Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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Furnier liegt die knochenharte Leimschicht, das
Möbel ist viel weniger verletzlich. Wenn man kie-
ferne und fichtene Möbel mit Eiche furnierten
Möbeln nach jahrelangem Gebrauche vergleicht,
so besieht gar kein Zweifel, daß die Eiche furnier-
ten Möbel besser aussehen. Ich kann nicht umhin,
mir kommen unsere handgearbeiteten Möbel vor
wie mittelalterliche Schlösser mit meterdicken
Mauern. Es steckt viel zu viel massives Material
darin.

Wenn man Material sparen will, so ist der rich-
tige Weg der, den wir mit unseren patentierten)
Furniermöbeln eingeschlagen haben. An diesen
Möbeln wird außer einigen Leisten überhaupt kein
massives Holz verwendet. Das ganze Möbel ist
5 — 6 mm stark; die Flächen bestehen aus fünf
kreuzweise verleimten Furnieren. Damit die dün-
nen Flächen festen Stand haben, werden sie in
Kurven verarbeitet. In einem solchen Möbel steckt
nur ein Drittel Material wie in einem bisherigen
furnierten oder massiven Möbel. Wenn man einen
Baumstamm mit der Säge in Bretter schneidet, hat
man im allgemeinen ein Drittel Schnittverlust
(Sägespäne). Wenn man den Stamm in lauter
Furniere messert, entsteht überhaupt kein Ver-
schnitt. Es kommt noch hinzu, daß die geschnitte-
nen Bretter jahrelang gepflegt und getrocknet wer-
den müssen. Ein Teil der Bretter verzieht sich,
reißt; dann folgt eine umfangreiche Bearbeitung,
Quersclmeiden, Längsbeschneiden, Aufschneiden,
Abrichten, Bestoßen, Hobeln, zu Platten verlei-
men, wieder hobeln, Schleifen, Putzen, Beschnei-
den usw.

Das Furnieren bekämpfen heißt also, bei der Her-
stellung der Möbel an mittelalterlicher Technik
festhalten wollen.

Also das Holz ist gut! Der Herrgott hat seine
Sache ganz gut gemacht. — Über die Verwendung
von Metall bei Holz ist auch sehr viel zu sagen;.
Nach den alten Zunftregeln wird weder ein Me-
tallnagel noch eine Metallschraubc verwendet, son-
dern nur der Holznagel. Bei den vollendetsten ja-
panischen, chinesischen und indischen Sachen fin-
det man das heute noch. Ein Holzscharnier ist
doch viel edler als jedes Blechscharnier.

K. Schmidt, Hellerau

*

Sperrplatte und Furnier im Möbelbau.

In seinem Aufsatz „Zur Technik des Möbelbaues"
behauptet Herr Hamburger, daß man von einer
Formung unserer modernen Möbel eigentlich nicht
reden könne, weil eine solche in bezug auf Mate-
rial und Technik völlig vernachlässigt würde. Er
wendet sich in einer vernichtenden Kritik gegen
die Sperrplatte und das Furnier und sieht nur in
der Verwendung massiven Holzes die vom Werk-
bund verlangte Malerialgerechtigkeit.
In diesen Behauptungen scheint mir, um mit
Herrn Hamburgers eigenen Worten zu sprechen,
ein „ungeheurer logischer Fehler" zu liegen.
Vergegenwärtigen wir uns einmal, wie wir zur
Sperrplatte gekommen sind. Ganz gewiß doch

durch die Technik. Und zwar sind es besonders
zwei Maschinen, die uns dabei zu Hilfe kommen,
das Gattersägewerk, das es uns erleichtert, einen
Baumstamm in eine große Anzahl von völlig
gleichmäßigen Platten in einem Arbeitsgang zu
zerlegen, und die große Furnierpresse, die unter
hohem Druck diese dünnen Platten wieder zu
einem neuen, nicht mehr arbeitenden Brett zusam-
menklebt, wie es Herr Hamburger wegwerfend
nennt.

Erreicht wird damit aber in einer das alte Mittel
von Bahmen und Füllung weit übertreffenden
Güte, daß das leidige „Arbeiten", also vor allem
das Schwinden des Holzes senkrecht zur Maser-
richtung, gänzlich beseitigt ist. Die alte Technik
mußte auf dieses Verhalten des Holzes Bücksicht
nehmen, indem sie die Füllungen in reichlichem
Falz unverleimt in das Bahmenholz steckte. Aber
wohl alle alten Möbel leiden auch unter dieser un-
vollkommenen Lösung, sie schwinden, reißen und
können keineswegs mehr befriedigen.
Die in einer Richtung gemaserte Füllung in den
ringsherum laufend gemaserten Rahmen gespannt,
das war die alte Technik, das Holz am Arbeiten;
zu hindern. In innigerer Weise das quergemaserte
Holz von beiden Seiten unter maschinellem Druck
auf die bisherige Füllung gepreßt, ist die neue.
Im Grundgedanken ist das Absperren doch das-
selbe wie die Arbeit mit Rahmen und Füllung,
nur stellt es eine bedeutende Vervollkommnung
dar. Wenn das erste nicht materialwidrig war —
und das könnte man es doch nur nennen, wenn
man verlangte, daß ein Möbel so wie ein Block-
haus aus natürlichen Rundhölzern gebaut werden
solle — so ist es das zweite auch nicht.
Teurer ist die abgesperrte Platte mit Recht, denn
sie bietet ja auch ganz wesentliche Vorteile gegen-
über der Massivplatte, sie steht eben wirklich eisen-
fest, und jedes Arbeiten ist bei ihr ausgeschlossen.
Nun läßt sich aber außerdem für die Sperrplatte
auch sehr viel Abfallholz verwenden, so daß von
einer Materialverschwendung nicht gesprochen
werden kann. Man stellt ihren Kern jetzt schon
leilweis aus vielen aneinandergeleimten schmalen
Leisten her, wozu minderwertiges Holz und Ver-
schnittstücke verwendet werden, und sperrt sie
dann noch von beiden Seiten mehrfach ab.
Wahrscheinlich wird es bald auch möglich sein,
solche Platten aus anderem Material als Holz her-
zustellen, es sind bereits mit gutem Erfolg glatte
Türen aus Papiermachec gepreßt worden. Wenn
Herr Hamburger in gleicher Richtung gearbeitet
hat, so sehe ich darin das wirklich Wertvolle sei-
ner Bestrebungen.

Wenn er aber in der Furnierung solcher Sperr-
platten einen „Betrug" sieht, den auch der Laie
als solchen empfände, so kann ich ihm darin kei-
neswegs beistimmen. Für die Sperrplatten selbst
Edelhölzer zu verwenden, wird man ja ebensosehr
aus geldlichen Rücksichten vermeiden als auch aus
dem Bestreben heraus, die Möbel nicht unnütz
schwer zu gestalten. Kiefer und Pappel sind leich-
ter und billiger, und sie sperren so gut ab wie

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