Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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enql. Hauptblatte, Times, gebracht wurde, be»
achken ». darnach handeln woüte. Von demselben
Enqland aus, welches sonst von dem deutschen
Volk in Bezuff auf die schleswig.holsteinische
..Frage als ein arger Feind betrachket wird, ist
Folgendes kund gethan worden: »England
befteht nichk", so sasten dic Times, „auf dem
Londoner Prokvcoll, auf der Jntegrität der
däiiischeii Monarchie, es läßt das Succesfions-
recht des Herjvgs von Augustenburg gelten,
wenn die Herzogthümer ohne Hilse
der deutschen Vertragsfürsten über die
Dänen den Sieg erringen." Mit diesen Wor«
ten, so ist anjunehinkn, hat dse Times der
Memung der auswärtigen Poliilk Englands
und des englischen Volkes überhaupt einen
unverfälschten Ausdruck gegeben. England
will, däß Verträge gehalten werden sollen,
aber es svll aüch das Volksrecht seinen
Willen haben, wrnn es so stark ist, stch durch
sich selbst zu behaupten. Der Loudoner Ver-
trag soü durch die Jntervention Oesterreichs
und Preuß.ens in den Herzogthümern nicht
gebrvchen werden, aber wenn Schleswig-Hol-
stein stch erhebt, dic Däncn zum Lande hinaus-
treibt und seine Selbstständigkeit zu behaupten
weiß, vhue daß die VertragSzeichner ihnen
dabei behilflich sind, so wird England nicht
zu Gunsten des dänischen Gesammt - Staates
interveniren, sondcrn die vollbrachte That-
sache der Unabhängigkeit der Herzogthümer
anerkennen. Nichtintervention ist alsv die
Parole Englands in der schleswig-holsteini-
schen Tagessrage, Und insvfern steht die in
dieser Frage besolgte englische Politik mit den
fast überall von diejcr in Anwendung ge-
brachten völkcrrechtlichen Grundsätzen nicht im
Widerspruche. Sache des deutschen Volkes
wäre es nun, in seinem eigeiien und der Her-
zvgthiimer Jntereffe, den also eriheilten Wink
zu beherzigen. Keine Jnlcrvention der deut-
schen Großmächte, sviidern GewLhrenlaffen
derersten germanischcn Selbsthilse, — daS wäre
eine zum Ziele führeiide, Deutschlands wür-
digcn, Lösungder schlcswig-holsteinischenFrage;
Oesterreich und Preußen mögen dabei immcr
aus dem Londoner Vertrag beharren und ihren
Entschluß bciheuern, daran festzuhalten, die
Bevölkerungen Deutschlands werden verstehen,
was das zu bcdeuten hak, und ihnen dasür
Dank wiffen. Was die deutschen Großmächte
nicht wagen wollen, das zu voUbringen mögen
sie dem deutschen Volke überlassen. Nur hin-
dere man dic deutschc» Bevölkerungcn in den
verschiebenen Staaten nicht, man gcstatte ihnen
ihre Spmpathien für die Sache der Herzog-
thümer zu bethätigen, und sie sind, selbst lebig-
lich auf die stille Unterstützung der
mittel- und kleinstaatlichen Regie-
rungen angewiesen, stark genug, sür
Herzog Friedrich von Augustenburg ein Hcer
zu bilden, Schlcswig-Holstein binnen kürzester
Frist zu besrcien!

Leider ist auch der Grund der bei uns be«
stehenden realen Verhältnisse zugleich hinzu-
zufügen, daß dies zum erstenmal wäre, daß
bei Behandlu.ng einer svlchen Frage die deutschen
Diplomaten von ihrcn Gewohnheiten abweichen,

und katzenbucklerisch — damit ich ntcht Zeitlebens
auf die Festung komm'? So soll's wohl heißen,
Jungfer Siebcng'schcit? Na, wir wcrden schon
wiffen, waS der Brauch ist.

Mutter, lieb'S Mutterle, sagte daS Mädcheu
liebkosend — sci nur heut' lieb und gut, wie Du
ja oft scin kannst, wenn wir allein sind — mach
Deinem Kind die Frcud', nimm ihm die Angst
von der Seel'! Schau, so vornehme Leut' sind ja
nct wie llnseretns, die schau'n ja net in's Hcrz
hinein, wie's da drin g'incint ist, dtc halten stch
an's Wort, und bist Dll grob mit dein König, so
sind wir Alle unglücklich!

Ein recht Herzenswarmcr Blick flog aus den dun-
keln Augen der Wirthin über die Wohlgcsralt der
Tochter, und sie sprach auswcichend:

Geh' nur in die Kuchel und hilf mir arbciten,
daS llebrige wtrd sich sindcn. Angst brauchst Du
keine zu haben, denn tch fürcht' mich nicht vor
König und Kaiser, und allc Festungen der Wclt
könnien mich nicht anders machcn, als mir'S eben
um's Herz scin wiro.

Jktzt kam HanS mit den schnalienden Fischen
im Netze, und Midei eilte tn den Garten, um in

und die Kundgebungen der Bolkswünsche sind
für sie noch selten maßgebend gewesen. ES
ist zu sürchtcn, baß dieselben in dcr schleöwig-
holsteinischen Fragc wicder nicht über die Po-
litik von 18äO hinausgehen, und statt den
Hcrzoglhnmerii Zeit und Mittel zu gönnen,
sich selbft zu befreien, ihnen eine Hilfe ge-
währen wird, die zu nichts sührcn kann, als
sie neuerdings der bänischen Willkür zu über-
liefern.

* Politische Nmschau.

Von Paris enthält das Wiener Cabinet
kesnc rosigen Nachrichten. Den Berichten bes
Fürsten Mctteriiich zufolge ist der Sturm in
dcn osficiösen Pariser Blättern gegen England
wahischcinlich nur das Vorspiel eines noch
heftigeren Orkans gegen Oesterrcich. Man
versichert, daß Fürst Mctternich noch jctzt aus
daö Dringlichste rathe, eine rasche Weiioung
in der Congreßsrage zu machen.

Die Pariser Blätter sprechen sich äußerst
anerkennend aus über Preußens unv Oester-
rcichs Erkiärungen in der dänischen Frage,
worüber sich die.deutschen Männer Rechberg
uiib Bismarck nicht wenig freuen werden.

Es bestäligt sich, daß cin nenes sranzösisches
Anlehcn bevorsteht. Daffelbc wiro sich auf
300 Millivnen Frankcn belaufen nnd soll auf
eine Minderung der schwebenden Schuld ver-
wendet werden.

Schweden hat die Unterzeichner bes Londo-
nei Protocolls vo» 1852 zu gemeinschaftlichen
Maßregkln gegcn die deutsche Bewegung für
Schlkswig-Holstein ausgcfordert.

Für die Stellung Preußens sehr bezeichnend
ist der Schlußsatz des jüngsten Lcitartikels der
N. Allg. Ztg>, des Organs des Hrn. v. Bis-
maick: „Preußen als Glied dcs dentschen
Bimdes hat das Necht und die Pflicht, mit-
zuwirkcn, daß die Rechte der Bnndesglieder
nicht beeinträchtigt werden; Preußen isi aber
als Großmacht und als Mitunterzeichner deS
Londvner Proiocolis berufen zur Erhaltung
des europäiichen Gleichgewichts mitzuwirken.
Wenn cs nicht dulden wird, baß man den
mit ihm eingegangenen Berpflichtungen Hohn
spreche, so wird seine Negierung sich auch nicht
dnrch eine wilde Demagogic, die sich mit dem
Pamen eincr nationalcn Begeisterung mas-
kirt, zu Schritten antreiben laffen, welche den
Staat in Gcfahr bringen, vhne ihm entspre-
chende Vortheile in Aussicht zu steüen."

Mit Thränen deS Dankes unb dcr Frcude
las man in den Herzogihümern, wie von dort
qeschricbcn wird, die Knndc von den Be-
schlüffen deutscher Volksvertretungen u. deut-
scher Volksversammlungen, insbesondere von
dem mannhaften Auftretcn dcr würtembergi-
schen Stände. Mit welchcn Gefühlen wird
man dvrt die Kunde von Frankfurt verneh-
men? Wie Sturmläuten klang seither den
Bcwohnern der Herzogthümer, wie sie schrei-
ben, das vierstündige Trauergeläute, daS sie
täglich hören müffen. Wie Trauergeläute
wird cs ihne» jctzt klingen, Tranergeläute um
ihrc Freiheit, um ihr beutsches Wesen, um

siiinigcm Ehrfurchtsgcsühlc vor dcr Majestät, die
ihr armcS Hans beehren «olltc, diescm wenigstens
dic Zierde zu gkbcii, dte ihr zu Gebote fltand.
Erbarmungslos schnitt sie die schönsten Blüthen
imd Blumen ab, versah sich mit einem Büschel
grüner Blättcr, streute Laub und Blüthen rings
im Zimmer umhcr und stcckte die duftendstcn Blu-
incn in Gläser, die sic auf die Tischc umher ver-
theilte. _ (Forts. folgt.)

Glasbrenncr's „Mont.-Ztg." veröffentlicht den
solgcnden, viclleicht nicht ganz echten Brief: „An
Papa Lbriftian in Kopeuhagen. Lieber Papa!
Du dist nun auch das, Ivas ich bin. DaS ist schncll
gcgangcn. Es war mir sehr unangcnehm, mehr zu
sctn als Du. Abkr jktzt: Vater und Sohn König,
daS !st ttoch seltcn und allerlicbst! Es ist wirklich
ein ganz reinlichcs Geschäst und cinc hübsche Stel-
lung, die mau cinnimmt. Du wirst es ja auch
dald kcnncn lcrnen. Jch habe mir das Regiercn
vicl schwieriger gedacht. Mcinc Ministcr, mit dcnen
ich täglich zwci Stunden arbeitc (eS greift mich
nicht an), metncn, ich hättc in der kurzcn Zkit
große Fortschritte gcmacht, und ich regterte jetzt '

die Ehre der deutschen Nation. WaS sie biS-
her nur in flüsterndcr Befürchtung ausspra-
chen: „Nur keinc abcrinatiqe Täuschung!" das
wird jetzt als lanter Anqsti uf wiederhallen im
Lande, und die Dänen, oie, wie inan weiter
schreibt, zum Rückzuq bereits gepackt hatlcn,
welchc vie Arsenale, Caffen, Telegrapheu-
burcaus rc. zum Flüchten ihreö Jnhalts bereit
gehalten hatten, werden sich wicder — rn
ihrer Weise — häuslich in den Herzogthümern
einrichten. Wer aber glaubt nöch an dkc
Fabel von Deutschlands Großinächtc», wclche
Deutschlands Schiid unb Schwert sein sollen?
Wie ein Schulknabe muß sich das stolze
Oesterreich seit einigen Tagen von seinen be-
freundetsten Blättern bis derab zu den ultra-
montanen Blättchen abkapileln laffen? Wird
es sich das noch lange gefallen laffen. Wird
man warte», bis das Ausland, wie schon ein-
mal 1852, die deutscheste aller deulschen Fra-
gen zum Austrag bringt?

Zür Schlesivig-Holstetn'schen
Sache.

Hannvver» 29. Nov. Der academische
Turnverein zu Göttingen hat bcschlvffen, fallS
das Vaterland ruse, mit den Waffen in der
Hand für-daSselbe einzustkben.

Erbach-Nknr» 30, Nov. Die General-
versammlung deS großdeutschen Vercins für
Würtemberg beschließt: 1) der Kammer der
Standesherrcn und der Kammer der Abgcord-
neten für Wlirtemberg den Dank des Vereins
für ihr entschiedeiies, dcn edelste» Wünschen
der deutschen Nation entsprechcndes Auftreten
zum Schutz ber Rechte Schleswig - Holfteins
auSzudrücken, und zugleich das Bedaucrii aus-
zudrücken, daß die Durchführung der Reform-
acte, deren Ännahme die Wahrung dcr Rechtc
und Jntereffcn DeutschlandS wesentlich fördcrn
würde, noch nicht erfolgt ist; 2) dem Ge-
meinderath von Wien für die Erlaffung seiner
Adreffe an deir Kaiser Franz Jofcph zu Gun-
sten der Rechte Schlcswig-Holsteins die freu-
dige Anerkennung des Vereins zu bezeugen;
3) dem legitimen Fürsten von SchleSwig-
Holstein, Herzog Friedrich, nach dcn Kräften
des Vereins Geldmittel zur Versügung zu
stellen, und Sammlungen zur Unterstützung
seiner gcrechte» Sache bei ailen Freunden des
großen einigen und freien Vaterlandcs ohne
Unrerschied der politischen Gesinnung zu ver-
anstalten.

Haurburg, 2. Decbr. Jm Herzogthum
Schleswig ist nunmehr amtlich Namens Chri-
stian IX. das Verfafsnngögesetz vom 18. No-
vember promulgirt worden.

L e u t s «h l a » d

Mainz 27. Novbr. Warburg ist wegen
seiner Brvschüre „an meine Mitbürger" zu
einer Corrcctionshausstrafe von 4 Monaten
und in eine Geldbuße von 50 fl. verurthcilt
wordcn. Buchdrucker Baist in Frankfurt, als
Theilnehmer an dem Preßvergehen, erhielt die-
selbe Strafe.

fchon biffer als mancher Fürst und Kurfürst, dte
schon jahrelazig rcgieren. Mit dem Grtechischen
gehts immer noch nicht rccht. Der OptattvuS will
mir gar ntcht in den Kopf. Plato, den ich an-
gefangen habe, gcsällt mlr nicht. Er schreibt zu
unklar, dcr Mann, und hat übcr dcn Staat ganz
»crslbrobenc Ansichten. Mein Hauslchrer will mir
ihn etwas modernifiren. Sonst bckommt mir das
Clima ganz gut. Ach effe viel und schlafe sehr
vtel und bin auch noch etwas gcwachsen. An Ver-
gnügcn fchlt eS mir auch nicht. Jch leide uur
etwas an Katarrh und Rheuma, wclche leider beide
auS dem Griechischen kommen. Jch grüße Dich,
licber Papa, odcr auch: licber Collegc. (Wie freue
ich mich über dicfc Anredc!) Jch mache mir daS
Vcrgnügen, Dir (Du wirst lachen!) den DionysoS-
Orden mit der Löwcnklauc in Brillanten zu übcr-
reichen. Gib mir auch eincn. L proxva, wic grvß
ist Dcine Eivilliste, licbcr Papa? Die metnige wird
wöhl schon nächstens eine Zulage crhalten; denn
wie fic jctzt ift, kann ich anständigerwcise ntcht auS-
kommen. SchlkSwig -Holstein wird Dir doch nicht
etwa Vcrdricßlichkeiteii machen? Dcin gctreuer Sohn
Gcorgto« I."
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