Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

Seite: 133
DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1864a/0133
Lizenz: Public Domain Mark Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Veidelbkrgrr Zeilung.

N» I8S. Dienstag, S. August


18«A.

HWtz...--" Auf die „Heidelberger

' s! Zeitung" kann man jich

'TD" —noch für die Mvnate
August und Zextember mit 3K Kreuzern nbon-
niren bei allen Postcmstalten, dcn Botcn und
Trägern, so wie der Expedition (Schissgassc
Nr. 4).

* Politische Umschau.

Den deutschen Großmächten hat cs beliebt,
nicht nur die Kriegskosten den Herzogthümern
aufznbürden, während dieser Auswand denjeni-
gen Theil trefsen sollte, der den Krieg noth-
wendig machte; sondern fle haben dieselben auch
mit der dänischen Staatsschnld, nach Maßgabe
der Lopfzahl, bclastet, wihrend doch ein däni-
scher EinheitSstaat rechtlich nie bestand, die zu
Kopenhagen aufgenommenen Anlehen fonach die
Herzogthümer rechtlich auch nicht berühren.
Solche Dinge zu beachten oder nur zu wisfen,
brauchen freilich die BiSmarck - Rechbergischen
Staatsweisen nicht; nm solche Kleinigkeiten,
von denen aber allerdingS schließlich die ganze
Steuerlast des Volkes abhängt, bekümmcrn sie
sich nicht; — oon solchen gewöhnlichen Dingen
besitzen jie keine Ahnung. Bildet man sich aber
cin, das Volk werde die Dictate, welche die
diplomatische Leichtserligkcit oder Unwissenheit
ihm — rechtswidrig l — aufbürdcn wlll, unter
allcn Verhältnissen respectircn? ES ist schvn
mehr als ein Tractat zcrrisscn worden, — der
von 18k>2 dürste die Diplomatie daran erin-
nern! — Wird nicht nachlräglich noch beim
deflnitiven Friedcnsschlusse das so grcll Ver-
säumte nachgeholt, so kann sehr wohl der Fall
kommen, daß die Zahl der ohne Mitwirkung
der Völkcr geschafsenen und dann im crsten
Sturme wieder rasch vcrnichteten Conventionen
— um eine Nuunncr vergrößert wird.

Dcr Wiener „Botschaster" schrcibt: „Die
Herzogthümer sind abgctreten ; sie sind eS an
die dcutschen Großmächte. Ganz Deutjchland
harrt jctzt der Dispositionen, welche die beiden
Dispositare deutscher Länder mit dcnselben be-
ginncn werden. Denn Nieuiand in Dcutjch-
land sieht in dcn Großmächtcn etwaS Anderes,
als Verwahrer sremden Gutes, das sic sobald
als möglich dem legitimen Eigenthümcr zu über-
geben haben. DaS österreichischc Programm
läßt sich beiläufig in folgende Sätze zusammen-
sassen: Schlennigste Entjcheioung dcr Erbsolge-
srage durch den Bund und Anerkennung dcs
Herzogs Frikdrich von Augnstenburg als Herzog
von SchleSwig-Holstcin; Aebergabe dcr Regie-
rungsgewalt an denselben mit allen Bejug-

Erzählungen am Simnakfeucr.
Erinnerungen anS den Jahren 1848 — 50 von Gras
Adalbert Baudissin.
lKortsetzung.)

Der Schwcde wischte die Milch au« dem Bartc,
faltete di- Häadc, als wenn -r Gatt um Vcr-
ziihung bitte» wollc, weil cr übcrhaupt Milch an
s-inc Lippcn gcbracht habe, und hab also za cr-
jähtcn an, wobci wir ihn in richtigcm D-utsch
sprcchcn laffcn:

„Wi- Jhr wißt, li-bcn Frmnde, bin ich -in
Schwtd- nnd kam aus Schwcdcn nach Kopenhagen,
nm dcn Dincn gegln D-utschland betzuftehcn, witl
ich mlr elnbtldete, daß Dänemark tm Rechte sci.
So kämpfte lch venn 1848 und 49 unter dcm Da-
nebrog gegen dle deulschrn Truppen, fing aber
allmältg an, Verglktckc zwischen dcn preußischen,
fchleSwig-holstetn'schen, hannöver'schen und den dä-
nisckcn Soldaten anzuftellen; ich laS deutsche und
dänische Schristcn übcr dle Ursachen des Kricges
und bekam cndlich die ltcberzeugung, daß Scklcs-
wtg-Holstein im Recht set, daß die deutschcn Sol-
daten b-ffer auSgerüstet und diSeipllnirt seien, alS

nissen, welche derselben iiincwohnen, also ins-
bcsondere mit der vollen Frciheil zur Bildung
öines schleswig-holstcinischen Heercs, damit der
neue Slaat rasch auf die eigenen Füße zu stehen
konime; Veretnignng von SchlcSwig mit Hol-
stein unter detnsxlden Souverän, wobei die
Frage der Aufnahme Schleswigs in den deut-
schen Bund wegen der europäischcn Schwierig-
keit vorläufig als ei»e vffene zu behandeln
wäre, was um so leichter möglich ist, als ein
geeinigtes Schleswig-Holstein anch ohne Aus-
nahme Schleswigs in den Bund hinlängliche
Exlstenzbürgschasten bictct."

„Patrie" theilt mit, daß dcr Herzog von
Augnstcnburg kürzlich bei seiner Rückkehr nach
Kiel einem österreichischen Commiffär, dcr ihm
Glück gewünscht u»d Vorsicht anempsohlen hatte,
Folgendes gesagt habcn soll: „Zch bin, was
den Kinig von Preußen anbelangt, vollkommen
beruhigl. Zch stche mit ihm >n srenndschast-
licher und sehr lcbhafter Correspondenz. Der
gegenwärtige nnsichere Zustand wird wohl noch
cinigc Zeit dauern, allcln das Rccht wird doch
zuletzt die Oberhand behallen."

Die Pariser „Presse" zweiselt nicht daran,
daß die Frieoenspräliminarien, so drückend sie
auch sür Dänemark sein mögen, in Kopcnhagen
ruhig angenommcn werden. „Die eptremen
Partcieu fsagt sie) sprechen dort sehr vict, aber
handeln wcnig. 'Sie sind von der Wacht hcr-
abgcjallc», oyne daß durch dicsen Sturz der
Thron zum Wankcn gcbracht wurde. Von dem
Tage an, atS sich dtc nmtraten Mächte bündig
sür die Politik der lllichtintervention ausspra-
chen, haden die extrcmen Parteien in Kopen-
hagen allen Einfluß verloren, indem sic die
Hoffnung eines allgeineinen curopäifchen Bran-
des verloren hatten."

Der neneste Eonstitutionnelartikel (s. Paris,
8. Aug.) belheuert, von England seien keiue
Anerbictuugen ersolgt, von Frankreich keine
Fordcrungcn gestcllt worden. — Wird man
zu Berlin erkennen, daß es Zcit ist, dic An-
gelegcnhcit der Hcrzogthümcr endlich zu eincm
befriedigendcn Abschluß zn bringen? sragt die
N. F. Z. Wird rnan die Gesahrcn einschen,
wclche sich im Gcsvlge serncrer Verschlcppung
einzustellen drohen?

Dic Berllner „Volkszcitnng" beginnt einen
Leilartike! mit folgenden Worlen: Wie man
Gcistcr nicht vertrcibe» kann durch den Oberstcn
der Geister, so wird man auch dew Particula-
rlSmus der Kleinstaaten DeutschlandS »icht ver-
trciben durch prcußijchcn ParliculariSmus; man
wird im Gcgcnlhcil, mit jedci» Schritt aus der
Bahn des specisijchen PrcußenlhumS nur .den

die dänischen, und so beschloß tch denn, als dcr
Krleg tm Iahre 49 becndet rvar, zu Euch zu gehen,
Kameraden, und das Unrecht, das ich gegen Deutsch-
land begangen, wteder gnt zu machen. Ob tch meine
Schuldigkeit als Soldat gethan habe, darüber
mögt Jhr entscheiden."

„Du heißt nur drr tapfere Sckwedc", fiel tch ein,
„das möge Dir ein Bcweiö sein, daß wir Dtch alle
lieben und achtcn. Doch Deine Gcschichte."

„3a metne Geschichtc! Nun, Jhr ftandet u»s
im Snndewitt gegenüber. Wir hattcn die Jnsel
Alsen und einen Theil des schleswig'schen Festlan-
des besetzt und warcn in unsercr durch Kanonen-
döte unlerstützten Stellung eigentltch unangreisbar,
— wcnigstcnS warcn wtr unbesiegbar, weit Ihr
uns wegen des schweren GcschützkeuerS, das alle
Zngänge zu nnftrer Pofitton bcftrich, „tchts an-
habcn konntet. Eincs Tages, es war im Iuui
1849, rückten dichte Maffcn Jnsanterie gegen un-
sere Stcllung an. Es waren Hannoveraner, Braun-
schwkiger, Oldenburger und Preußen. 3L sch! fte
noch, wic fie mit ktingendem Spi-tc dem sicheren
Verdericn entgegen gingen! Damals frente ich
mich, aber jctzt wünsche tch den Dänen ctncn sol-

kleinstaatlichen ParticulariSmus sördcrn, und
zur Stunde, wo Oesterreich cs gerathen findet,
stch dcr Sondersouvcränetäten anzunehmen,
dicjem und seinen Znteressen Triumphe bc-
reiten.

Der gesetzgebende KSrpcr in Frankfnrl hat
einftimmig den Beilritt zum neuen Zollverein
genehmigt.

Der „Köln. Zeitung" zufolge ist Präsidenl
Hanjemann am 4. d. Asachmiltags in Schlan-
gcnbad gestorben.

Die Turiner osficielle Zeilung bring! ein
königliches Decret, wodurch das königl. Placet
auf Acte der Btjchöse wegen Ernennung vo»
Verwaltern, Psarrern und Vicaricn ausge-
dchnt wird.

AuS Konstantinopel komnit die Nachricht,
datz die Frag! wegen der euglischen und ame-
rikanijchcn Mlsjionäre zwischen Bulwer und
der türkischen Reglcrung geordnet worden sei.
Die EtablissementS der Missionarc werden wie-
der geöffnet, die Convcrliten aber provisorisch
in die Provinzcn vcrwiescn.

Z»r Schleswig-Holsteiii'sche»
Eache.

Verlin. Wie dcr „Voss. Ztg." versichert
wird, sollen die Friedensverhandtnngen »icht
in Wien stattsinden, sondern Berlin für die-
setben bcstimmt sein. AlS Bevollmächtigter
Prcußens wird Herr v Balan. und als der
OcsterreichS Herr v. Brcnner bezeichnct; dem
Ersleren wird dcr Minislerpräsident vvn Bis-
marck, dem Anderen der öfterreichische Gcsandte
am hicstgc» Hofc, Gras Carolyi, znr Seite
stchen.

Kopeiibagcn, 3. August. Berlingskc Tid.
veröffcntlicht in ihrer französlsch geschriebenen
Revue den Text des an die HH. v. Bismarck
und v. Rechberg gcrichteten und vom 12. Juli
dalirten GesuchcS dcs Conseilprästdenten Bluhme
um dirccte Fricdensuntcrhandlungen und der
Antworlen der HH. v. Bismarck und Rechberg,
welche beide enlgegenkommend sind, und von
welchen die lctzlcrc auSdrücklich die Bedingung
enthält, daß der König von Dänemark den drei
Hcrzogthümern zu Gunsten der Alliirten ent-
jage und diesen freie DlSposition darüber zn-
erkenne.

Humburg, 8. August. Die in Rander«
erschcinende Amtszcilung für Zütland enihält
cine Bekanntmachung des Militärgouverneurs
von Fallenstcin vom 2. Augnst, wornach wäh-
rend der Dauer dcS Wassenstillstandes der
Kricgszustand in Jütland unvcränderl fortbe-

Bursche. Sle griffen uns mit dem Bayonnel an,
und taßt es Euch gcsagt srin, Kameraden, ctn
gcschloffencr Angrtff von ctncm kurhessischcn Ba-
raillon ist kine erusthaftc Gcschichte. Die Kerle
kommen Euch dahcr in Linie, sage ich Euch, fällen
bie G-wrhr- u»d ftürmeu darauf los, daß man
glaubt, sie wären alle blind und sähen den Feind
nicht, den sie angreifen."

„Die btinden Kurhcffen sollen l-ben!" ries der
Hauptmann begeislcrt; „wie gtng eS wciter, Schwede,
Ihr knifft natürlich auS, alS dic »lten Iangen da-
hcrkamen?"
loading ...