Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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Fettr des achtzehnlen OctvSerS. . . . Möge
nicht auch das bevvrstehende nationale Fest
vorübergehen, ohne eine Anregunq zu Thatcn
zu geben. Sehr »ahc liegende Thaten aber,
die wir in gegenwSrtigen Vcrhältniffen in
Süddeutschland vornehmen kknnen, stnd einer-
seits die Anregung zu allgemeiner Wehrpflicht,
andererseitS die Bildung einer Unterstüßungs«
kaffe für die noch lebenden bedürstigen Vete»
ranen, durch welche diesen ber kurze Rest ihrer
LebenSzeit erleichtert und angenehm gemacht
würde.

Leipzig, 15. Oct. Es stnd beim hiesigen
FestauSschuß bis jetzt 1063 Veteranen ange«
meldct, welche fich vertheilen aus Prcußen mit
769, Oesterreich 65, Sachsen 159 (Ueberge-
tretene und einzelne schon srüher in preußische
Dienste Gegangene), Altenburg 21, Weimar
16, auS dem übrigen Deptschland zusammen
35. Jn Preußen sind durch Veteranen ver-
treten 163 Ortschaften, in Ocsterreich 19, in
Sachsen 92, in Alienbnrg 4, in Weimar 6;
die andern sind vereinzelt. Nach den Anmel-
dungen der Vertreter der deutschen Länder und
Städte flnd vertreten: Altenburg durch O Städte
und 13 Vertreter, Anhalt 4 St. und 8 V.,
Baden 10 St. und 14 V., Braunschweig 3
St. und 6 V., Bremen B. 5 V., Darmstadl
2 St. und 3 V., Hannover 5 St. und 12 V.,
Koburg 2 St. und 3 B., Kurheffcn 2 St. und
4 V., Lippe-Detmold 3 St. und 4 V., Lübeck
4 B., Mecklenburg 4 St. und 10 V., Meinin-
gen 2 St. und 2 V., Nassau 3 St. u. 5 V.,
Oldenburg 2 St. und 2 V., Oesterreich 8 St.
und 24 V., Prcußen 88 St. und 272 V.,
Reuß 2 St. und 5 V., Rheinbapern 1 St.
und 1 V., Sachsrn 26 St. und 49 V. (die
Vertretung Leipzigs nicht mitgerechnet),
Schwarzburg 7 St. und 10 B., Waldeck 2
St. und 3 V., Weimar 8 St. und 14 V.,
Würtemberg 4 St. und 7 V., Bapern (das
dicsrheinische) 1 St. und 5 V.

Leipzig, 17. Oct. Die Generalversamm-
lung des Nationalvcreins zu Leipzig hat gefiern
dic Bcschlüffe des AuSschuffes mit unwesent-
lichen Aenderungen angeiivmuien. Ferner wurde
ein von Stettiner Mitgliedern des Vereins ge-
stellter Antrag angenommen: „Die vierte Ge-
neralversammlung des deutschen Nationalver-
einS spricht Sr. Königl. Hoheit dem Groß-
herzoge von Badcn ihren ehrcrbietigen Dank
aus, für die mannhafte und patriotische Art,
mit welcher derselbe auf dem Fürstentage die
berechtigten Ansprüchc des deutschen Volkes
gewahrt und sesner Stellung als constitutio-
neller Fürst eingedenk gewesen ist."

Berlin, 14. Oct. Schulze-Delitzsch ver-
öffentlicht in der „Volks-Zeitung" eine „Er-
klärung und Dank" für das ihm von Freunden
und Gesinnungsgenoffen zugewiesenc Kapital,
alS Gegenleistung seiner so großen Wirksam-
keit für das Volk. Schulze nimmt das Ka-
pttal nicht an, da die Zinsen desselben mehr
alS ausreichend für ihn seien und bestimmt
das Kapital zu einer Stiftung, mit der Be-
stimmung, daß ihm, so langc er lebe, in dem
Comite deöselben eine Stimme zusteht, daß die
Zinsen nach seinem Rücktritt zur Besoldung
solcherMänner verwendet werden, dtren Wir-
kcn und Thatkraft man in der öffentlichen Sache
zum Bcsten deS gesammten deutschcn Vater-
landes in nationaler, politischer oder socialer
Hinstcht in Anspruch nimmt; worüber daS
Comite allein entscheidet. Der Fond ist bereitS
einem inten'mistischen Comi'te br's zur deflni-
tiven Ordnung dcr Angelegenhei't überwiescn.

Berli«, 15. Oct. Gegenstand des gestri-
gen Ministerconseils war dem Vernchmen nach
dic Bundesereeution in Holstein. Es soll ein
preußisches Reservecorps von 12,000 Mann
aufgestellt werden, welches auS Truppentheilen
des 3. (brandenburgischen), dcs 4. (sächsi-
schen) und des 7. (westphälischen) Arrnee-
Corps bestehcn soll.

Berli«, 16. Oct. Hr. Bauunternchmer
W. Linow hatte sesne beiden Bauten m der
Karlsstraße auf dem früher Löwp'schen Holz.
platze gerichtet und zu diesem Zweck eine große
preußische und drei deutsche Fahnen ausgc-
fieckt. Am Sonntag Vvrmittag drangen, wie
der „Publicist" verichtet, verschiedene Schutz-
leute auf Besehl deS Revierlieutenants Schulz
ein und zwangen die wniigen Arbeiter, sosort

dke deutschen Fahnen herunter zu nehmen. Hr.
Li'now entfernte in Folge dessen am Montag
die nvch stehende preußische Fahne und hat dcn
Weg der Beschwerde betreten.

Berlin. Soeben ist im Berlag vvn Otto
Wigand erschienen daS RechtSgutachten deS
Spruchcollegiums der Heidelberger Juristen-
facultät über dic Preßverorduung vom 1. Juni.
Die ausführlich motivirte, rcchtliche Meinung
des Collegiums geht cmstimmig dahin: „daß
wesentliche Voraussetzungen und Erforderniffe,
oon wclchen der Artikel 63 der BerfaffungS-
urkunde die Verfaffungsmäßigkeit der Erlassung
einer Verordnung mit GesetzeSkraft abhängig
macht, bei der Verordnung vom 1. Juni 1863
nicht vorhanden stnd, und daß namentlich der
Jnhalt dieser Verordnung mit mehrcren Ar»
tikeln der Verfaffungsurkunde im Widerspruch
stehk." Dasselbe ist unterzeichnet von Geh.
Rath Prof. Mittermaier, Geh. Rath Prof.
Roßhirt, Prof. Bluntschli, Geh. Rath Prdf.
v. Vangerow, Prof. Zöpfl, Prof. Renaud,
Unl'vcrsttätS-Amtmann Courtin, Prof. Pagen-
stecher.

Wien, 12. Oct. Nach dem „Llopd" wird
nächstens eine Zusammenkunft von deutsch«
österreichischen Abgeordneten mit einigen Füh-
rern der süddeutschen Fortschrittsparlei statt-
finden. Von Seite der Letztercn werden Bra-
ter, Hölder, Barth, Völk, Probst und —
Schäffle (?) erscheinen. Von den Dcutsch-
Oesterreichern sollen vorläufig Rechbauer, Hann,
Berger, Fleckh, Kuranda, Brinz und Mühlfeld
zugesagt haben.

Krankreich.

Marseille, 15. Octbr. Briefe auS Kon-
stantinopel vom 8. zeigen an, daß dcr Polizei-
minister Selim Pascha durch den Er-Gouver-
neur von Damascus, Mehemet, ersetzt worden
ist. Die Bank wird wieder in Smprna, Bep-
rut, Alerandria, Saloniki und Adrianopel Suc-
cursalen errichten. Der Ueberschuß deS Bud.
gcts beläuft sich auf zwei und eine halbe
Million Franken. Man hat im Kaukasus
Waffen und Munition ausgeladen, man spricht
von 3000 Gewehren, von acht gezogenen Ka-
nonen und von 3 Miüionen Patronen. Der
Pascha von Trapezunt ist, auf die Klage Ruß-
lands, nach Konstantinvpel gerufcn worden,
um von seinem Verfahren Rcchenschaft zu
geben. — Man schreibt aus Athen untermO.:
Die Depesche, welche das Votum der Annerion
der jonischen Znscln anzeigtc, hat eine allge-
meine Begeisterung hervorgerufen. Die Na-
tionalvcrsammlung hat iu plsoo dcm Tc Deum
beigewohnt. Der König wird sich zuerst nach
Athcn begcben und später Corfu besuchen.

Paris, 15. Oct. Aus der Umgebung des
Kaisers ersährt man, daß der Tvd Billaults
eincn sehr tiefen Eindriick auf ihn hervorge«
bracht hat. Fatalist, wie er ist, soll er es als
ein böses Zeichen betrachten, daß ihm der ein-
zige Mann entrissen wurde, welcher im Stande
gewcsen wäre, seine Politik in der polnischen
Frage zu erklären und zu rechtfcrtigen. Dazu
komme das demüthigendc Gefühl, daß das
Kaiserreich nach länger alS zehnjähriger glor-
reichcr Eristenz nicht Eineu hervorragenden
Rcdner und Staatsmann hervorgebracht hat,
sondern fortwährend gezwungeu ist, sich mit
den Ueberbleibscln des frühercn Regime's zu
behelsen. Welche Einrichtung der Kaiser treffen
werde, kann Niemand crrathen; Rouher,
Staatsminister und Magne, Präsident des
Staatsrathes, ist die einzigc Vermuthung, der
man bis jetzt begcgnet ist.

Paris, 15. Oct. Dcr junge König von
Griechenland traf nach 8 Uhr in Paris ein
und stieg im Paviüon Marsan der Tuilerien
ab. Die in Paris wohnenden Griechcn be-
grüßten ihn mit Hochrufen. Der Kaiser em-
pfing den jungen König am Eingang dcr Sa-
lons. Heute Abend ist dem König zu Ehren
Galadiner in St. Cloud. ^

Englan -

London, 14. Oct. Gestern fand im Bei-
seiu der Königi'n zu Aberdeen dr'e Einwcihung
dcs DenkmalS für den Prinzen Albert statt.
Es war das erstemal, datz die Königin stch
wieder bei einer öffentlichen Ieier zeigte.

N i e - erlan - e

Zwolle» 14. Oct. Heute ist das hiesige
Zuchthaus abgebrannt, wobei 250 Sträfllnge
die Flucht ergriffen.

Span te n

Madrid» 13. Oct. Die Blätter enthalten
entsetzliche Einzelheiten über die Unglücksfälle,
welche durch die Regengüsse und Ueberschwem-
mungen in Catalonicn verursacht wurden. Die
ganzc fruchtbare Ebene'bes Llobregat (Fluß,
der sich bei Barcelona ins Meer ergießt) stand
unter Waffcr, namentlich hatte die Stadt Vich
furchtbar unter der Ueberfchwemmung zu lei-
den. Eine Meuge Häuser wurden zerstört u.
über 40 Menschcn kamen dabei um.

Dänemark

Kopeahagen, 16. Oct., Abends. Gestern
Abend ist der König angekommen und wird
wahrscheinlich biS Dicnstag hier verweilen.
Heute fand eine Sitzung des geheimen RcichS-
rathes statt, wie verlautet, Behufs Berathung
der Antwort an den Bundestag. Verschiedenen
Gerüchten, namcntlich der Behauptung einer
Londoner Correspondenz der „Zndep. Belge"
gegenüber erklärt „Berlingske Tidenda", daß
von den Großmächten keine bestimmt formu-
lirten Bermittlungsvorschläge bezüglich des
dänisch-deutschen Conflictes hier eingegangen
seien. Jm Rcichsrathe wurde heute der auf
die schleSwig'schen Mitgliever bezügliche An-
trag nach kurzer Debatte zurückgezogen.

Rächrichten über Polen

Dcr revolutionäre Stadtchcf in Warschau
macht bekannt, daß die Ermordung deS russt-
schen Agenten Barthold Hcrman, welcher sich
Dr. nannte, die Namen Bertholdi Hermanni,
Trojaczek, Maleszewski rc. äbwechselnd führke
und von der Gehcimpolizei zu den gehcimstcn
Missionen bcnutzt wurde, „wegen bewiesenen
Spionirens" erfolgt wäre.

Lemberg, 10. Ock. Die neucste Verord-
nung des polnischen Rationalcomite'S will die
Thaisache constaiircn, daß die russischen „halb-
militärischen Behvrdkn" die Organe dcr Na-
lionalregierung ohne Gcricht und rechtliches
Urtheil dem Tod überliefern, u. erklärt sämmt-
liche hierbei betheiligtc riisstsche Bchörden
(„Ei'ndringlingsbehörden") für außerdcmrecht-
lichen Schutz und dem Gesetz stehend.

Reueste Rachrtchten.

Lonbvn, 17. October. Die Secessionisten
haitcii, nachdcm sie am 28.'Sept. bci einem
Angriff auf den rechten Flügel der Rosenkraiiz-
schen Armee zurückgcivorfcn worden, am 5.
Oct. dic Beschießung von Chatanoga begon-
ncn. Die Secessivnisten habcn in Paris (West-
tenncffee), Shclbpville nnd Macminuville (zwi-
schen Nashville und Chatanoga) 15,500 Ge-
fangene und weitere 500 in Waldronridge
gemacht. Eine secessionistische Cavallerieab-
theilung in Kentuckp wurde geschlagcn und
verlor 300 Gefangene und vier Kanonen. —
Aus Charleston wird unterm 6. berichtet, ein
secessionistischer Angriff auf die Fregatte Zron-
sides habe dieser einige Havarien verursacht.
— Nach Verstcherung dcs „Newyvrk Herald"
würden im Cabinet za Washington Friedens-
vorschläge von übrigens nicht gekannlem Cha-
rakter beralhen. — Ein Gerücht will wiffen,
eS sei eine französische Frcgatte nach Charles-
tvn unterwegs.

-s- Heidelberg, 19. Octbr. Vorgestern
Abend verkündete vas-Geläute aller Glocken
und Kanonensalveü dic Feier des 18. Octbr.
Die großen Sälc des Museums und der Har-
monie waren mit Zuhörern überfüllt; die Ban-
kette, die daselbst stattfanden, boten erhebenden
geistigen Genuß durch die warmen und tief.
gefühltcn patriotischen Reden und Anfprachen
wie durch die schönen vatcrländischen Licder,
welche theils von wohlgeübtcn SSngerchörcn,
theils vom gesammten Publikum in gchobener
Stimmung gesungen wurden. Zm Museum
wie in der Harmonie war die gesellige Unter-
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