Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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N» 2S1. Freitag, L1. December

' Auf die „Heidelberger
Zeitilng" kaun man sich
noch fnr den Monat
Drcrmber mit 18 Kreuzern abonniren bei allen
Postanstalten, de» Boten und Trägern, sowie
der Erpedition (Schiffgaffe Nr. 4).

* Politische ttmscha«.

Die beste Beleuchtuug des Standpunktes
eines leider großen Theiles der gekrönten
Häupter ist die gestern mttgetheilte Antwort
des Kaisers von Oesterrcich an die Deputa-
tion des Gemcinderathes von Wien. Der
Kaiser sagte ungefähr dasselbc, was in vori-
ger Wvche der Herzog von Raffau dem Wics-
badener Comite erwiedert hat. Die schönen
Tage des Fürstentages sind freilich längst vor-
übcr. Den ehrlichen Leiiten nnter dem großen
Haufen derjenigen, welche sich durch den.Für-
stentag zu Vertrauen und Hoffnunqen begei-
stern ließen, wird jeßt wohl klar, welcher Art
die Freiheit und Einigkeit sein würvcn, die
durch die Reformacte angebahnt werden sollte.
Die Fürsten wollen den Rath ihrer Bürger
nicht, aber sie wollen, wcnn der Kriegsruf
ertönt, ihre Söhne zur Vertheidigung ihrer
Throne dem Tove entgegen führen!!

Die Nachricht von der Mobilmachung
eincs Theils der preußischen Armee wird
für ein Mißverständniß (dic Mißverständniffe
spicle» bei der preuß. Rcgicrung bckauntlich
stets eine sehr bedentende Nolle) erklärt und
geincldct, es handle stch nicht um eine Mobil>
machung, sondern lebiglich um eine Ausrüstung
der Truppen. Jn Folge deffeu ist die Auf-
forderung an dic Gemeindcn, welche für den
Modilmachungsfall Pserde zu stellen haben,
namciitlich auch die von der Berliner Skadt-
verordliktkn.VersaminIung zu diesem Zwecke
bcwilligten 100,000 Thlr., wieder zurückge-
nommen.

Es ist nach der „Volksztg." vas Gerücht
verbreitet, daß heute Kaiser Lvuis Napoleon
von eineul Schlaganfall betroffen worbcil.

Aus Ostindien berichtet man von Kämpfen
an der gebirgigen Nordgrenze zwischen den
Engländern nnd den Bergbewohuern.

Die türkische Regierung hat den Bau von
acht Corvetten anbkfohlen.

Zur Schleswig-Holsteiu'schen
Sache.

Die Stimmung in Kopenhagen soü nach Auf-
hebung des Patents vom 30. März schon sehr
unruhlg gcworden sei'n.

Die Wirthin von Fischbach.

Humoristische Erziihiung vou Ch. v. Gravenreüih, i

(Fortsttzung.)

Hocherröihcnd über ihre eigene OGenheii den '
frcmden Männern gegenübcr, wollte Midei das
Zimmer verlaffen, als der Könlg ihr zurief: Wcs- !
halb wlllst Du uns verlaffen, gutcS Kind? ,

U»> oie Mutter zu fragen, ob ich Milch »dcr ^
Bicr sür dic Herren bringen soll.

Bringe »on bcidemr mcine Tochter, wir werden !
dann wählrn, waS uns am besten dünkt.

Midei eilte hinaus.

Aber wo bleibt Eucrc Frau? fragte nun der !
König den Wirth, der in der unbkhaglichsten Ge-
müihsvcrsaffung am Ofen stand.

Sie ist in der Küche beschaftigt, stottertc er vcr-
legen.

So geht und sogt ihr, sprach Gcneral Haller,
daß cs Sitie ist, seinen Monarcken zu begrüßen,
ihm die gebührcnde Lhrfurcht zu erwcisen, wenn
er in unser HauS tritt.

Slücksclig, einen Vorwand zu haben, um sich

Di'c „Bad. L.-Z." schreibt: Der gestrige
BundeStagsbeschluß ist durchaus kein Grund
zur Entmuthigungr er läßt die Erbfolgefrage
uiientschieven, damit gcwinnt das deutsche Volk
und der Hcrzog von Schleswig.Holstein Zeit
zum Handeln, uud Zeit gewonnen ist Aües
gewvnnen. Nun auf, ihr dcutschen Stämme,
und bewcist, daß ihr keinem ehrlosen, verach-
teten Volke angehören woüt! Bis zum 21.
Decbr. habt ihr jetzt Zeit, euch in Lanvesver-
sammlungcn und Landesausschüffen zu orga-
nisiren, und wenn dann am 21. Decbr. die
Nbgeordneten aller deutschen Kammern i'n
Franksurt zusammentreten, muß Alles bereit
sein! Bapern und Württemberger aber, ihr
Sachst», Hessen, Braunschwei'ger u. Naffauer,
deren Regi'erungen gestern mit Baden für die
Occupation gestimmt haben: ihr habt jetzt die
Gcgenprobe in dcr Hand, zu prüfen, ob eure
Regierungen wirklich mit dcm deutschcn Bolke
gehen wollen; wenn ihr bis zum 21. Decbr.
eure Fürsten nicht dazu bringen könnt, sosort
und ohne Warten auf den Bundestag den
Herzog Friedrich von SchlcSwig-Holstein an-
zuerkenncn, daim wl'ßt ihr, woran ihr seid!

Bietigheim, 6. Decbr. Die heuie hicr
stattgehabie zahlreich besuchte Generalvcrsamm-
lung deS „schwäbischen Sängcrbundcs" eröff-
netc ihre Verhandlungen mit der cinstiinmigen
Annahme soigenden Beschluffes: „Die General-
versammlung ves schwäbischen Sängerbundes
erkennt es für Ehrensache unv hcilige Pstich't
aller Sänger des Bundes, in der nationalen
Angelegcnheit der Befreiung Schleswig-Hol-
steins vom dänischcn Joche mik allen Kräften
kiiizustehen und dic in Liebern und Worten ost
kundgegebcnen Spmpathien jetzt in der Stunde,
wo es gile zu handeln, durch die Thak zu
bekräftigeii." ,

Gotha, 6. Decbr. Jn den verschi'edenen
Ablyeiluiigen dcr hiesigeu Regierung des Her-
zogs vv» Schleswig - Holstein herrscht noch
immer eine augestrengte Thäligkeit, denn es
gibt der täglichcn Ansragen und Erledigckngen
gar viele und mannichsache. An Anerbietnn-
gen der vcrschiedcnsten Art fehlt es nicht;
doch zeugen gar manche von eiilschiedcn beffe-
rem Willen als gerade praktischcr Beurthei-
lung der Verhältniffe. So ist auch dic Bil-
dung einzelner Freicorps, die von mchrcren,
und zwar ost recht unbkrufeiien Personen an-
geboten wurden, ganz entschieden von dem
Herzog abgelehnt worven. Lie dcntschen Re-
gicrungcn, dercn GcrechtigkeitSsinn n. National
stolz der Herzog von Schleswig-Holstein seine
gerechle Sachc anvertraut, besitzen reguläre

cntfernen zu können, drückte sich der Mann htnaus
zu seincr Frau in die Küchc.

Daß dicftS Wctb sich bei der Ankunft sEurer
Majestät nicht schen licß, ist schon der erste BewciS
ihrer Grobhcit, meintc General Haller.

Wer weiß, erwidertc dcr Köntg, viclleicht zieht
sie flch festlich an, oder sic hat noch vtel zu thun.

Sv etwas wird wohl der Grund ihrcs AuSblei-
bens sein, bcmerktc dcr Adjutant, denn so weit
wird ja das Weib dic Rcspectswidrigkelt nicht trei-
ben, daß sie absichtlich vcrmiede, sich zu zeigen,
wcnn —

Nun, der Schildcrung Secseld's zufolge bin ich
auf viel gefaßt, sagte der König.

Jetzt kam Mtdei mit einem zinnernen Präfentir-
tcller zurück, auf welchem sic ein Glas Milch uud
ein Glas Bier trug und es vor dcn König hin-
stcllte. Dtescr nipptc an der Milch und fand sie
frisch und gut.

Dcr Gencral trank von dem Bicre und meinte,
es laffc sich überwindcn.

Aber wo bleibt Detne Mutter? fragtc der König,
ich sandte Dctnen Vatcr, sie zn holin, aber auch
er bleibt verschwundcn. Gch' Du, mcin Kind,

AisttlioiiSgMdr!» lür^dlr 'i'rrlnqr Prn,. 18^3*

Truppen vollauf, so daß er di'e Bildung be-
sonderer Freicorps ni'cht bedarf, um die Däoen
zu bekriegen und hoffentlich auch zu besiegen.
Wollen Preußew und Oesterreich ihre Truppen
jetzt nicht gege» Dänemark marschiren lasscn,
so bedarf es nur an 60 bis 70,000 Mann
Bapern, Sachsen, Badener, Württemberger,
Meininger und Contlnqente anderer Staaten,
welche den Weg durch Hannover nöthsgenfalls
nehwen können, und der Krieg mltDänemark
,'st leicht zu beendigen.

Sruttgart, 7. Dec. Die „N. F. Zlg."
schreibt: Die Anfregung ist im ganzen Lande
groß; die Bewegung im Volke zu Gunsten
Schleswig-Holsteins hat alle Kreise ergriffen,
dic Pakteiiintcrschiede haben ausgehört. Dic
Stimmung in der Armee ist nicht minoer ener-
gisch, und nicht rvenige Osfiriere sinv bcreit,
aus den ersten Ruf nach Holstein zu eilen.
Der Könlg seldst thei'lt die allgemeine Gestn-
nung. Aber — — Großsürst Konstantin ist
am 5. d. hier angekommen, und seitdem be-
reitet stch sn den höheren Regioncn ein Um-
schwung vor. Die politische Rundreise, die
der Großsürst jetzt durch Deutschland macht,
hat schon ln Wien ihre Früchte gelragen, und
wenn in Fraiiksurt Unersrenllches beschloffen
wirv, so köiiiie» Sie Rnßlands geheim wir-
kende Hand darin erkeniien.

Frankfurt, 7. Dcc. Hr. A. Varrentrnpp
hat dcm Herzog Frledrlch vou Schleswlg«
Holstein aus selnen Mitleln cinc pakriotische
Gadc von 20,000 st. zur Verfüqung gestcllt.

(N. Fr. Z.)

Würzburg, 7. Dec. Die Arbkiter der
Masitzmenfabrik von Köiu'g u. Bauer ig Zeü
bei Wnrzburq haben ,ii eiiier Vcrsammlung
einmüihig beschtoffen, auch ihr Schcrslcin auf
den Aiiar des Vatcrlaiides niederzulcgen i»
der Art, daß stc cine Woche lanq für Schles-
wig.Holsteiii arbeiletkn, nnd den Erlraq dle-
scS Wochenlohnes dem Schleswiq - Holsteln-
Vereln in Würzburq zur geeigneten Verwen«
diinq zu überqeben! Die ansehnOchc Summe,
bestehend in 1000 fl., wurde sofort dcm Aus-
schufse des Vereins einqehändiqt. Die Ver-
saminlung anlwortete ben patriolischen Gebern
mik einein dvimcnden Hoch.

Ratzeburg, 7. Dec. Die Rl'ttk» und
Landschast des Herzoqlhums Lauenburg hat
sür die Aufrechlhaltnnq des Bcrbandcs mtt
Däneiiiark stch crklärt, die Anerkennimq Könlg
Ehristians IX. als Herzog von Laueiiburg
ausgcsprochen und somit das früher de» Land-
stäuven nicht vorgelegte Throiisolgegcsetz vom
Jahr 1853 nachträqlich genehmiqt.

und sage Deiner Mutter, daß ich sie.zu schen
wünschc.

Aid gnädlgster Herr König, sprach daS Mädchen
Lngstlich, die Mutter hat zu thim. Niemand darf
die Fische anrühren, als ste, man macht ihr nichtS
recht, cS vcrsteht'S a»ch Niemand so, wie sie, und
da läßt sie sich dcnn auch vvn Niemanden stören.

Sclbst nicht, wenn der König bestehlt? fragtr
der Adjutanl.

Jch weiß nicht, Herr Officier, crwiederte das
Mädchen halb scheu, halb kühn, ich glaube, es
gibt Nicmand auf Drden, von dem sich die Muttcr
«as befehien läßt, aber ich will's der Miitter auS-
richten, daß sie hcreinkommcu soll. (Forts. f.),

^ Chronomctrisches Näthsel!

Vom Bahirhof biö zum hctl'gcn Gctst
ttnd biS zum Markt, zum Nittcr,

Sind's füuf und dreißig Minuten dretst,
Und läusst Du wie's Gewittcr.

Dvch willst Du umgekehrten Wcg,

Du brauchft Dich nicht zu sputen, —

Du ksmmst zur Eisenbahn noch recht
Jn knappcn fünf Minutcck!
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