Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

Page: 308
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/form1925_1926/0384
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
blicklich gepflegten Tänze und ihrer Musik
glauben lassen möchte.
Auch die Uniformität der Mode, die der
herrschenden Tendenz zur Typisierung ent-
spricht, liegt nur im Wesen modischer Ge-
stallung begründet, die Anregungen nimmt,
wo sie dieselben findet, ohne damit etwas an-
deres ausdrücken zu wollen als sich selbst.
Die Natur der Frau, deren Selbsterhaltungs-
trieb mit modischen Äußerungen enger ver-
knüpft ist als die des Mannes, sträubt sich
im übrigen immer allzu lange und über-
haupt eine Richtung zu pflegen, besonders
wenn diese, wie die gerade jetzt überwundene
nüchterne Moderichtung die schöpferische

Phantasie gar zu sehr auszuschalten beginnt.
Dieser Weg und diese Richtung, die in eine
Sackgasse geführt haben, sind verlassen
worden. Die heulige Mode ist, ohne reak-
tionär geworden zu sein, auf dem Wege,
sich erneut ibrer großen Aufgaben und
ihrer Traditionen zu erinnern und greift
wieder zu allen erreichbaren Mitteln, um
ihre Ausdrucksfähigkeit zu bereichern. Als
Schönheitsideal gilt nach wie vor die aus-
gesprochene schlanke Figur, die ja unstrei-
tig die nach wie vor gesuchte „Linie" am
stärksten zum Ausdruck bringt. Aber die
ganze Erscheinung wird abgestuft, reich
garniert und Mehrfarbigkeit wird durchge-

308
loading ...