Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Mitttvoch, 3 October


Bestelluirgen auf die „Heidelberger
Zeirung" nebst Beilage „Heidelber-
ger Familienblätter" für das mit L.
October 1864 begonnene Quartal
werden fortwährend angenomuren.

Die Expeditivn.

* Politische Umschau.

Die Berüuer Verhandlungen wegen Recon-
stituirnng dcs Zollvereins iu seinen allen
GreMu nehmen einen befriedigenden Verlauf.
Preußen ist bei denselben, wie bisher, durch den
General-L-tcuerdircclor v. Ponuner-Esche, durch
den Ministerial-Dircctor Philipsborn und durch
den Ministerial-Director Delbrück vertreten.
Außer den Lcvollmächligten Bayerns, Wnrt-
tembergs, Hcssen-Darmstadts und Nassaus
nehmen an deil Verhandlungen Sachsen, Han-
nover, Baden, Oloenbnrg, ZLurhcssen, die lhü-
ringischcn Staaten, Braunschweig und Frank-
surt a. M. Theil.

Eine Privaldcpesche der „Börsenztg." meldet
aus Kiel, daß man dort von dem Nücktritte
des Staalsraths Franke in sein srühereS Dienst-
vcrhältniß zu Coburg nichts zu wissen ertläre.

Aiit Beslimmtheit wird versichert, daß Herr
von Bismarck sich entschlossen hat, den Olden-
burger auch seiner Seits sallen zu lassen und
seine Gönnerschaft dem Herzog Friedrich zuzu-
wcnden, jedoch nur unter der Bediugung, daß
der Herzog seine mehr oder minder liberalen
Räthe, namentlich Hrn. Lamwer, entlasse, und
an dessen Stelle — Hrn. v. Schcel-Plessen an
die Spitze seincs CabinelS beruse. Cin Mini-
sterium, welchcs nicht von vornherein das ent-
schiedene Ntißtrauen des ganzeu Landes gegen
sich hätte, muß in den Augen des Herrn v.
Bismarck offenbar als eine nicht zu duldende
Anomalie erjcheinen, und wenn es der Wunsch
des Herzogs Friedrich sein sollte, gleich vorne-
weg das Verhältniß zwischen seiner Regierung
und seinem Volke dem in Preußen bestehendeu
möglichst gleichsörmig zu machen, so würde ein
Ministerium Scheel-Plessen dieser Absicht aller-
dings in ganz ausgezeichneter Weise entsprecheu.
Doch da man in Kiel so viel jchwereren Stür-
men widerstanden hat, wird man wohl auch
diesen zu guter Letzt noch überwinden.

Die „Kreuzzeitung" gibt der österreichischen
Regierung den vortrefslichen Rath, sich gegen-
über der sranzösisch-italicnijchen Convention aus
die Bestimmungen des Züricher Vertrages zu
berusen, nach welcher Florenz noch heute die
Hauptstadt bes unadhängigen Großherzogthums

Toscana bilde und somit'nicht zur Hauptstadt
Jtalieus erhoben werden könne.Wird die
„Kreuzzeitung" nicht auch der österreichischen
Regierung anrathen, Jerusalem zu erobern,
dessen König ja der habsburgische Kaiser noch
immer ist?

Der „Constitutionnel" warnt Oesterreich, sich
auf den Züricher Friedensvertrag zu-berusen,
denn dieser Vertrag weise Venetien an Jtalien.
Es sei darin bestimmt, daß dieses Land natio-
nale Jnstitutienen erhalten, welche es lhatsäch-
lich vom Kaiserstaat trennten.

Eine Nachricht in der „France" besagt, der
Vertrag vom 15. Septbr. sei namentlw) zu
Pesth mit ungemeiner Freude aufgenommen
worden; die Ungarn nahmen an, daß bie öster-
rcichischc Regierung Angesichls der Versländi-
gung Jtaliens mit Frarckreich, zu Concessionen
gegen ihr Vaterland geneigter sein werde.

Der „Gazzetta di Milano" geht die wichtige
Nachricht zu, daß das Ministerium sucht, einen
Vergleich zu Stande zu bringen. Es soll sich
darum handeln , die Verlegung der Hauptstadt
um mehr als ein Jahr lstnauszuschieben. Die
Lage ist gefährlich, sie erh.eischt Seitens der
össentlichen Meinung einen sofortigen und un-
widerstehlichen Druck. Jn diesem Augcnblick
werden ip Turin die Geschicke Jtaliens ent-
schieden.

Ein Manifcst des römischen Comite's con-
statirt, daß die Convention von der römischen
Bevölkerung gut aufgenoMmen worden sei.

Dcr Gerichtshof der Consulta zu Rom hat
die wegen „der Verjchwörung vom 12. April
1864" Augeklagten verurtheilt, — cinen, Palma,
zu lcbensläuglicher, eiuen zu 15-, zwei zu 10-
jähriger Galeere und einen zu 6jähriger Ge-
fängnißstrase.

Das „Pays" hat Nachrichten, nach denen
man sich zu Kopenhagen darauf gefaßt macht,
daß der Friede viclleicht erst im Frühjahre zum
Abschlusse komme!

Die griechische Nationalversammlung hat eine
Bestimmung iu die Verfassung anfgenommen,
durch welche die Todesstrafe bei politischen Ver-
brechen abgcschafft wird.

Die Niederlage der amerikanischen Secessio-
nisten im Shenandoathale scheint bedeutender
gewesen zu sein, als das erste Telegramm er-
wartcn ließ. General Early, der Vielgerühmte,
hat den vierten Theil seines HeereS eingebüßt
(man schätzte seine Streitmacht auf 30,000
Mann, wovon cr 5000 an Todten und Ver-
wundeten und 2500 an Gefangenen verloren
haben soll; drei seiner Generale werden unter
deu Gesaüenen aufgeführt); der ihm gebliebene

Nest muß nach solcher Nicderlage stark erschüt-
tert sein. Dieser Sieg der Unionisten dürfte
aber selbst Lee's Armee etwas blosftellen. Die
Einbuße der Föderirten wird auf 3000 Mann
geschätzt.

Znr Lchleswig-Holstein'fchen
Eache.

Wien, 2. Oct. Jn der Conferenzsitzung
vom Samstag stellten die österr.-prcußischen
Bevollmächtigten den dänischen Vertretern eine
Praclusivfrist zur Annahme der Finanzvor-
schläge unter gleichzeiliger Verwersung des
Schiedsrichterplanes. Die nächste Sitzung,
welche alsbald nach dem Einlrefsen der telc-
graphisch erwarteten Jnstruction sür die däni-
scheu Bevollmächtigten abgehalten werden wird,
dürfte enlscheidend sein.

Wien, 3. Oct. Die „Presse" meldet: Aus
Kolbing verlegte gestern Herr v. Gablenz das
österreichische Hauptquartier nordwärts nach
Hvrsens.

Bremen, 3. Oct. Auf eingelangte gleich-
lautende Ordres in Geestemünde und Cuxhasen
ist das Gros der österreichijchen Flotte seit
Sonnabend, mit Ausnahme des „Nadctzky",
„Friedrich" , „Wall", welche in Nordseehäsen
überwintern, nach Cabix abgesegelt.

D e u t s ch l a n d.

Karlsruhe, 3. Oct. Jn Folge des aus
Allerhöchslen Besehl vom 27. Juni d. I. statt-
gesundencu Garuisonswechsels des (1.) Lcib-
Dragonerregiments, Prinz Karl, wird Oberst-
licutenant v. Degenfcld, Commandant des (1.)
Leib - Dragonerregiments , der Führung des
Garnisonscvmmando's in Bruchsal cnthoben
und solche dem Oberst v. Wechmar, Comman-
daut des 3. Dragonerregimenls, Prinz Karl,
überlragen.

Frarlsruhe, 1. Okt. Von Seiten des Or-
dinariqts ist nunmehr der katholischen Geisllich-
kcit endgiltig untersagt worden, und zwar mit-
telst'Erlaß vom 15. Septcmber, sich an dem
neuen Ortsschulrath und überhaupt an der
Neuordnung des Schulwesens zu betheiligen.
Es ist. daher uicht mchr daraus zu rechnen,
daß die katholischen Geistlichen in die ihnen
gesetzlich eingeräumte Stellung als bevorzugte
Mitglieder des Ortsschulraths eintreten. Gleich-
zeitig vcrwahrt sich die Kirche gegen die Aus-
solgung gcwisser Stistungen und zwar merk-
würdiger Weise solcher, deren Ausfolgung man
bisher noch gar nicht begehrt hat. Blickt man

Lureikampf eines indianischen Wilden mit einem
Franzofen.

(Schluß.)

Ein furchtbares Pfeifen gab das Signal zum
Beginn des Kampfes, eine noch ängsligendere Stille
trat plötzlich ein; — ich zitterte an allen Glicdern.

Jn demsklbcn Äugenblick brach der „große Adler"
in ei» wildes Lachen aus und bewegte sich in tau-
send Umschlingungen um seinen Gegner, bald sich
hebend, bald mit allen Verrenkungen einer Hyäne
sich bückend, die dcn günstigen Moment erspähen
will. Aber das Auge dks Franzoscn, leuchtrnd wie
das seines Feindes, bezeichnete diesem einen Mann,
der bereit war, jedem Angriff auszuweichen oder
mit Energie zu bcgegnen. Der Wilde begann nun
im Kreise umherzulaufen, um den Feind zu einem
gymnastischen Wettstreit anzureizcn und ihn so zu
ermüden; Herr v. R. aber verblieb ruhig in seinem
Vertheidigungszustande. Endlich sank der „große !
Adler", ermattet von seiner eignen List, mit einem !
einzigen Sprunge zu den Füßen seines Gegners j
und führte mit Blitzesschnellc einen Artbieb nach

Bei dem Anblick setnes Blutes sprang der Wilde !

strömte und Stücke Fleisch flogen umher; man sah

mit Blut bedeckte Phantome, die sich mit der Wuth
der Verzweiflung auf einander warfen.

Ich zitterte an allen Gliedern und wandte die
Augen von dem gräßlichen Anblick weg. Plötzlich
ertönte ein lautes Gcbrüll, wclches verkündete, daß
etncr von Beiden gesiegt habe. Der lctzte Spröß-
ling deS Ponthiak, der „große Adler", stürzte in
drr Arena todt zu Boden; ein Hieb srincs Gegners
hatte ihm den Hirnschädel zerschmettert. Sein keu-
chender Sieger, selbst im Tode dcs Wilden noch
eine List vermuthend, stand mit hochgeschwungener
Art zu seiner Vertheidigung bereit.

Die Unruhe war allgemein. Wollten diese wilden
Bänden die Niederlage ihres Häuplings räcken? ^

dengeschrei aus und eine Fahne webte; bie Frau
des Ponthiak, die unschulbige Vcranlasserin des
Kampfcs, ward dem Sieger zugeführt.

Am nächsten Morgen, vcm Tage meiner Abreise,
hieß es, daß Herr v. R. vcm Stamm der Sankis
cinverleibt werden würde, und daß es nichts Ge-
rtngereS gelte, als ihm den Namen des „großen
Adlers" beizulegen und ihn zum Haupte der Sau-
kis zu mackcn.
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