Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

Seite: 423
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haftm StaatSkildung, di'r Verstärkung ihrer
Macht und Sicherheik, die Mehrung ihres
Ruhmes, auf anderem Wege, alS in dem fcslen
Anfchluß an daS Gesammtvaterland in stiner
freieo, nationalen Gestaltung zn suchen, odrr
dte gar abenteuerliche Grvßmachtsgedankrn auf
Kosten deS Gesammtvatrrlandes und drr deut.
schen Nachbarn verfolgen wollte, — sie würde
alSbald vereinsamt dastehen, von ihrem eige.
nen Volke verlaffen sein.

Es ist kein Volksstamm, so spröde und
kanntig und schwerflüssig daS Er, seiner Bil-
dung sein mag, der nicht begonnen hätte, in
den großen Fluß der nationalen Bewegung
sich aufzulöstn.

Berg und Thal begegnen sich — die Nebel
sinken mehr und mehr — und vor dem offenen
Blick liegt Deutschland da, einig in seinem
besten Wollen, weithin gestreckt, lächelnd im
Sonnenschetn, furchtbar, wenn zürnend einst
es sich erheben sollte.

Und schon hebt sich aus der noch rnhigen
McereSfläche Well« auf Welle — noch in wei-
ten Zwischenräumen, noch in weitgezogenen
Bogen langsam dahin rollend, wie spielend im
Gefühl seiner jungen Kraft. ,

Sind cs Zeichen des herannahenden Stur-
meS? Jhr, die Jhr noch Macht habt, seid
wachsam und weise' — Noch hat der gesam-
melten Kraft nichb der Wille sich gesellt. Doch
die Zeit steht nicht still, die Geschicke müffen
sich erfüüen und wer an daS Steucr gestellt
ist, möge die Zeichen der Zeit nicht verachten.

Wir haben so eben die Todten leben laffen
— ich fordere Sic nun auf leben zu laffen,
was noch der Stnnde seiner Geburt harrt.

Es war schon keimendes, werdendes Leben,
um das das Jahr 1815 die harte, starre
Schale des Bundestags legte um es zu er-
sticken, oder aber nur um so inniger, fester,
kräftiger es sich gestalten zu laffen, bis die
junge Adlerbrut mit der Kraft der Flügel die
Schale zerbreche» kann.

Jenes Jahr 1848, es war ein schöner Traum
dieseS werdenden, wachsenden Lcbeus, ein
Trau«, der ihm die Gestalt vorführtc seines
kräftigen vollen Lebens und dxr selbst wieder
eine gestaltende Kraft und zugleich daS Vor-
zeichen der nahenden Vollendung ist.

Und die Stunde der Geburt ist nicht mehr
fern. Dte starre harte Form, die mit immer
stcigendem, immer unerträglicherem Druck das
schweüende Leben dcr Nation umschließt, ste
wird zerbrochen werden, nicht von Außen durch
die Wucht deS Haminers, nicht durch das
Schwert deS Eroberers, sondern von innen
herauS, durch die heimlich bildende Gewalt
des Lebens selbst.

Möge denn der nationale Geist der Einheit
und Freiheit imuier mehr erstarken, immer
mehr das Volk, jeden Einzelnen des BolkeS
durchdrinzen mit der tiefgehendcn begeistertcn
Ueberzeugung, die die Entschlüffe und Thaten
der Männer bestimmt!

Möge einst, möge bald sich auferbauen in
uns und um unS, möge hoch sich wölben über
»ns, herrlich und mächtig das neuc Reich dcut-
scher Nationl

aller Anstrengungen zu schwach find, um den 30 '
bis 40 Lentner schweren Kasten zu heben, suchen >
die Gesundcn in größter Angst cinige durch den >
Ballon in die gänzlich unwcgsame und öde Gegcnd >
gelocktc Bauern durch Vorzeigung von Goldstücken ,
zu bcwegen, mit zu helfen, was diesc durch Zeichcn
und nach Anficht der Sachlage auch verstehen, und i
es gelingt, dte arme Frau zu besreien, nachdem
fie zwci Stunden langTvdesangst ausgcstandcn und
die Schmerzen ihrer Verwundungen und Knochcn-
brüche, sowie einen Theil dcr obengenannten Last
gctragen hat.

Nach einer Zcichnung bestand dcr "Geant" aus i
einem obern großcn Ballon, deffen obere Hälftc
bei circa 68 Fuß Durchmcsser, 34 Fuß Höhe hat,
also etne Halbkugrl kst; die unter« Hälfte mit ,
68 Fuß obcrn Durchmeffer vcrjüngt sich nach unten
und hat 64 Fuß Höhe, so daß der obcre Ballon ,
eine Birnenform hat; der untere Ballou, der mit
dem oberen in Berbindung steht, hat 28 Fuß Höhe
tm Ganzen und eine ähnliche Form wie dcr obcre;
da daS Gas mit der abnehmenden Dichtigkcit der
Luft in größerer Höhc fich ausdehnt, so sollte der
untere Ballvn (der ansangs fchlaff tst) das aus

j Möge endlich und zu gutem Schluß dem in
j Ei'nheit nnd Frelhett sich constltuirendell deut-
schcn Volke der deutsche Fürst tapferen Her-
zens niid offenen Sinnes, nicht fehlen, der sich
nicht schent vvr dew vollen Tropfen dcmokra-
ti'schen Oels,. vhne den fortan kein König, kem
Kaiser werden wird über Dentschland!

Das walte Gott!

Unser schönes theures Vaterland! Deutsch-
land, etnig, mächtig und frei! Es lebe hoch!

D eu tschlanV

Mannheim, 27. October. Vor einigen
Tagen war ein Jahr vorübergegangen, sett
das zwischen großh. Regieruug und unsern
beiden Kammern vereinbarte Gesetz der Han-
dels- und Gcwerbefreiheit in's Leben getreten,
und schon tauchcn an manchen Orten Klagen
gegen daffelbe auf, ei'n deutlicher Beweis, wie
selbst die besten Einrichtungen es nichk ver-
mögen, jedcn Einzelnen zufrieden zu stellen.
Viele dieser Klagen mögen nicht ganz unbc-
gründet seiu, denn obgleich unsere hohe Regie-
rung bei der Entwerfung dieses Gesetzes mit
der größten Umsicht zu Werke gegangen, Han-
delskammern und Gewerbevercine dabei zu
Rathe gezogen, und deren Gutachten cingeholt
hatten, scheint doch Eines dabei übersehen
worden zu sein: daß unser badisches Ländchen
viel zu klein und dabci von ciner Menge an-
derer größerer und kleinerer Staaten umgeben
ist, die das uns Gebvtenc schon längst besitzen,
und wieder andere, die noch langc damit
warten werdcn, um uns gleiche Nechte bei
sich einzuräumen. Daß diese dem AuSlande
bei uns zuerkanntcn Rechte von den uns um-
gebenden Nachbarstaaten, im ausgedehntesten
Sinne, zum größtcn Nachtheile unserer Hau-
dels> und Gewerbsleute, ausgebeutet wcrden,
unterliegt keinem Zweifel, denn täglich mehren
sich die Anzeigen fremder Fabrikanten und
Handelsleute, die in unserem Lande, zu jeder
beliebigen Zeit ihre Waaren feilbieten, ohne
dieselben Lasten wie die unsrigen zu tragen,
und vhnc daß es dicsen vergönnt ist, in den
Nachbarstaaten gleiche Rechte anSzuüben. Zn
diesem so eben dargelegten Sinne hat sich denn
nun auch in unfer» hiestgcn öffentlichen Blät-
tern einc Polemik entwickclt, die nicht nur
gegen die, den fremden Fabrikanten und Han-
delsleuten in unscrm Lande cingeräumtcn Ver-
günstigungen zu Felde zieht, und sie so lange
suspendirt wiffen wiü, bis einc Ausgleichung
hierüber stattgefunden, sondern auch die all-
jährlich zweimal wiederkehreiiden Meffen ent-
weder ganz aufzuheben, oder roch auf eine
kürzere Dauer zu beschränken verlangt, und
schließlich noch den Wuiisch hinzufügt, den so
sehr demvralisircnden Hausirhandel wieder in
die gehörigen Schranken zuriickzuweisen. Ob
unsere hohe Regierung jetzt schon auf derar-
tige Beschränkungen und Abänderungen dcS
Gesetzes kinzugehen gesonnen ist, läßt sich srei-
lich nicht behaupten; jedensalls aber werden
den niin zusaiiimeiitretkiiden Kammern von vielen
Sciten Petitioneii zugehen, die eine geeignete
Abänderung dringend verlangcn. Daß im

dem obern Ballon austretende GaS aufnehmen.
Etwa 8 bis 10 Fuß unter dcm zwciten Ballon ist ^
ein VerbindungSring auS starkem Holz, welcher
zur Befestigung der Taue dient, dic um den Bal-
lon gesiblungen find; wiedc« also 10 Fuß darunter
ist dte Gondel. Die Gondel odcr das Schiff ist
bei einer Länge von 14 Fuß 8 biS 9 Fuß breit
und 8 Fuß hoch. Der Ballon isk aus starkem ge- '
strnißten Seidenzeug gefertigt. Es sind dazu nach
Angabc 28,000 Ellen Stoff vcrbraucht; der Jnhalt j
an Gas würde ctwa genügt haben, die ganze Be- !
leuchtung der Stadt Bremen bei dcr Feier deS !
18. Octobers herzustcllcn. Die ganze Höhe dcs j
„G«ant" beträgt nach Obigem ctwa 150 Fuß, ist
also schr respectabcl. Die Gvndcl ist auS starkcm
sxanischcn Rohr mit Vcrstcifungen gcffochten, hat
oben eiue Platlform mit etwa 1 Fuß hohem Rand
an jeder Langseite, ctnc Thür und vier Fcnstcr und
an dcn Oucrseiten je zwei Fenster; in dcr Mitte
schcidet ein Gang zwei abgeschloffene Abtheilungen,
wclche wieder durch Qucrwändc von Gcflecht tn
mchrere Abtheilungcn gctrcnnt find; in der Mitte
der Decke isi cine ctwa 2 V- Fuß große Oeffnung
zur Eommunication mit der Plattform; Hänge-

> Allgemeinen das ganze Gesetz e»nem dringttld

> gefühlten Bedürfniß entgegengekommen, wird
! wvhl Niemand zu bestreiten versuchen, wahre

Früchte wird und kann es aber dann erst
bringen, wenn ganz Dentschland seine Gcltung
anerkannt hat. (Bvdenseeztg.)

Die „Frankfurter Postztg." brachte unlängst
die Mittheiliing, in der Budgetcommission dcr
2. Kammer habe Hr. Geh.-Rath Schmitt gegen
die Errichtiilig des 5. Jnfanterie-Regimenks
ohne ständische Bewillignng Bedenken vorge-
bracht, worauf der Präsident der Commission
erwidert habe, bies gehe die Kammer nichts
an, der Großherzog sei obcrster KriegSherr und
habe darüber zu entscheiden. Es wurde diese
Nachricht, man kanu wohl sagen officiell, als
unwahr bezeichnet. Jn einer nun von Hrn.
Geh.-Rath Schmitt abgegebenen Erklärung
geht derselbe auf die Sache selbst nicht ein,
da die BudgetcommisstonSsitzungen geheime sind.
So viel er sich nach 1*/, Jahren erinncrt, be-
darf die Mittheilung über das Auftretcn deS
damaligen Präsidenten der Budgeicommission
aber einer Berichtigpng, und ist Hr. Schmitt
bereit, anf Verlangen di'eses Herrn, Aufschluß
über die Sache selbst und sein Verhalten zu
geben. Hr. Schmitt sagt schließlich, daß er
wegen dieses Vorfalls nicht aus der Kammer
gkschieden wäre.

Der Ausschuß des deutschen Protestanten-
tages, deffen Präsidium (Hr. Bluntschli) sich
in Heidelberg befindet, hat nach der „Bad.
Ldsztg.» die Eiiileitungen einer allgeineinen
Organisation des Vereins vollendet. Es wer-
ben nun Agenten in den cinzelncn Ländern
aufgesteük, welche ebenfallS bic cinlcitenden
Schritte zu treffen und die demnächst solgende
Organisation vorzubereiten haben. Die Anf-
gabe des Vereins wird sich in den verschiede-
nen Ländern anderS gestalten. Die Ortsver-
eine correspoudiren als Zweigvereine mik dem
Ausschuß, und hat, wie cr zu dem Ganzen
beiträgt, zu Zeiten des Kampfes vom Ge-
sammtverein Unterstüßung anzusprechen und
zu erwarten.

DaS Verzeichniß der bis zum 28 October
Bormittags angemeldeten Theilnehmer an der
Großdeutschen Versammlung in Frankfurt
weist 441 Namen nach, darunter aus dem
Großherzogthum Baden folgcnde: Baurath
Bader von Freiburg, Graf von Berlichingen
von Mannheim, Dr. Bissing von Heidelberg,
Neull'er Dahmen von KarlSruhe, Consul Eißkn-
hardt von Mannhcim, Prof. Fuchs, Dr. jnr.
Frelter, Heinrich Frhr. v. Gagern und Kanf-
mann Th. Gätschenberger von Heidelberg,
Jak. v. Kleudgen von Karlsruhe, I. Kanzler
von Bruchsal, Dr. Lauffer und Kaufm. I. Z.
Lindau von Heidelberg, Baron v. Lotzbeck von
Lahr, Rechtspraktik. Marbe von Heidelbcrg,
Hauptmann v. Marschall von Karlsruhe, Dr.
Ploos von Heidelberg, Staatsminister Dr.
Regenauer, Oberpostdirector Frhr. v. Reitzen-
stein und Redactcur K. F. Schöchlin vou KarlS-
ruhe, Altbürgermeister Speperer von Heidel-
berg, Frhr. v. Uria von Karlsruhe, Dr. v.
Wänker von Frciburg, Architekt Williard von
KarlSruhe, v. Zwackh von Heidelberg.

matten, Klappstühle, Blech- und sonstigcs Gcschirr
nebst Znftrumenten bilden den Anhalt. Damit die
Aeronauten sich zurechtfinden können, steht Lber
dem einen abgeschloffenen Raume „Labines"; cS
muß dieseS wohl »uf dre Verwirrung währcnd dcr
Stöße berechnet scin, sonfi wäre eS wohl Lber-
fiüsstg; denn in einem Kasten kann man sich wohl
nicht verirren. Das Gewicht des Ballons ifi 600 '
Zollpfunb, die Göndel wiegt 2360 Zollpfund, die
Taue rc. 1760 Zollpfund, die Werkzeuge und Uten-
silien 500 Zollpfund. Snmma 5220 Zollpfund,
oder 52 Lentner. Rcchnct man hierzu nvch 9 Pcr-
sonen mit etwa 12 Lentner, so beträgt daS ganzc
Gewicht ntcht wentger als 64 Centner.

___ (Wcserztg.)

Ein Wiencr Wirth hat dic Adee, ein Damen-
hotel zur auSschließlichen Aufnahme von «eiblichen
Passagiercn zu errichten. Das ganze Dicnstperso-
nal dieses Etabliffcments würdc natürlich dcm
zarten Geschlechte angehören, sogar der Portier
soll eine Portterrn fein.
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