, 15. Octbr. Jn der heutigen
BundestagSsitzung bcschäftigte sich die Bundes-
versammlung ausschließlich mit VerwaltungS-
sachen der Bundessestungen; nur ward königl.
bayerischer Seits angezeigt, daß sür die am
26. d. M. hier zur Ausarbeitung cines all-
geuicinen Gesetzes gegcn den Nachdruck zu-
sammeniretende Commission dcr k. Justiz-Mi«
nisterialrath Ludwig Wx,s zum Bevollmäch-
tigten ernannt wvrden sei.

F r a n k r e i ch.

Paris, 15. Oct. Durch kaiserl. Decret
wird verfügt, daß das Lkichendegängniß Bü-
laults auf Slaatskosten stattfinden soll.

Dic „Revuc nat." hat wegen Herabsetzung
der kaiserl. Politik eine . zweitc Verwarnung
erhaltcn.

Z t a i i e

Neapel» 14. Octbr. Pn'nz Humbert ist
diejen Abcnd 'angekvmmen. Er wurde durch
Geschützsaiven der FortS und vcr Schiffc be-
grüßt.

SV a n i e n

Madrid» 14. Oct. Lescioli ,'st zum Fi-
naffzminister ernannt wvrden.

Kaiserin Eugenie, die incogniio hier war,
ist nach Valencia abgereist.

R r» ß l a ir d

Petersburg, 8. Oct. Der »Jnd. belge"
gehen von hier seltsame Nachrichtcn zu. Nach
Liesen nämlich hätten die Polen, vom west-
lichkii Europa in ihren Hossnuogcn stch gk-
täuscht schcnd, der Türkci eiii Schutz u. Trutz-
bündinß angkboten behufs der Zurückeroberung
allcr Läiidergcbiete, wclchc dir russischen Cza-
ren den türkischen Großhcrren in einer Rcihe
von Kriegcn nach einanber abgenvnillikn habcn.

Wohl hat man unS -rfceuet ȟt einem EinheitSplan, ^
Doch ist detz Grund nicht Täuschung? nicht neucr des- !
.potijcher Wahn?

Der unS den Bann geleget im Voraus auf jegliches Heil, ^
Wird Rom zuletzt nicht erndten daS allerbeste Theil? !

, i

Wer will uns Antwort geben auf diese ernste Frag'? !
Wer will daS Wort verheitzen, daß nah der Siegestag? '
Gibt man der Wahrheit die Ehre? dem guteu deutschen
Recht?

Wo find die Fürstenkonen', die sich Lewähren als iicht?

(2 Hcil dem Fürstcn oon Äaden, dcr Nccht und Wahr- ,
hcit srrj dckannt:

Dast Er Lein Erwissen drwahret Lem Leutschcn Valcr- ^
land,

Das männüch widcrstanden der hcuchlcrischcn List,

And als cin Hcld und Aicger var nns crfchicnen ist.

O mög' doch jeder sich geloben, daß deutsche Treue er ,
bcwähr', '

Und streng die deutsche Würde wahren. dah sie nicht j
wird zu salscher Mähr; — !

Rußland habe Grund, dic Annahme dieses
Anerbietcns in Konstankinopel zu befürchten
und treffe nun, in Voraussicht eineS von Frank-
reich unterstützte» combinirten Angriffs vo»
Scitcn SchwedenS im Nordcn, der Türkci im
Süden, Ansialten, die Stadt Kertsch in einen
Waffenplatz ersten Ranges zu verwandeln. Un«
ier diesen Umständcn decke es den Eingang des
Asowsche» MeereS, welches daS Arsenal und
der Uebungsplatz einer KriegSflotte zu werden
bestimmt sei. Gcncral Tottleben sei bereitS
nach der Krim abgereist, um die Pläne seiner
Regierung zur AuSführnng zu bringen.

Türket

Konstarrtinopel, 9. Oct. Der russtsche
Geschästslräger hat erklärt, die Anerkennung
Polens als Kriegführende Macht würde zum
Bruch mit Rußland führen. Osman Pascha
hat sich zur Begrüßung des Czaren nach Odeffa
begeben. Der Levanteherald bestätigt den Bau
zwölf russischer Panzerkanonenboote in Pontus.

A m er tka

New-Aork, 3. Octbr. Man meldet auS
Vera-Cruz, den 12. Septbr., daß ChiopaS sich
für dic Frgnzosen crklärt hat.

Vermischte Nachrichten.

Aus Baden. Äm 14. Oct. hat berettS in den Nte-
berungen bet Fretburg dte Wetnlese begonnen, welche in
quantitativer Äeztehung alle Erwartungen übertrifft. Was
dte Qualität anbelangt, so dürfte dteselbe dahter jene vom
vortgen Zahrc wohl nicht erretchen, tmmerhtn ader etnen
guten Tischwctn geben. — Dte am 13. Oct. zu Wetn-
hetm stattgehabte Diöcesansynode hat sich gegen den An«
trag der Oberkirchenbehörde bezügltch dcs MemortrstoffrS
deS KatcchtSmuS auSgesprochen. — Zm Pfarrgarten der
Zesuttenktrche tn Mannhetm steht ctn Apselbaum tn
voller Blüthe. — DaS GasthauS zum „Pfälzer Hof" in
Mannheim, von Herrn C. F. Unkel sctt einer Reihe
von Zahren tn Pacht, ist in öffentltcher freiwtlliger Der-
stetgerung um 145,000 fl. von Hrn. Stedler auö Stutl-
gart erstetgt worden; Otägtge Rakisicatton ist vorbehalten.

Karlsruhe, 13. Octbr. DaS VerordnungSblatt deS
großherzogl. OberschulrathS Nr. 15 vom heutigen enthält:
I. Allgemetne Änordnung, den Unterricht an Gelehrten-
schulen betrcffcnd. Dteselbe enthält solgende Besttmmun-
gen: 1) das Quantum der Lectüre in den klasfischen Schrift-

genommen; d. für Hcrodot 1 Buch, dezw. etne dem llm-
fang eines solchen gletchkommeude AuSwahl; e. für Tact-
tuS 2 Bücher, bezw. cine diefem Umfang.entsprechende AuS-
wahl; 6. für Horatius L Bücher Oden, bczw. etne AuSwahl
von glctchem Umfang, und ebenso etwa dte Hälste der Sa-
tyrcn und Episteln. 2) Bei der Behandlung der alten
Schriftsteller soll außer dcr grammattkaltschen und histortsch-
antiquartschen auch die logtsch - ästhettsche Erklärulig, also
dtc Erklorung, welche den Gedantenzusammenhang und die
Composilton zu threm Znhalt hat, die thr gebührcnde Be-
rücksichtigung findcn. 3) Zn den franzöfischen Lehrstunden
soll wentgstenö von der Oberquinta an, wenn trgend thun-
ltch, 1-er Verkehr zwischen Lehrer und Schüler tn franzö-
sischer Sprache stattfinden. 4) Dte gletchzeittge Lectüre
mehrerer griechischen oder römtschen Schriststeller tst mög-
ltchst zu vermeiden. Der Dichter und der Prosaiker sollen
tn der Regel semesterwctse avwechscln und bet Verthetlung
des Untcrrtchtes darauf Rücksicht genommen wcrden. 5) Eben-
so empfiehlt sich die semcstrale Theilung deS mathematischcn
UnterrichtS und Algebra und Geometrie. 6) Gigenmächtige
Kürzungen der in der Schulordnung vorgeschctebenen Lehr,
pensa dürfen ntcht vorgenommen werdcn. (Vergl. 8 ^4
der Schulordnuug vom 18. Febr. 1837.) 7) Zm Grie-
chtschen soll die AuSsprachr tn allen Klaffcn und Anstalten

Sich einigend zu starkem Bunde vor Deutschlands heil'-
gem Festaltar,

Schwing'^ er das Schwert deS deutschen Geistes, stell'
sich als wahrer Kämpfer dar.

Dann wollen wir nicht verzagen, das Heil, eS kommt
uns doch! ^

Und unsere Geister, sie beugen sich nimmer in's scla-
vische Joch-

Soll uns die Freiheit 'erstehen, muß Feigheit, Falschheit
ferne sein.

Von Badens Friedrich laßt uns lehren, wie man für
deutsches Wort tritt ein.

Dann ist der Tag uns nicht mehr fern, wo deutscheS
Recht wird Sieger sein,

Wo wir der deutschen Auferstehung die höchste Sieges-
freude weih'n.

Dann wird unser Danklied erschallen
In herrlichstem jubelndem Klang',

Dann seid ihr Helden versöhnet;.

Denn ach! die Nacht war lang.

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