Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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die protestantische Getstlichkeit SchleSwig.Hol.
steinS" erlaffe», worin ffe derselben für ihr
nationaleS Berhalten danken, und vvn ihrer
bewährten Geffnnung ein trcues AuSharren
in dem lange dauernden Kampfe hoffen.

Berlin, 25. Decbr. Vorgestern tst der
Kronprinz mit seiner Familke von England
hierher zurückgekehrt. Der Herzog Frtebrich
vvn SchleSwig-Holstetn war ihm von Gotha
biS Guntershausen entgegengefahren und fuhr
mit ihm von dort nach Gotha. — Mit 1. Zä-
nuar geht das hiesige Organ der altliberalen
Partei', di'e Berl. Allg. Ztg., eine Schöptung
deS Hrn. v. Vincke, ein; wahrscheinlich auch
die von Prof. Retslag redigirte Abendzeitung,
cin entschieden freiffnniges Blatt.

Triest» 26.l Dec. Dic griechische National.
versammlung hat beschlosscn, die Correspon-
denz des Königs Otto solle den Händen König
Gcorg's übcrgeben wcrdeu, wobei sie den
Wunsch aussprach, daß die aus innere LandeS-
angelegenheiten bezüglichen Papikre vem Na-
tioiialarchiv einzuverleiben seien.

Das Ministeriuin hat beschloffe», daß die
Wachthäuser in Athen von der Polizei und
Gendarmerie, anstatt von der Nationalgarde
besetzt werden svllen; die Letztere hat ffch
hierauf zu tumultuarischen Auftritten hin-
reißen laffen. Auch in der Nationalversamm-
lung gab es stnrmische Aufregnng.

Z« den Provinzen läuft eine Bittschrift
um, der König solle die Versammlung auflösen
und rine neue Verfaffung geben.

Pesth, 20. Dez. Die Änsicht, daß Ungarn
wieder der Schauplatz politischer Agitationen
werden würde, war seit dem 5. Novbr. hier
eine allgemein verbreitete. Daß ffe keine iriige
war, beweist der Umstand, daß wir am 18.
d. M. plötzlich mit revolutionärcn Maueran-
schlägcn überrascht wurden, in welchen eine
angebliche ungarische Regierung im Namen
Ludwig Koffuth's die Nation auffordert, auf
keinen Ausgleich mit Oesterreich einzugehen,
da es denselben nur anbiete, weil es dazu
geiiöthigt sei, und keinen Glauben mchr ver-
diene. Die Nation miiffe inmitten der euro-
päischen Krisis, dcrcn Lösung die Berwirklich-
ung der lang erschnten Wünschc und Ansprüche
der Nationalitäten herbciführen werde, eiue
vem Auslande Vertrauen rinflößenbe Haltung
bcwahren, und endlich Lebeiiszeichkii vou sich
geben. Dieß ist in Kürze der Sinn jener Pro-
klamatiop, die an einem u»d demselben Tage
in ganz Ungarn verbreitet wurde.

K r a n k r e t ch.

Paris, 24. Dec. Der „Moniteur" ent-
hält ein Decret, durch wclches Hr. Troplong
zum Präffdentcn, die Marschälle Baraguap
d'Hilliers, Regnaud de Sl. Jean-d'AngclN und
Herzog von Malakoff, sowic Hr. v. Roper zu
Vicepräsivcnten dcs Scnates für das Jahr
1864 neu ernaniit werden.

Z ta l i e n

Rom, 22. Dcc. Ein Decrct der Jnder-
commission verdammt die sämmtlichen von
Georges Sand herausgegebenen und verschie-
dene andere Büchcr.

Turin, 23. Decbr. Der Scnat hat be-
schloffen, baß die Rente bcr Mobili'arsteuer
unterworfen werde.

SPan te n

Madrid, 24. Decbr. Das Ministerium
hat den Eortes einen Gesetzentwurf vorgclegt,
welcher den Bestand des spanischeii HeercS
für 1864 auf 100,000 Mann festsetzk. —
Dcr Senat und' der Congreß haben sich biS
zum 7. Januar vertagt.

Türkei

Bucharest, 26. Dec. Anf Vorschlag der
Regierung hat ffch die rumänische Natlonal-
versammlung für permanent erklärt.

Nachrichten über Poleu

Warschau, 27. Decbr. Heute Morgkil
sand in der Krakauer Vorstadt vor dein
Grodzko'schen Hause ein Morbversuch auf ein
Mitglicd der Uutersuchungscommission statt.
Es wurde sogleich die Räumung des Hauses
befohlen.

SkeueAe Nachrtchten.

Berlin, 28, Dez. Die königl. Antwort
auf die Adreffe deS AbgeordnetenhauseS trägt
daS gestrige Datum und ist von sämmtlichen
Ministern gegengezeichnet. Es hcißt darin, dic
holsteinische Erbfolgefrage sei dem Bunde vor-
behalten, unter PrenßcnS Mitwirkung. Der
Rücktritt von dem Londoner Protvkoll sei nicht
ohne Weiteres thunlich. Eine beschleunigte
Anleihebewilligung wird gewünscht. Wahr-
scheinlich findet am Donnerstag eine Plenar-
sitzung statt zur Mittheilung deS Wortlauts.

Gstha, 28. Dec. Von Kiel kam heute
eine vfficicUe Depiitation der Universität Kiel,
bestehend ans den Decanen Prvfeffore» Fricke,
Neuner, Litzmann, Thvnlon, welche von Her-
zog Friedrich empfangen wurde und eine Hul-
digungs-Adreffc des academischen ConsistoriumS
überbrachte.

Das Lon-oner Protocoll von 18S2
nach seinem Wortlaut.

Vertrag zwischen Sr. Maj. dem Könige
von Däiiemark einerseits und Sr. Maj. dcm
Kaiser vou Oesterreich, dem Prinz-Präsidenten
der fraNzösischen Republik, I. M. der Köni»
gin von Großbritannien, Sr. Maj. dem Kö-
nige von Preußen, Sr. Maj. dem Kaiser aller
Neussen uud S. M. dem Kögige von Schwe-
den andcrerseits, unterzeichnet in London, den
8. Mai 1852.

Jm Namen der heiligen unthcilbaren Drei-
einigkeit!

S. M. der Kaiser von Oesterreich rc., der
Prinz-Präsident der französischen Republik,
I. M. die Königin deS vereinigten König-
reichS von Großbritannien und Zrland, S.
M. dcr Köuig von Preußcn, S. M. der Kai»
ser aller Rcusscn »nd S. M. der König von
Schwedcn und Norwegen: in der Erwägung,
däß die Aufrechterhaltung der Jntegrität der
dSnischen Monarchie, in ihrer Verknüpfung
mit den allgeaieinen Zntereffen des eurvpät-
schen Gleichgewichts, von hoher Wichtigkeit
für die Erhaltung bcS Friedens ist, und daß
eine Vereinbarilng, welche den Mannsstamm,
mit Ausschluß bcs Wciberstanimcs, zur Nach-
folge der Gesammtheit der augenblicklich unter
dem Scepter Sr. Majestät des Königs von
Dänemark vereinigten Staaten beriefe, das
beste Mittel sein würd«, die Jntcgrität dieser
Monarchie zu sichern, haben, auf Einladung
Sr. dänischen Majestät beschlossen, einen Ver-
Irag abzuschließen, um den auf diese Ecbfvlge-
ordnung bezüglichen Vereinbarungen ein wei-
teres Pfand der Sicherheit durch einen Act
europäischer Ancikennling zu geben. Demzu-
folge haben die hohen contrahirenden Theile
zu ihren Bevollmächtigten einannt (fsigen
ihre Namen, Titcl u. s. w.), welche, nachdem
fie ihre resp. Vollmachten mitgetheilt, und die-
selben in guter und gehöriger Form besunden
haben, über die folgenden Artikel übereinge-
kommen sind:

Art. I. Nachdem Se. Maj. ber König von
Däliernark, nach ernstlicher Erwäqung der
Jntereffen seiner Monarchie, mit der Zustim-
mung Sr. kgl. Hoh. des Erbprinzen und sei«
ner nächste» Cognatcn, welche durch das dä-
nische Königsgesktz zur Thronfolge berufen
sind, sowie in Uebcreinstimmung mit Seiner
Majestät dem Kaiser aller Reuffen, als dem
Hause des ältcren Zweigcs vom Hause Hol-
stcin-Gottorf erklärt hat, die Erbfolgcordnung
in scinen Staaten dergestalt feststellen zn
wollcn, daß, in Ermangelung mämilicher in
qerader Linie vom Könige Friedrich III. von
Dänemark abstammenven Nachkommenschaft,
seine Krone auf Se. Durchlaucht den Prinzen
Christian von Schleswig-Holstein-Sondcrburg-
Glücksburg und die aus der Ehe dieses Prin-
zen mit Jhrer Durchlaucht der Prinzesstn Louise
von Schleswig-Holstein.Sonderburg-Glücks-
burg entsproffcnen Nachkommen, nach bem
Rechte der Erstgeburl, von Mann zu Mann
übertragen werde, verpflichten sich die höhen
contrahirenden Theile, indem sie die Weisheit
dcr Absichten würdigen, welche kie Ännahme
dicser eventuellen Feststellnng hervorgernfen
haben, im Falle die vorgesehene Eventualität
sich verwirklicheu sollte, Seiner Durchlaucht
dem Prinzen Christian von SchleSwig-Hol-

stein-Sonderburg-GlückSburg, und den in ge.
rader Linke aus seiner Ehe mit besagter Prin-
zessin cntsproffcnen männlichen Nvchkommen,
daS Recht der Erbfolge in der Gesammtheit
dcr gegenwärtig unter dem Scepter Seiner
Maj. deS KönigS von Däncmark vereinigten
Staaten zuzuerkennen.

Art. II. Die hohen contrahirenden Theile,
indem sie das Princip dcr Jntegrität der dä-
nischen Monarchie als fest bestehcn bleibend
anerkenneu, verpflichten sich, die weiteren Er-
öffnungen in Erwägung zu nehmen, welche
L>e. Maj. der König von Dänemark an der
Zeit halten solllc, ihnen zu machen, für den
Faü, daß, was Gott verhüte, daS Erlöschen
der männlichen Nachkouimiiischaft dirccter Linie
Sr. Durchlaucht des Prinzen Christiän von
Schleswig-Holstcin -Sonderbnrg -Glücksburg
aus seiner Ehe mit Jhrer Durchlaucht der
Prinzessiii Louise von Schleswi'g-Holstti'n.
Sonderburg-Glücksburg, gebornen Prinzessin
von Heffen, zu befürchten sein sollte.

Art. 111. Es ist dabei ausdrückiich ver-
standen, baß dic wkchselscitigkn Rechte und
Verpflichtungen Sr. Maj. dcs KönigS von
Dänemark und des deulschen Bundes, be-
treffend die Herzogthümcr Holstein u. Lauen«
burg, wie sie dnrch die Bundesacte von 18l5
und durch das bestehende Bundesrecht festgc-
stellt sind, durch den gegenwärtigen Vertrag
ilicht berührt werden.

Art. IV. Die hohen coiitrahlrenden Theile
behaltcn stch vor, den gegeuwärtigen Bertrag
zur Kenntiiiß der andern Mächtc zu bringen,
mit der Einladung, demselben beizutreten.

Art. V. Di'eser Vertrag wird ratificirt
unb bie Ratificationen werden in London
innerhalb sechs Wochen oder eher, wcnn mög«
lich, ausgewcchselt werden.

Zur Beglaubigung rc.

Vermilchte Nachrichten.

Wien, rv. Dec. Dci Zweck dc, ögerrclchischea Ere <
ralloasiruppen warde von elaem öfterreichlschcn ISevcral,
der ftch jehl bel dcv nach Holftctn bcordertev Truppcv be-
findrl, ans die Frage elner Dame also angcgeben: »Frau
Glifin! nnser Zug gllt dcm dentschcv Turner- uvd Schüj-
zengeftndel."

A us Baden. Zn Manvhctm ift am -rstcn Weth-
nachtsfclerkag bcl dcn Pyolographen Gcbr. Matter cta
Eivdruch verübl wordcn unk haden dle Di-be ca. ZSltO fl.
ln Baar und Wcrthpapteren mltgenommen. — DaS
KrlcgSmlvijleilnm snchl Inchtlgc Thleräijle für dcn Avkaus
von Mllilärpfcrdev, für dcn Fall. dafi dle Marschdcrett-

-s- Bom Neckar, 28 Dec. Am ztvetten Welhnacht»,
scftc Samftng Äbcnd versammeltc sich im Gafthausc jur
Post in Ncckargcuründ cine bcträchlllchc gaht dorllgir Orl«.
bürgcr und hiclten cine Äcralhung unb Besprcchung tn
Sachcn Schliswig-HolstclnS. Hr. AmlSrlchler Thtl« ic<
lonte in scincr Avsprache dtc hohc vatlvnalc Bidcutuvg
dicser astc Gctftcr und Gcmülhcr mächtig crgrcifendrv An<
gcligcnheit; vach lbm erhobcn ftch Posthaltcr Heckmann
und Gcrbcrmciftcr Lclst als Sprcchcr uvd Fürsprcchcr dcs
BrudcrftammcS, den wahrltch nichl Dcutschlanb verlaffen
und ptclSgcgcd'cn hal schnöber däutscher Wlstküihcrrschaft,
wohl abcr deffen Grofturächte und tiplomailschc Ränkc-
schmtcde. Die patrloitschcn Fraucn uvd Znngsrauen von
Ncckargcmünd wosten während dcr langen Wtutcradenbc
astrrlet uüpltchc und angcnchmc Gcwebc und Gcsplnnste,
astcrlet Sltckerct und Strtckcrel zum Bchuf ctner Lotlerie
unb Aussptclung llefcr», dcren GrlöS für SchlcSwig-Hol-
stctn bcfttmml tft. — Dt- Hcrrcn Crcdcll und Lorcntz
habcn tn Neckargemünd etne Thonfabrtk crrlchtet, welchr
fcucrseftc Backftclvc und astcrlci HanS- und jtüchcngcräthe
licscrt; crgicbigc Thongrubcn find dct dcm Dörschcn Wald>.
hilsbach. Dic achl Hasnermclfter von Ncckargcmünd füllen
größcrc Schtffc und Kähnc mlt ihrcm Geschtrr und »cr-
srhcn mit dlcscm Aillkcl manche Ortfchaftcn des untcrn
NcckarthalS. Dlc schr crhcdllchc Concurrenz dcr Odeu-
waldbahn wird oon dcn hicsigcn uad bcvachbartcr, Schtf-
scrn schmcrzltch cmxfuntcn und dtc Rcckarschlffsahrl sah fich
tm Lause licf-S Zahrc» aus eln s-hr bcschctdevcS Mkvtmiini
rcducirl. Dcr Ncckaihafcn voa Ebcrbach lft cndltch fcrllg
grwordcn, jctzt, da cs nachgcradc zu Evde geht mlt dcr
N-ckalschlfffahrt.

* Theaternotiz.

Seit langer Zeit hat wohl ketnc dramatische Novität
einen so durchgrctsendcn Elfolg gehabt wie der ,geadelte
Kausmann," Luftspiel in 5 Acten von C. A. Görner.
Es ist tn der gegenwärtigen Theatersalfon etn Repertotr«
und Kaffenstück der metsten dcutschen Äühnen; auch hier
wird daffelbe mit vortressticher Äcsctzung am künfttgen
Mittwoch in Scene gehen, und versprechen wtr unS den
günsttgsten Erfolg.

Deutschkatßolische Gemeinde.

Donncistag, dc» Zl. d. M., Abends 3 Uhr,
Schlnßg otteSdienft.
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