Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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tilllkN Fiirsten aus den Throa zu setzen? daß
sic daS Ansehen deS denrschen Bundes zu cr-
HSHen wünschen? — Faffen wir doch die Män-
ner ins Auqe, die sich fast überall an die
Spitze der Bewegung gestellt haben; erwägen
wir doch die Mkttel, die sie anwenden, um bkc
Maffen in Ausregung zu bringen! — Hier
siud es Leute, denen der Bund und das Legi-
timitätsprincip ein lächerliches Hirngespinnst
ist; dort gilt es, Waffen in die Hände der
Maffen zu geben und Gcldmittel aufzutreiben,
um die Mknge, wenn sie nicht wi'llig folgen
will, durch ÄuSsicht auf Bclohnung zu kvdern.
Reißt doch den Schleier herab! Sprecht eS
doch aus, was Jhr wollt! Die Revolution
— das ist der Zweck Eures Treibens. Wozu
noch Fürsten, wenn, wie Jhr dcm Volke vor-
redet, das Volk reif ist, sich selbst zu regie-
ren? — Nur die Maffcn erst aufgcregt, das
Volksheer gebildet und die Mittel bereit es
zu unterhalten, — dann wertet Jhr wahr-
haftig nicht mchr auswärts suchen nach der
Stätte Eurer Arbeit! —"

Zur Schleswig-Holstein'schen
Sache.

Der „M. Anz." sagt gelegcntlich der Be-
sprechung der schleswig.holsteinischen Frage
am Schluffc:

Hoffentlich bringt di'esc schwebende Ange-
legenhkit einigks Licht in das Dunkel unserer
Verhältniffe nnd unser Volk fängt an zu be-
greifen, daß es seine Einheit sowohl, als seine
Freihckt erringen muß, wenn es sich je dkeser
Gütcr thcklhaftig sehcn wkll. Um aber auf
dicsen Weg zu gelangen, reichen die papiere-
nen Erklarungen und dic angcsteüten Geld-
sammlungen nicht üus. Sie nützen Schleswig-
Holstein, sie nützen der Sache des gesammien
Volkes nichts.

Der Uebcrgang zur That kst geboten. Die
einzelnen Stämme, das gesammte Vvlk muß
an die Regi'eruiigen daS entschiedenste Bcr-
langen stcllen, mkt Ler ganzcn ihnen anvcr-
trauten Macht sofort sür die Herzogthümcr
einzutrcten. Dicjenigen Rcgicrungen, die sich
weigern, müffen gezwungen werdcn, dem Wlllen
des Volkes nachzukommen, sie müffcn gezwun-
gen werden, wie man den neuen Däncnkönig
zur Unterschrist der Gcsammtverfaffung ge-
zwungen hak, wie man in England und bei
anderen freien Nationen die Regierungen
zwingcn würde.

Geschicht dieS nicht, wagt das Volk nicht
aufzutrcten sür sein gutes Recht, so köiiiren
wir süglich alles Schwätze» und Schreiben
einsteüen, denn dasselbe wird uns alsdann
nimmermehr die ersehnle nationale Einhei't u.
Freihcit bringen. Die Geldsauiinluiigen köu-
nen wir auch unterlaffen, es sei denn, daß
wir daraus das Reiscgkld für Dikjkni'gen be-
streiten, welche dem Vaterlande den Rücken
kehren, um seinc neuc Schmach unv seinen
Untergang nicht mit aiisehen zu müffen.

Aus Hamburg ist folgendes Telegramm ein-
getroffenr Die Truppen in Ratzeburg ver-
weigcrn den dänischen Osficieren den Gehvr-
sam. Gestern Abenb wurben stündlich Truppen
in Büchen crwartet. Das in Natzeburg sichenbe
Bataillon ist das einzige dcutsche Cvips in
dcn Herzogthümern, die übrigen deutschcn
Truppeg stehen sämmtlich auf den dänischcn
Jnseln. Die allgemeine Befürchtung in Hol-
stein ist, daß, wenn sich die Dänen auS Hvl-
stein zurückziehen, viele Beamte, wie es im
früheren Kriege schon geschehen, mitgeschlcppt
nnd dem dänischen Pvbel preisgegeben werdcn.

Paris, 4. Decbr. Auch der Fürst Gort-
schatvff hat die Frage der Herzogihümer zum
Gegenstand eines Rundschreibens gemachi, das
eine Art von Borschlägen enthält. DaS Ca-
binet von St. Petersburg hcbt die Noth-
wcndigkeit hervor, daß die Erbfolgefrage nicht
uiit dcr Frage der Verfaffung vermengt werde
(also ganz wie die sauberen Erklärungen
Preußens und Oesterreichs), und es hält für
zweckmäßi'g, daß dic Mächte des Londoner
VertrageS ihren Einfluß in Kopenhagen geltcnd
machen, um die dänische Regierung zu etncr
Verständigung mit Dcutschland auf dem Bvden
seiner vertragömäßigen Verpflichtungen zu be-
wegen.

Frankfurt, 8. Dec. Weimar und Mei«
ningeil beantragten sür Lanenburg weder
Dänenkönig, noch Augustenburg anzuerkcnneu,
vielmebr in Bundesverwaltung zu nehmen,
eventuell Austrägalentschcidung herbel'jusuhren.
Geht an dcn Nusschuß.

Frankfurt, 8. Decbr. Jn der gestrigen
Buiidestagsfitzung hatte Baden eine hochherzige
Erklärung abgegeben, deren Schluß also
lautete:

„Die großh. Regierung würde sich außer
Stande sehen, ,'m gegenwärtkgen Stadium
Vvrschlägen zuzustimmen, welche sich auf dic
Bundeserecutions-Ordnung stützen, weil sie in
der Vollziehung derselben ein gegenüber
Deutschland, gegenüber den Herzogthümern u.
gegenüber ihrem eigenen Lande ungerechtfer-
tigtes Verfahren erbli'cken müßte.

Die großh. Rcgicrung erklärt sich indeß
andererseitS dahin, daß ste jederzekt bereit ist,
ihrer bundestreuen und patri'otlscheii Gefin-
nung gemäß, auf jeden Beschluß hoher BundeS-
versammlung hin, welcher nicht geradezu die,
nach ihrer Änsicht unveräußerlichen Rechte der
Herzogthümer und ihres legitimen Fürsten gc-
fährdet, a» etwaigen militärischen Maßregeln
Merfreudig Theil zu nehmen. Ske stellt dem-
iMH schon jetzt ihre Kräfte zur Verfügiing u.
ist gcwillt, in Erwartung crnsterer Verwick-
lungen, unverzüglich Sorge zu tragen, daß
ihr Bundescontlngent in Kri'egsbereitschaft ge-
stellt werdc, um fich in kürzester Frist in Be-
wegung setzen zu können.

Jm Fall ihre Anficht über die Behandlung
ber Aiigelegenheit sich aber niit der Ent-
schließung dcs Bundcs begegnen würde, wird
die großh. Regierung es verantworten können,
auch über das Maß ihrer Bundespfli'chten
hinaus, mit allcn ihr zu Gebvte stehenden
Mitteln iu cinc active Mitwirkung zur Ver-
thkidigung der heiligsten Jntereffen des Va-
terlandes einzutreten, und sie rechnet dafür
mit Zuverficht auf die Zustiuimung ihrer Lan-
desvertretung, wie auf die freudige Bereit-
willigkeit ihres Volkes.

Hamburg, 8. Dcc. König Christian lX.
soll iiiinmehr auch das Wahlgesetz zu der Ber-
faffung vvm 18. Nov. sanctioiii'rt haben. Nach
dcm „Dagbladet" ist Mvltkc's Forderung, diese
Verfaffung für provisorisch zu erklären, von
dem König vcrworfen worden.

D e u t sch l a » d

Karlsruhe, 8. Dec. Durch Allerhöchste
Orvre vom 6. d. M. wird Se. Großherzogl.
Hoheit der Prinz und Markgraf Wilhelm
zum Gknerallikukknant und zum Generalin-
specior des großhcrzoglichen Armeccorpö er-
nannt.

Karlsruhe, 7. Dec. DaS hcute erschie-
nene Negirrungeblatt Nr. 51 enthält (außer
Pcrsonalnachrichten):

1) Verlkihliiig der silbernen Civilverdienst-
uiedaille an Hauptzollamlsdiener Franz Nieger
in Kchl, Postenführer Hölzle in Albbruck und
Kanzleidiener Andreas Babberger bei der Sa-
iiitätscvmmisfivn in Anerkciiiiuiig langjähriger
treuer Dienstleistungen. 2) Dieustnachrichten:
Bezirksförster Fischer in Lörrach ist nach Frci-
burg versetzl; Revifionsasststent Karl Hähn-
lein bei der Stcuerdirection zum Revisor bei
dieser Stclle ernannt.

1. Versügungcn und Bekanntmachungen der
Ministerien. 1) Bkkanntmachung dcs großh.
Ministeriüms des großh. Hauses und der aus-
wärtigen Angelegenheiten: Die Ertheilung des
landeShcrrlichen Ercquatur an Luiz Peiroto
dc Lacerta Werneck zum kaiserl. brasiliani'.
schen Generalconsul fstr das Großherzogthum
Baden betreffcnd. 2) Bekaiintmachungen des
großh. Ministeriüms des Znnern. ») Dic
Zulaffung auswärtiger Fcuervcrsicherungsge-
sell.schasten zum Geschäftsbetrieb im Groß-
hcrzogthum betreffend. Darnach wurde der
VersicheriiiigsgeseUschaft Rorthern Affurance
CompanN in Aberdeen und London die nach-
gesuchtc Erlaubniß zur Ucbernahme von Vcr-
sicherungen gegen Feuersgefahr von Fahr«
nissen und vom fünften Theil der Verßche-
rungssumme der bei der Staatsanstalt ver-
sicherten Gebäude ertheilt. b) Die Ertheilung
der Liccn; als Apotheker an Arwed Klaup-

recht von Karlsruhe bekreffend. o) Die Weffen-
bergstiftung in Konstanz betreffcnd. Darnach
haben S. K. H. der Grvßherzog untcrm 23.
v. M. gnädigst geruht, der aus freiwllll'gen
Beiträgen für Errichtung eineS Wcffenberg-
Denkmals im Betrage von 6270 fl. 17 kr.
behufs der Verbreitung religiöser und geistiger
Aufklärung im Geiste Wessenberg's gegründcten
Weffenbergsstiftung in Konstanz und deren
Satzungen die Staatsgenehmigung zn erthci-
len. ä) Die Vornahme einer Ersaßwahl in
dem VHI. Städtewahlbezirk für den aus der
Zweiten Äammcr der Ständeversammlung frei-
willig auSgetrctenen Abgeordneten Hoffmeister
betreffend. Mit der Leitung der Wahl als
landesherrlicher Commissär wurde der Regie-
rungsdirector, Geh. Rath Böhme in Mann-
heiin bcauftragt. o) Die Bornahme einer
Ersatzwahl in dem 16. Aemterwahlbezirk für
den aus der Zweiken Kammer der Ständever-
sammlung freiwillig ausgetretenen Abgcord-
neten Sieb betreffcnd. Mit der Leitung der
Wahl als landesherrlichcr Commiffär wurde
der Hofgerichtsrath Kirn in Freiburg beaüf-
tragt. (Schluß folgt.)

Konstanz» 6. Dec. S. K. H. der Groß.
herzog haben gnädigst geruht, die Zugslinic
der Eisenbähn von Donaueschkngen nach Engen
innerhalb der Gemarkuug Geisingen, wie sie
in der Natur profilirt und abgesteckt ist, als
fest bestimmt zn erklären und zur Ausführung
zu genehmigen. (B. B.)

Frankfurt. Bei der Bürgermeisterwahl
für daö Jahr 1864 würden gestern Senator
v. Oven zum älteren und Senatvr Fellner
zum jüngeren Bürgermeister gcwählt,

Frankfurt» 7. Decbr. Jn der heutigen
Bunvestagssitzung kam auch das Antwort-
schreiben der hohen Versammlung auf die Con-
greßeinladung des Kaisers Napoleon zur Ver-
lesung. Dem Bernchmen nach lautct daffelbe
zustimmend untcr gewiffen Bedingungen.

München» 6. Dec. Unserm König wird
bei seiner Ankunft hier. eine glänzende Ova-
tion dargebracht werden. Man knüpft an sei'ne
Rückkehr die Hoffnung, daß sie das Signal zu
entschiedenem nalionalem Vorgehcn in der
Schleswig - Holstei'nischen Sache von Seitc
Baperns sein werdc. Zugleich glanbt man
nicht bezwei'fkln zu dürsen, daß der König den
Landtag auf einen sehr nahcn Zeitpunkt —
man spricht von dcr zweiten Woche des Jä-
nuars — einberufcn werde. (N. C.)

Berlin, 4. Dec. Mit dcr Mobilmachungs-
ordre für die 6. und 13. Divifion sind zu-
glcich die Bcfehle zur Besetzung der am mei-
stcn auSgesetzten Küstenpuukte ergangcn und
wird namcnllich das ncue preußische Marinc-
etabliffement bci Heppcns an dcr Iahde durch
bedeutende VerschanzungSanIagcn gedeckt und
sehr stark besetzt werden. Dem Vernehmen nach
find Truppentheile des 4. Armeecorps hierzu
bestimmt und ist auch ein Bataillon des 67.
Regimcnts und eine Pionierabtheklung dahiu
abgesendet wordcn. Dasselbe wird auch bei
Stralsund, Swiüemünde, Colberg, Weichscl-
münde und allen übrigcn irgendwie grfähr-
deten Seeplätzen statthaben. Dic bkideii ge-'
nannten Divisionen werden, da nach der Mobil«
machungsordre die Truppentheile auf volle
Kriegsstärke gesetzt werden, und das 7. Jäger-,
das 3. Pionier- und 3. TraiN'Bataillon, wie
zusammen 12 Batterien der 3. und 7. Ar-
tillerie-Brigade und das westphälischc Dra-
goner-Regiwent Nr. 7 noch hinzulrcten, in 25
Bataillonen, 13 Escadrons, 12 Batterien, 1
Pionier- und 1 Train-Bataiüon, 25,050 Mann
Znfanterie, 3150 Rciter oder Alles in Allem
etwa 32,000 Mann mit 96 Geschützen stark
sein.

Berlin. Prinz Karl hat dcn Hoflieferan-
tcn, wclche für dic Fortschrittspartei gestimmt
haben, eine Verwarnung durch seinen Hof-
marschall zukommen laffen.

Wien» 3. Dec. Die Poli'zeidirecti'on hat
es für gut befuiiden, dic aus Anlaß der schles.
wig-holstei'nischen Frage projectirtc Volksver-
sammlung eilifach zu verbieten, vhne irgeiiü
wclchc Gründe für diesen Beschluß anzu-
geben.

Z ta l t e »

Tnrin, 4. Dec. Die dnrch Renan's Leben
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