Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Utidtlbergi'r Ieitung.

R» 2LS. Samstag, >7 Leptember

* Politische Umschau.

Zu Hamburg hat das Haus Abrahamson
mit einer Passiva von 3V0,M0 M B. fallirt.

Zm Pas-de-Calais-Departement hat cine
ncue Deputirtenwahl stattgehabt. Bon 22,270
Stimmen erhielt der Regierungscandidat Jour-
dai» 19,339.

Der Rcdacteur deS böhmischen Blattcs Hlas,
Hr. Vincenz Wawra, entwirft in einem offeneu
Schreiben an das StaatSministerium ein düste-
res aber wahrheitsgetrenes Gemälde von den
Leiden, dencn dic wegen Prehvergehen Bernr-
theilteu in den österreichischen Kerkern auSgesetzt
sind. Hr. Wawra, welcher untcr dem absoln-
tistischen Regiment ebenwohl persönliche Erfah-
rungen über die Behandlung der in Kerkerhaft
befindlichen Journalisten gesammelt hat, con-
statirt durch eine Reihe -von Beispiele», daß
dic Behandlung der Letztcren damals eine viel
humanerc war, als untcr dem hcutigen consti-
lutioncllcn Regime des Hrn. v. Schmerling.

Die Frankfurter Bank hat ihren Disconto
»on 41/z auf S'/z Procent erhöht.

Aus München wird bestimmt versichert,
Bayern werde wegen des Beitritts zum neuen
Zollverein nicht früher Verhandlungen einleiten,
als bis die Verhandlungen zwijchen Preußen
und Ocsterrcich beendct sind, sclbst wcnn dics
nach dem 1. Oktober der Fall wärc.

Wic die „Mittelrh. Ztg." vernimmt, soll dis
bisherige nassauischc Ständcverjainmlnng auj-
gelöst und binnen zwei Monaten Neuwahlen
auSgcichriebeu werden,

Dic „Krcuzzeitung", das „Volksblatt" und
die „Nordd. Allg. Ztg." berichten übcreinstim-
mcnd über Ovationcn, die gestern Abeud Hrn.
v. Bismarck dargebracht worden sind. Man
ersihrt jedoch darübcr, daß die Mchrzahl der
Theilnehmer aus officiösen Eorrcspondeutcu bc-
standen hat, unter denen fich uamcntlich der
HerauSgeber der „N. A. Z." durch seine Be-
geisterung ausgezeichnet haben joll

Nach einem PcterSburgcr Bcrichte der „Nat.-
Ztg." hat dcr Großsnrst Michael, als Statt-
halter im Kaukajus, dajelbst ein höchst eigcn-
thümliches Amnestiedecret erlassen. Allen ge-
meinen V-rbrechen, deren Thäter flüchtig ge-
wordcn, wird volle Straflosigkeit zugesichert,
wenn Letztere sich binneu zwei Monaten ftel-
len; nur die civilrechtlichcn Folgen werden zu
tragen scin, und bloS um diese zu constatiren,
können noch nachträglich Untersuchnugen fort-
geführt werden. Die ganze Sache jst nicht
rccht klar.

Jn Balparaiso hat die Kammcr beschloffen,

Emc Hinrichtung.

Foix, 12. Scpt. So cben 7Vi llhr Morgcns
ist Lütour hingcrilbtet wordcn. Er starb, ohne
Gcjtälldntsse gcmacht odcr fetne Schttld etngestandcn
zu haben, und man wkrd, rvenn nicht andere Ent-
hüllungcn folgcii, wohl nic mit Bestimmthkit fagen
könncn, ob er wtrklich der Mörder des Hrn. dc
Bugad vc Lassalle und seiner drei Dienstbotcn war.
Die Hinrlchtung fand auf dcr ungehenrcn Espla-
nade statt, die stch in der Rähe d-r össentlichcn
Promcnadc bestndet, von wo aus man die Thürme
des SchlosseS von Foir erblickt, die in Latour'S
L-ben eine so bcdeutungsvolle Rollc gefpiclt haben.
Nach Mitternacht wurde mlt dem Auffchlagen der
Guillotine bcgonnen, dic man von Toulousc hattc
kommen laffcn. Dikse Vorbereitungcn machtcn eincn
düstern Eindruck, bcsondcrs auf die, welchc dicsen
Platz, der sich nach und nach mit jenen ignoblen,
MLN möchte sagcu, dcs Galgcns würdigen Gcfich-
tern anfüllte, noch wcnige Minutcn vorhcr mit
einer srohcn, lebcnslustigen und solllitagsgepudten
Wengl bedeckt gesehen hatten. DaS Gerücht von

daS Kaiserreich Mexico nicht anzucrkcnnen,
sondern ein Trutz- ünd Schlltzbnndiiiß äller
südamcrikanischcn Republiken abzuschließcn.

Zur Lchlcswig-Holsteiti'scheii
Eache.

Altona, 1b. Sept. Dic BundcScommis-
säre deponirten bei der norddeulschen Bank in
Hamburg aus der holstcinischen Landcskaffe
cine weitere-Summe »on bciläufig einer Mil-
lion preußischer Thaler zn 3 Proc.

Hamburg, 1b. Sept. Laut dem „Alton.
Merkur" ist der sächstsche Obrist Fabrice zum
Mitgliede der Commission über den Ausgleich
der Rendsburger Affaire ernannt.

Ratzeburg, 1S. Septbr. Das amtliche
Wochcnblalt briilgt eine Bckaiilitmachung der
Rcgicrung, durch welche die lanenbu gischeu
Staatsangehörigen zur Annieldung lhrer An-
sprüche an dänische Znstitilte ausgesordcrt
werden.

D e u t s ch l « » d.

Karlsruhe, 14. Scpt. Der Prinz Wol-
demar von SchleSwig-Holstein, Commandenr
der preußischen Biindcsgariiisoii in Frankfnrt,
ein Oheim des Herzogs Friedrich V1U., ver-
weilt gegenwärtig hier und halte, wie wir
hören, mchrcre Besprechuiigen mit dem Präst-
deiiten des Miiiistcriums der auswärtigen An-
geiegciiheiten, Herrn vou Rvggendach. — Zn
den nächsten Tagen wird dcr Besuch des rus-
sischen Großfürsten-Thronfolgcrs erwarte!, der
aus der Reise nach Friedrichshafen Karlsruhe
passiren wird. — Hcrr StaatSrath Lamey wird
deinnächst eine Erhoiuiigsreise aiitreten; zuvor
wird aber noch dic Eriieilnung der ais Polizei-
staalsaiiwälte vcrwendetcii Refercndäre erfolgen.
Wic wir vernchmen, sollcn fast alle Refercndire,
dic keine Anstelluiig crhalten haben, in solcher
Weise Vcrwenduiig fiiiden. — Der Scandal
in Baden hat hier in allen Kreisen die höchste
Entrnstuiig hervorgerufen. Allenthatben wird
man cncrgische Maßregeln dcr Regierung gegen
die Unsittiichkeit dcr dortigen Maitresscnwirth-
schaft mil Gcnuglhuiillg begrüßen. (F. Z.)

Karisruhe, 1S. Scpt. Das cben erschie-
nene Regbl. Nr. 44 enthäli: Bekanntmachuiig
des großh. Ministeriums des Znncrn, Boll-
zugsverordnung znm Gesctz vom 28. Mai 1884,
Regbi. Nr. 23, die Gerichtsbarkeit und das
Vcrfahren in Polizeistrafsachen belr.

Würzdurg, 12. Sept. Dic Generalver-
samnilnng der katholischen Vereine hat den Prof.

d-r bevvrsteheiidiii Hinrichtnng hatte sich übrigenS
sckncll in Foir imd der Umgegcnd verbrcitet, nnd

bartcn Departcments eingefnnden. Um 5 Uhr des
Morgens war der Plax, so wie die Straßen, durch
weiche dcr Henkcrtarren seincn Weg nchmen sollte,
gcdrängt voll. Dic Menge sclbst machte eincn eigen-
thümlichen, unheimlichen Eindruck. 8s war nich!
dic Ncugicrde allein, dic sic zu dcm blutigen Schau-
spicl gelockt zu habcn fchtcn; cs war, alö wcnn
sie fich üherzeugen wollte, datz der Kopf Latour'S,
der ihnen in seinen Kctten noch Furcht cinjagte,
wirklich fallen werde. Etwas nach 7 Uhr kündigte
cin dnmpfes „Ah" die Allkniist dcö zum Tode Ver-
urthciltcn unv scincr Bcgleitcr an. Latour saß auf
seiiicin Karren, ncben ihm hatten dcr Scharfrichttr
und feiiic Knechtc Platz gcnommen, und cinc starke
Abthcilung Gensd'armen bildcte die Escorte. Kein
Pricster begleitetc ihn. Latour sklbst hatte nichts
von sciner Ruhe vcrlorcn; cr sah das)hn drohend
andlickende Volk ruhig an und ließ seln Auge kilt
über es dahingleiten; seine Haltnng hatte etwaS


Frhrn. von Moy-Sons aus Znnsbruck zum
Präfidenten, den Secretär der belgischen Ka-
tholikenversammlung Ducpetiaur aus Brüssel
zum EhrenprLsidenten, und Graf Friedrich
Thün aus Bodenbach in Böhmen, Advok.-Anw.
Adams juii. aus Koblenz und Domdechant
Götz von hier zu Vicepräsidenten gewählt. Zu
Beisitzern: Oberbürgermeister Hopfenstetter von
hier, Advokat-Anwalt LingenS von Aachen, die
Profeffören Dr. Hcttinger und Dr. Hergen-
röthcr von hirr und Advokat-Anwalt Dr. von
Mejer aus Ungarn; zu Schriftführern Redac-
teur Dr. L. Lang auS München, Archivar
Dr. Will auS Nürnberg, RegenS Dr. Haehn-
lein von hicr, Landgerlchts - Sccrctär Thissen
aus Aachen und Mililär-Pfarrer Dr. Stam-
mingcr von Würzburg. Mlt dem Vorsitz in
den fiiiif Abtheilungen wurden beaustragt:
Stadtpfarrer Tissen aus Frankfurt (Abtheilung
für MiisioiiSwcscn), Regens Mousang aus
Mainz (für christliche Barmherzigkeit), P. Zl-
defons Lehner aus Mctten (fnr christliche
Kuilst), Hofrath Phillips auS Wien (sür Wis-
seiischaft und Preffe), mid Advokat - Anwalt
AdamS aus Koblenz (für Lußcre Bcziehuilgen
und Formalien).

Weimar, 12. Sept. Gestern faud hier
dic Berathung eineS Statütenentwurfs sür den
deutschen Städtetag statt. Von den am 18.
Octbr. v. I. init den Vorarbeiten beaustragten
Städten waren vertreten: Drcsden, Hannvver,
Stuttgart, Weiinar, Kassel »nd Lcipzig durch
den Bürgerm. Dr. Koch. Letzcrer, zum Vor-
sitzenden ernannt, trug u. A. die vvn dcn nicht
vcrtretenen Städten auf die Einladungen zur
hiesigen Vorberathung eingegangenen Zuschriften
vor. Berlin ist ohiie Angabe der Gründe Ilicht
in der Lage, stch an der Conferenz zu bethei-
ligen, und Wicn — hat die Einladuiig gar
nicht bcantwortet. Zn d-r hierauf stattfiiidcn-
den Berathung de« Statiiteneiitwurfs erfuhr
derselbe nur wenige Aendernngcn. Ferner be-
schlvß man: daß dic Anwesenden in ihren Ge-
meinden die Frage 'wegen des Beitritts zum
Städtetagc auf Grund dcs nunmehr berathe-
ncn Stätuts zum Austrage zu bringen haben;
die bei der Vorberathnng ausgebliebenen Städte
unter Mittheilung des Ergebniffes derjelben,
um gleichcs Vorgehen in ihren Gemeindcn er-
sucht und von den den Beilritt erklärenden
Städten, welche dann als Bcgründungsausschuß
aufzutreten HLtlen, die gesammten Städte
Deutschlands zum Anschluß an den Städtetag
auf Grund dcs in der Vorberathnng jestge-
stellten und bekannt zu machenden Statuts
öffentlich aufgesordert werden sollen.

unbeschrctbllch Stolzes, oder, wenn man will,
Ucbermükhigcs. Im Gefangnisse scibst, als man
ihm ankünvigte, daß seine ietzte Stunde deran-
genaht sei, erfaßtc ihn einen Augenblick lang die
altc Wuth. Er hatte sich zwar gestern um ö Uhr
ohne Widcrftand die Hände fesscln laffen, aber
später erging er sich in dcn wiidestcn Drohungen
nnd Schlmpfreden gegen die Richtcr, Prikster und
alle anveren Perfoncn, die cr währcnd seines Pro-
ccffes gesehen hatte. Dic Tröstungen des Geifllichen
von Foir wlcs er auf's barschste zurück und verbat
fich desscn Begleitnng bei seinem letzten Gangc.
Als Lalour aus dem Gcfängniß hcrauSfubr, stimmte
er das von thm verfaßie Guillotincnlied an und
sang es von dort bis zum Sckaffot (ungcfähr 4Ü0
Schritte) ohne Aufhören. Am Fußc dcs Schaffots
angckommcn, blickte er kalt und ohne die geringste
Bewcgimg zu verrathen, auf das Henkerbeil. Dann
schrile er raschen SchiilteS dic Stufen hinauf. Auf
der Plattfvrm augekommen, wars <r einen letzten
Blick aus das Messcr, daS seinem Lebeu ein Endc
machen solltc. Dic HenkerSknechte -rgriffen ihn,
warfen ihn unter das Meffer, und bald hörte mau
d!» dumpfen Kall des BkileS. Um 71/r Uhr war
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