Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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ertheiltc Patcnt für seine verbesserte Constrnc-
tion dcr von ihm crsundenen, bercitö patcntirtcn
Fensterrahmcn aus die Dauer von 3 Jahren
vcrlängert. 3) Bekanntmachung des großh,
Finanzministcriums: die Verbrennung ciuge-
töster StaatS-Schuldpapiere betreffcnd.

Lodesfalle. Gestorben sind: Am ö. v. M.
Zeichnungslehrer Gcßler an der Uuiversität nud
dcm Lyceum in Freiburg. Am 13. v. M. der
evangelische Psarrer A. Lorenz in Daisbach
Am 24. v. Mls. Rechtsanivalt K. Benz in
Waldkirch.

— Mannhcim, 12. Zuli. Die hiesige
Bürgerschaft beklagt stch, uiid zwar mit vollem
Zicchte, über ben scit ciniger Zeit iviedcr üder-
hand nchmenden Uufug der Btanen-MontagS-
Excesse der hiesigen Gesellen unb Gcwerbsge-
hilfeu. Ganze Tage uuo iliächte hindurch durch-
ziehen bctrunkcne Schaarcn mil abjcheulicheui
Lärm unb Gcjchrei die Stratzen der Stadt,
und man uiuß sich billig wuudern, daß unjcre
Poiizei, welche die soliden und ruhigen Bürger,
die nach des langen Arbeitstages Lajt Iind Diühe
noch sünf Minutcn uach der Feierabendstunde
ihrcn Schoppen geuiüthlich austrinken wollen,
mit zarter Aürsorgc nach Hause weist, sich nicht
vcranlabt sühlt, oiesem oie öffeutliche Ruye uno
Ordnung störenoen Trciben cntgezcnzulreten.
Sehr auffallcno nud zu ernstem Rachdenken
ausjordernd ist es abcr gewiß, datz in oeiu
Zcitalter der mit so viclcm Geräujch austrc-
tcnden und jo laut in oie Fortschritistrompete
stobendcn Arbciter-Bildungs-Vcreiiie dicje
an die Zeit der Unbilduug und Rohhcit,
an die Blüthcutage des sogcnauiiteu „Knoteu-
wcseiis" crinncrnden Erjcheiiiungen in jo wider-
wärtigcr Weije wiedcr auftauchen. Sie dürscn
von Zhrem Correspondenteii uicht erwarten, oag
er, u»i den Schtüssel zur Crklärung dieser That-
jachen zu sinden, in daS Philistcrhorn der Geg-
ner dcr Gewerbesreiheit und cines sreieren,
hiimaiieren Vcrhältnisscs zwijcheu Meisteru und
Gejellen btäsi; Ivir wisscn de» rcchten Gcbrauch
von dem Mißbrauche sehr gui zu unterjcheiden
und sind wcit entsernt, gcgcn eine an sich gute
Sachc um der an sie stch anheftendcu Ucbcl-
stände willen anzukäinpfcii, oder, wic man zu
sagcn pflcgt, daS oiiiid mit dcm Badc auszii-
schüttcn. Allein das dürfen wir nicht vcrschwei-
gen, daß man hier, uno vicllcicht auch andcr-
wärts, von einer gcwisscn Seite her in höchst
einjcitiger und parteiischcr Weije sclbst die über-
Iriebensien Ansprüche der Gcsellcn gegeuüder
ihren Meistern in Schutz nimmt uno dadurch
nicht allein eine bedaucrliche Störung der Gc-
schäftsvcrhältnisse veraniaßt, jondern auch die
jugenblichcn Arbeiter, dic man doch bilden
will, dünkclhast, trotzig nnd unverträglich macht,
woraus sodann in iialurgcmLßer „Fortbildung"
Liederlichkeit und Exccsse enlstehen. So hat z. B.
vor einiger Zeit ein ivohlbckanntcr hiejigcr
Correspondent der „Bad. Landeszeituug", der
in einer specicllen Beziehung zu dein Arbeitcr-
vercin stcht, auö Veranlassung eincs vorgesal-
lenen Skandals eincn scharsen Tadel gegen die
Dieister auSgesprochen, wclchc, den veränderten
Zeitverhältnijjen nicht Rechnung tragend, ihren

an dem Wagenschtag vorbeigehcn können, um die
bestc Antwort zu erhalten, abcr das wäre eine zu
prosaische Löfung gewesen, die wcnigstens Louls
Fcrdinand vcrschmähic. Einc anderc Hand lcgtc

zucklcn nlcht auf bei dicscr Berührung, sic crwider-

tcn nicht dcn Druck-cs war also nicht dir

Hand eincs Geliebien. Still ruhten sie, um sich
dann nach cincr Wcile sanft dcr lastcndcn Hand
zu entziehen. Bei diescr Bcwegung entglitt dcn
wclhcn Fingern dcr Handschuh und fiel in cinc
Furche dcs Wegs.

„W-r hebt dicscn Handschuh auf?" fragtc da
ptötzllch dcr Prlnz, aufspringend.

Die jungrn Männer crhvben sich und drängten
fich nach der Treppeuthür.

„Ncln — nlcht so! Das kann jedcr!" lächeltc
der Prinz. „Jch mctnc durch cincn Sprung vom
Alran hkrab, meine Herren!"

Erschrecktc u»d stauncnde Blicke begcgncten lhm
— cin dumpscs Murmcln war dic Antwort —

Gewerbsgehilfen den vcrdienten Lohn nicht ver-
abreichen wollen. Allein wenn wir bedenken,
daß ein Maurcr- uud Zimmcrgeselle einen
Tagelohu von 1 fl. 12 kr. bis 1 fl. 24 kr.
crhält und andere Geschäfte noch verhältniß-
mäßig bcsser bezahlt werden, so kann man doch
wahrlich nicht behaupten, daß der Lohn nicht
iu dem rechten Verhältniß zu der gclcisteteu
Arbeil stche, nnd die inS Ueberjchwengliche sich
stcigernden Preije der Häuser und Miethwoh-
nungcn, die jetzt den Gegenstand des TageSge-
sprächS bildcn, lassen sich nur auS dem hohen
Preise der Rohmaterialien und derArbeitS-
kräfte.erklären. Ob aber die besprochenen
Blaukn-Moiitags-Bummeleien und Saufereien
eiue Folgc dcs zn niederen Arbeitslohncs
scicn, das zu beurthcilcn, reicht der gesunde
Menschenversiand auS, und nian bedarf dazu
keiner volksivirthjchaftlichen Stndien.

Mannheiui, 12. Zuli. Nachdem sämmt-
liche üliitglieder der hiejigcu Handelskammcr in
Folge ihreS wcgeu dcr Bankfrage eingetre-
lenen ZcrwürfnisscS mit dem HandelSniiniste-
rium ihr Maudat nicdergelegt haben, ist cine
Ncuwahl anberaumt, dcren Ergebniß nach dcm
„Ar. I." schr zweifelhast erscheint. Denn man
jagt sich mit Recht, daß eine Wiedcrwahl weder
die Geuugthuung sein Ivürdc, welche die delei-
digte HaiibclSkammer vom StaatSministcrium
gesordcrl, uoch die Rechtjeriigung wäre, die
das letztere von der erstcrcn verlangt hat. Die
Wiederwahl würde die Sache nur verschlim-
inern. Die Handelstäinmer hat in der Sache
Aecht, in dcr Form abcr gcfchlt. Sie niußte
ihr Niandat soforl nach dcr miiiifteriellcn Rüge
iiicderlegen, und dann die Genuglhuung in dcr
öffentlichen Meiuung suchcn. Dem Ministe-
rium deu Siuhl vor die Thür setzcn, hieß
nichtS AndereS, als eine Entlassung deS Mini-
stcrS beantragen. Wer dabei dcn' Kürzeren
ziehen mußte, lvar lcicht vorauszusehen.

Stuttgart, 12. Juli. Die Sitzung der
Kanimei der würlcmberg. Abgcordiicten eröff-
nei! Prajideiit Webcr.

Dic üieuwahleii wurden sür lcgitimirt er-
kläri. Üiickel übergibt deu dringlichen Antrag,
die Kammer wolle auf dic von oem Könige
gchalteue Thronrcde einc Antwortsadrcsse er-
lasscn uiid zum Zweckc der Borbereitung dieser
Adresse eine Commission von 8 Mitglicdern
wählen. Diescr Antrag wird einftiminig an-
genommeii. Die Wahl dieser Adreßcommission
wird in dcr morgigen Sitzung vorgenommen.
— Bci dem stäiidischen Ausschusse stnd zwci
Gesetzentwürfe eingekommcn, wovon der eine
die Festjctzung der Civillisie für dic Rcgicrung
dcS KLnigS betrifft. Hiernach soll die Civilliste
betragen: 777,800 fl. an Gcld, an lliaturalien
jährlich 4500 Centncr Dinkel, 1250 Centner
Roggen, 788 Eentiicr Gcrste, 11,200 Centuer
Hafer, 1400 Klftr. Buchenholz und 800 Klftr.
Taiineuholz. DicjeS Gcsetz soll mit dem 26.
Juui d. Z. in Wirksamkcit treten. Nach dem
aiidercn Gcsctzeutiviirse joll die provijorische
Forterhcbung der Steuern biS zum 31. Dec.
d. Z. genehmigt wcrocn.

Darmstadt, 12. Znli. Heute bcrieth die

(Schluß folgt.)

Sonderburg. Bezüglich des Ucbcrgangs nach
Alsen crhält dic „Köln. Zig." noch fvlgende in>
t-r-ss-iiitc Einzclhcitcn: Gcgcn 3 Uhr MorgcnS
bcgann nun auch das Ucbcrsühren von Pfrrden'
und Geschützen. Es wurdcn immer jc zwci Pon-
tons zu lincm Ganzcn zusammcngckoppclt, und
auf jedem solchcn Thcil wurdcn cntwcocr 8 Pf-rde
mit dcn dazu gchörigcn Mannschaftcn odlr cin Gc-
schutz ncbst Protze und vier Pfcrden vcrladcn. So-
wohl auf dcm dieöscitigcn, wie jcnseitigcn Ufer
bautcn dic Plvnicrc währcnd der Zeit, III welcher
dic PrntonS abgcladcn Iiud gckoppclt wllrden, auch
dic nöthigen LandungSbrückeu. Als die crstcn Pferdc
vccladcn warcn und eben vcm Lande abgcstoßcn
werdcn solltc, crschien „Rols Krakc" zum zwcitcn
Malc, abcr cr gab nur wcnlge Schüfic ab und
stcncrtc dann nordwärts in ble osfcne Sce hinaus,
bki sämmtlichrn dlcsscits angckcgten Sirandbatie-
rien vorbei, dle ihn kräfiig beschosscn. Das Ucber-
srtzen ging nun, da dcr Kcind injwischen vom jcn-

2. Kammer über die von der Stadt Mainz
eingereichte Bejchwerde wegen Niederlassung der
Jesuilen in dcr Pfarrkirche Si. Christoph da-
selbft. Der Ausjchuß hatie deu Anirag gcstellt.
„die Regierung zu erjucheu, die iu Maiuz be-
steheiide Aggregallon oder Affociaiion von Ze-
suiien ailsziiiöjen, die Räumuug dcr Pfarrge-
bäude von Li. Christoph durch letziere auzu-
ordnen und dersciben dic Ausübung kirchlicher
Functioucn, so weit jolche der Aggregation selbst
übertragen jind, zu unterjägcn". Gegen diesen
Antrag sprachen die Abg. Seitz in mchrmaligen
längeren Redeu und v. Löw, dafür, außer dem
Berichterstatter Finger, noch die Abgg. Metz,
Dumoni, Bccker, Thudichum und Wernher.
Eden, Abends haiv 8 Uhr — die Sitzuug be-
ganu Vormiiiags 9 Uhr — werdeu die Aus-
schußanträge bei namentiicher Abstimmung mit
38 gegen 6 Stimmen (deiijeiiigen dcr Äbgg.
Seitz, v. Löw, v. Schenck-Nicderofleideii, vou
Wamboli, v. Atiedesel uno v. Günderrode) an-
genommeii.

Müncden, 12. Zuli, Abends, Nachdcm
gestcrn Oefterreichs Zustimmung zu dcu bisher
auf Grund der DarinftLdter Basis gepflvgeneii
Vcrhaiidiuiigeneiiigeiroffeii, hai heutedieSchiuß-
sttzung der Zoücoufereuz statlgesundcn.

Berlin, 10, Zuli. Die königliche Akade-
mic der Wissenschafieii hieli am 7. d. eine
öffeutiiche Sitzung zur Feier deS Leibniz'schen
Zahresiages. Der vorsitzende Secrelär, Herr
Trendelenburg, ieitete sie, die praktischen Be-
zichungen in Leibnizens hiesigcm Aufcnthalt
hervorhebend, durch Miiiheüuiig eincs ungc-
druckieu Aufjatzes cin, der »on Lcibnizens Haud
in dem königlichen Geheimen Siaatsarchiv vor-
handen ift, und, wahrscheiniich im Jahre 1700
für den Kiirfürsten Friedrich lll,, den crstcn
Köuig, geschriebeu, eine Verbcsserung der Ge-
sctzgebung und Rechispflege anregt, Dieser
Ausjätz fiiidci sich in deu Acieu, wciche die
Kammcrgerichtsorbnulig vom 1. MLrz 1709
vorbereiien, und hai iu aller Kürze Gedaiiken
wie sie jpäier Sainuel von Coccejl ausführte,
Leibniz erjcheinl darin ais ein zwar kleineS,
aber ersteS Glied in dem großcu Vorgang dcr
Zustizrcsorm, die am Ende dcS Jahrhuiiderts
mit dcm Lanorecht schloß. Hicrauf hielteu dic
scit dem vorigen Lcibuiztag nen erwähltcn Aiit-
gliedcr ber Akademie, Hr. Müllenhoff und Hr.
Rödigcr, die übiicheu Antriitsredeii, welche Hr.
Trciidelenbiirg iui Namen der Akademie mit
eiuer Begrüßung erwiederte, Der Secrctär der
physikaiisch-mathematischen Klassc, Hr. Kuininer,
veröffeiitiichte sodann das Urtheii über cine
eiiigelieseric Preisschrifi, und irug zwei neuge-
stellie PreiSaufgaben vor. Siach diesen Vor-
trägen schioß Hr. Haupi dic Sitzung mii ciner
Gcdächtnißrede auf Zakob Grimm.

Berlin, 11. Juli. Den Redaktionen der
hiestgen Zeiiuiigen ist hente vom Polizeipräsi-
dium eröffnct, daß alle weiteren Veröffentlich-
ungen über Truppen - Aufstellungen, MLrjche,
Rüstungcn und sonstige kricgerijche Vorbcreiiuii-
gen der allüricn Armee und Fivtte, sowic über
die Staiioiien nnserer KriegSschiffe nnd über
TrupPenbeweguiigen iiinerhald der Monarchie

sciiigcn Ufcr vcririebcn war, uiigcstört vor fich und

nirre und Jnsanterie-Rudcrcr ununtcrbrochcn bis
gcgcn Nachmittags 3 Uhr fort. Ucbcrsctzt wurdcn
4 Brigadcn Jnsantcric, tv Battcricn ncbst Mn-
nitionswagcn, das Zlcthcn'sche Hnsaren-Regiincnt
Rr. 3 und viclc Wagcn der Feldlazarelhc. DaS
ll-bcrs-tz-n aller dicser Truppenthcile geschah mlt
stauncnswerthcr Umsicht und mit so großer Ord-
nung, daß cs nur dtescm zuznschretbcn, daß, trotz-
dcm mehrcre Bootc von sclndlichcn Scküssen durch-
löchcrt wurdcn. so Wcnige zu bcklagcn sind, dic
ihrcn Tod durch Erkrinken fanden; so wctt cs bis
jctzt crmittclt ist, find nur 6 Mann lm Wasscr

(Ein Canntbalc.) Züngst lsi cS zwifchcn
Plancgg und Pafing bet Münchcn auf dcm Wegc
vorgckommcn, vaß etn Bursche IM Slreite Mlt
rincm Städtcr demsclben in dcr Wnlh ein Stück
Alclsch auS dem Halsc ausblß. Ernc ganz ncuc Art
von Bestralttät. Keln Wundcr, daß eS noch sclbst
g-drldcl- Lcntc gibt, wclchc dlc Prügcl flir daS
bestc Reccpt snr solchc vcrthicrtc Subjccte haltcn.
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