Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 1.1925-1926

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' Abb. 9

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Abb. 10

sind, ungemein erleichtert. Wir sehen des-
halb gerade in diesem Winter, bei den vie-
len Schaustellungen unserer Bühnen, einen
Teil unserer besten Modekünstler entspre-
chend beschäftigt.

Alle Betrachtung modischer Gestaltung
muß sich vor Schlußfolgerungen zu hüten
suchen. Die Mocle ist kein Gebiet, auf dem
Ideen und Abstraktionen von irgend weh-
chem Nutzen wären. Die Mode lebt, heute
wie zu allen Zeilen, von absoluter Voraüs-
setzungslosigkeit und kann nur mit ent-
sprechender Unbefangenheit und Naivität
gehandhabt werden. Sie wird im übrigen
einzig und allein von Bedürfnissen der Frau
regiert, deren Selbstbewußtsein sehr ausge-

prägt von modischen Möglichkeiten abhängt,
ihre äußere Erscheinung zu verschönern
und persönliche Vorzüge hervorzuheben.
Aus einem Stück leuchtenden Samtes, einem
prunkenden Brokat oder aus einer Welle
fließender Seide entstehen Schöpfungen der
Mocle, frei drapiert wie in prähistorischen
Zeilen, mit Spangen zu?ammengehalten wie
in den Zeilen der Antike oder zusammenge-
näht, als komplizierte Schneiderei, in spä-
teren Jahrbunderlen und in unserer Zeit.
Immer aber ist die ewige Bestimmung aller
modischen Gestaltung der Ausdruck froher
Sinnlichkeit, die sich an einem schönen
Material entzündet und den menschlichen
Körper damit zu schmücken sucht.
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