Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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Allorang stegreich aus der Urne hervorgehen
wird.

* Heidelberg, l t. Nov. Wie weit un»
serc Ultramontanen in ihrem PatrivtismuS,
in ihrer treurn Gestnnung gegen das Vater-
land gehen, beweist neuerdinqs eine angeblich
aus Frankreich kommende Correspondenz des
„Mainzer Iournals." Jn diescr Corre-
sponden;, die von der badischen Schulre«
sorm handelt, heißt eS wörtlich: »So viel
kann ich Sie verfichern, daß die französtschcn
Kathvliken Das, was in Baden geschieht,
immer Mehr alS eine Beleidigung auch gegen
ste selbst ansehen, daß es bald Angelegenheit
Frankreichs wird und unsere Regierung übel
oder wohl der Sache nicht wird fremd blkiben
können, es möge auch in Deutschland gefallen
oder nicht!"

Darmstadt, 1l. Nov. Von zuverlässtger
Seite kvmmt »nS kie Rachricht zu, daß im
nächsten Frühjahr dahier eine Zusammenkunsi
vvn Vertretern sämmtlicher deutscher Regie-
rungen stattstndcn wird, um sich über einen
Plan zur einheitlichcn Ausführung und An-
lage der Statifiik zu berathen. Bielleicht ge-
lingt es, auf diesem nichk unwichtigen Gebiet
der Wifsenschaft eine Einheit in ganz Deutsch-
land herbeizuführen. (H. L.-Z.)

Frankfurt, 10. Nov. Der.-in der gestri-
gen außerorvkntUchen Bundestagssthung ge-
wählte Ausschuß zur Berichtcrstattung über
das Rapvleon'sche Einladungsschreibk» zu einem
Fürstencongreß in PäriS dcsteht a»s fvlgenden
MitgUedern: v. Kübeck (Oesterreich), v.Sydow
(Preußen), v. d. Psordten (Bayern), v. Beust
(K. Sachsen), v. Heimbriich (Hannover), v.
Reinhard-(Würtemberg), v. Mohl (Baden).
Zu einer Sitzüng ist derselbe heute nvch nicht
einberufen. (Schw. M.)

Kaffel, 9. Novbr. Hr. Oberpostmeister
Nedeltau wnrde heute zum Abgeordneien da-
hier gewählt.

Montabaur, 7. Nov. Auf ciner gkstern
hier staitgehablen Versammlung der hiesigen
Grvßdeutschen wurde der Bejchluß gesaßt:
„sür das Amt Montabaur keinen GeistUchcn
mehr in den Landtag zu wählen."

Berlin, 10. Nov. Die bevorstehende Bc-
rathung des LandiagS über die Preßordonnanz
wird durch eine dritte Verwarnnng der Berl.
Allg. Ztg. und durch daS Berdoi solgender in
Nordamerika erscheinender Zeitschriften: Rew-
yorker Staats-Zeitung, Volksblatt von Cin-
cinatti und Anzeiger des Westens in St. Louis
entsprechend eingeleitet.

Berlin, 10. Novbr. Der Kronprinz und
Vie Kroiiprinzesstn verließen Edinburg DicuS-
tag Abend 10 Uhr 15 Minuten auf der schotti-
schen Nordost-Eiftnbahn. Kurz darauf entging
der Zug nur mil knapper Noth cinein Unsall;
ein Güterzug war »ämlich von den Schienen
gerathen, unb ein Theil des Fußbodens in
dem Waggvn, in ivelchem das kronprinzliche
Paar nebst Gefolge und Dienerschaft stch be-
sänd, wurdc bei dem Versuche, vorbeizufahren,
zertrümmert. Glücklichcrweisc ging der Zug
außerordentlich langsam, so daß keine wcitere
Beschädigung vorfiel. >

der Satzungen zu beschließcn, glaubte dic Lvm- >
Misfivn nicht eingchen zu sollcn. Die Besorgniß !
namentlich, daß fich nicht Städte genug finden
würden, «elche die Ansrichtung deutscher Schützen- ^
seste übernehmen, wurde nicht gethcilt. Einstimmig
war man der Anficht, daß künstig bei solchen Fcsten
jeder LuruS vermieden werden müffe, daß Lann
auch die Kosten durch daS Fest selbst gctragen «er- ,
den würden und damit ein Hauptbedenkcn gegen ,
die Nebernahme beseitigt wäre. Deutschland zähle >
im Uebrigen so viele dcdentende Städte, dic recht
wohl im Stande wären, 10- bis 15,0W Schützen
llnterkommen zu dieten und bie Räumlichkeiten für
den erforderlichen Festplatz zu beschaffen, auch eine
Ehre darin snchen würdcn, das Kcst in ihren
Mauern zu begehen, daß dcr deutschr Schützcn-
bund, diese nativnale Schöpfung, nicht in Verlc-
genheit kommen werde, «o er sein nächsteS großes ^
Schießen zu feiern habe. Durchschlagend war, daß
der Schützcnbund nvch eme zu nene Schöpfiing sei,
daß cr noch gar sehr einer festeren Gestaltung be-
dürfc, daß so bald alS möglich cine Feststellung
der Schießeinrichtungcn, einc dcsinitive Bestimmung
hinfichtlich der Schützenwaffe, insbesvnderc de« Ca- -

Berli«, 11- Nov. Zu den Kosten von 3
Millionen Thalern für militärische Besetzung
der polnisSen Grenze kvmmen noch 800,000
bis 1,000,000 Thlr. für die Kriegsberkiischast
gegen Heffen zu Ausgang vorigen Zahres,
Die Berechnung dieser Sumuie« zu dcm dies-
jährigen Budget dürfte indeß wahrscheinlich
nur bei dem letzien Betrage zutreffen, wäh»
rend der Aufwand für den polnischen Aufstand
später in einem Gesammtposten eingebracht
und berechnet wird.

— Die Beamten, welche Abgeordnete sind,
haben heute die Benachrichligimg erhaltcn,
daß Stellverireter für ihr Amt destgnirt wor»
den stnb und daß von dem am 1. Januar
1861 fälligen Gehalt die Kostcn der Stell-
vertretnng, sowie die Reisekosten der Stell-
vertreter in Abzug gebracht werden sollen.

Wien. Der Kaiser hat der Wicner Schiüer-
stiftmig für diescs Jahr (wie scit der Grün-
dniig) den Betraq von 500 fl. bewilligt.

Wien, 9. Nov. Wic dic „Köln. Ztg."
hön, dürftc das dem Conqreffe zur Beraihung
und Beschlußfaffung vorzulegende Material,
svwic der Ort des schließlichen ZusammentrittS
ver Souveräne auf großen Widcrstand stoßen,
und wird man sich in Wien nie und nnter
keiner Bedingung bazu verstehen, nach PariS,
als bem eventuellen Versammlungsvrt der euro-
päischen Fürsten, sich zu bcgeben, und glaubt
man, daß dieselben Bedenken, welche sich hier
gegen die sranzös. Hauptstadl geltend machcn,
anch anderwärts maßgebend sein würden.

Prag, 10. Novbr. Langlkwirz, der IN
Josephstadt gefangcn sitzeudc polnische Erdic-
tator, hat an das Ministeriiim ein Schrcibea
gerichtet, ihn, nacheem er auS dem preußischen
Staats - Verbandc entlaffk» sei und das
schweizerische Bürgerrecht in Kalchberg crwor-
ben, entweder frei zu laffen oder an Rußland
auszuliefern.

Oesterreichische Monarchte.

Lemberg, 8. Nov. Die in 9 Nummcrn
hier beimlich crschienenc Zeilschrist „Prawba"
niinmt in ihrrr letzten Nnmmcr Abschied Vvn
ihren Lesern, da dic polnische Rationalregse-
rung ihr dus sernere Erscheinen »ntersagt,
wcil sie Galizirn ausgefordert hat, sich all-
mahlig zum Ausstande vorzubereitcn. Es be-
weist dieS, daß die pvliiische Nalsonalrcgierung
mit der österreich'ischen Staaksreqiernng burch-
aus im Frieden leben will; zu.qleich aber be-
weist das Folqeleisten des Befehls, vaß die
Macht der Nationalreqierung auch über dic
Grenzen Polens hinausreicht.

Arankreich.

Paris, 9. Nov. Dem Pri'nzcn Napoleon
stieß qestern, als er aus Meudon von dcr
Jaqb znrückkani, ein Unfall zu, der leicht die
schliminsten Fotqen hätte haben können. Als
drr prinzliche Wagen über die Almabrücke
suhr, kam gerade der Wagen der amcrikani-
schen Eisenbahn vvrbei. Der Postillon machte
cine falsche Wendung, und die Deichsel des
Elsenbahnwageiis stieß in den Wagen des
Prinzen. Glücklicherweisc wurde derselbe nur

keicht an der Sei'te verwunbet. Graf Bkänicki,
der sich in dem Wagen deS Prinzen befand,
erhielt einen stärkeren Stvß qegeii die Schulter.
Die Prinzessin blieb ganz uiiversehrt. (K.Z.)

Paris, 10. Nov. Wie der „Temps" mel-
det, hat Victor Einannel sosort dnrch den
Telcqraphen die Eiiiladunq des Kaisers znm
Congreffe beantwortet. Er erklärt sich bereit,
pcrsönlich zu crscheinen.

3 t a ! i e n

Turin, 8. Nov. DaS Jourual „La Poli-
tica" zeigt an, daß viele politische Persönlich-
keilcn beschloffen hätten, in den Städten und
hauptsächlichstkn Gemeinden Gesellschasten zu
gründen, um beim Parlament und bei der Re-
gierung auf Aufhebung des Art. 1 des Sta-
tuts anzntragen. Dieser erstc Artikel sagt be-
kamitlich, daß dic apostolische, römssch-katholische
Religion Staatsreligi'on ist. Heute stimmt die
alie Form nicht mehc übcrei'n mit der Ge-
wiffensfrciheit- aller Bürger, vic den Staat
ausmachen und von i'hm regi'ert werden. Wir
applaudiren zur Jdce ber Politica und wün-
sche», sie möge Früchte trage».

Foggia, 10. Nov. Der Köniq hat heute
Morgcn über di'e Garnison und 8000 Mann
Nationalgarden der Provinzen eine Nevue ab-
gehalten. Der Köni'g ist von seiner Reise sehr
befriedigt nach Neapel abgegangen.

B e l g i e n.

Brüssel, 10. Nov. Die Thronrede, wo-
mii König Leopold heuke die parlamenkarische
Session eröffnete, war eben so farblos und
matl, als sein Empsang ei» stürmischcr und
seuriger war. Der König war denn auch so
ergriffen, daß er in be» ersten Absätzen der
Rede einigr Augenblicke stockie und sich nicht
in dem Tcrt zurechifinden konntc. Der ge«
sammte diplomatische Körper war in seiner
Tribüne. Doch Jene, welche irgend eine poli-
tische Anspieluiig, z. B. auf dic an König
Leopold ergangcne Einladung Napoleon's zum
Congreffe, erwarteten, vber Jene, bie i» Bezug
aus die innere Politik eine accentuirte Sprache
ersehnteii, wurden enltäilschl.

Brüffel, 1l. Nov. Kaiser Napoleon hat
auch hier vie Eiiiladung zu eincm Eongreß
dem Minister bes Auswäriigen übergeben las-
sen. Eine Eutschließung ist »och nicht vor-
auszusehen. Das Gleiche wird aus dem Haag
gemeldet.

. Spa « ten

Madrid, 10. Nov. Es ist die Rede von
neuen Scnalor - Promoiioncn. Die Gerüchkc
einer ministerieüen Krisis gewinnen Festlgkeit.

Dänemark

Kopenhagen, 11. Nov. Der Reichsrath
nahm heule in zweiter Bcrathung den Reichs-
grundgesetzentwurf unverändert an. Am Frct-
tag findct die dritte Berathung statt. Di'e
Einladuiig zum Pariser Cvngreß sst einge-
troffen. „Bertinske" fiudet eine zusagendeAnt-
wort sach- und natnrgemäß.

libers, herbeigcführt werden müffe; um deßwillen
sei cin regrlmäßigcs uno raschrrcs Aufeinander-
fvigen dcr deutschen Schützinfeste gcboten, wärcn
fie doch die einzigc Gelcgenheit für dcn Schützen-
bund, ein LcbcnSzeichen nach außen zu gcbcn. Auch
den Wechselvrrkchr mit den Schweizcrn, dcr durch
dcn zweijährigen Turnus ermöglicht werde, dürfe
man nicht vernachläsfigeN, sondcrn müffc ihn auf's
sorgjältigstc pflegcil.

Wildbad, 31. Oct- Nachdcm letzten Montag
an zwci Stellen im Pfarrgartcn und in der Re-
mise des Pfarrhauseö mit Bohrungen nach war-
men Qucllcn begonnen worden, zcigte fich schon
heutc in bciden Bohrlöchern warmcS Waffer in
fiarker Slrömung, in ersterem bei 38 Fuß Tiefe
22 Grad, in letzterem bei 29 Fuß Tiefc 25 Grav
Wärmegehali, ohne daß dic im Frühjahr gefmidcne
ncuc Thcrme bis jetzt Eintrag crliiten hai, Dic
Bohrunge» werdcn fortgcfetzt, nnd man hofft, daß
fich die Tempcratur dcr Oucllen steigern «ird.
Wettere zwei Bohrfchachte werden gegenwärtlg im
Keller deS PsarrhanseS und im obcrn Theil deS
GartenS crrichtet, (Schw, M.)

Bonn, 5. Nov. Bon Coblenz aus wird fol-
gende intereffante G-schlchtc erzählt, die wohl dcn
Stoff zu einer Novelle bildcn könnte: „An den
dreißiger Zahren wurdc in Coblenz von einer Dürch-
reisendcn ein Mädchen geboren, welchcs von der
Mutter zu geringcn Lcuten in Pstcge gebracht wor-
den ist. Dtc Mutter, cincr wandernden Künstler-
Gcscllschaft angehörig, entfernte sich aber bald, ließ
nichtS von fich hören, und das Kind wurde im
Waisenhause erzvgcu, trät später in Gcsmdedicnfi,
führte fich gut auf und heirathete einen llnterofst-
zier, der scinen Abschicd nahm ulid sich und feine
Familie im bürgerlichen Stande rddlich — wenn
auch kümmcrlich, crnährte. Vor einiger Zctt wird
von Bcrlin aus nach jenem in ben drcißiger Zahren
geborencn Kinde amtlich nachgefragt. Di« in schr
günstigen VcrhLltniffen lebendc Großmuttcr tst eS,
wclche diese Rachforschungen veranlaßt hat. Die
erwünschte AuSkunft wird ertheilt, und noch im
Laufe der Correspondenz stirbt die Großmiittcr,
nachdem fie ihre Enkelin zuvor znr älleinigen Erbin
ihrcS ganzen BermögenS von beiläufig 250,000
Thalern cingcsctzt hat."
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