Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Utidelbrrgi'r Ieilung.


Toontag, 2« Znlt


* Politische Umschau.

Eineu längeren, geradezn drohenden Arlikel
voni RcdaktionSsckretär bringt daS »orzugsweise
osftciose „Pays". Deutschland ist in demselbcn
genant, Preußen und Oesterreich sind wesentlich
gemeint. Wenn Deutjchland meine, heißt es
darin, nunmehr thun zn können, was eS wolle,
so könnte es diejen Jrrthum thenrer bezahlen
müssen, als es ahne. Allerdings wolle Eng-
land nicht interveniren nnd auch Rnßland werde
jich nicht einmengen. Schlichtctcn Oesterreich
und Prcußen blvß ihrcn Streit mit Dänemark,
so werde Frankreich nicht mit Wafsengewalt
dazwischen trclen. „Wären aber die Uebcrein-
kommcn im Widerspruche zur Billigleit und
gegen daS Recht, so könnte die Stnnde schlagen,
in welcher die Billigkeit und das Rccht jich
gegen diejcnigen wendete, die freiwillig und
ohne Bedenken zu ihrer Verlctznng mitgewirkt.
Weiter sagt das Blatt: Das Verlangen der
Deutschen nach ganz Schleswig ist ungerechtz
sie sollen die dänische Bevölkcrung bei Däne-
mark lassen, sonst setzen sic sich Represjalicn aus.

Dem Londoner „Hcrald" wird aus Paris
von einem neuen Gerüchte über eine bevor-
stehende Vermittlung Fraukrcichs zwischen den
Nord- und den Südstaaten geschrieben: Ein
großer Theil der Bevvlkernng im Norden neige
sich allmälig der Ansicht zu, daß der Kampf ein
hossnungsloser sei, daß durch ein längereS Hin-
schleppcn dejselben der Ruin des Landes nur
um so grvßer geinacht würde, und daß, ivenn
Frankreich jetzt mit VermittlnngSvorschlägen
hervorlrete, diese vom Wajhiugtoner Cabinette
zwar wahrscheinlich verworfen, aber durch sie
die Friedensfreunde im ganzen Umfange der
Bereinigten Staaten wesentlich gefördert werden
würden.

Zn Hodslawitz in Mähren, dem Geburtsortc
des Historiographcn Palazki, sind, wie die
„Evangelischen Blätter" melden, vor mchreren
Tagen etwa 100 Katholiken zur evangelischen
Kirche übergetreten.

Z„r Schlesivig-Holstoitt'scheii
Eache.

Zn Flensburg fand am 1k. Juli die Wahl
des zwciteu Bnrgermeisters und dcr zur Er-
gänzung des Magistrats erforderlichen Mit-
glieder Statt. Es sind das die „nichtstudirten"
Beisitzer oder Beiberather, Sie endete mit
einem vollkvmmenen Siege der Deutschen.

Zn FlenSburg, 18. Zuli, erzählt man,
daß cines der bcsten dänischen Kriegsjchifse,

Zur Aiagnojiik Ler Hundswuth.

(Nach dem Franzosischen des Grandean, aus dem TempS.)

(Schluß.)

Weun etn wuthender Hund fich tn vollkoinniencr
Freihcit befindet, rennt er geradeaus fort, Anfangs
mit vollkommcn sicherem Gangr, und packt dahei
alle lcbenden Wefkn, welche ihm begegnen, jedoch
vorzugsweise Hunde an. AuS dtesem Grunde ist
es für einen Meufchen, der solchen Anfällen auS-
gefctzt ist, ein glücklicher Znfall, weun thm zur
rechten Zett ei» Hund bcgegnet, an wclchcm der
Wüthenbe seine heftigc L-idcnschaft b-friedigen kann.
Nicht lange tchält übrigenS der wütheudc Hund dic
bewährtc Sicherhcit deS GangcS bei, sondcrn crschöpft
durch angestrengtcS Umhcrlaufcn, durchWuthanfalle,
durch Hunger, Durst und unzweifelhast durch die
eigcnc Macht dcr Krankheit, fängt cr bald an, auf
feincn Füßen fchwach zu wcrdcn. Dann läuft er
langsamcr und schwankcnd, den Schwanz zwischen
den Hintertheilrn herabhingend, de» Kopf g-ncigt,
den Rachen, aus dem die bläuliche und mtt Staub
verunreiutgte Zunge heraushängt, geiffnet, was

Dannebrog, seit mehreren Tagen auf einer
Klippe, Bollsaxen genannt, zwischen Samsoe,
Seeland und Fühnen, festsitzl. Aus Zütland
wird der „N. A. Z." geschrieben: „Begreis-
licher Weije herrscht im dänischen Volke viel
Verbissenheit gegen uns. Zch gestehe den Leuten
hier gern zu, daß sie einiger Maßen patriotische
Opferbereitwilligkeit besitzen, die einer bcsseren
Sache werth wäre, sowie eine Ausdauer, die
richtiger Hartnäckigkeit zu nennen ist; aber un-
erklärlich crscheint cs mir, daß sie hente noch
ihre Hofsnuug auf den endlichen Sieg der dä-
nischen Sache uicht ausgegeben haben, Auch
läßt sich keine Spur von Groll gegen die Macht-
haber in Kopenhagen ontdecken, während ein
tiefer Haß gegen alles, was Schleswig-Holstein
heißt, bei ihnen wurzelt.

Koscl, 16. Zuli. Nach einem gestern ein-
getrossencn Telegranim sollcn am 18. d. 7S0
von den dänischen KriegSgefangenen zur wei-
teren Jnternirung aus böhmische und steier'sche
Festungen nach Oesterreich abgehen. (500
KriegSgefangene aus Schweidnitz sind am 18.
durch Bresiau passtrt, um gleichfalls nach
Oesterreich gebracht zn werden.

Bcrlin, 19. Zuii. Man ift hier sehr un-
gehalten, daß der Abschlnß der Wasfenruhe hier
in Berlin 60 Slunden später auf officielle
Weise bekannt wurde, als in Wien, ein Um-
stand, der um so aufsälliger ist, da gerade
Preußen und seinc bcdeutendsten Handelspiätze
wegen der Aushebuug der Blokade dabei un-
mittelbar interessirt sind. — Einen zweiteu
Grund zur Ausregung bildct die Thatsache,
daß die Fricdeiisuiiterhandluugeii zu Wien stalt-
ftnden. Die „Rh. Z." bemcrkt yiezu, warum
dieserhalb sich Zcmand ereifern könne, sci un-
gemein schwer cinzusehen. Nicht wo, sondern
wie die Verhandlungen gesührt werde», darauf
komnit e« an z und dcr preußischc Ministcr des
Auswärtigen ist Hr. v. BiSmarck sowohl hier
wie anderwärls. Daß die Oertlichkeit Nichls
hilft, hat man gerade in der schleswig-holstei-
nischen Fragc hinrcicheud erlebt. Der Friede
mit Dänemark, durch welchen Preußen vor 14
Zahren die Herzogthümer preisgab, ist gerade
in Bcrlin gcschlosscn.

RcnVSburg, 19. Juli. Der mit so gro-
ßem Gctön von der „Kreuzztg." und dcm Or-
gan deS Hrn. v. Bismarck auSpojaunte Mili-
tärkvnflikt, welcher jo sehr zur gelegenen Zeit
kam, um einen Coup gegen dic Bundesbesatzung
vvn Rendsburg zu sühren, bejchränkt sich, wie
von vornherein anzunehmen war, auf eine gc-
wöhnliche Ranferei betrunkcncr Soldaten, wie
sie in Garnisonsorten von gemischter Besatzung

zusammcngcnommen ihm ein vollkommen charakte-
risttschcs Aussehen gibt.

Zu diesem Zustaude ist er jedoch weit weniger
zu fürchten, als während der Zeit setner ersten
Wuthausbrüche, denn vcrfährt er hier noch angret-
send, so gcschteht eS, weil er auf der Ltute, die
er durchläuft, Gelcgrnhett findet, dem tn der Krauk-
heit liegcnden Bediirfniß zu genügen, er ist j-doch
nicht mchr so aufgeregi, ändert dte genommene
Richtung uicht, um auf Thtere oder Menschen loS-
zugeheu, wclche «r uicht unmittelbar mit seinen
Zähncn errclchen kann.

Bald wird feine Ermattung dcr Art, daß er ge-
nöthigt wird, anzuhalten. Er kauert fich dann i»
dcn Straßcngraben nicder und blcibt dasclbst wie
schMfcnd vielc Stunden. llnheil Dem aber, welcher
dtesen Schlaf nicht beachtct, tndem das Thier, aus
sclncr Betäubnng grweckt, oftmals noch htnreichende
Kraft b-sitzt, Biff- beizubrtngcn.

DaS Ende deS wüthcndcn HundeS isr tmmir
Lähmnng. Als Endergcbniß deS biS dahcr über
diesen Gegenstand Gcsagtcn erfchetnt fcrncr, daß
die llnkenntniß drr Hundeeigenthümrr von den ersien
Erscheinnngen, wodurch fich der Wnthznstaud äußert

leidcr nur zu oft vorkommen. Den „H. N."
wird darüber von hier ans geschrieben: Nach-
dcm am Sonntage auf dem Schützenhose beim
Tanze zwischen dem preuß. Militär einerseiis
und Hannoveranern und Sachsen andererjeits
Reibereien stattgefunden, die zu Thätlichkeiten
ausarteten, ist es gestern Abend auf dem Pa-
radeplatz, im Zungfernstieg und vor den Bar-
raken, wo stch prenßische Lazarethe befinden,
zwischen Hannoveranern und Preußen zu um-
fangreichen Schlägcreien gekommen, in Folge
deren die prenß. Truppen durch Generalmarsch
zujammenderufen wurden und starte Wachen
und Patrouilken die Stadt durchzogen. Auch
von dem nahegelegenen Oströnfeld waren die
dort cantonnirenden Preußen herangezogen. Es
sind nicht unerheblichs Verwundungen durch
Bajonuet und Säbel mehrsältig vorgekommen.

Kopenhagen, 19. Juii. Gestern began-
nen im Volksthing die Verhandlungcn übcr die
von dem Landsthiug angenommene Adresse.
Das Ohr hing lanschcnd an den Lippen jedes
Redners. Die Zuhörerplätze waren übervoll
und konnten die Menge nicht fassen. Der Ab-
geordncte Liebe eröffnete die Adreßverhandlun-
gen als Wortführer der Antragstellcr. Der
Ministerpräsident widerricth die Annahmc des
BorjchlagS als durchaus snr die Regierung nicht
zcitgemäß. Zctzt müßten wir nehmen, was man
uns geben wolle. Bei den Unterhandlungen,
welche man jetzt pflöge, um erst vor Allem dem
ferneren Blutvergießen Einhalt zu thun, lönne
die Regtcrnng die Bedrngungen nicht vorschrei-
ben, und er wünsche auch keineswegs, dieselbcn
von den Votksvertretern vvrgeschrieben zu schen.
Die Regierung müsse freic Hand haben, nnd er
könne nicht umhin, darauf hinzudeuten, daß die
Adresse an anderen Orten fehr lcicht mißver-
standen und die Ursache wenigstens zn Er-
schwerungen für die Regierung werden könnte,
denn wenn man dort vorher wisse, waS man
wollc, so höre jede Verhandlung über das mög-
lich Erreichbare auf. Hammerich entwickclte,
wic ein Schleswig-Holstein, unter welcher Ge-
stalt und Namen eS auch verbunden mit Dä-
nemark erscheincn möchte, weit schlimmer und
gesahrbringender für DLnemarkS Selbstständig-
keit, als eine vollständige Losreißnng der Her-
zogthümer sei; denn die Lage des Königs würde
eine durchaus unhaltbare sein, und dcr Staat
sinke zu einem Vasallen DeutschlandS herab.
Auch der Eintritl Dänemarks in den dcutschen
Bund sei ebenso wenig ein irgend denkbarer
Ausweg. Wohl nähre er keineSwegS cin Miß-
kranen gegen das Ministerium, aber wenn es
unscre dänischen Brüder in SchleSwig ausopferc,

«nd wobei das Thier beinahe immcr ntcht angret-
fknd tst, die bct weitem größerr Zahl llnglückssille,
welche wir j-deS Zahr zn beklagcn haben, herbeislihrt.

Boulcy tst daher der Anficht, daß bct der medt-
cinischen Aeademte etne ständig« Eommisston er-
nannt und dnrch deren Organ eine Belehrnng
hierüber verfaßt wcrdc, dre bet großer KLrze und
Gedrängtheit dem Publikum doch so vvllständtg alS
möglich all,S DaS zur Kcnntntß zu brtngcn habe,
was eg wissen müffe, um die HundSwuth wohl zn

Diese Bclehrnng sollte durch allc mögllchcn Mittcl
die größte Vcrbreitnng erhaltcn und nberall zn
jcder Jahreszett öffentlich angeschlagen sct». „Ein
Zeder fichere sich selbft durch die Kenntnlßnahme
Deffen, waS thm zur eigenen Bewahrung »öthig
ist, das wäre die beste und wirksamste Vorbeu-
gnng!" Daß Bouleh auf die bis hcnre betnahr
ausschließlich in Anwendnng grbrachten Derhal-
tnngSmaßregeln zur V-rhindcrung der Berbreitung
der Hundswnth nnd threr llebertragung auf den
Menschen wentg hält, will beftimmt viel hetßen!

Jedenfalls tst so vtel ficher, daß dic Art und
Weisl, «ie man in Arankreich nnd besonders tn
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