Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Vndtlbkrgtr Itilung.


» Auf die „Heidelberger
Zeitung" kaun man sich
noch für die Mouate
August und Zeptember mit Sk Kreuzern abon-
nircn bei allcn Postanstalte», den Boten uud
Trägern, so «ie der Expedition (Schifsaasse
Nr. 4).

* Poiitische Umschau.

Die Nachricht der „B. Börsen-Ztg.", daß
Unterhaudlungen zwischen den Räthen de«
Herzogs Fricdrich und dem Bankhausc Raphael
Erlanger in Franksurt a. M. «cgen einer schles-
wig-holsteinischcn Anlcihe schweben, wird von
der „Köln. Z." für durchaus erfunden exklärt.

Jn einem „Der Wassenstillstand" übcrschrie-
benen Art. sagt das „F. Z. am Schluß: Jm eig-
nen wic im allgcmeinen Jntcresse könnte Preuße»
nichtL Besseres thun, als cic Hcrzogtyümer
baldmöglichst in Besitz seiner Autonomic uutcr
dem rechtmaßigcn Herzog zu bringeu. Zc be-
reitwilliger eö dazu die Haud bietet, um jo
leichter wird es das erlauge», worauf es cinen
begründcten Auspruch hat: die Oberleitung der
Vertheidigung DcutschlandS an der gejammten
Meeresküste im Norden. So wird es unsehl-
bar den übelu Eindruck und den Argwohn
tilgen, den es neuestens erregt hat, uno dazu
bcitragen, daß der Geist der Zwietracht, oer
Deutjchlands größte Gesahr ist und PreußenS
Stärkc nicht jein wird, gedannt werdc u»d dcm
Geiste wciche, dcr allcin die Würde und die
Sicherheit einer Nation vcrbürgt, dcm Geist
cinträchtigcr Batcrlandsliebe.

Zn Paris war gestern da« Gerücht von oem
Rücktritt dcs Lord Russell verbreitet.

Jn Algerien ist die Ruhe noch immer »icht
vollkommen hcrgestcllt. Zm Seplcmbcr soll eine
große Expedition nach dcm Lmden unternommcn
wcrden unter den Befehlen deS Marschalls Mac
Niahon jelbst.

Berichte aus Smyrua besagen, daß, seitdem
die türkijche Regierung dcn Vorschlag, den
Pflanzern Baumwolljamen uuentgeltlich zn
liefern angenommen, die Produktion vou Baum-
wolle in der asiatijchen Türkei sich bedeutend
vermehrt hat. Zm Jahr 18KO betrug die AuS-
suhr der Baumwollc von Smhrna 12,000
Ballen im Wcrth von Z0,000 Ps. Stcrl.; im
Zahr 1863 ist sie bcreits auf 60,000 Ballcn
gestiegen und der Werth nahm noch iu größe-
ren Proportionen zu. Man erwartet, daß in
diesem Zahr dic Provinz Analolien allciu
180,000 Ballen produciren wird.

Freitag, s August

Zur Schleswig-Holsteiti'schen
Lache.

Kopenhagen, 30. Juli. Durch königl.
ofsencn Brief vom 26. Juli wird der RcichStag
auf den 6. August zusammenberuseu. Nach
Berichten auS dem nördliche» Zütland vom 27.
d. M. ist Bensyssel (nördlich »om Limfjord)
fast ganzlich von den Preußen geräumt wor-
dev; es sind nur noch 2 Compagnien vom 60.
Regimenl dorl. Zn Frederikshavn wurde am
2K. d. M. der Dannebrog wicder aufgezogen.
ES schcint, daß der Feind im Ganzcn in jüd-
licher Richkung in Bewegung ijt.

-7 Bvm Neckar, 31. Zuli. Die feudale
Partei in Preußen crhebt großes Gcjchrci wegen
dcr neulichcn entschiedeucn Beschlußfassung dcr
würlembergischen Kainmer, in Bezug auf die
Rendsburger Vorfälle, und etwaige weitcre,
damit im Zusammenhang stehende Vergewal-
tigungen. Sie stcht aber damit nicht allein,
deun e§ schlicßt sich ihr jcne Partei an, welche
die AnnexionSidee an Prcußcn noch heute, wenn
auch mehr im Stillen, cultivirt. Gerade die
Auhäuger dieser Partei aber sind es, welche
sich solchc Erscheinungen (wie die Rcndsburger
Ereignisse) zu Herzen uehmen sollten, weil sie
es sind, die durch ihr Bergrößerungsgelüjte
Preußen in Deutschland in Mißcredit gebracht,
Argwohn crweckl, und selbst in deu Hcrzog-
thümcrn die dankbare Freude übcr dic Bcsreiung
so wcit hcrabgestimmt haben, daß die ncuiich
abgchaltcne Detegirtcnverfainmlung in Rends-
burg sür dcn dircctcn Antrag aus eine Con-
vention des neuen Staats mit Preußcn hin-
sichtlich der Militär-, Marine- und diploma-
lijchcu Angelegenheiten nicht gestimmt hat,
um nicht dte Hauxtsache, die schleunige Con-
stituirung deS Staats unter seinem tcgitimen
Herrscher aufzuhatten oder zu hindern. Möch-
len die Erfahrungen dieser Tage jene Partci,
welche üdrigens kleiuer ist, alS man denkt, doch
endlich belehren, daß die Wege, auf welchc sie
die preußische Politik lenken will, nichk zur
Suprcmatie, sondern zur Zsolirnng Preutzens
und zur Abhängigkeit vom Ausland führen.
Mag das Band, welches Deutjchland zu einer
Einheit vereinigen, oder doch zusammciihaltcn
soll, immcrhin lose und sogar morsch sein —
dad»Hsh, daß ein L-taat mit eijerner Hand
darcinjchlägt, wird eS nimmermehr bescstigt
werden!

Wien, 2. Aug. Dic „Wiener Abcndpost"
enthält nachstehenden Artikel: „Die FriedenS-
präliminarien sind abgeschlossen, der Waffen-
stillstaud ist uuterzeichnek. Die Herzogthümer


Lanenburg, Schleswig und Holstein sind ohne
Borbehalt abgetreten. Eine gleichzeitig beschloj-
scne Grenzcprrcction wurde im deutschen Znte-
rcsse sestgestcllt. Der Einigung Oestcrreichs
und Preußens, den Siegcu ihrer vcrbündeten
Hcerc vcrdankt Dcutschland die Verwirklichung
eines Lieblingswunjchcs der Nation, Europa
die Bescitigung der Urjache bedrohlicher Con-
flicte. Die Vollständigkeil des Ersolgcs wurde
errungen durch Mäßigung und Besonnenheit
in Aufstellung oer Forderuugen, durch die Be-
harrlichkcit der selbjtbewußtcn beiden Mächte
gegenübcr von Verwickelungen, welche dic Con-
jequcnzen der österreichtsch-preußischen Siege
neutralisiren konnten, und endlich durch die
Ueberzeugung des Gegners, daß nach dem Frie-
denSschlusse die dentjchen MLchte und Deutsch-
land ihm ihre loyale, ausrichtige Freundschast
zuwenden würden. Der Kricg war weder ein
Eroberungskrieg, noch ein Krieg sür Geltend-
machung phantastijcher Nationalitätsansprüche,
sondern ein Krieg zur Durchsührung cincS
pvsitivcn RechtStitels. Nachdem der Krieg
srühere völkcrrechtliche Tractate aufgehoben,
gaben die Ersolge dcs Heeres die Möglichkeit,
dic Gebicle ber Elbherzvgthümer von Dänemark
abzutrennen. Durch die Obsorge der kriegfüh-
renoen Mächle wird nun ein chrenvollcr Friede
dieje Ergebnisse sür alle Zeiten seststellcn. Die
»m 14. Januar d. I. bejchlosjene Ablehnung
der Theiluahms am Kriege Seitcns deS Bundes
mußte zur Fotge haben, daß der Frirde auch
nur vou den thatsächlich kriegjührenden Mäch-
tcn abgeschlossen «erden konnte. Die d'euijchen
Großmächte haltcn sich abcr durch dieses Ver-
hältniß keineswegs von der Defercnz entbunden,
die sic den Mcinuugen und Beschlüffen des
GcsammtorgaucS deS deutschcn BuudcS bcreit-
willigst crweiscn, noch soll durch die Thatsache
der sormcllcn Abtretung der Herzogthümcr an
die Souvcränc Oestcrrcichs und Prcußens in
der diesseitigen Ansfassung an dcn wohlbegrüu-
deten Rechten und Bcsugiiiffen des BuNbeS und
der BundeSbehörde in Bezug auf die Herzog-
thümer irgend ein Abbruch gcschehen. Dcm
ruhmvollcn Fricden wird zuvcrläjsig ein freieS,
bundesgcnössischcS Vcrständniß unter den Rc-
gierungen Deutschlands solgen zur Sicherung
der RcchtSzustäudc der Herzogthümer, zur Ver-
stärkung dcr Sicherheit und beS Anjehens
Deulschlands und zur vollen Besriedigung des
GcsammtvaterlandeS."

Wie», 3. Aug. Dio dcfinitiven Fricdens-
verhandiungcn werden schon in den ersten
Tageu der uächsten Woche beginnen und die
dänischen Bevollmächtigtcn bci der Conserenz

Aie Marseillaise.

PNach dem Französischm des A. de Lainarline von

1. chold-nderg.)

(Schluß.)

Uebermannt von diescr «ihabenen Inspiratton
schlies cr, den Kopf aus daS Anstrliment gestützt,
,tn u„d erwachte erst mit dem Morgen. WaS <r
in der Nachi gesnngm, dcffen konnie er stch nur
mit Muhe, wie eines Traumes, erinnern. Er
schrieb es llieder, srtzte vic Noten daza und eilte
zu Dietrich. Die Gemahlin des palriokischcn MaireS
war noch nicht aufgestanden. Dietrtch wrcktc sie.
Er lub eintgc Frcunde ein, dtc, wie cr, für Musik
schwärmten und die üomposition dr Lislc's aufzn-
sühren im Stande warrn. LineS von dcn jungrn
Mädchcn begteiletc slc. Rouget sang. Bei der rrstrn
Sirophe rrbl-ichtrn sie, de! der zwciten floffrn ihrr
Thränen. Bri den letzirn kam d-s Entzüikcii des
Enthusiasmue znm AuSbruch. Das VaterlandSlicd
war gefundcn! Ach, rS sollte auch das Schrrckeus-
ltcd werdcn! Der ungliicklicht Diktrich stieg wcnige
Monate nachher aus das Schaffot bri drm Ktange
dersrlben Töne, dir an skinem Herdr dem Herzen

sctner Frau gesimgen hattc!

Das ncue Lied, welchcs einige Tage darans tn
Straßbiirg znr öffentlichen Anfsührung kam, flog
von Stadt zii Stadt. Dle MarsriUer verbreitcten
eS tn Frankreich, indcm fie es aus ihrrm Marsche
sangen. Daher schresbt sich der Name „Marselllaisc".
Dte alte Mnttcr de Listc's, Royaltslin, entsetzt von
dem Klange der Sttmme ihres Sohnes, schrieb an
ihn: „Was ist das sür etn revotlltivnäreö Licd,
wclchcs einr Horde Räuber auf ihrem Zuge durch
Frankreich singt und rn das man unsern Namen
mcngt?" Tc Lislk selbst hörke es, nachdcm er als
FödrraUft proscrtbirk worden war, schaudcrnd als
cine TodcSdrohung an sein Ohr klingen, ats er
durch die Schluchlen drs Jnra siüchtete. — „Wie
ncnnt man dtescs Lied?" sragte er seinen Führcr.
— „Die Marsrillaife", erwidcrte Lcr Landmann.
S° ersuhr er den Namen seines rtgeuen WerkeS.
Er wurde vrn dem EnthusiaSmu» verfotgt, wclchen
er fctbst gcsäet hatte. Nur mit Mühe entsioh er
drm Tode. Me Waffe kehrte sich gegen die Hand,
wclche sic geschmikbkt. Die wahnsinnig gewordene
Revolution erkanntc ihrc etgene Stimme nicht mehr.

Eine hifforische Neminiscen).

Dte Schlägerei in Rcndsbiirg crlnnert an emeri
Soldaten-Erccß in Mainz zwischen Oesterreichcrn
und Prcußcn, seit welchem allerdings 46 Iahre
verflossen sind, der aber damals ungcheures Aus-
fehen grmachr hat. Im Iahre 1818 bcstand die
Garnison dcr Festung Mainz aus zwci österreichi-

ungarisches; die preußiscken Linteii-Regimcnter
warcn brandcnburgische. Elnes Tagrs, als das
gesammtc Ofsiciercorps der Garnlson tn der Nähc
von Mainz bktm Hcrzog von Naffau zu Mttiag
spcistc, gab die Arrelirung cines vsicrreichischen
Gcmeinen durch eine preußiscbc Patronille zu cincm
der großartigsten Soldaten-Erceffe die Veranlassung.
UnterAnsübrnng von Unterolficieren rückten die bei-
deiseiiigen Garnisonen aus, sicllien sich IN Schlaidl-
orbuung aus und liescrtea eine sörmliche Schlacht,
in der dtc Oesicrrcicher schließllch Siegcr bliebrn
und dir Preußen weichen mußten. Mit Ausnahme
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