Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

Page: 617
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1863a/0617
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
dem Nordea ist seit heute Mttag unterbro-
chen. Jn Altona war dtesen Abend allge.
metne Zllumination; große BolkShanfcn dnrch-
ziehen unter dem Gesang der SchleSwig-
Holstein-Hpmne dte Straßen. Bürger, Tur-
ner und Gpmnasiasten halten die Ruhe auf-
rechtt

Der „Nat. Ztg." wird aus Hamburg vom
24. Dec. geschrieben: ,,So eben erfahre ich,
daß der sächsische CivilcommiffarinS, Hr. v.
Könneritz, in der schärfsten Weise die Ueber-
griffe deS österreichischen Generalmajors sich
verbeten hat. Auf die telegraphische Beschwerde
deS Senates soll von Wien übrigens die nö-
thige Rüge für den oiilitärischen Heißsporn
bereits eingegangen sein."

Dresden, 24. Dez. Das Dresdcner
Journal meldet; Die sächsischen Erekutions-
truppen sind heute von Schwarzenbeck auf
OldeSlohc vorgerückt. Das Stabsquartier ist
in Trittan. Der Gesundheitszustand der Trup<
pen ist vortrefflich.

Altvna , 24. Dec., Mittags. Die von
einer Anzahl der angeseheusten Bürger be-
rufene und von Tausetzden besuchte Volksver-
sammlung hat unter dem größten Enthusias-
mus den Herzog Frfxdrich als legitimeu Lan-
desherrn proclamirt. Die Stadtdeputirten
haben sich der Erklärung der Stänbemitglie.
der angeschloffen, der Magistrat hat sich eben-
falls dazu bcreit erklärt. Die Bundescom-
miffäre haben die Bersammlung nicht gehin-
dert. Dr. Collissen, welcher die Anrebe hielt,
bemerkte, daß dies mit Bewiüigung der Alts-
naer Stadtbehvrde geschehe. Die sächsische
RegimentSmusik spielte die Schleswig-Hol-
steinhpmne.

Altona, 25. Dez. Die Dänen verlaffen
heutc Neumünster. Zn Pinneberg, Elmshorn
und Glückstadt wurde heute Herzog Friedrich
proklamirt. Am Sonntaq findet eine aus
allen Theilen deS Landes zu beschickende Volks-
versammlung in Elmshorn statt.

Altona, 25. Dec. Nach einer Bekannt-
machung der Bnndescommiffäre ist ihr Ge<
schäftSsitz zu Altona. Berichte, dic bisher
nach Ploen oder Kopenhagen gingen, sind
künftig an sie zu richten. Das Kirchengebet
lautet nur für die Regierung, ihre Räthe und
Diener. Die Dänen verlaffen heute Neu-
münster. Jn Pinneberg, Elmshorn, Glück-
stadt ist Herzog Friedrich ausgerufen. Sonn-
tag findet eine Versammlung aus allen Thei«
len deS Landes in Elmshorn statt.

Hamburg, 25. Dec., MorgenS. Nach
Kopenhagener Privatmittheiluiige» verlangt
der Konig die Aushebung der Novemberver-
sassung, deßhalß hat Hall seine Enllaffung
eingereicht. Schweden bcfürwortet die Auf-
hebung der Berfaffung. Man erwartet ein
Ministerium Plkssen-Crimiiiil-Moltke. Der
König äußerte gestern gegen die Officiere des
Heeres unb der Marine, er hoffe, daß dcr
Frieden nvch auf verfaffungsmäßige Weise zu
erhalten sci. Dcr König gedenkt Montags
daS Heer zu besnchen. — Abcnds. Gutem
Vernehmen nach werHn RendSburg und der
Friedrichstädter Brückenkopf geräumt, letzterer
geschleift.

Kopenhagen, 26. Dec. Ei» Ertrablatt
„Dagbladels" sagt: Gestcrn wurdc das Eni-
lassuiigsgesuch des Ministeriums angeuommen.
Andrä und andere Mitglieder der Rechtcn
lehnen die Neubildung des gesammtstaatlichen
Miiiistcrinms ab. Der Reichstag ist auf Mon»
tag berufen; doch rst noch unbekannt, ob und
von wem die Berusung gegengezeichnet sein
werde.

D e i« t s ch l a n d

^ Heidelberg, 25. Decbr. Der Verein
hiesiger Universitätslehrei hat beschloffcn, den
Neinertrag auch der diesjährigen Museums-
vorträge dem Schleswig « Hvlsteinfond zuzu-
wenden, und ist demgemäß zunächst die Summe
von 600 fl. dem Finaiizaiisichuß des hiesigcn
Localcomite's übcrwiesen worden. Dringend
wünschenswerth wäre indeß, daß die in der
hiesigcn Einwohnerschast seil nunmehr drei
Wochen begonnenen Sammlungen für de» glei-
chen Zweck eintti schn elleren Verlauf Ȋhme,
und daß man zugleich auch auf die sofortige

Erhebung det gezeichneten einmaktgen und
Monatsbeiträge bedacht wäre, damit alSbald
ein namhafler Betrag an den badischcn Landes-
ausschuß zur weiieren Verwendung eingesendet
werden könne. Es bedarf sehr bcdeutcnder
Geldmittel, und je schneller bieselben flüssig
gemacht werden, um so flcherer kömmen sie
der Nationalsache zu Gute, um so mehr läßt
sich von denselben ein für die bevorstehende
"Eutscheiduiig günstigster Erfolg erwarien.

Stuttgart» 2l. Dec. Die Ofsiciere der
LudwigSburger Garuison haben kürzlich ihren
Spmpathien für die Sache der Herzvgtbümer
bei' Gelegenheik einer sogen. Garnisonsver-
sammlung in Gegenwart Höchstcommandiren-
dcr einen stürmischen Ausdruck durch laute
Rufc „Schleswig - Hvlstein," und durch daS
Schleswig-Hvlsteinlied gegeben.

Aus München, 21. Decbr., bringt die
Wiener „Preffe" solgeudcs Telegramm: König
Mar von Bapern soll Handschreiben an
sämmtliche deutsche Fürsten gerichtet haben, in
welchen darauf gedrungen wird, Friedrich VHI.
aiizuerkennen und in seine Erblande einzu-
setzen. (Wird nenerdings widersprochen.)

Dresden, 19. Dec. Das „Drcsd. I.«
schreibt: „Nach einem Bundesbeschluffe vvm
20. März 1848 soll das Erkennungsjeichen
für bie Bniibestrupprn aus ven Farben schwarz,
roth, gold bestehen, ferner aber besagt eine
Bestimmung der gcsetzliche Kraft habenden
Bundeskriegsverfaffung, daß bei Aufstellung
deS Bundesheeres vom Oberfeldherrn für alle
Bundescontingente ein gemeinschaftliches Er-
kennungszeichen vorgeschrieben werden soll.
Um nun nicht dem Bundesfeldherrn vorzu-
greifen, hat man die sofortige Anlegung zwar
suspendirt, aber die Truppen darauf aufmerk-
sam gemacht, daß der Fall eintreten könne,
unb alle Vorbereitungen demgemäß getroffen."

Hamburg, 26. Decbr. Kopenhagener
Pxivatnachrichtcn von gestern Nachmittag mel-
den, der König verhandle noch mit Hall.
Sollte keine Uebereiukunft mit dem jetzigen
Ministerium erzielt werden, so wird vermuth-
lich General Hegermann bie Vorlage wegen
Suspension der Vcrfaffung einbringen.

Bremerhaven, 17. Decbr. Heute fand
hier eine Volksversammlung in ber schleswig-
holsteinischen Angelegenheit statt, i'n welcher
die Abseiidung einer Adressc an den Großher-
zog von Baden und seinen Minister, Herrn
v. Roggenbach, beschlvssen wurde, um ben-
selben für ihre patrivtifche Haltung in dieser
valerlänbischen Sache zu danken.

Wien, 20. Dec. Gestern Abend waren
zwei Wicner Liedertafeln anf der Wieden zn
einer GesangSproductioii zu Gunsten Schles-
wig-HolsteinS versammelt. Den Anfang war
ein von Foglar gcdichteter Prolog zu machen
bestimmt. Dicser Prolog wurde indeß nicht
gefprochen, sondern statt deffen ein Polizei-
Erlaß verlesen, welcher denselben inhibirte.
Die Versammlung nahm die Mittheilung in
tiefem Schweigen entgegen. (A. Z.)

F r a » k r e i ch.

Paris, 23. Dec. Jn der heutigen Sitzung
des gesetzgebenden Körpers hai Herr Gvuin
seinen Bericht über die Anleihe verlesen. Die
Kammer bczeigt bei den friedlichen Stellen
dieses Berichtes ihren besonderen Beifall. Die
Cvmmission beantragt einstimmig di'e Ber-
werfung des Antrags von Thiers und Ge-
noffen, die Ausgabe von Schatzscheinen für
1864 auf 100 Mill. zu beschränken; sie be-
antragt dieses erst für 1865 zu thun, wcil,
wenn es schon sür 1864 geschähe, die Ab-
schließiing deS Anlehens dadurch erschwert
würde.

Aus dem östlichen Frankreich. (Von
cinem in Frankreich den Winter zubriiigenden
.Deutschen.) Wer auch nur flüchtig die großen
Waffenplätze des östlichcn Frankreichs, Straß-
burg, Metz und Nancy, jbesuchte, der muß
auf's Neue die Ueberzeugung gewliineii, daß
der Kaiser Napoleo» im Geheimen fortwahrend
rüsten läßt, uoch falls er ei'nmal unerwartet i
den Krieg beschließen svllte, sogleich auch mit >
ganzer Kraft bewaffnet dastehen zu könneu. i
Es ist ganz erstaunlich, wclche Vorräthe von j
Geschützen, Waffe» aller Art, Munition unb i
sonstigen KriegSbedürfniffen aüein in Straß- !

bnrg «nd Metz aufgehäuft lkegen und «ke kn
den großen.Mklktärwerkstätteu und Arsenaleu
fortwährend mit dem angcstrengtesten Eifer
daran gearbektet wird, solche immer zu ver-
mehren. Auch sonst hat der Kaiser Napvleon
die sorgfältigsten Maßregeln getroffen, um,
wenn eS nöthig sein sollte, kn allerkürzefter
Frkst sei'n Heer auf den KrkegSfuß zu seßen.
So hat in allen östlichen DcpartementS in
diesem Herbste eine genaue Revksion aller km
Privatbesiß befindlichen Pferde, wrlche für den
Heeresdienst brauchbar fein solltcn, staktgcfun-
den und man hat solche schon in Klaffen für
die schwerc oder leichte Reiterek, die Arkillerei
und deu Troß ekngetheilt. Hinsichtlich der
Artillerke und deS Trains ist man jetzt schon
vollständig vom Auslande unabhängig, felbst
wenn die gcsammte Armee auf vollständigen
Kriegsfuß gesetzt werden solltc, und bedarf
nur fiir die verschlkdenen Gattungen der Nei»
tereif, besvnders der Dragoner und Uhlanen,
nvch einige Tausend fremder Pferde. Die
leichte Reiterei ist jetzt fast schon zur Hälfte
mit algerischen Hengsten beritten unb soll nach
des Kaisers Befchl allinälig uur auS Algcrien
remontirt werden.

Gng l a n d

Londo«, 24. Dcc. Earl Ruffell machte
den Eabineten von Wien und Berlin vie An-
zeige, er habe den Lonboner Vertrag den
Kronjuristen zur Begutachtung und Erläuterung
vvrgelegt. Dieselben schen darin einen gegen-
seitigen Tractat, der Preußen und Oesterrcich
nicht blos Dänemark gegenüber binde, sondern
auch den andern Signaturen gegenüber, selbst
wenn Dänemark seine Verpflichtungen nicht
erfüllt.

Lonpon, 24. Dec. Die Bank hat ihren
Disconto auf 7 Procent herabgesetzt.

A m e r t k a.

Netvyork, 11. Decbr. Dke Nachrichten
von Charleston reichen bis zum 8. Die Unio-
nisten hatten ihr Feuer gegen das Fort Sumter
unterbrochen. Longstrcet ziehl sich nach Mor-
ristown zurück, wo er sich vertheidigen wird.
Die Unionisten sind bei Sollersville (Kentuckp)
gcfchlagen worden. Dcr Senat von Georgien
hat bie Aushebung aller über fünfzehn Zahre
alten Bürger vervrdnet.

Skeueste Kachrichten

Newyork, 16. Decbr. Jm Congreß ist
kine Bill zur Verhinderung dcr Geldspecula-
tion vorgeschlageu. Dic Militärläge ist un-
verändcrt. Ein Bericht des Finanzministers
der Südstaaien steüt die Finanzlage ungüo-
siig dar.

Bermischte Nachrichten.

Unter der Ueberschrift „Trtchtnenfurcht tst Thor-
hett^ veröffentlicht etn praktischer Arzt iu Berlin, Dr.
Krtebel, in Ler ^Berltner Nationalzeitung* setne Anficht
über dtesen Gegenstand. Zhm zufolge wäre der ganze Lärm
ein durchaus übertriebener. Dte Furcht vor den Trtchineo
set etne Thorhett und thre Folgen um ss schlimmer, weil,
wie der Verfasser der Arttkel sagt, »diese Furcht dru Ge-
nuß des SchweinefictscheS aus ctn verschwtndendrS Minimum
rcductren muß, uud hterdurch in daS soctale Leben etue in
mehr als einer Beziehung gefahrdrohende Lücke gelegt wird.
— Gs handelt fich dabei ntcht etwa bloS um dte großen
Verluste, welche dte Schlächter tn threm Geschäft erlcideu,
sondern noch vielmehr um den dadurch herbetgeführten Ruin
der gesammten Schweinezucht, deS HauptzwetgS der vater-
ländischen Viehzucht, dte bekanntlich etne der Säulen de-
nationalen WohlstandeS ist." Dr. Krtebel wtll tn wetteren
Arttkeln nachweisen, daß dte Furcht vor den Trtchinen
durchaus keinrn Grund habe.

Loudon, 25. Decbr. Etne der größten ltterarischeu
Celebrttäten Englands anf dem Felde der Noveüistik,
Thackeray, der Ve^fasser von „Vantty Falr", ^PendenntS",
^Hcnry Esmond" und „Lhe NewcvmeS", ist plötzltch ge-
storben. Gr ward gestern früh tn seinem Bette todt ge-
funden.

Aus Baden. Vom 1. Januar r. Z. an wtrd an
Stelle der bestehenden PostomntbuSfahrtrn zwtschen Schwez-
zingen und Hockenhctm eine tägltch einmaltge PostomntbuS-
verbtndung zwtschen PhtlippSburg und Hetdelberg über
Waghäusel, Nrulußbetm, Hockenhetm und Schwrtztngen
stattfindcn. — Hr. Dahmen tst auS dem LandeSauSschuß
tür SchleSwig-Holstetn auSgetreten, wetl er mtt dem Be-
schluffe, Fretwtllige mtt Waffen außzurüsten, nicht etuyer«
standcn tst.
loading ...