Heidelberger Zeitung — 1863 (Juli bis Dezember)

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Ei'ne vom Comkte vorgelegte Proclamation an
di'e Bewohner von Rheinland.Westphalen fand
allseitige Znstimmung und wird demnächst ver.
breitet werden. Ebenfalls genehmigt und so-
fort unterzkichnet wurden Petitioncn an den
Kvnig von Preußen und dcn Kaiser von
Oesterreich, sowie eine Dankadreffe an de»
Kvnig von Bapern sür sein biSherigeS mann-
hasteS Auftreten in der nationalen Ange-
legenheit.

Parls, 13. Dec. Aus PeterSburg wird
gemeidet, daß der Kaiser Alerander gencigt
sel, seinen Ansprüchen für aüe künftigen Zeitcn
zu Gunsten Christian's IX. und seincr männ-
lichen Nachkommen zu entsagen unter der Be-
dingung, daß daS deutsche Schleswig mit Hol-
stein vereinigt und in den deutscheu Bund auf-
genommen werde.

Harburg, 13. Decbr. Die »Harburgcr
Nachrichien" enthalten solgendes Jnserat:
„Diejenigen, welche geneigt sind, r'n eine dem-
nächst von dem Herzvge Friedrich zu bildende
schlkswig-holstcinischeArinee einzutreten, wollen
sich vorläufig bei dem Hrn. Kaufwann G. H.
Lewes, Mühlenstraße 40, melden." Dem-
uach scheint der Werbung in Harburg uichtS
im Wege zu stehen.

Stuttgart, 14. Deccmber. Das hiesige
Schleswig-Hvlstein-Comite hat vorigen Sams-
tag beschloffen, die Snmme von 10,000 fl.
alS erste Sendung an die Ltaatskaffe des
rechtmäßigen Herzvgs nach Gotha abzusenden.

Flensburg, 14. Dec. Die „FlenSb. Z."
bringt ein Teiegramm aus Kopenhagen vom
13. d. M. Nachmittags, dahin lautend: Jm
Streite mit dem deutschen Bunde hat Däne-
mark die Vermittlung Englands angenomme».

Altvna, 16. Dec. Der „Rord. Curier"
meldet: Es verlautet, Scheel-Pleffen sei aber-
mals nach Kopcnhagen berufen und dahin ab-
gereift.

Deutschland

Karlsruhe, 16. Dec. Die erstc Kammer
bewilligte socben cinstimmig vhne Discussivn
die Creditforderung für die etwaige Mobil-
machung. Hierauf Vertagung auf unbestimmte
Zeit.

Karlsruhe, 15. Dec. Zn der heutige»
7. Sipung der zweiien Kammcr macht Prä-
fldent Hildebrandt zunächst eine Mittheilung
über die Ueberreichung einer Dankadreffe an
S. K. H. den Großherzog, wonach derselbe
seinc wiederholte Genugthuung über die schöne
Uebereinstimmung zwischen Regierung und
Volk zu erkennen gegeben und nebst seinem
Dank die Vcrflcherung ausgesprvchen hat, die
Erhaltung dieser Einigkeit immer als seine
schvnste Aufgabe betrachtcn zu wollen. Nach
dieser Mittheilung, welche dic Kammer durch
Erheben von ihren Sitzen freudig begrüßt,
erstattet Kirsner Bericht über die außeror-
dentliche Credilsordcrung von 2,300,000 fl.
für den Fall ciner Mobilmachung. Der Credit
zerfällt in einen einmaligen Aufwand von
1,850,000 fl. und in einen fortlaufenden, vor-
läufig auf einen Monat berechnetcn mit

Midei hatte »orher schon den Tischmach Mög-
lichkelt bedient. Frau Lifel erschicn mit schnee»
weißer Schnrzc, frisch gewaschencn Händen und
Armen, dic Aermrl cmxorgestülpt, das Miebcr
fcstgezogcn und daran die silbcrncn Kettcn und
Schaustucke glänzcnv und spielend. Der spitze Hut
saß fcst und gerade auf dem dunkeln Haarc, und
die braunen Augcn schauten kcck und treuherzig
drein.

Der Lindruck, den die Frau machte, war cin
recht angenchmer. Der Köuig hattc cine alte Me-
gäre crwartet, jetzt stand ihm ein frisches, kräfti-
geS Wcib gegcnüber. (Forts. f.)

o Sladt-Theater in Heidelberg.

Wontag, den 14. December: Die letzte Here,
Bolkslustiviel in 3 Abtheilungen von Schleich, Re-
dacteur dcs Münchener Punsch. Es mögen jetzt etwa
vier Jahre her sein, datz ein Akt der Volksjustiz, streng,
aber gerecht und ohne vorhergehende langathmige Ere-
cutionSandrohuug, vou allen Lesezimmern badischer Ver-
eine jencS sog. Witzblatt vcrbannte, welches mit seiuem
Geiser Persouen zu desudeln wagte, die dem badischen
Volke damals schon theuer waren. Dic Zwischenzeit hat
das Band der Liebe und Treue zwischen Volk und Re-
gierung noch ststcr geknüpft, und keincrlei Grund ließ
eS alS bedauerlich erscheinen, baß man fich daran gc-
wöhnt hat, den Münchencr Witz zn entbehren. Auch
daS Lustsprel des volksgemaßregetten Redacteurs konnte

450.000 fl. Die Commi'sffon beanlragt An-
nahme des Gesetzes mit ei»er kleine» Modi-
fication in Art. 2. Dke Annahme erfolgt
auch elnstiminig ohne Dcbatte in folgender
Fvrm: „1) Dem Kriegsmsnlstcrium wirv zur
Bestreiiung des AufwandeS kl'ner Mobt'lma-
chung ein außerordentlichcr Credit von

2.300.000 fl. bewilligt. 2) Soweit dicse
Summc zur Verwendung kommi, soll fle den
Milteln der Staatsschuldentilgungscaffe ent-
nommcn und übcr den Rückersatz ein beson-
deres Gesetz erlaffen werden. 3) Ucber die
Verivendung obigen Credlts hat daS Kriegs-
ministerium seiner Zeit besondern Nachweis
zu liefern." Auf FrickS Antrag wird noch
folgeiider von der Commlssion ausgesprochener
Wunsch in das Sitzungsprvtocoll aufgenom-
mcn: Von Großh. Regierung möge die wirk-
liche Mobilmachung incht früher angcordnet
werde», als mit Sicherheit das nngcsäumte
militärische Milwirken zur Herstellung der
Rechte der Herzogthümer und zur Einlösung
der beutschen Ehre vorhergesehen werden kann.
Der Präsident beurlaubt hierauf dic Kammer
auf einige Wochen, die Budgetcommission wird
jedoch zusammenbleiben, um den Bericht über
die RechnungSnachweisungcn zu fertigen.

Rastatt, 14. Dec. Redacteur Reusche
aus Mainz ist heuie in Folge elncs Beschluffes
des Justizministeriums seiner Haft entlaffen
worden.

Darmstadt. Oesterreich, Preußen, Bayern,
Baden, sowie mrhrere Mittel- u. Kleinstaaten
haben bereiis ihr Erscheinen auf dem im näch-
sten Frühjahre hier abzuhaltenden statistischen
Congreß sest zugesagt.

Frankfurt 14. Dec. Ueber die Abstim-
mung am Bundestage ersährt man noch, daß
Oldenburg, Reuß j. L. uiid Waldeck gegen die
Erlciitlvn waren, aber innerhalb ihrer Curien
(15. und 16.) überstimmt wurden, dort vvn
Anhalt und Schwavzburg, hier von Reuß S. L.,
Lippe, Schaumburg, Licchtenstein und Homburg.
AlsoLiechtenstein und Homburg entschieden u. a.,
daß die Bundeswagschaale zu Gunsten ber
Erecution sank. (Volksz.)

Gvtha, 14. Dec. DaS ausgelöste Haupt-
wehrcomite, an beffen Spitzc Frhr. v. Küns-
berg-Mandcl stand, bekannt aus der letztcn
großdeutschcii Versammlung, hat i'n Folge der
herzoglicheii Vcrsügnng dic bcrciis eingereihten
Mannschaften entlaffen.

Leipzig, 12. Dec. Dic königlichc Kreis-
direciion zu Leipzig hat auf erhobenen Recurs
mittelst Vervrdnung vom 4. Decbr. die Ent-
schließuiig des hlesigen Pvlizeiamts, daß der
i'm vorigen Jahre gebildeie Schützenbund dem
Vereinsgesetz gegenüber unzulässtg sei, und
stch aufzillösen habe, bestätigt.

Leipzig, 14. Dcc. Dic deutsche Cocarde
war bckannllich auf höhern Besehl neben der
sächstschen bel sämmtlichen sächsischen Truppen,
welche marschiren, aufgestcckt wordcn. Es ist
jedoch Gegenbesehl gekommen, und man hat
Vie deutschen Cocarden wieder bescitigt.

Regensburg, 10. Dec. Bön hier aus
wird folgende Aüffordernng verbreitet: „DaS
deutsche Volk erwärtet, daß dl'e Mitgliedcr

uns nicht zu einer andern Meinung bekehren, so in-
teressant es vom knlturhistorischen Standpunkte ist. Hat
inan doch nicht mit Unrccht gesagt: Nenne mir, was Du
ißt. nnd ich sage Dir, was Du bist. Nun, die geistige
Kost gehört auch mit zu dem, was verdaut werden will,
nnd so gibt uns das Volkslustspiel einen annähernden
Begriff von dem, was die Bewohner einer Sladt in
dieser Beziehung vertragen können. Nach dem einen
Beispiele zu nrtheilen, muß der Magen der Münchener
von beneidenswerther ursprünglichster Verdauungskraft
sein. Aüe Anekdoten und faden Witze, welche seit der
ersten Auflage von Meidingers Lesebuch entstanden sind,
hat Herr Schleich sorgfältig gesammelt und in unver-
änderter Austage reprodncirt, mit strengster Vermeidnng
irgend eines neuen oder guten Witzes. Und was hier-
mit über den Dialog gesagt ist, gilt genau in derselben
Wcise von den Siluationswitzen. Ein Rathsschrciber,
welcher in den Brunnen geworfen wird, um seine Lie-
besgluth abzukühlen, ein durch das Eramen gefallener
Sludent, der den Teufel agirt, betrunkene Rathsherren, !
welche den langsamen Fortschrltt lieden, ein Paar alte i
Drachen, welche vor Gericht sich ausschimpfen, das ge- ,
hört nock zu den ^ seineren Gewürzen, mit welchen die
braune Biersuppe schmackhaft grmacht werden soll. Es
ist jämmerlich. und das deutliche Zischen, in welchem >
veremzelte Klaischversuche erstickten, zeigte, daß das
Heidelberger Pnbliknm denn doch über den Zustand
hinaus ist, in welchem beisälliges Lachen sich erschl ei-
chen läßt. Gespielt wurde recht gut, und wohl nur !
der Rücksicht darauf ist es zuzuschreiben, daß das Haus

j der deutsche» LandeSvertretungen in Frank-
furt sich einfinden und di'e in Nürnbcrg an-
genommenen Sätze für Schleswig-Holstein zur
Geltung bri'ngen. Damit die Abgeordneten
aber nichl blos im eigenen Namen sprechen
und handeln, erscheiyt es dringend nothwendig,
daß die Wahlmänner in allen deutschen Lan-
den sofort ihre Uebereinstimmmig mit dem
Nürnberger Programm gegen ihre Abgeord-
neten in irgend einer Weise aussprechen."

Berlin, 15. Dec. Die Zollvercinsconfe-
renz ist heuie bis Anfang Januar vertagt. Jn-
zwischen wird Preußen dic Zollvereiiisverträge
kündigen, da dicselben auf el'nen neuen Turnus
vom i. Jannar 1866 ab gelten würden, wenn
dlese Küudigung nicht erfolgte. Die Resultate
der Conferenz sind dem Weiterbestehen des
Zollvereins im Allgemeinen günstig. — DaS
Ministerium hat die in Leipzig erscheinende,
in Preußen bis zu 40,000 Eremplarm ver-
breitcte Gartenlaube verboten, nachdem
dieselbe in dem Proceß, den man ihr wegen
des vielbesprochenen Artikels über den Unter.
gang der preußischen Corvctte Amazone ange-
HSngt hatte, jetzt in dritter Jnstanz verurtheilt
worden ist.

F r a «> k r e i ch.

Paris, 14. Dec. Das neue Rundschreibea
des Hrn. Droupn be LhuyS ist bereits an die
europäischcn Cabinctte abgegangen. Der Mi«
nister gibt stch darin den Anfchein, als nähme
er di'e höflichen Lobeserhebungen für Ernst,
mii dencn die Cabincite die Einladung zum
Congreß begrüßt haben, und setzt auseinander,
daß der Tuilerienhof nicht in der Lage sei,
allein für sich ein Programm zum Congreß
aufziistelleii, und daß es ebenso wcnig möglich
sei, stch hierüber durch Unterhandlungen mit
einzelnen Hösen zu verständige»; allein daß
sich dieser Zweck durch eine dem Congreß vor-
hergehende Ministercoiiferenz ganz wohl cr>
reichen lasse. (N. F. Z.)

Paris, 15. Doc. Anch ln Dijon ist der
Candidat der Opposttion, Hr. Magnia, mit
cincr Majoriiäi von 3579 Stimmen gewählk.
Dies Resultät stnd bezeichnend; sie weisen
nach, welche Fortschrltte die Oppostlion macht.

Paris, 15. Dec. Jn der gestrigen Senats-
sttzung begann dic Verhandlung über dle
Adreffe. Drr Marquis v. Boiffy hielt eine
lange Rede, worin cr über allc Dinge uiid
noch einige mchr sprach. Er griff den Adrcß-
entwurf aufs Lebhafteste an, warf ihm vor,
daß er die „Unbcweglichkeit" zum Grundsatz
erhebe, sich nicht energisch gegcn den weri-
canischen Krieg aussprechc, dcffen Aufhören
das Land fordere; er hob hervor, daß die
Aoreffe von „Polcn" spreche, statt vom „Kö-
nigreich Polen", und dles deute Feindseligkeii
gegen Preußen und Oesterreich an; einer Coa-
lition aber könnc Frankrcich nicht widerftehcn.
Der Redner sprach sich überhaupt gegcn jeden
Krieg zu Gunstcn der Pole» aus, venn blese
seien nichts als eigensüchtige Revolutionäre.
Sobann ladelt cr den Adrcßenlwurf, wcil er
daS ZusamMentreten des Congreffes als eine
bestimmtc Thalsache hinstelle, und die Vcr-

nicht vor Ende deS Slückes sich leerte. Hr. Axtmann,
zu dessen Benefiz die Vvrsteilung stattfand, konnte weü
eher über mangelhaften Besuch, als über llndankbarkeil
des vorhandenen Publiknms klagen. Er war ein recht
flvtter entarleter Sohn der Musen und als Teufcl so
humoristisch, als der Tert es erlaubte. Herr Delcli-
senr machte gleichialls aus seinem Rathsjchreiber, was
nur darauS zu machen war. Von wirklicher Komik
und deßhalb wiedcrhott mit Gelächter begrüßt war das
eigenlhümtiche dreimaligc Klopsen auf die Schnups-
tabaksdose, mit dcr Hand, dem Ellenbogen und wiedei
mit der Hand- Das ging so Uiigemacht, gewohnheils-
mäßig vor sich, wie allein dergleichen Absoudeilichkeiteii
von Wirknng sind. Fräulem Maye^ fahm wir ziim
ersten Male in einer grvßern Rolle. L>ie siillte diefttde
vollkommen ans, und wußie namentlich auch durch den
leichren Gebiauch ihres vaterländischen Dialektes dem
Stücke seincn Münchener Ursprnng zu wahren, Lag es
i» diesem Dialekle vdcr ÜI sonstigen Beweggründen,
jedensalls spielte Fräulein Mayer weit mibefangeiier,
als sie es sonst in Nebenrollen zn thun xstcgt, wo man
ihr immer eine xeinliche Aengstlichteit anmerkr. Sie
hat gar keine Beraiilassimg dazn, und wird sicherlich
bei sreiem, nngcnirtcm Spiele sich leicht in der Gunst
des PublikumS befestigcn. Noch einen angehcndeii
Künstler müssm wir hente erwähnen. den jnngeii Kart
Giegold, welcher das verzogene Muttersöhnchcn Lavei
aus's Naturgelreneste darzustsllen wußtc. Es lag wirk-
liche Aussassimg darin.
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