Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

Page: 383
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1864a/0383
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
18«1

N» 2-L7. Domierstag, 2« October

* Politische ttmschmi.

Ncuksten Nuchrichten zusolgc sind dic Ge-
rüchte über die bevorstehende Ernemmng des
Generals Frhrn. v. d. Tann zum Minister
deS Aeußcrn mit Vorsicht aufzunehmen. Es
handell sich vielmehr nach der Allg. Ztg. einzig
und allein um Frhrn. v. d. Pfordten in erster
Linie, und in zweiter um einen andern hoch-
geachteten Staatsmann, dessen Name sich in-
dessen, trotz der großen Zahl der Minister-
Candidaten, dennoch bis jetzt jedem Gerüchte
entzogen hat.

Die „Kreuz-Ztg." rückt mit dcr Erklärung
heraus, daß die Besetzung des Thrones der
Herzogthümer lediglich Sache der beiden Groß-
mächte sei, die dabei „entweder das Lltere, vor
18b3 bestandeue Nachfolgerecht zum Maßstab
nehmen könuen oder wer die besten Garantien
für Ordnung, conservatives System und gute
Regierung verspricht; oder wer dem deutschen
Jnteresfe die besten Dienste leisten würde. Sie
können möglicher Weise auch eine Mischung
von diesen Punkten zur Bedingung deö Er-
werbes machcn. Was sie aber auch fcstsetzen,
der ncue Thron von SchleSwig und Holstein
wird ihre Verleihung sein."

Auch die „Nordd. Allg. Ztg." stellt die Be-
hauptung der Pariser „Presse", nach welcher
Preußen in einer angeblich am 23. Juli d. I.
abgeschlossenen Conventiou Ocsterreich den Besitz
seiuer außerdeutschen Provinzcn garantirt HLtte,
in Abrede.

Die erste Abtheilung der für den mexicani-
schen Dienst in Belgien geworbenen Freiwilli-
gen ist am Nachmittag des 16. d. von Saint
Nazaire auf einem Dampfboote abgefahren.

Neuesten Nachrichteu zufolge wird die Reise
L. Napoleou's nach Lyon zur Begrüßung der
russischen Kaiserfamilie unterbleiben, da die
Kaiserin von Rußlaud wegen der Ermüdung
durch die Reise bei ihrer zarten Gcsundheit
nicht in der Lage seiu dürste, einem iolchen
Empfange, der durch die unvcrmeidliche Etikette
doppelt ermüdeud ist, anzuwohnen.

Zur Schleswig-Holstei!?'sche»t
Sache.

Berlin, 14. Oct. Jn militärischen Kreisen
geht das Gerücht, daß nach dem Friedenöschluß
zur Occupation in den Herzogthümern dic 11.
Division, bestehend aus eincm Garderegiment,
dem 10., 11. und 50. Jnfanterieregiment und
zwei Cavallerieregimentern, zurückbleiben soll.

Eine glückliche Ehe.

(Schluß.)

Dic Zeugin bcstätigt, daß der Angcklagte ihr
ein Mcsser nachgeworfen und sie zu tödten gedroht
habe. Der Angeklagte wendet sich mit bittender
Grberde an das Publikum, gleichsam damit man
ihn ob solcher Verleumdung bedauere. Der Prä-
sident verweist ihm das. — Präs: Jhr Mann
hat dirselbe Drohung doch schon öfter ausgestoßen;
wie kommt es, daß Sie sich fri'iher nie gefurchtet
haben? — Die Frau: Ich habe geglaubt, einmal
wird er dock Ernst machen. (Weinrnd): Ach Gott!
er hat mich oft dcs Nachts aus dem Bette gejagt
und ich mußte im Hemde auf der Stiege sitzcn. —
Angekl.: Oh, rs ist alles unwahr, was sie da
geftgt. Ich habe nie rin Messer in der Hand grhabt.
— Präs.: Auch beim Esscn uicht? (Heiterkeit.) —

Jch habe immrr, wenn ich aus dem Amt gekom-
men btn, eiue kalte Suppe gcfunden, und Kleisch,
das meine Frau nicht mehr «ffen wollte. — Pras.:
Aber an dem Tage, da Sie ihr das Mrffer nach-

Hr. v. Zastrow, der Commandeur der 11. Di-
vision, ist in Berlm eingettosien.

ÄieL, 15. Oct. Der Kaiser Franz Joseph
hat der hiesigen katholischen Gcmeinde znm Bau
cines GlockenthurmS und zum Aukauf eines
Grundstückö für einen katholischen Friedhof
einen Beitrag von 800 DLc. Bco. unläugst ge-
schenkt. Der Thurm ift bereitS errichlet. Man
verdankt diefe Neuerung dem neuen Religions-
gesetz.

D e u t s ch l a n k>.

Karlsruhe, 18. Oct. Se. Königl. Hoheit
der Großherzog haben Sich unter dem 4.
October d. I. gnädigst bewogen gefunden, dem
Hofrath Professor Dr. Häusser in Heidel-
berg bie uuterlhänigst nachgesuchte Erlaubniß
zu ertheilen, das ihm von Dr. Königl. Hoheit
oem Großherzog vou Sachsen-Weimar verUeheue
Comthurkreuz dcS Ordens vom Weißen Falken
anzunehmen und zu tragen.

Durch Allerhöchste Ordre vom 17. d. M.
wird die Garnisonöcommandantschaft der Resi-
denz dem Gencrallieutenant Kuntz, Commau-
danten der Jnfanterie, übertragen; in Gemäß-
heit des aus den Allerhöchsten Befehl vom 27.
Zuni d. Z. eintretenden Garnisonswechsels zwi-
schen dem 4. Jnfanterieregiment, Priuz Wil-
helm, und den beiden Füsilierbataillonen wird
am Tage des Vollzugs desselbeu Oberstlieute-
nant v. Degenfeld, Commandant bes 2. Füsi-
lierbataillons, der Führung oes Contiugents-
coulmando's in Rastatt enthoben und solche dem
Oberst Delorme, Commandant des 4. Jnfan-
lerieregimeutS, Prinz Wilhelm, überlragen;
ferner wird das 4. Znfantcrieregiment, Prinz
Wilhelm, der 2. Jnfanteriebrigade, und die
beiden Füsilierbatailloue der 1. Zufanteriebri-
gade zugetheilt; diese Veränderung iritt an dem
Tage, an welchem die genannten Abtheilungen
iit ihre neuen Garnisouen einrücken, in Kraft.

Dienstnachrichteu. Se. Königl. Hoheit der
Großherzog haben mittclst höchster Entschlie-
ßnng aus großh. Staatsministerium vom 14.
d. M. gnädigst geruht, zu Kreisschulräthen zu
ernennen:

mit dem Wohnsitz in Constauz — den Pro-
fessor Karl L>eitz daselbst; mit dcm Wohnsitz
in Villingen — den Seminaroberlehrcr Karl
Jung in Mcersburg; mit dem Wohnsitz in
Waldshut — den Vorstand der höhcrn Bürger-
schule in Ueberlingen, Professor Joh. Baptist
Chaton; mit dem Wohnsitz in Freiburg — den
Vorstand der höhcrn Bürgerschule daselbst, Karl
Rapp; mit.dem Wohnsitz in Lörrach — den

Angekl.: Jcb bitte Sic, hoher Gcrichtshof, drin-
grn Sie nicht in mich, ich bin unschuldig. Oh,
über die Nrbenbuhler! — Präs.: Sie scheinen
brzüglich dirscr „Nebenbuhlrr" an einer firen Jbee
zu leiden? — Angekl.: Aber, Herr Präsibent,
ich bin bereits durch sieben Jahre in eincm kaiser-

bestätigen. Oh, dieseS Wrib ! Sie selbst hat Wäsche

hineinbringen. — Präs.: Das haben Sie vor dem
üntersilchungsrichter nicht gesagt. — Angekl.: Der
Herr Untrrsuchungsrichter hat mir gerathen, das
alles bei der Verhandlung anzubringrn, und deS-
halb... Präsident unterbrcchend. Der An-
gekl.: Ia, abcr ich bitte mich doch ausreden ;u
laffrn. — Präs.: Ia, Sie reden halt gar zu
! gerne. — Angekl. (entrüstet): Ia, und die lügt '.
(Heitcrkeit.)

Es tritt bie Stieftochter des Beklagten ein. Auch
sir ;eugt gcgen ihn. Der Angeklagte ruft aus:

! „Anch die lügt; bis drei Uhr war ich im Amt,

! niid dann habe ich eine kalte Suppe gefunden."

Es kommt ein anderer Zeuge in den Saal, es !
^ ist der Quartierherr bes Angeklagtrn. Auck dirsrr


Vorstand der höhcrn Bürgerschule in Eberbach,
Diaconus Gustav Faißt; mit dem Wohnsitz in
Offenburg — den Professor Laver Lehmann
am Lyccum zu Freiburg; mit dem Wohnsitz in
Baden — den Lehrer Joseph Aleck an der
höhern Bürgerschule in Heidelberg; mit dem
Wohnsitz in Karlsruhe — den Vorstand der
höhern Bürgerschule in Eppingen, Pfarrer
Marlin Alt; mit dem Wohnsitz in Heidelberg
— den Vorstand der höhern Bürgerschule in-
Emmendingen, Diaconus Ferdinand Leutz; mit
dem Wohnsitz in Mosbach — den Gewerbe-
schulhauptlehrer und Lehrer am Lycdum zu
Wertheim, Andreas Fries; mit dem Wohnsitz
in Tauberbischofsheim — den ersten Lehrer und
Vorstand an der höhern Bürgerschule in Buchcn,
Georg Schercr.

Mittelft höchster Entschließung vom gleichen
Tage haben Se. Königl. Hoheit der Groß-
herzog ferner geruht:

den Gewcrbschulhauptlehrern Jak. Schneider
in Freiburg, Zohann Egetmaier in Karlsruhe,
Johann Lips in Mannheim, Philipp Huber in
Pforzheim, Eugen Fräßle in Furtwangen, die
Staatsoienereigenschaft zu verleihen; den Haupt-
lehrer Friedrich Kiefer in Freiburg, unter Ver-
leihung der Staatsdicnereigenschaft, zum Lehrer
an dem evangelischen Schullehrer-Seminar in
Karlsruhe, den Lchrer Audreaö Hug in Mann-
heim, unter Verleihung der Staatsdienereigen-
schaft, zum Lehrer an dem katholischen Schul-
lehrerseminar in Meersburg zu ernennen.

Durch Erlaß des Minisieriums des Jnuern
vom Heutigen wurden sodann im Zusammen-
hang mit voranstehenden höchsten Entschließun-
gen übertragen:

die erledigte Lehrstelle an der höhern Bürger-
schule und Gewerbschule iu Buchen dem Lehrer
Johann Nümmele am Pädagogium und der
höhern Bürgerschule in Durlach; die hierdurch
erledigte Lehrstelle an dem Pädagogium und
der höhern Bürgcrschule in Durlach dem Lehrer
Franz Joseph Selz am Lyceum in Mannheim;
eine erledigte Lehrstelle au der höhern Bürger-
schule in Freiburg provisorisch dem Lehrer Beru-
hard Schlosser an der höhern Bürgcrschule in
Gernsbach; die hicrdurch erledigte Stelle an
der höhern Bürgerschule in Gernsbach dem
Seminarlehrer Martin Schweickert dahicr.

Ferner wurden angestelll mit Bezug auf § 9
des Gesetzes vom 30. Zuli 1840:

der evangelische Hauptlehrer Adam Leitz in
Brötzingen als Lehrer am Lyceum in Mann-
heim, und der katholische Hauptlehrer Johann
Baptist Heizmann in Heidelberg als Lehrcr am
Lyceum in Freiburg.

für den Branntwein zur Last.

Der Angeklagte: Ia, wenn ich so ein Barbar
wäre, warum hätte er mich dann so lange im
Hause behalten? nur weil meine Frau stehlen geht,
um dicse Familie (deS Zeugen) zu erhalten. —
Präs.: Sie hören, daß ber Zeuge sagt, Sie seien
ein Trunkenbolb? — Angekl.: Aber könntrn Sie
mich denn in einem kaiserlichen Amt behalten, wenn
ich alleweil trinken thät? (Heiterkeit.)

Es erscheint eine andere Zeugin, welche auSsagt,
daß der Angeklagte seiner Frau bereitS ein Auge
ausgestochen habe.

Angekl.: Auch diesc Frau lügt; ich habe daS

von 6 llhr Früh bis 6 Uhr AbendS da war.
Uebrigens lassen Sie die Wohnung meincr Frau
durck.die Polizei unt^-suchen und Sie werben fin-
den, daß sie gestohlen hat. — Präs.: Verhalten
Sie sich ruhig. — Angekl. (die Achseln zuckend):
Ia, wenn ich nir reden barf....

Der Gerichtsbof verurthetlt den Angeklagten zu
sechs Monaten schwcren Kcrk.rS.
loading ...