Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Ueidtlbrrgtr Irilung.

N» 1S3. Donnerstag, 1.8. August


* Politische Umscha».

Dic Unterhandlungen zn>ischen Ocstcrreich
und Preußen, wegen der in den Herzogthnmcrn
zu schasscnden Provisorijchcn Regicrung dauern
noch an. Preußen soll vcrlangen, daß die
RegicrungSgewalt in dczi Händen cincr Autori-
lät concentrirt werde. Es sei sogar von einer
erlauchten Persönlichkeit des Preußischen KönigS-
hauseS die Sprache, welche fnr dic Mission
designirt wäre, die provisorische Regierung der
Herzogthümer zu nbernehmen.

Der Adjutant des Kaisers von Fränkreich,
MarquiS Toulongeon, dcr beauftragt war, den
König von Würtemberg zu sciner Thronbestci-
gung zu beglückwnnschen, wnrde am 11. Aug.
zu Ostcnde vom König empsangcn. Der Ad-
jutant wurde zu Tafel gezogen unb crhielt
einen Orden.

Nach dem „Pays" gewinnt das Gerücht Be-
stand, daß Oesterreich nnn gencigt wärc, den
ueuen König der Hellenen anzucrkennen. Der
Gesandte Oesterreichs hattc seit der Revolution
Athen nicht verlassen; er war ohne osficiellen
Charaktcr dajelbst geblicben.

Nach der „Uniia Ztaliana" hättc Garibaldi
jeine Stellnng als Großmeister oer italienijchen
Freimanrer aus GesundheitSrücksichten nieder-
gelegt.

Zn Canada sängt die scParatistische Bcwe-
gung jetzt a», cutschicdener und ossener hervor-
zutrelen. Die cngtische Prcsse zeigt sich nicht
ohne Besorgniß über diese Erschcinung, welche
England >nit crnsten Vcrwickelungen bedroht.

Zur Lcpleswig-Holsteiu'sche»
Tnche.

Zur Erbfolgefrage wird der „A. A, Z." von
Wien geschrieben: Es scheint die Thatsache noch
wcnig oder gar nicht bekannt zu sein, daß der
Prinz Friedrich Wilhelm von Hessen, bevor er
in förmlicher Weisc scine AnsPrüche auf Laucn-
burg und eineu Thcil von Holstein angemeldet,
in Wien die Untcrstützung dcr österreichische»
Regierung behnss einer klingcnden Absindnng
nachgcjucht hat — eine Unterstützung, zu d-r-n
Gewährung die Regierung keinen Anlaß sand.
Es wird angezcigt sein, gerade jetzt an diesen
Vorgang zu erinnern, um mit voller Wnrdi-
gung der Motive und Aiele des Hcrvortretens
des Prinzcn über eine Candidatur zu urthcilen,
wclche derselbe allem Anjchcin nach in -neuester
Zeit in Berlin mit mchr Erfolg zu verwcrkhen
in dcr Lage gewejen ist.

Kiel, 12. Aug. Das hcrzogl. schleswig-

Ein Abrnteucr unter der Erdc. *)

Der Schrciber bei elnem Advokaten in Rewyork
stieß einmal, während seln Herr vom Hause ab-
wesend war, auf elne Tagcbuch-Aufzeichnung des-
felbcn, wclche als eine dcr saftigsten Räubergeschich-
tcn auS dem ainerikanischen Wcstcn g-lten kann.
Das merkwürdlgc Manuscript lautet:

„Zch war gcftern bei einem Jagdausftuge an
dcm Orte in Brown's Tract (wie cin großcs Stiick
Waldland im nördiichen Thcile deS Rewhork-
Skaates hicß) angekommcn, dcn die Jndtancr jedes
Aahr zum Sammciplatz bcnützen, ehe fie nach
Oneiva-Lake heimziehcii, und wolltc von hieraus
meine weiteren Wanderungen regcln. Eine halbe
Mcilc westwärts von dort slicßt ein brcitcr Bach
rasch zwischen Fclscn von Schieser hin, die fich oft
bis zu einer Höhe von bO bis 00 Fuß über das
Wasser erhebcn. An diesem Bach schritt ich jwischen
Fichtcnwaldnngen hinnnter biö zu eincr Stelle, wo

*) Ans der „Wiener Presse".

holsteinische Departemcnt der Finanzen veröf-
fentlicht das 12. Vcrzeichniß der daselbst ein-
gegangenen freiwilligen BeitrLge im Betrag
»on 14,568 Thalcr 7 Sgr. Die Gcjammt-
summe beläuft sich nunmchr anf 352,122 Thlr.
5 Sgr.

Berli», 14. Aug. Der bevorstehende An-
trag BadeuS, wclcher gleichzeitig auf schlcu-
nige Einsctzung der provisorischen Rcgicrnng
gcrichtkt ist, kommt dcn Beinühungen der Lor-
mächte dnrchans zu Slatten und wird hier mit
besoiiders günstigen Augen angesehcn. Man
möchtc sich indessen täuschen, wcnn man hossen
wollte, daß Baden von dcm Bcstreben, die
Frage in nationalem Sinne gelvst und den
Aiignstenburger anerkannt zu jehen, zurückge-
kominen wäre. Man hörl von Erklärungcn
des Karlsruhcr Cabinets, ivelche daS Gegentheil
bekuiiden. Aebrigens scheint in den freund-
schaftlichcn Beziehnngcn unsercs Hoses zu der
Augustcnburgcr Fainilie Bcssernng eingetreten
zu sein, da Mkhrere Mitglicder derselben, welche
in dcn letztcn Tagen hicr anwescnd warcn, vvn
dem Kronprinzcn und den übrigen Mitglicdern
des KönigShauses besonders zuvorkommcnd aus-
genommen wurden. (Wes.-Z.)

Lerlin, 15. Aug. AuS dem bereits tclc-
graphisch mitgethciten Artikel der „N. A. Z."
ist solgende Stellung hervorzuheben: „Hr. v.
Bcnst hat sür die nächste BundeStagssitzung
wirklich cincn Antrag Sachjcns anmelden lasscn,
nach welchcm dic dentschcn Großmächte von
Bundeswegen zn eincr rcchtsertigendcii Erklä-
rung (siv!) darnber aufgesordcrt werden sollen,
wcshalb sie vom Könige von Däneinark nach
den Friedenspräliminarien stch Rechte hätten
abtreten lassen, die dersclbe selbst gar nicht be-
sessen; Dänemark stche daher eine Anerkennuiig
der, von dcn deutschen Großmächlen beabsichlig-
tcn, unzulässigen weiteren Versügungen über
die Herzoglhümer anch gar nicht zu l Dicser
projectirlc Antrag ist ein Hohn auf die Siege
der Verbündcten über Dänemark, denn nur
durch eincn blutigen Krieg, zn dcsscn Theil-
nahme der Biind nicht bewogeu wcrdcn konnle,
ist die Besreiung der Herzogthnmcr mögiich ge-
ivordcn." Das Bismarck'sche BlaU läßt stch
durch dieseS Vorgehcn dcs jächstschen MinisterS
in eincn schwer zu beschreibeiidcn Zorn ver-
setzen, denn Hr. v. Beust wird von ihm mit
eincr Phrase bedient, dic sonst nur für die
Volkszeitnng und für „verbiesterte Augujtcn-
bnrgianer" verwendbar war: „Solche Forde-
rnngen sollte man eigcntlich nicht von Mcnschen
bei gcsnndcn Sinnen erwarlen, sondern nur
von Personen, deren Gehirnthäligkeit ernsten

das Nadelholz aufhört und ntederes Buschwerk be-
ginnt. Dort sah ich ein Rebhnhn anfftcigen, das
mir gewaltig willkommen war, deim ich hatte einen
großen Hungcr. Zch folgte ihm vorsichtig durch den
niedern Bnsch, bt» es fich ans elncn alten Baum-
stamm ntcdersetzte, wo eö für ein ungeübtcs Auge

legke an, und Mktn Schuß nahm lhm so nctt den
Kopf weg, als wäre es mit eincm Meffcr gescheheii.
Jch arbciketc mcincn Weg durch den Unterbusch,
um meine Beutc zu erlangcn, nnd trat bald auf
elncn sreien, felftgen Platz, ungesähr zwei Acker
groß, herans, tn desscn Mitte nur eine einzige
halb abgestorbenc Buchc stand, dte kaum an zwei
Aestcn noch grünc Blätter trieb. Das schien mir
der bcstc Platz für meinc Küchc zu fein; ein Feucr
war baid angebrannt, dcr Vogel gcrupft, ansge-
nommcn und an den Ladestock znm Bratcn gesteckl
— ln zchn Minuten war das Mal fertig, und ich
griff ganz vergnügt nach meiner Brandyftasche,
dcrcn Jnhall Gemüsc nnd Sauce vorstellen solltc,
während ich babci cinen Bltck auf meine Umgebung
und dic wenigen grünen Aeste der Buche unwcit
»on mir warf. Svnderbar! ba oben zwischcn den

Störungen ausgesetzt ist." Die „N. A. Z."
weiß übrigenS für das angebliche Rcchl des
Königs von Dänemark kein anderes Arguinenl
als das des faktischen Besitzcs und die aus dem
Londoner Vcrlragc hergclcileten Ansprüche an-
zuführen.

Kiel, 16. Aug. Nach dcr „Kiclcr Ztg."
stehl die Ankunft zweier preußischen Corvctten
und einer Division Preußischer Kanonenboole
im hiestgen Hafcn bevor. Vorgestern und ge-
stern bestchtigten zwei Ofsicicrc des prcußischen
MarineministeriumS, der Generalmajor von
Rieben nnd der Corvctteiikapitän Henk, den
hiesigen Hafen.

Deutschland»

Karlsruhe, 16. Aug. Dienstnachrichten.
Durch Allerhöchste Ordre vom 12. d. M. wird
Lieutcnant Hammcr vom Feldartilleriercglment
als GarnisoiisverivaltungSvsficier nach Kehl be-
fehligl. Dem Major Stölzel im (1.) Leib-
Grcnadicrregiment, dem Mlajor Eisenlohr im
2. Jiifanlerieregiment, dcm Major Clorer im
2. Füsilierbataillon, dem Major »on Fabcrt,
Artilleriedircctor dcr BnndeSfestung Rastatt,
wird die Dienstanszeichnung 2. Klasse sür Osft-
cicre nnd Kriegsbeamte verliehen.

Se. Köiügl. Hohcit der Großherzog haben
Sich nnter dem 4. Juli d. I. gnadlgst be-
wogen gesunden: den im auswärtigcn Dicnst
verwendcten charakterisirten Legativnssccretär v.
Althaus als wirklichen Legationssccretär anzn-
stellcn; untcr dcin 5. Juii d. I. dcn großh.
Hofkapellineister Strauß, scincm unlerthäiügsten
Ansuchen gemäß, unter dem Ausdruck der aller-
höchsten Zufricdenheit mit scinen langjährigcn
lreu geleistcteii Dicnsten voin 1. August d. I.
in den Rnhestand zu versetzen; unter dem 11.
Juli d. Z. den Hauplamlscoiitrolcur Krauß
in Lahr zum Hauptamlsverwalter bci dcm
Hanptzollaint bel Schusterinsel zu bcsördern;
den Kamcralpraktikantcn Zulius Bentler von
Freibnrg zum Hauptamts-Controleur bei dem
HauPtsteueramt Lahr, den Baupraktikanten Karl
Dernseld von GerlachSheim zum Bezirksbau-
injpecior in Baben, den Baupraktikanten Lud-
wig Diehmer von Heidelberg zum Bezirlsbau-
injpector in Donaueschingen zu ernennen; unter
dem 20. Juli d. I. den Bezirkssörster Hofmann
in Zcll a. H. auf die erledigtc Bezirksforstei
Huchenseld mit dem Wohnsttz in Psorzheim,
und den Bezirkssörster Mathes in Petersthal
auf dic erledigte Bezlrkssorstei Langenstcinbach
zu versetzen; die Bezirksfvrstei Peiersthal dem
Forstpraktikanten Emil Biehler von Herbolz-

Acsten kräufcltc ein letchter Rauch, als käme er
auS dcm Banme selbst. Znerft glanbte ich an einc
Tänfchnng inciner Augcn; ich wlschte sie und sah
wicdcr hln, dcr Rauch blieb; dann metntc ich, eS
müffe dcr Rauch von meincm eigenen Fener sei»,
den trteb aber ein leichter Wind nach etner ganz
andern Richtnng; dann kam mtr dcr Gcdankc, daß
der Banm yohl scln müsse; wie kani aber dann daö
Feuer hinein?

Zch nahm daö klclnc Beil von meinem Gürtel
und trat an den Baum hinan. Dcr T»n bei dem
crsten Hicde überzcugte mich, daß ich nicht »iel
mchr als dic Rinde duechznhauen hattc, nnd bcim
zwlitcn Hiebe war ein Loch gebildet, durch welchcs
einc Rauchwvlkc herausqnoll. Einen Angcnblick
übcrlcgte ich, es war fast kaum andcrs mögltch,
als daß der Bamn mtl einer Höhle tn Verbindung
sland und diefcr gewiffermaß-n zum Schornstcin
dienie, der Eingang dazu konnte nirgendS andcrS
als a« den Felsufern dcs Baches sein. Mlt dem
Zndianerstammc, welchcr ln dcr Gegend jagte,
stand tch durch metne clgencn Streifzüge im sreund-
lichfien Berkehr, andcre menschltche Wesen Io»iit-N
sich kanm hicr aufhalten, nnd so dachtc tch an kcine
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