Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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vom 18. MLrz d. Z. auS dcr Zahl der von
dem Hrn. Erzbischof vorgeschlagencn drei Be-
werbcr der Psarrer in Steinthai und Psarr-
verweser in Bombach, Johann Nepomuk Moscr,
anf die kathol. Pfarrei Bombach gnädigst desig-
nirt, u»d hat derselbe am 15. Jüui d. I. die
kirchliche Einsetzung erhaltc». Dem von Sciner
Durchl. dem Herrn Fürsten Karl Egon von
Fürstenberg auj dic Capianeipfrüude in Pfoh-
ren, Dekanats Villingen, präsentirten Caplan
Karl Fcrdinand Wehrle, bisherigem Pfarrer
von Blumberg, wurde am S. Zuni d. Z. die
kirchliche Einsetzung ertheilt.

Karlsruhe, 15. Juli. Se. Kgl. Hoh. der
Grojsherzog ist h-ute früh gkgen 2 Uhr aus
Mainau dahier eingetroffen. Es wird heute
Staatsmiuisterialsttzung unter Vorsitz L>r. Kgl.
Hoheit stattfinden, worin, wie der „B. B." hvrt,
hauptsächiich der Tag der Einführung der neuen
Gerichts- und Verwaltungsorganisation festbe-
stimmt und die durch diese Reorganisation her-
vorgerufenen Ernennungen, Bersetzungen und
Pensionirungcn — vorcrst wcnigstens für die
höheren Behörden — beschlvssen wcrden. Wir
dürfen also mit den nächsten Tagen der Ver-
vssentlichung der heutigen für Vicle so wichtigen
allerhöchsten Entschlicßuugcn cntgegensehen.

Karlsruhe, 15. Juli. Die heutige geheime
Sitzung dcr 2. Kammcr hat bis halb 3 Uhr
gedauert, die Eisenbahn - staatsverträge siud
nach Vorlage der Regieruug genehmigt worden;
morgen Abcnd findet wahrscheiulich die letzte
, öffcntliche Sitzung — Budgct für die Volks-
schule sKrcisschulralhe rc.) und Wahl dcS stän-
dischen Ausschusses statt; wohl wird dann auch
die Vertagung des Landtagcs eröffnet werden.

ö' Vom Neckar, 1s. Zuli. Mit Rech!
hat ein andercs inländisches Blatt darauf auf-
merksam gemacht, daß das Einsperren der
Hunde deren Gereiztheit zum Wüthendwcrden
uur vermehrt: das beste Präservativinittcl wider
diese gesährliche Krankheit ist einc möglichst
natürliche LebcnSweise derseibcn. Ju der Haupt-
stadt des türkischen Reiches, wo eine solche den
Hunden, die sich zu Tausenden vffentlich herum-
treibc», unbenvmmen ist, ist das Wüthendwer-
den diescr Thiere völlig unbekannt.
DieS ist durch zuverlässige Rcisende wiederholt
ganz positiv versichert worden, und verdient
wohl eines allgemeinen Bekanntwerdens. Am
ehesten sollen die Hunde durch unnatürliche
Hemmung des Fortpflanzungstricbs zu Wuth-
aufällcn gereizt gemacht werden. Daß zu hohes
Alter, große Hitze u. s. w. die Hundswuth er-
zeuge, wie man oft noch sehr irrthümlich glaubt,
ist ein Wahn, von dem man heut zu Tage, wo
man doch sonst alle Vorurtheile möglichst ab-
zustreisen sucht, zurückkommcn sollte.

Mosbach. Dem „M. Anz." wird von
hier geschrieben: Hier lebt, wie sie wissen, der
ultramontane Anwalt Brommcl, der bei Castel-
fidardo mitgekämpft hat und nenerdings in der
Schulfragc als päpstlicher Gardist dient. Dcr-
seibe hatte für die Gemeinde O. eine Petition

— so crzählen es wenigstens die Bauern jetzt

— in Bezug auf die Bürgcrannahme zu ent-
wersen. Statt dessen schreibt er eine jeithcr
gedruckte, vier Seiten lange heftige Denkschrift

famkeit nttt genug ans diese Eigenthümlichkeit der
Hundswuth in thren crften Pcrioden hinlenken, wetl
fic cs hauptsächlich ift, welche die Täuschung in der
Ansicht der Hundeeigenthümer ausrecht erhält. Nach-
ftehendes Beispiel wird die Wichtigkeit der bemerk-
ten Warnung und den Nutzen beweisen, der hterau«
M zi-hen.

In der ersten Woch, de« Monats Rovember v. I.

— erzählt der Verfaffer — kamen zwei Dam-n mit
einem jungen Mädchen von 4 Jahren in dte Schule
von Alsort. Ste brachten einen nur nothdürstig mit
ctncm Maulkorb versehencn Hund zur Berathung,
welchen fie wäbrend der ganzen Fahrt von Paris
nach Alfort in Bcglcitung des jungen Mädchens auf
den Knten gehalten hatten und dcr thrcr Erklärung
zusolge sckon übcr 3 Tage krank gewesen.

Dieselben erzählten, der Hund, welcker in ihrem
Zimmcr scin Bett habe, hindere si- am Schlafeu,
so s-hr sei er aufgcregt und unruhig; dic ganze
Nacht über sei cr auf den Füßcn, lause hin und
her, wobci er von Zelt zu Zelt mit dcn Pfoten

Kaum hatte derselbe das Lhor der Schulc über-
fchritten, als er sein charakteristisches Gebeft erhob,

an den Grvßherzog, eine förmliche Anklage deS
ganzen jctzigen Systems und namcntlich der
Schulbestrebnngcn als einer Bedrohnng der
Religion. Gelegentlich ist auch ron Bürger-
annahmen die Rede. Das wäre noch gleich-
gültig. Aber nun kann ich Jhncn eincn lie-
benswürdigen Zug nnscrcs GroßherzogS mel-
den, den fich unjcr Bezirksbcamter zum Vor-
bildc nehmen könnte. Se. Königlichc Hoheit
schickten dreißig Guloen Reiscgeld hie-
her nnd forderten Hcrrn Brommel und dcn
Gemeinderath auf, pcrsönlich nach Karlsruhe
zu kommen, ja Höchstdiesclben hatten die Güte,
die Petilion mit den Herren Punkt für
Punkt durchzugehen und zu «iderlegen. Hr.
Brommel foll — so erzählen wenigstenS die
Deputationsgenossen — schr kleinlaut gewesen
sein; die wackeren Gemeinderäthe aber dankten
herzlich fiir die empfangcne Bclehrung. Da
die Bittschrift weiter colportirt wird, so ist es
gut, daß das Land die Mcinung unseres Für-
stcn doch auch kenne.

Darmstadt, 14. Zuli. Dic zwcite Kam-
mer bcschäfkigte sich nach der „Hefs. LandeSztg,"
heute mit der Berathung des Volhard'schen An-
tragS, das Postwescn betr., und beschloß mit
großer Mehrheit die Regiernng zu ersuchen,
das bcstehende Verhältniß mit dem Fürsten
Turn- und Tapis aufzulöscn und die Post in
eigene Verwaltung zu nehmcn, biS dahin aber
daS Bestellgeld fortan aufzuhebcn; den Betrieb
dcr Pvst streng zu überwachen und den begrün-
dcten Beschwerdcn des PublikumS gerecht zu
werdcn, sowie den Fürsten von Thnrn- und
Taxis zur Gewcrbcsteuer heranzuziehen.

Frankfurt, 14. Zuli. Zn der hcutigen
BnndeStagssitzung wurde ferncr beschlossen, dic
kurhesstsche Rcgierung zn einer Rückäußerung
über die von der kurhessischen Ritterschaft über-
gebene Beschwerdc wcgen angeblicher Bcein-
trächtigung ihrer Rechte durch Einführung der
neuen Versassung aufzufordcrn.

Frankfurt, 15. Juli. Hcrzog Karl von
Glücksburg, dcr Brudcr deS Königs Christian
von Däncmark, hat bcim Bund Protcst gegen
die Oldcnburgischen Ansprüche erhvbcn, unter
Anerkennung der Ansprüche deS Hcrzogs
Friedrich.

DreSdcn, 9. Zuli. Die hier weilendc pol-
nischc Emigration hat einen bedeutenden Abfluß
nach Polen hin bekommen. Sehr viele Fami-
lien und auch einzelne junge Lente kehrcn in
ihrc Heimath znrück, nachdem sie von der hie-
sigen russischen Gesandtschaft PLsse zu dreitä-
gigem Aufenthalt im Königrcich erhalten hatten.
Nach diesen drei Tagcn vcrsügt die Warschauer
Regierung übcr die Zurückgckommenen. Jn
wclcher Art diesen ihr Vcrtrauen anf die Milde
und Menschcnsreundlichkcit dcr russischen Be-
hördcn bekommen wird, läßt sich natürlich noch
nicht jagen. (Wand.)

Wien, 10. Zuli. Dr. Rudolph Fürst Taxis,
der seit längerer Zeit als Haupt der jungczechi-
schcn Partei gilt, veröffentticht die Erklärung,
daß er sich nach reiflichcr Erwägung aller Ver-
HLltnisse von jeder politischen THLtigteit fern zu
halten gcdenke.

wetchcS dte Schüler, welche mich bci der Bcrathung

Dieser Hund konnte ungchindert bcllen, weil sein
Maulkvrb seine Kiefcr ntcht seff genug zusammen-
hi-lt, sondern dcmfelbenBewegung gcnug g-ftntlctc,
um betßcn zu könncn. Und boch hatte dteser Hund
seit 3 Tagen, daß er krank war, seine Herrinneii,
in deren Zimmer cr fchtief, verschont. Weniger
glücklich war dagegen das Kind gewescn, indem
daffelbe den Hnnd am Sonntag Morgcn durch
einigc Neckercien gereizt und daraus von ihm leicht
gcbiffen worden war. Und trotzdem hcgten die Per-
sonen, wclche mit dem Hunde in dte Schuie von
Alfort kamen, gcgen densclbcn in dicser Hinsicht
kein Mißtrauen.

Als Bouley dcn Damen sein Erstaunen übcr dlc
von ihnen bcwiesene Gcmütbsrnhe aussprach, ant-
wortcten sic: „WaS wußten wir hiervon. Dcr Hund
tdff ganz gut und soff schr oft, konnten wlr uns
daher denken, daß dersklbc von der von Ihnen
bezeichneteu Krankbeit bcsallen sei?"

Diese Antwort, in wklchrr die Ursache hiusiger

Kr a n kr e i ch

Paris, 14. Juli. Der heute vcröffent-
lichtc Answcis der französijchen Bank zeigt eine
Abnahmc des Baarvorraths um gs/, Mill.,
der Borschüsse auf UnterpsLnder von 2 Mill.,
deS Conto - Corrent der Privaten von 17^/z
Millionen; dagegen cine Znnnahme des Porte-
feuilles von 5 Mill., deS Notenumlauss von
20>/z Millionen und des StaatSschatzes von
'/, Million.

C » g l a » d

London, 12. Jnli. Mit Bezug auf die letzte
Abstimmung im Oberhause macht die „Times"
daranf ausmerksam, daß die regieruilgsseindliche
Mchrheit lcdiglich vermittcls kroxies (d. h.
Stimmabgabe durch abwesende Pcers) zu
Stande gekommen sei. Hätten beide Hänser
gemeinschaftlich abgestimmt, so wäre das Mi-
nisterinm mit 22 Stimmen in der Mehrheil
gewescn. Hätte im Unterhanse England allein
mit Schottland vereinigt (ohne Jrland) abge-
stimmt, so wäre der AuSgang nie zweifelhaft
gcwesen. Denn von den englischen und schotti-
schen Mitgliedern hätten 288 für, 223 gegen
die Rcgicrrng gcstimmt, und erstere hätten so-
mit einc Mehrheit von 85 Stimmen gehabt.
Es sei dies ein bedeutjamcs Faktum, in so fern
man daraus deutlich erjehen könne, dah die
Politik der Regierung, wenn auch nicht in allen
Details, doch in ihrcr lcitendcn Tendenz, das
heißt in ihren crnsten Vermittlungs-Versuchen
und in ihrem Sichfernhalten von allein stehen-
der kriegerischcr Einmijchung, in England nnd
Schottland vollständig gebilligt werde.

London, 14. Juli. Der Spcciaicorrcspon-
dent der „Times" in New-Nork meldet unterm
1, Juli: „Grant, dessen Armee jedcn Tag in
Folge der vollendeten Dienstzeit zahlreicher aus
alien Soldaten gebildeten Regimeuter geschwächt
wird, hat noch kein neues Unternehmen gegen
Petersburg gemacht. Die ministeriellen Zour-
nale sagen, daß man ihn, bevor er »vrgcht,
b-deutend verstärkcn mnß. — Jn Betreff Sher-
mans herrscht große Bcjorgniß. Die Confödc-
rirten, die in seincm Rücken jcden Tag jich
mehrende Strcitkräftc entfalten, haben eine
Mengc Transportzüge mit Munition aufgefan-
gen. Die Vcrlnste Shermans während dieses
FeidzugS werden auf 20,000 Mann ange-
jchlagen."

Zta lt en

Turin, 14. Zuli. Zm Senat beantwortete
der Ministcr dcS Aeußcrn das Verlangcn Mar-
lianiS, den GesandischastSposten in Madrid
aufzuheben, mit der Bemerkung: Nachdem Zta-
lien von dcn Großmächten anerkannt sci, lcge
es weiter kein Gcwicht daranf, vb Spanien es
anerkenne ober nicht.

T ü r k e i.

Konstanrinopel, 9. Iuli. Jn Varna
sind bereits 30,000 tscherkessische Emigranten
angekommen, welche in den Donaubezirken ver-
theilt werden.

gemäß die Sprache auf dte Wasserscheu. Die vor-
gcfaßte Metnung bezüglich der Wafferscheu ist eine
der gefährlichsten, welche bei der Hundswuth be-
steht, ja man kann behaupten, daß der Ausdruck
Wafferscheu, welcher sich nach und nach, selbst im
gewöhniichen Sprachgebrauch, dem der Wuth un-
terschoben hat, eine der abscheulichsten Erfindungen
der Sprachneuerung, weil dieselbe für das Men-
schengeschlecht bisher eine Menge Unsälle zur Folge
hatte.

Die Erklärung hiefür liegt darin, daß dieses
Wort eine Vorstellung folgert, welche heut zu Tage
in ber Volksmeinung tief wurzelt,^ obgleich sie auf

^Fortsetzung folgt.)

Paris, 5. Juli. Auf der Saone bei Lyon hat sich
eine gräßliche Kalastrophe zugetragen. Ein kleineS,
ziemlich ^sehlerhaftes Danipfboot gerielh wahrscheinlich

man schon 30 Leichen ans Land^ gezogen, allein das
Unglück scheint noch weit größer zu jeiu.
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