Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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Dienstag, 2S. December

ZnsertioaSgebübreu fnr die Sspaltige Petit-
irile werdea mit 3 kr. berechnek.

L8«3.

Einladung zum Äbonnement

0»s dt-

eidelberger Zettung

188». I. Luartal

Dte Heidelberger Zeitmrg wtrd, unterstützt durch tüchtige Lorrespondenz, wie bistzer, auch ferner die Bahn des Fortschritts mit Fretmuth beharrlich
perfolgen und dabei den nationalen Standpunkt festhaltend, in dtcser Richtung namentlich dte Angelegenheiten des gcsammten deutschen und jeue
unsercs engcren Baterlandes Baden der Betrachtung unterzirhen, überdteß alle wichrige» und interessantcn Thatsachen dcr Tagesgcfchichtc so schleunig als
mögltch und ebenso die telegraphischen Rachrichten mitthctlen. Die Berhandlungen unserrr Staudekammern werden jeweils am andern Tage nach der
Sitzung in unserem Blattc vcröffentlicht.

Mit der Zeitung verbundcn ist ein dreimal wöchentltch erschcincndes llnterhaltungsblatt, um auch dcn für diefen Theil des Blattes flch mrhr in-
teresfirenden Sesern einc größere Auswahl und Manntchfaltiakcit zu bieteu.

Wie btsher werden «ir uns aytzelcgcn setn laffen, unseren localen städttschen Verhältntffcn gebührende Beachtung zu widmen.

Schlicßlich sei bemerkt, daß wer die obrigkritlichen Bekanntmachungc» sowohl, wie alle Anzeigcn aus dem praktlschen Gebiete und die Ankündigungen
der Behördcn mittheileN werden. Dieselben werden ncbcn dcr Zeitung auch »och dmch daS Tagblatt, zugletP StraKenanzetger, »erbrettet.
Dte Heidelberger Zeitung erscheint tüglich (Montags ausgenommen) in groß Folio. Der stcrteljahrige Abvnnemenispreis betriigt 54 kr. Für AuswLr-
ttge kommt dazu noch ber Postausschlag. Bcstellungen dttten wir auswärts bei der nächstgelegenen Poststatiork, tn htesiger Stadt bei den
ZritungSträgern oder bci der Erpedition, Schtffgaffe Nr. 4, gefälligst bald machen zu «ollen.

Hetdelborg, tm Dccember 1863.

Molph Emmerling.

Verlagsbuchhandlung und Buchdruckeret.

* Politische Umschau.

Temps berichtet auS Berlin von eüiem hes.
tigen Auftrüt zwischen Hrn. v. BiSmarck und
dem Prinzen Friedrich Karl, wobel eS so un»
höflich hergegangen set, daß die prlnzliche Hand
mit der minlsterieüku Wange in eine allzunahe
Berührnog gekommen wärr. Wir wiffen nicht,
waS an der Erzählung Wahres ist.

Nach der Schles. Ztg. hätte der französische
Mmister der auswärligen Angelegenheükn den
französischen Gesandten in Wien und Berltn
mltgetheüt, der Entschluß des Kaisers, den
Herzog von Augustenburg in erster Reihe alS
Souverän von Schleswig-Holstem anzuerken-
uen, stehe fest, sobald die Bevölkerung den-
selben nach dem Einlreffen der Bundestruppen
in Holstein proclamirt und dic Hcrzoglhümer
ihn anerkannl haben werden. — Und bie deut-
schen Großmächte, welche das Necht SchleSwig.
HolstelaS beschützen?!

Das osficiöse „Lütticher Zvurnal" melbet,
England unterhandle wegen etner nach Lonvon
zu berufenben Confcrenz zur Schlichtung des
dcutsch-dänischen Streites, und versichert, die
Unterhandlungeii scien dem Abschiuffe nahc.

Die Maßregeln, welchc die Hamvnrgrr Po-
lizci gegen die Wehrvereine auf Andringen
des Commandeurs der österreichischen Ere-
cutionstruppen trifft, entsprrchen burchaus der
Hallung, welche das Wiener Cabinet seit Be-
ginn der schleswig-holsteinischen Bewegung
g egen dicselbe bewahrl hat.

Neuesten Nachrichten zufolge schclnt Oester-
reich berett, fich bei Ministerconferenzen zu
betheiligen, um Kaiser Napoleon nicht allzu
sehr vor ben Kopf zu stoßen, hauplsächlich
aber ans bem Ärunde, weil es sich vor einem
wiederholteii combinirlen Angriff anf Venebig
sürchtel. Freilich will man in gut unterrich-
teten Kreisen wiffe», daß Jtalien nichtswent-
ger als zuversichtlich aus Frankreich rechnen
könne, aüein man hielt es doch nlcht für an-
gemeffeii, den Kaiser Napoleoo, der möglicher-
weise in letzter Stunde denn doch eine Schwen-
knng zur Turiner Politik machen könnte, all-
zusehr iii dje Enge zu treiben, um so mehr,
als man es gern vermeiden mvchte, daß
Frankreich in der deutsch.dänischen Frage eine
dcn Abstchten OestcrreichS unangenehine Hal»
tung annehme, eine Besürchtnng , die nur zu
begründet ist. — Zufolge einer andern wich«
tigen Depesche wird sich Ocsterreich aus die
Occupation Holsteins nicht beschränken, son-
dern soforl zur Ergreifung jener Maßrcgelü
schreiken, welche zur Sicherung der Rechte
Schleswigö sühren. Die Errtchtung einer
Zollgrcnze, wie sie eben von dänischer Seite
versucht wird, wird nicht geduldet werden,
und dürfte somit, wenn nicht ein Zwischenfall
eintritt, der Zusammenstoß der deutschen Trup-
pen mit den bänischen unvermeidlich scin. Wie
wir aus zuverlässiger Quelle ersahren, steht
die Abberirsung des österreichischen Gesandten
von Kopeuhagen schon in den nächsten Tagen
bevor. Daß unter solchen Umständen das

Auftreten des Königs vvn Bapern unsercr
Regreruiig sehr unbequem ist, versteht stch vou
selbft.

Nach einem Bricse ans Cvrfu hat die eng-
lische Regierung dte Einstellnng aller öffent-
lichen Arbeüen auf den jvnischen Znsein an-
georbnet.

NachBertchten aus San Domingo wur-
den die Jnsurgenten auf aüeu Puukten ge-
schlagen.

Zur Schleswtg-Holstein'schen
Sache.

Auf ein von Seiten deS VorstandeS der
herzogl. schleswig.holsteinischen Abtheilung der
auswättigen Angclegenhcltcn unterm 10. d. M.
an daS herzvgl. coburgische Staatsministerium
gerichtetcs Schrciben, dic Gestattung der Reor-
ganisalion eines ThetleS des herzogl. schleswig«
holsteinischen Contingents auf dieSseitigem Ge<
biete betr., hatdasselbe bereitwillig geantwortek.

Dte Karlsr. Z. schreibt auS Stuttgart, 24.,
Decbr. Dcm Vernchme» nach ist zwischen den
Königreichen Bapern, Würlemberg und Sachse»
eine vollständige Uebereinstimmung in Betreff
der sernercn Bebandlung der schleswlg-hol-
steinischen Angelcgenyeit erzielt worden, natür-
lich in einem der Sache der Herzogthümer
durchaus günstigen Sinne. Wie wir hören,
wurde ein klarcs und entschiedenes Vorgehen
auf dem Boden des Bundesrechts beschloffen.
Dieses Uebereinkommen wurde sofort hier, wo

Kchwurgerichtc.

Bruchsal, 17. Dcc. Anklage gcgen dcn 31 Zahre
altcn Fabrtkarbeitcr Aak. Gvlderer von Oeschel-
dronn, wohnhaft in Pforzheim, wegcn fahrläsfiger,
durch vorsätzlichc, im Affekt vcrübte KörPervcrlctzung
verursachter Tödtung des Braukncchts Anton Latt-
ner von Stockach, in Dienste» beiBrerbrauerMün-
zrr tn Lutingen. A. Lattner hatte tm Februar
l. 2. dcn Angeklagten wegen Ruhestörung aus dem
WtrthSzimmcr seincS Herrn fortschaffen müffen,
weShalb ihm damals der Angeklagtc mit Todt-
stechen drohte, «enn cr ihn auch erst nach cinem
Zahr «rwische. Der Angcktagte, «elcher schon etn-
mal im Jahr 1857 wegcn Körpcrletzung mit einem
Mcffer 3 Monatc KreiSgefLngnißftrafc erstanden
hat, ist nun tzcschuldtgt, am Abend deS 2. Auguft
l.Z. bci eincm zufälligen Bcgegnen auf der Straßc
von Pforzhetm nach Enüngen dem Lattner in Folge
ktiieS unbedeutenden WortwcchselS mit dem Taschen-
mcffcr so tief in den linkcn Oberschenkel gestochen
zu haben, daß dic große Schcnkelarterie ganz durch-
schnitten und dic große Schcnkelvene angeschnitten
wurdc, waS durch Verblutung dcn schon nach 20

Minutcn crfolgtcn Tod des Lattner nothwendig
zur Folgc hattc. Der Angeklagte bcHauptet aber,
daß cr wegen Betrunkenheit ganz von Sinncn gc-
wesen fti und von Allem ntchtS wiffe. Da die An-
klagc kcine abstchtliche Tödtung unterstcllte, fo han-
delte es fich wciter um die Fragc, mit welchcm
Grad von Vvrausficht dcr Tod deS Lattner alS
Folgc scüier That vorhergesehen werden konnte,
welchei, dic Anklage als den mittlern bezeichnetc.
Sowohl hierin, als bezüglich aller andcrn Fragen
rntsprach der Wahrsprnch dcn Anträgen der großh.
StaatSbehördc, worauf der Gcrichtshvf fast dtc
höchstc Strafe, nämlich ctne geschärfte ZuchthauS-
strafc von 41/2 Zahren in Einzelhaft gegen den
Angeklagten erkanntc. Hiermtt schloß die Thätig-
kcit der Geschworenen.

Mannheim, >9. Dec. Schwurgericht vom 17.
und 18. Dccember. Anklage gegcn Nikvlaus
Kretz, Kerdinand und Aldert Rciß von
Rettigheim wegen Lödtung und gegen Stephan
Ocstringer von da wegcn Beihtlse. Die An-
geklagten find 27 , 24 , 24 , 23 Zahre alt, ledig,
kathvltsch, dte dret erstern Landwirthe, der lctztc

Wagner und Svldat, jedoch dem Etvilgerichte zur
Aburthetlung übcrwtcsen. Sonntag, den 16. Au-
gust d. I., begab sich dcr beurlaubte Soldat Zo-
seph Kamuf von Rcttigheim mit seiner Schwester
Zuliana Kamus, sowte dcr Susanna Kamuf, Ma-
ria Zosepha Retß und Jos. Eblc nach Ocstringcn,
von wo stc gcgen 7 Uhr AbendS in Begleitung des
Zulius Kamuf, Brudcr dcr bctden erstcrn, deS
Zoh. Beckcr und zwcier lcdiger Bursche von Ocstrtn-
gen nach Rcttigheim zurück kamen und biS Feirr-
abcnd im Engclwirthshause beisammcn blieben.
Dori haite» stch inzwischen auch Stephan Oestrin-
ger, Joseph Müllcr und Ferdinand Reiß, die Lieb-
habcr dcr genannten Mädchen, — Aibert Rciß,
der sich jcdoch vor den übrigen cntfernte und nach
Malsch begab, sowie noch audere Rctttghetmer
Bursche eingefnnden; dicse gaben schon in der
WtrthSstubc ihren durch Eifersucht crregten Un-
muth gcgcn jcne Gcsellschaft zu crkciinen. Kaum
hatte diese den Engel verlaffcn, alS vom Gartcu-
zaume her cin Prügel (wie sich in der Folge zetgtc,
»on Joseph Miiller) gegen Zoscph Kamuf geworfen
wurde, woraus dicser — nach vergeblichem Verfuch
des THLtcrS habhaft zu werden, und Kerd. Retß
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