Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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M: 282.


* Politische ltmscha».

Äm Dienstag hielten Cobden und Brighl bei
einem Meeting ihrer Wähler zu Rochdale lange
Reden. Cobden sprach sich geqen kinen Con-
greß aus, der nur dann von Nutzen sein könne,
wcnn er die Cnlwoffnung beschließe. Allein
auch der Pariser Congreß von 18S6 habe sich
für Entwaffnung auSgcjprochen, und scitdem
habe man eine Million Soldatcn mehr als
vorher. Jn Betreff Amerika's äußerte er, der
Norden müffe schließlich siegen, denn es sci
»icht möglich, daß im Jahrc 1863 ein Staat
gegründet werden könne, deffen Eckstrin die
Sklaverei sei.

Zur Schlehwig-Holsteiu'schen
Sache.

Aus Kvpenhagen ist der Befehl vom Kriegs-
ministerium gegeben worden, die Vertheidig-
ungsanstalten und die Armirung der Danne-
virkestellung zu beschleiniigen. Die Ueber-
schwemmungen im Treenethale sollen, wie es
heißt, sosvrt bewerkstelligt, sämmtliche Schan-
zen mit Positionsgeschütz armirt, die Pülver-
magazine gesüllt, Projcktile herbeigeschafft und
die Pallisadirungen voüendet werden» Außer-
dem soll der Besehl crtheilt sein, in nnd bei
der Dannevirkestellung 14 Bataillone Jnfan-
teric (ca. 11,060 Mann) zu concentriren.

Hamburg, 24. Nov. Die Dinge in
Schleswig-Holstein nehmen einen raschen Ber-
laus. Sollten sie aber auch einen guten nehmen,
der Dentschlands Ehre nicht schädigt, so dars
sich das deutsche Volk nicht lange besinnen.
Jm Landc liegen augenblicklich gcgcn 12,000
Dänen, die bereit sind, feden Besehl der Re«
gierung in Kopenhagen auszuführen. Das
Land ist also im Besitz Dänemarks. Darum
keine Verzögerung! Deutschland muß unge«
säumt Truppen in das gesährdete Land wer-
fen! Nur schnell, schnell und cnergisch muß
gcyandelt werden! Das gesammte Europa
wird das große deutsche Vvlk verhöhnen,
wenn es auch diesmal vo» große» Worlen,
an denen schon fetzt kein Mangel ist, wieder
zu keiner That kommt. Unser Volk will, also
nnterstützt sein Wollen, laßt die auszüngelnde
Flamme der Begeisterung nicht abermals in
citel Rauch verdunsten! Noch wartet und
duldet Schleswig-Holstein, lange kann unb
darf eS nicht wartcn. Hat Dcutschlanb den
Muth, sein Alles daran zu setzen, vie Nord-
marken des Vaterlandes dem Feinde nicht
preiszugeben, so wird es durch kräftigcs Han-

Aufruf!

Wohlauf denn, ihr Turner, ihr Sänger, ihr
Schützen!

Jhr warfet ja jüngstens so hoch noch die Mützen.
3st wohl euer Muth schon gebrochen,

Den jüngstens so hoch ihr versprochen?

So konimet denn alle, eS ist jetzt die Zeit,

Es rufen euch Pflichten: dicBrüder befrcit!
Veretnigt euch unter den Fahnen
Dcr herrlichen sieg reichen Ahncn!

WaS jüngst noch «on allen so hoch «ard begchrt,
DaS hat jetzt der Himmel so bald schon gewährt.
Befreit euern Nam' von der Schande!

Umfaßt euch mit ctnigem Bandc!

Z. E.

Dienstag, 1. December

deln diesen seinen Willen auch durchseßcn.
Nur der,That, nicht der hohlen Rcdc beugt
sich auch die wiverstrebende Macht des Ans-
landes. Wagt also muthig die That, und daS
widcrhaarige Ausland wird sich zweimal be-
sinnen, ehe es mil dem schon im Alterthiim
gesürchtete» luror teutonivus einen Kampf
aus Leben und Tod eingeht. Hier aber in
unserm Norden miiß ein solcher Kampf ent-
brennen, oder wir flnb nicht werth, uns
Söhne und Enkel Armins zu nennen. Darum
vorwärts, ohne Zagen, ohne Bedenke»! Ent-
faltct eure Fahnen untcr dem Feldgeschrei:
„Mit Gott sür unser heiliges Recht!"

Hamburg, 24. Nov. ' General Graf O.
Baudissin erläßt folgende Erklärung : „Die
aus Hambnrger Blättern entlchnte Nachricht,
ich habe mich erboten, Freischaaren gegen die
Dänen anzusühren, ift ubegründet. Zwar
schlägt mein Herz so warm wie jemalS. sür
die Sache ver Herzogthümer und unseres
Hcrzogs gutes Recht, und ich würde mich
glücklich schätzen, wenn meine sehr angcgriffene
Gesundheil mir erlaubtc, sür mcin Vaterland
zu kämpsen; es ist aber meine feste Ueber-
zeugung, daß es eines regelmäßigen FcldzugeS
vereinter Bundestruppen bedars, um unö zu
retten, und daß, wenn viese nicht einschreiten,
Deutschlands Zugend sich umsonst sür die gute
Sache opfern würde." (Das Frkf. I. slellt
dic Frage: „Wozu dient unsere enorme Meuge
stehenden Militärs, das die StaatSbudgets in
unerhörter Wcise belastet, dem Güterlebcn
des Volkcs MiUionen über Millionen entzichl
und über das ganzc Staaten in heillvse Kon-
siikte gestürzt werben? Kann die envrme
Menge stehenben Militärs nicht cndlich einmal
für nationales Recht, für nationale Ehre einstc-
hen, rasch und eiilschloffen?")

Der Militärauöschuß soll erklärt haben,
daß zur Besetzung von Holstein unter ben
gegenwärtigen Umständcu inclusive des Reser-
vecorpö 60,000 Mann nöthig seien.

Schleswig, 25. Nov. Zn Bezug aus die
von hier aus nach Kopenhagen abgegangene
Depulation, um dem König Cyristian IX. Hul-
digung und Glückwuiisch dcr Kommune zu
überbrillgen, ist zu bcmcrken, daß diese Depu-
tation nur aus Mitgliedern des MagistratS
bestand, indem die beputirten Bürger dic Ab-
sendung einer Deputation einstimmig abgelehnt
hatten.

Hannover, 26. Novbr. Der Besehl zur
Verftärkung der sür Holstein zur Erecution
bcstimmten Truppen ist erlaffen. Das han-
noversche Erecutionscorps wird also bestchen:

Dic Wirthin von Fischbach.

Humoristifche Erzähtung von Ch. v. Gravemeuth.
(Fortsetzung.)

DaS Weib muß ich kennen lernen, versicherte
Gcneral Haller.

Uebrigens, fuhr Scefcld fort, soll sie Tage habcn,
an denen fie «eniger wortkarg, sogar gesprächig,
abcr darum nicht minder grvb ist. Ahre Antwor-
ten find oft geistrcich, fchlagend und voll Salz.

Prächtig! rief der König, diese Frau intereisirt
mich. Jch will eine Probe ihrer berühmten Grob-
heit haben. Schon längst bittcn mich die Geist-
lichen von Kloster Audorf um cincn Besuch, dee
Prälat hat sogar mein Versprechen.

So ist'S, nnd ich «erde daher in den nächstcn
Tagen eine Ercursion nach Kloster Audorf machen
und in Fischbach Hcchtc effen —

Und nns Grobheiten holcn! ergänzte der Ge-
neral; denn Tuere Majestät werden wohl crlaubcn,
daß ich im Gefolge sci?

Znsertionsgebührea für die Sspaltige Petit-
;eile werven mit 3 kr. berechnek.

aus 6 Bataillorien Jnfanterie, ungefähr 4800
Mann, 2 Feldkavallcrieregimentern, ungefähr
760 Pferden unv ungefähr 600 Mann Artil-
lerie-, Train« und Genietruppen. — Eine ähn-
liche Truppenzahl inacht Sachsen zu demselben
Zwecke mobil. — Wann aber werden diese
12,000 Mann marschiren?

Altvna» 26. Novbr. Bischof Koopmann,
svwie der größere Theil der hiesigen Geistlichen
und Gpmnasial-Lchrer hak die Leistung deS
gesordcrten Homagialeides verweigert unb diese
Weigerung in mehr oder minder ausführlicher
Wcise molivirt. Von ben hicstgcn Advokaten
haben drei dea erwähntcn Eid grleistet.

Hamburg, 27. Nov. Die hicstge Poli-
zeidireciion hut auf Verlangen der dgnischen
Negierung das Bureau beö schleswig-holsteini-
schen Vereins geschloffen.

Kopenhagen, 27. Nov. Aus zuverläs-
siger Quclle tann ich Jhneii millheilen, daß
bcr König Christian IX. bei England mehrere
Schiffe zum Schutze gegen die Kopenhagener
Demokraten reqnirirt hat. Er beabstchtigt,
ben Reichsrath aufzulösen und hofst mit Hülfe
eines neugewählien Reichsraths seine Unter-
schrift des Staatsgrundgesetzcs von Dänemark-
Schieswig rückgäugig machen zu köniieii. Da
aber hierduich wahrfcheinlich eine Nevolte
entstehen würde, mußte er sich vorher ber
Hülfe eincs englischen GeschwaberS versichern.

Kopenhagen, 27. Novbr. Die Berliner
Tid. lchreibl: Hier eingelroffcnen Nachrichten
zujvlge hat die englische Äanalfloltc Besehl
erhalien, nach der Ostsee abzugehen.

Altona, 27. Novbr. Hier ist dem Ver-
nkhiiien nach dic Versügung von Kopenhagen
eingetioffcn, daß die holsteinischen Beamten
voriäuftg von der Lcistling des Homagialeides
zu dispenstren seien.

Kiel, 27. Novbr. Das heute hier ver-
sammeile Pienum ver schleswig - holsteinischen
Ritteeschaft hat cine Eingade an den beutschen
Buud beschioffcn, ähnlichen Jnhalts wie dic
Eingabe der Sländc, aiierkeiineiiv bie Rechte
der Augustenburger Linie, verwahrenb gegen
dic Erbsolge des Königs Christian IX., ben
Buiid auffordernd, die Rechte des Landes zu
schützen. . Revenilow-Farve war der Einzlge,
welcher nicht zustimmte.

Gotha, 28. Nov. Außer Samwer, Zrancke,
Oberst bu Piat aus Hamburg ist auch Regie«
rungsrath v. Warmstädt aus Hannover in das
schleswig-holsteinische Ministerium berusen.
Der seiiherige preußische Gesandte in Dresden
Gras Rantzau, soll die äußerc diplomatische
Vertrelung des neuen Hofes übernehmen. Die

die Wirthin an meinem Haudegen ihren Mann
findet.

Soll sich in Acht nehmen! drohte dcr Gencral.

Aber, lieber Marr, warf die Königin etn, Dn
wirst doch nicht im Ernste —

Nach Fischbach reisen und mir Grobheiten holen,
mcinst Du, licbe Karoline? Gcwiß, ich brenne
darnach, dieses merkwürdige Eremplar von etner
Wirthin zu fehcn!

Abcr doch jcdenfalls wirst Du dic Retse incog-
nito machen?

Wo läge dann die Pointc? Nein, liebe Karo-
line, die Frau muß wiffen, wer tch bin, und gc-
radc dann wird eS sich zeigen, vb ihre grobe Laune
naturwüchsig ift oder nur cin angenommeneS Wesen,
viellcicht Speculation, um Neugtertgc anzuziehen.

llrweltlich, Majestat! ries Scescld. Vorsünd-
fluthlich! und tch wcttc Hab und Gut, daß fie
zwischen Eurcr Majestät und dem erstcn bcstcn
Gaste, der ein GlaS Bicr verlangt, nicht den ge-
ringstcii llnterschied zu machcn Belicben tragen wird.

Desto beffcr, erwidcrte König Mar, dann ist's
einc Origirialität, und solchc interesfirt mich, wo
ich sie tmmer finde. — Es blcibt dabet, meine

Ratürlich! lachte der Konig, nnd ich hoffe, daß
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