Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Undtlbtrgrr Itilung.

N- 20S. Dienstag, 6. September LL?°"" 1801.

Auf die „Heidelbergcr
Zeitung" kann man stch
—-V»»» noch für den Monal

Keptcmber mit 18 Kreuzern abonnireu bei
allen Pdstanstalten, den Boten nnd Trägern,
sowic der Expedition (Schissgasse Nr. 4).

Aiiftuf.

Das Geburtsfest Seiner Königlichen Hoheit
unscres durchlauchtigsten Großhcrzogs Fried-
rich wird durch Gottesdienst feicrlich begangcn
werden.

Jch lade daher dic verehrlichen Mitglieder
dcs großen Bürgerausschusses, jowie alle mciue
Mitbürgcr, welche nicht besondcrs eingeladeu
«orden sind, zur Theilnahmc an demselben hier-
mit ein und crsuche ste, sich zum seierlichen
Zuge in die Providenzkirche am

Frcilag, dcn 9. d MtS.,

MorgenS M/z Uhr,
im Rathhaussaale cinfinden zu wollen.

Heidclberg, den ü. Scptcmbcr 1884.

Z. A. deS l. BürgermeisterS:

II. Bürgermcister
S u l z e r.

* Politische Umschau.

Dic „N. F. Z." erfährt aus Wie», dast eine
»cue Jnscenefetzung der BundeSreformfrage iu
Aussicht steht, und zwar werdc dicsmal der
König von Preußen die Znitiative ergreiscn,
im Einvcrnehmen mit dem Kaiser von Oester-
reich. Dic Reilc des erstgenannten Fürsten an
die süddeutjchen Höfe soll damit im Zusammcn-
hang stchen »nd die weitere Entwicklung, be-
zcichnend genug — während dcr Herbstmanöver
zu Berlin ersolgen. — Es mnß einen eigen-
thümlichen Eindruck hcrvorbiugcn, wcnn cin
Ministcrinm BiSmarck. das im eigencn Lande
so gewaltig mit dcr Verfassung umspringt, die
Herstcllung einer Vcrfassuug sür Deutjchland
betreibt. Zu wundern hat man jich dabei nur
über Eincs: wie irgcnd Zcmand, stehe er auch
in eincm Cadinctc, sich »och einbilden mag,
daS deutschc Volk werdc sich mit Dcmjcnigen
abfinden lassen, was ihm von dicser Seite ge-
boten werden willl

Die italienischeRegierung befindet sich in
großen Berlegenhcitcn. Ucberall sehlt es an
Geld, nirgends im Lande hcrrjcht wahrc Zu-
sriedenheit. Dic Reactionäre zeigeu sich nalür-
lich voll Eifer; die Republikaner cbenfalls; die
Hauptsache aber ist, daß man durch das Ccu-
lralistrungSstistcm und dadurch, daß mau in

PhotogrnPhischc AtuLicn.
tSchluß.)

Ganz orlglncll crlchien die Jdce cincs Hcrrn,
welcher sich im Begriffc, eine Treppe hlnanznetlen,
„machen tlcß"; ohne Zwcifel wolltc dersclbe dadurch
die Eleganz und das Ebcnmaß seines Körpers von
selncr schönsten Skitr zcigen; leider war das untcn
angcstemmtc Bcin, als das nähere Object, zu einer

nun bei dcr eigenthümlichenEonstruction der Treppc
das Bcin für das Gcländer ansehen konnte. Allc
d-rartigenErtravaganzen starkausgeregterKünstlcr.
phantasien zu verfolgen, ist unmöglich. Doch muß
hier noch die Stclliing mit einem Gespcnst erwähnt
wcrden. Sie errcicht thrcn Zweck vollkommen, bc-
sonderS, wenn der Künsiler mtt gesträubtcm Haar
dasteht oder auf dcm Boden aiisgcstreckt liegt. Un-
gemrffencr Respeck' vor der Seclenstärke des Dar-
gestellten crgrcift unS, wenn wir ihn tn Gegen-
wart -ineS GespcnsteS ganz gemüthlich seine Pseife
rauchen fchen. Wir haben bcreitS allc nur dcnkbaren
Stillungen gesehen, ja auch einzelne, dte fnr einen ge-

Folge desselben ganz Ztalien zu picmontesircn
sucht, selbst dic sonst ruhige Bevölkcrung der
cinzclnen Landschaften völlig mißstiinmt hat.
Jlalien will so wcnig picmontestsch, wic Deutsch-
land preußisch werden.

Aus Ncw-Nork liegen unS Nachrichlen vor,
dcnen zusolge Werber ihrc Stetze besvuders zum
Fangc deutscher Einwanderer auSstcllen. Na-
lürlich könneu diese nichl sofort zum Kriegs-
dienst gezwungen werden; aber an den Lan-
dungSplätzen lauern die Agentcn der Werber;
sie machen die ankominenden jungen Bursche
betrunken und verleilcn diefelben dann zum
sogenannten freiwilligen Eiutritt in die Armee.
Deutsche Auswanderer mögen sich bcsondcrs
davor hüten.

Z»r Schleswig-Holsteiii'schen
Sache.

Die am 2. September vor Eckernförde vor
Anker gcgangene preußischc Floltenabtheilung
hal am 3. Eckcrnförde verlassen und ist nach
Sonderburg gesegelt, wo Prinz Friedrich Karl
mit der „Grille" eintrifit.

Laut Nachrichien aus den südlichereu Gegen-
den Zütlands sind dorl jo zahlreiche Erkran-
kungssälle (Cholerine?) vorgekommen, daß die
OrlSbehörden angewicjen worden sind, den
Vcrkauf von rohen Früchten zu vcrbicten.

Wien, 3. Sepl. Die „Gcn.-Correjp." be-
nierkt bezüglich gewisser iin dänijchcn Reichs-
rathe gestellten Anträge und gesallcncn Acuße-
rungen von Minijlirn: Dic Hailung dcr däni-
schen Regieruug im Rcichsralho habc im Wejcnt-
lichen eincin Gebolc parlamciitarijcher Taktik
entsprochen; was die Vcrhandluiigen in Wien
bctrefie, so könntcn diejelben durch Kopenhage-
ner Vorgänge uicht im Niinoesten beeinflußl
werden, indem sür sie lediglich vollzogene und
unadwcndbare Thalsachen, die in dcn Prälimi-
navten stipulirlen Friedensbedingungen, maß-
gebend seien. — Die „Wiener Abendpost" de-
mentirt die Nachricht von dcr angeblich pro-
jektirlen Errichtung von zwanzig neuen Jnfan-
terie-Regiincntcrn.

D e ii t s ch l a n d.

Karlsruhe, 3. Sept. Dienstnachrichten.
Se. Königl. Hoheit dcr Großherzog habcn
Sich unlerm 31. August l. Z. guädigst be-
wogcn gefuiiden, den Rcvisor Pariscl beim Zu-
stizministerium zum Oberrevifvr, daun vom 1.
Oclober d. I. an dic Regierungsrcvisoreii Seeg-
müller in Karlsruhc, Kralt ebenda, und Müller

wöhiilichen Menschen geratczn undenkbar stnd; nur
mit elner scheinen sie eö noch nicht versucht zu haben:

wir jctzt zu den Stcllungen dcr Danrcn übcrgehen,
fehen wck cin so miabsehbares Fcld sich vvr unS
öffnen, daß wir schon um nnserer Seelcnrnhe wlllen
vorzichen, daffclbe leicht zu überffiegen, ftatt es
sorgfältig zn studtren. Zst bci den Männern schoi,
eine relche Begabung sür dieses Geblct anzuerken-

ringend, wcinend, lachend, haarausrauscnd, schmei-
chclild, singend, geistreich, schmachtend (ble häufigstc
Attitüdc), koguettircnd, naiv, natürltch und un-
natürlich: wer hat Wortc sür all' dies« Launen
oder Abffchlen!?

Äus Lem tager uon Lhalons
schreibt man der„K. Z.": Marschall Mac Mahon,
ein crnster, graucr, nickt fchr vollbärtiger Hcrr,
commandirte daS Manöver am l. Septcmber. Dcr
Kalser, mit dcr Dccoration der Ehrcnlegion und
den KriegS-Medaillen des Empirc allein geschmnckt,

in Constanz zu Revisoren bei dem Zustizmini-
sterium, den Regierungsregistrator Seippel in
Manicheim zum Registrator beim Kreis - und
Hosgericht daselbst, dcn HosgerichtSregistralor
Heinrich in Mannhcim zum Rcgistrator beim
Kreisgcricht MoSbach, den Expeditor Hammes
in Bruchsal zum Expeditor, den Regierungs-
registrator Däntzer dahier zum Registrator beim
Kreis- und Hosgericht Karlsruhe, den Regi-
strator Arnold in Bruchsal zum Expeditor und
den Registrator Buser in Freiburg zum Regi-
strator bei dem Kreis- und Hosgericht Offen-
burg zu ernennen.

Als Gerichtsnotare werden den nachstehenden
Amtsgerichten nach Beschluß großh. Zustizmini-
stcriums vom 30. August 1864 beigegeben und
trcten mit dem 1. Oct. l. I. in Wirkjamkeit:

Dem AmtSgericht Uebcrlingen Amtsrcviso-
ratsgehilse Karl Heinrich Rculli dasetbst, dem
Amlsgericht MeerSburg Notar Paul Klett da-
selbst, dem AmtSgericht Pfullcndorf Notar Gu-
ftav Wilhelm Ernst dasetbst, dem Amtsgericht
Bonndorf AmtsrevisvratSverwalter Zos. Stuhl
daselbst, dem AmtSgericht Jestetten Amtsrevi-
joratsgehitfe Theodor Andlauer in Engen, dem
AmtSgericht St. Blasten AmtSrcvisoralsgehilse
Gustav Allselix in Lahr, dem Amtsgcricht Säckin-
gen AmtSrcvisoratsverivalter Ernst Kühndeulsch
in Pfnllendorf, dem Amtsgericht Villingen
Amtsrevijoratsvcrwalter Florian Schroth da-
selbst, dem Ainlsgericht Tribcrg Notar Fridotin
Susann in Gengenbach, dem AmtSgericht Et-
tenhciin AintSrevisoralsverwaller Zohann Nepo-
muk Schilling in Adeishcim, dcm Amksgcricht
Schönau Ainlsrevisoralsgchilfe Heinrich Müller
in Freiburg, dem Amtsgcricht Woifach Amts-
revisoratSverwalter Zoseph Bckk in Zestctteii,
dcm AmtSgericht Haslach AmlSrevisoratöver-
waltcr Ludwig Zieglcr in Eiteuheim, dem Amts-
gericht Kork Sporteloisitator Joseph Schlachler
in Karisruhe, dem Amisgcrichl Philippsburg
Amtsrevisoratsgehilfe Wilhelm Foßler in Psorz-
heim, dem AmtSgcricht Schwctzingcn Amts-
revisoratsverwalter Zos. Schleinkoscr in Kraut-
heim, dem AmtSgericht Eppingen Amtsreviso-
ratsverwalter Ferdinand Zimmermann daselbst,
dem Amtsgericht Sinsheim Amksrevisoratsver-
walter Heinrich Fischer in Heidclberg, bem
Amlsgcricht Wiesloch AmtSrevijoratSverwaltir
Anton Schneckenburger daselbst, dem AmtSge-
richt Buchen AmtSrevisoratSverwalter Ludwig
Grether daselbst, dem Amtsgericht Walldürn
Amtsrcvisoratsgehilfe Hermann Hörst in Dur-
lach, dem AmtSgcricht Aoelsheim Notar Zvseph
Antvn Kern in Tanberbischofshcim, dem Aints-
gericht Boxberg Notar Petcr Lochert in Lahr.

sieht nichts wcniger ais clend ails; wir haben ihn
beständig auS nächster Nähc betrachtct. Er ähnelt
den meisten Btldern durchaus Ilicht: er hat weder
eine zu starke Gcstalt, noch trug er den so viel
übertrieben dargcstellt gcsteiften Schnurrbart. Vor
ihm ritt jcdrr Zkit der kaiserliche Prinz auf cinem
Pvny-Falben, ncbcn seincm Stallmeistcr Bachon.
Wenn der Kaifer spricht, hai s-in Lächein, und er
scheinl es dann stcts,n besitzen, s° ernst ,r wäh.
rcnd des SckweigenS ausfieht, etwas außcrordent-
lich G-winnendeS nnd Freundltches. D-n Prinzen
Hnmbert, eine, wcnn anch junge und entschlossen
blickcnde, sehr znrie, abcr ebrn nicht fchöne Per-
sönltchkcit, winktc der Kaiser wicderholcntlich an
seine Scite. Er sieht sehr braun aus. Dcr Prinz
Napolcon hat in der That vl-tc Aehnlichkeit mit
selnem großcn Urbtlde, aber -r tst jedensalls j-tzt
schon beoeutcnd stärker, ats Zener j-mals gewesen.
Außer den preußtschen warcn in dem Cortege eben
nicht vicle fremdherrtiche Ofsiciere zu finden, defto
mehr Türken, Aegypter, Gricchcn, überall auf bem
K-lde einzeln odcr in Gruppen zerftreut. Als der
Kaiscr auf dem Berge sich besand, fetzte er sich auf
etnen Stetn nierer und ließ von Pivnieren, denen
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