Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Lonntag, L6. October


Bestellungen auf di« „Heidelberger
Zeirung" nebst Beilage „Heidelber-
ger Aamilienblätter" für das mit l.
Lctober 18«L begonnene 4. Quartal
werden fortwäbrend angenominen.

Die Expedition

* Politische Umschau.

Die „Zeidler'schk CorresPondenz" theilt mit,
daß gleich nach Unterzeichiiuug des Friedcns
der Deutschc Bund aufgefordert werden wird,
die Erccutionstruppen aus Holstein herauszu-
zichen.

Die Hamburger „Börsenhalle" enthält eine
officiöse Mittheilung auS Berlin, welche sich
in sehr entschiedener Weise gegcn den Erb-
priuzen von Augusteuburg wegen desse» an-
geblich unvermuthet eigensinnigcr Hofhaltung
ausspricht, und uuverkennbar mit der Äner-
kenuung der oldenburger Ansprüche droht, dcreu
Begründung eine Autorität wie Rancke nach-
weisen werde.

Dcr franzöfisch-schweizerische Handclsvertrag
hat die Gleichbcrechtigung der Juden in der
Schweiz ausgesprochen. Der Bertrag, den
Badeu mit der Schwciz abgeschlossen, bestiinmt,
daß jeder Vortheil, dcn ciner der bciden Staaten
bctrefis der Niederlassung und des Gcwerbs-
betriebs eincm drittcn Staatc gcwährt, ohne
besonderc Vereinbaruug in gleichcr Weise auch
dcm andern vertragschließendeu Theile gewährt
sein soll. Folgeweise werden künftig dic israe-
litischen Staatsbürger Badens gleichberechtigtes
Niederlassungsrecht iu der Schwciz haben.

Nach der Pariser „Prcssc" sei zwischen Ocster-
reich und Preußen einc Convcntiou abgeschlossen
worden, wclche bei etwaigem Aügrifsskriege deu
außerdeutschcn Länderbesitz gegenscitig garan-
tire, auch Rußland habc Beistand vcrsprochen.
Es verlautet überdicß, daß die Großmächle
eine gcmeinsaine Armcc-Reduction anbahucn.
Zedcnfalls rcducirt Ocsterreich, wenn Jtalien
ruhig bleibt.

Aus schr guter Quelle ersährt die „Hesj.
LdSztg.", daß ein uicht unbcträchtlicher Theil
derjciiigcu Zuwclcn, die s. Z. zu der Mos-
kauer KrönungSreise auf Kosten dcr Staats-
kasje angeschafit wurdcn, jüugsthin vorthcilhafl
vcräußert worden sind. — Jn wie weit die
lctzten KLMmcrverhaudluiigcn eiuen Druck auf
jenc Entschließung ausgeübt, wagen wir uicht
zu ciitschcidcn.

Jn Mainz wurden die Liegenschastcn dcr
Fadrikanten Maher, Michel und Deininger,

Ein Lontrart mit dem Leufel.

Die Gazzrtta dt Vcnezta meldct auS Aneona
untcrm 26. September riach dem Corr. beUe Marchc
Kolgci'deS: Auf einen vom Jnstructtonsrtchtcr über
Aufforderllttg des königltchen Procurators ergange-
nen Vcrhaftsbefchl wurden drei Schwestcrn deS
KlosterS der Augusttncrinncn zu Loretto, welche
sich an der Entztehung der persoultchen zreiheit,
hegangen an einem jnngen Mädchcn A. G., betbei-
ligten, verhastet, wornnter auch dte Superiorin.
Di-se Verhastung findct ihren Erklärungsgrund in
nachsoigender Historie, wie fie oom Tempo für
Iung und Alt mitgetheilt wtrd. Zehn Jahre sind
«ersioffen, seit eine franjösischl, sehr bigotte nnd
legitimistische Dame zu Loretto cin Kloster der
Augustincrtnncn gründetc, welchis zur Ausnahme
von reuigen Büßerinnen und jungcn Mädchcn,
welche Gesahr laufen, aus einen schlcchten Weg
zu gerathen, bestimmt wurde. Das Klosker, bc-
stehcnd aus sechzehn Nonncn, zwölf Französinnen
llnd viir Italienerinnen, nahm anch jnngi Mäd-

anf der mittleren Blciche, von dem Bund zur
Erbauung vvn Militärgebäuden um öOO,OiX> fl.
angekauft.

Aus Fraukfnrt erfährt man, daß Herr von
Beust die Liquidation der Kosten sür die Ver-
tretung des deutschcn Bnndes auf der Londoner
Conserenz im Betrage von 14,000 Gulden der
Bundcs - Vcrsammlung überreicht hat. Die
Snmme soll durch eine Matrikularmnlage anf-
gebracht werdcn.

An der Universität Würzburg sollen ans
Anregung der Generalversammlnng der kalho-
lischen Vereine Deutjchlands zwci kalholiiche
Sludentcnverbindungen gegründet werden. Die-
selben sollen Lhnlich wic die katholischen Ge-
sellenvereine, vielleicht als „geistliche Gesellen"
mit den kathol. Studentenverbindunge» an an-
deren Univerfltätcn in Vcrbindnng treten. Sie
jollen die drei Principien: Kathoiicität, wissen-
schaftliche Bestrebungen und grundsätzliche Ver-
werfnng des Duells verfoigcn.

Hinjichllich deS französisch-iialienischen Ver-
trages scheint die österreichische Regierung ent-
schlossen zu scin: daß Ztalien gegenüber absolut
gar »ichtS geschicht, abgeschen von dcr Reduc-
tion der 2. (italienischen) Armee anf den Frie-
denSfuß, und daß Frankreich gcgenüber das
bisherigc freundschastliche Verhällniß untcrhal-
ten und nicht angenommen wird, ais lönne die
Convention an diesem Verhältnisse irgend ctwas
äudrrn.

Deutschland.

Karlsiuhe, 14. Oct. Dienstnachrichtcn.
Seine Königliche Hoheit der Großherzvg haben
Sich Iimer dem 20. v. Mts. gnädigst bewogen
gcsundeii: dem mit dcr Vcrwaltung der in
KarlSruhe zu crrichtenden LandeS-Gcwerbehalle
zu betrauenden Privatdocenten Dr. Meidinger
in Heidelberg den Tttel Profcssor zu vcrlcihen;
nnter dem 2K. v. M'. den Dr. Ernst Wagner,
unter Vcrleihung des Characters alS Prosessor,
zum Erzieher Seiner Königlichen Hoheit des
Erbgroßherzogs zu ernennen.

Der Lcgationssecretär von Mollenbec bei dcr
großherzogl. Gesandtschaft in Wien crhielt die
Erlaubniß, den ihm von dcm Könige von
Preußen »erliehenen königl, Kronen - Orden
vierler Classe anzunehmen und zu tragen. Die
gleiche Erlaubniß erhielt unter dem 23. Scpt.
d. Z. der Dainpfschifisahrts-Verwalter Kratt in
Kvnstanz für den ihm von dem Könige von
Prcußen vcrlichenen kgl. Kronen-Ordcn vierter
Classe.

KarlSruhe, 14. Oct. Das heute erschie-

chcn in Kvst uud Erziehung; unter dtesen besand
sich fast dnrch zwei Iahrc die vicrzehnjährige A. G.,
Tvchter eineS angeschenen BürgerS von Lorctto.
Sic wurdc von den Schwestcrn beschuldtgt, gegen
einc ihrer Gefährtinnen, -in si-bjehnjährigi« Mäd-
chcn, eine gewiffe G. M., Abneigung zu hegcn,
und wurdc dcjhalb öfter« bestrast. A. G. verlicß
das Kloster im Aprtt d. I: Von dtescr Zeit siüsterte
man sich im Klostcr zu, das anderc MLdchen, die
G. M., set etn Opser des Contractes, dcn dte
Ausgctretene mit dem Tcufet geschlossen. Dic Wir-
lung deffelboi bestand nach Angabe dcr Kloster»
bcwvhnertnne» darin, daß Nadelu in deu Körper
der Unglückltchen clndrangen, welche thren AnS-
gang aus dem Mundc dcs Mädchens nahmen.
Diese Marter, welchc Spuren an threm Körper
zurücklicß, war überdleö mit nnsichtbarcn Schlägen,
die vom bösen Geiste kamen, beglettet, nnd hörtc
nur tn Gegenwart des PnesterS nnd bei Bcspren-
gung mit Weihw-ffer auf. Am Abrndr deS l4.
Septcmbcr, grgcn vier Uhr begab sich die jungc
A. G. auf Einladung der Superiortn mtt zwei
ihrer Vcrwandlen in das Klostcr. Sre wurde ganz
allkin in das Spreebzlinmer gesährt, wctcheS man

nene Regierungsblatt Nro. 56 enthält (außer
Personalnachrichten):

I. Unmittclbare allerhöchste Entschließnngen
Sr. Königl. Hoheit des Großhcrzogs. Aller-
höchstlandcsherrliche Verordnung: Die Einrich-
tung und den Geschäftskreis der Sanitätscom-
mission, beziehungsweije des Obermedicinalraths
betressend.

II. Versügungen nnd Bekanntmachungen der
Ministerien. 1) Bekanntmachung des großh.
MinistcriumS dcs Jnnern: Verordnung: Dic
Bestcllung dcr Ausschnssc der Aerzte, Thierärztc
und Apotheker bclresscnd. 2) Bekannlmachnn-
gen des großh. Handelsininisteriums: s) Den
Bau einer stehenden Brücke zwischen Mannhcim
nnd Ludwigshasen übcr den Rhem betreffend.
Darnach wurde im Einverständniß mit der
k. baherischen Regierung der großh. Oberzoll-
injpcctvr Mufi in Mannheim als gemeinschaft-
lichcr Commisjär für Feststellung des Entschä-
digungsbetragS, welchen die Schiffseigenthümer
anznsprechen haben, im Sinne des Art. 4 der
gedachten Vereinbarung crnannt. d) Verord-
nung: Das Vertilgen der Raupen u»d dcn
Schutz nützlicher Bögei betrefiend. v) Die
Vorschriften über das Einspcrren dcr Tauden
zur Saat- und Erntezeit belrcfiend. tt) Die
Herstellung einer stehcnden Brücke über den
Rhein zwischen Mannhcim und Ludwigshafen
bclrefiend.

iti. Todesfälle. Gestorben sind: Am 14,
Juni d. Z. der pcnflonirte Geh. Regierungsrath
Bannwarth in Freiburg. Am 17. Aug. d. I.
dcr pensivnirte Oberamtmann v. Weinzierl in
Freibnrg. Am 21. v. M. der pensivittrte Vor-
stcher der Weibcr-Strafanstalt KiSlau, Audreas
Beckcr in Mühlburg. Am 25. v. M. der pen-
sionirte Oberchirurg Gollcr i» Freiburg. Am
26. v. M. der evangel. Pfarrer DeitigSinann
i» Feudenheiyi.

KarlSruhe, 14. Oct. (Die Wahlen in
dcn Örtsschulrath.) Seit unscrer letzten Ver-
vfienttlchung sind die osftciellen Berichte über
weitere 202 gillig zu Slande gekommene
Wahlen eingetausen, woruntcr dieSmal 145
katholische mit jogar nahezn 34 Proc. Wäh-
lern, während die 52 evangelischen Orte nicht
ganz 28 Pxoc. zeigen. Das letztere Resultat
wurde wiederum insbesondere durch eine grö-
ßerc Stadt (Lahr) herbcigeführt, indem dort
eine an sich nich! kleine absolutc Zahl von
Wählern (122) doch eincr verhältnißmäßig viel
größeren Zahl von Wahlberechligten (1009)
gegcnübersteht.

DaS Gesammtergebniß ist zur Stnnde nun-
mehr folgendes:

hinter lhr mtt einem Schlnffel absperrte; sie traf
dartn den Caplan, den Arzt und die Superiortn,
welch letzterc ihr alsogleich -rjähltc, daß dtc G. M.
sich in Lebrnsgcfahr befinde, herbetgeführt durch dcn
Contract, wclchen die Angirediti mit dem Bösen
abgeschloffen; sie möge daher zur Rettung lhrek
srüheren Genossin ein reumütbigeS Bekenntniß ab-
legen. Das Wäbchcn wnßte nicht, waS dt,S zu be-
deutcn habc und wcndete sich an die Herren, um
Ausktärung darüber zu erlangen; diese jedoch warcn
nur das Lcho der Ronnc und beslanden znr Lösung
der Zauberet auf Herausgabe dcs schrlfttichen üon-
tractcS.

Es folgte nun etne langc und p-inlich- Scene:
auf der einen Selte Vernclnungen, andercrstits
f-fi-s Beharren ans d-r Fordcrung; »un stng man
an, dle Wysterien spielen zu lajstn; st, wurde mit
W-lhwaff-r besprengt, mußte auch in linigen Zü-
gcn davon schlürfcn; man lcgte thr etne Stola um
den Hals, bekreuzte Stirne und Mund, wodet die
Erorclsmen laut über sie gksprochen wurdcn. Die
Scene nahm schlirßkich den Eharakter dkS Schlüpf-
rigen und Unmoralischen an, als dlc Herren auf
Anordnnng der Ronne, trotz deS verschämten Wi-
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