Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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steht. — Die Flensburger „Norddeutsche Zei-
tung" hört, datz auf Svnntag zwci dänische
Dampfer mit 80V permittirten SchteSwigern
erwartet sind.

Deutschlanv.

Karlsruhe, 3. Aug. Heute ist die dieß-
jährige Conserenz der höhern deutschcn Polizei-
beamten hier im Ständchause -röffnet worden.
Jn derselben ist Oesierreich durch den SectionS-
rath im Polizciministerium, Ritter v. Hirsch
aus Wien, Preußen durch den Polizeiprastden-
ten v. Bernuth aus Berlin, Bayern durch Po-
lizcidirector Pfeufer auS München, Haunover
durch Generalpotizeidirektor v. Engelbrechter
aus Hannover, Sachsen durch geh. RegierungS-
rath Häpc guS Dresden, Baden durch Ministe-
rialrath Burger von hier vertrcten. DaS Mit-
glied für Würtemderg, Stadtdirector Oberre-
gicrungsrath v. Majer, ist durch Unwohlsein
an dcr Bcthciligung verhiudert. (Dr. Z.)

Karlsruhe, 4. August. Der „Nat.-Zlg."
wird von hier geschrieben: ' Der „berühmte"
Alban Stolz, der VolkSschrifksteller der Äurie
in Freiburg, dessen Sprachweise über die Grenze
Badcns hinaus berüchligt ist, soll abermals alS
Peter von Amiens aufgetreten sein. Jhm schreibt
man den erzbischöflichcn Hirtenbricf zu, dcr daS
Gesetz übcr die Schulaufsicht gleichsam verdammt
und Geistliche wie Laien zum Wiberstandc gegen
die StaatSregierung aufstachelt. DieSmal hat
sich die Kurie, wenu die StaatSregierung will,
vollständig im Strafgesctzbuche gefangen. Doch
wird man wohl de» Hcrren das MLrtyrthum
crsparcn, da kein Zwcifel besteht, daß dinnen
einem halben Zahre das gesammte Schulgesetz
im Sinne des konstituirten Rechtes und der
modernen Bildung von der Bolksvcrtrctung
adoptirt sein wird, sofcrnc nur die Negierung
es bald vorlegt.

Karlsruhe, 8. August. DaS gcstcrn er-
schieneue großh. Regbl. Nro. 33 enthält drci
Gesetze: 1) die AusjichtSbchörden sür die LolkS-
schulen, 2) die Bewilligung elnes CrcditS sür
die Bestellung von Krcisschulräthen und sür dic
erste Eiurichtung der Krcisschulvisitaturcn, uud
3) die Bcmilligung eineS Eredits für die Er-
bauung eines GedäudcS für dic Turnlchrer-
bildungSaustalt bctreffcnd.

Aus Budcn, S. August. Der erzbischöf-
liche Hirteubrief vom 19. Juli, der am lctzten
Sonutag in den katholischcn Pfarrkirchcn des
LandeS von der Kanzcl hcrad vcrlescn wurde,
beruht im Wescntticheu aus dcnsclben Anschau-
uugen übcr die Slcllnug uud Leituug der
Votksschule, welchc schou srühcr die erzbischöf-
liche Dcnkjchrist vom 3. Dccember v. Z. enl-
wickclt und zu begrüuden versucht halte. Die
stärkste Stelle ist die Ansprachc an daS katho-
lijche Volk jelbst, daS gcradezu aufgefordert
wiro, die katholischc Erzichung der Kinder „zu
vcrtheidigcn"; deun es sei keiu lecreS Wort
und keine Ucbcrtreibuug, datz durch das neue
Schulgcsetz die ialholische Rcligion in großcr
Gksahr sei. „Wenu, so hcißt cS wörtlich, sclbjt
wilde Thiere mii Lcbcnsgcfahr ihre Juugcn vor
feiudlichcn Angriffeu vertheidigen, um wie vicl

„Za," antworlclc Lindström, „wir koiffcn aus
und wurdcn hitzig von dcn Heffcn vcrfolgt. Hintcr

tigrS tIewchrfeucr untcrhiclrcn und auf jedc Na-
senspitzc, die übcr d„, schützend!» Zaun heroor-
ragte, ganze Lompagnicsalvcn grgeben wurdcn,
wareir auf der Wicse, dic zwischen unS und den
Deutschen lag, mehrere vcrwundcte Dcutsche liegcn
geblicben, die fich rrst ganz ruhig verhielten, nach
unv nach aber, wahrschcinlich weit thrc Wunven
anfingen zu brenncn, sich unruhig hin und her
wälztcn. Sie tagen mitten in dcr Wiese, in glcich
wciter Entfcrnung von den Deutschcn und den
Däncn; bet den, heftigen Keuern schicn eS unmög-
lich, fie vor Bccndigung dcs Kampfes in Sicher-
hcit zu dringcn. Ta stieg plötzlich cin Kurbeffe
übcr den Zaun, binter welchem sein Bataillon
lag, und lief trotz deS furchtbaren KeucrS, daS wir
aus ihn richtctcn, nach dem Platze, wo di, Bcr-
wundctcn lagen, hob einen dcrselben von der Erde
auf und trug ihn, wie cin Vatcr sein Kind, auf
den Armcn davon. Ein donncrbes Hoch seiner

mehr sollten christliche Eltern die von Gott
ihnen anvertranten Kinder vor den Gefahren
ihreS Seelenheils schützen" I Eine solche
Sprache gegcnüber der Regierung und den Ver-
tretern eineS Landes setzt, mindestens gesagt,
jede in einem gesttteten und rechtlichcn StaatS-
leben gebotcne Rückstcht bei Seite. So viel ist
indcssen jetzt schon gcwiß, daß gerade durch
solche llebrrtreibungen dieses Freiburger Mani-
fest gegen die Schulresorm bei allen verständi-
gen Leuten allen Werth eingebüßt hat.

Vom Baulande, 2. August. Ueber den
auch in unserem Blatte Nr. 177 mitgctheilten
BergiftungSfall in S. enthält die B. L. Z.
nachträglich folgendes: „Eine Correspondenz
vom 24. Zuli in Nr. 17d d. Bl. berichtet einen
in nnserer Gegend vorgekommenen Unglücköfall,
welcher eben der Untersuchung untcrliegt und
weniger Aufregung, alS vielmehr allgcmeines
Bedanern errcgte, sowohl wegen dcr Eltern deS
verstorbenen lO Wochcn altcn KindeS, als auch
deS Maunes, dem die unglückliche Vcrwechsc-
lung begegnet setn soll. Der betreffende Apo-
theker ist in der ganzen Gegcnd als Bürgcr,
gcwissenhafter Manu und Menschenfrennd all-
mein geachtet und beliebt. Ob jener Corre-
spondent übrigcnS frei von Vorcingenommcnheit
über das Unglück berichtet hat, möchtcn wir be-
zweifeln. Man muß in solchen Fällen sich nicht
blo» als glaubwürdigen, sondern auch als lci-
dentchaftslofeu Berichterstatter bewähren."

StUttjzart, S. Äug. Nach der N. F. Z.
ist hier daS Gerücht vcrbrcitet, der König von
Württembcrg stehe mit Robert v. Mohl wegen
Uebcrnahme dcS Ministeriums deS Zunern an
Stclle v. Lindeus in Unterhandlung.

Frankfurt, 4. Aug. Die Einberufung
einer zweiten Versainmlung deutscher Abgevrd-
neter wird vorcrst nicht stattfinden, da durch
den Abschluß deS WaffenstillstandeS mit DLnc-
mark und die bercits festgestellten, wcnn auch
noch unbekannten FriedenSpräliminarien die
schwcbcndc Angelegenheit in eine neue Phase
gctreten ist, deren Entwicklung noch abgewartct
wcrden mnß.

Kaffrl, 30. Juli. Eine Weisung, die durch
daS Consistorium auf höhcre Veranlassuug
dcn sämmtlichen Gcistlichcn des Landes zuge-
gangcn ist, verdicnt bemerkt zu werden. Dar-
nach ist den Geistlichcn cingeschärft, die Trau-
uug eines Kindes des LandcSherrn nicht zu
vollziehen, ohne dcssen ausdrückliche allerhöchste
Einwilligung. Da schon ohnchin die cltcrliche
Genehmigung Bedingung für dieTrauung ist,
so scheiut eine bcsondcre Veranlassung zu jcner
Wcisuug, die sich freilich uur auf daS Znland
erstrcckcn kann, vorgelcgen zu haben; mau er-
zählt sich, der Priuz Moriz von Hanau, zweit-
ältcster Sohn dcs Kurfürsren, wollc sich uiit
cincm Fräulein von L. verhclichen.

Kaffel, 4. August. An den Abenden der
letzten Tage fanden wiederholt lärmende Auf-
tritte zwischcn Soldaten und MLnncrn dcr
uutcrftcu Volksklasse statt, so daß seit gestern
dem Militär dcr Aufenthalt in einem bestimm-
teu Nayou, sowcit cs sich nicht im Dienste bc-
findct, untcrsagt ist.

Lcipzig, 2. Aug. Am Sonntag hat stch

Kameraden empfing dcn bravcn Burschen; ich selbst

an und entriß eincm Musketier dic Büchsc, um
kigenhändig auf dtn Heffen zu schießcn. Voll Jn-
grimm schlug ich dcm Major vas Gewchr auS dcr
Hand — am nächsten Lag nahm ich meinen Ab-
schi-d. . Worts. f.)

"H-idclberg, 7. Angnst. Auf der badischen
Rbeinthalbahn, dle auch der htefigcn Stadt viete
GSst- nnd Bcsucher zuführt, fieht man jctzt Erem-
plare von fast allen europätschcn Nationen, so daß
um dte Mltte dicscS MonatS dte Rcisesatson und
Reisclnst tbrrn Höhepunkt errcicht haben dürfte.
Von vornehmen nnd reichen Rnffen, Engländern,
Franzoscn, Niedertändern b-findrn fich jctzt Vtelc
auf Rcisen in Deutschland, der Schweiz und Jta-
tien. Die Ufer deS VierwaldstSdter SecS und deS
Bernei OberlandeS solle» b-r-its mit ganzrn Zü-
gen und Schaaren von Toniisten bedeckt und
Lberschwemmt sein. Nnn kommen allmälig anch
norddcutsche Kamilien, Holfteiner, Mecklenburgcr,
Hannovcraner, Brandenburger, dcnrn eS in ihren
von der Augustsvnne durchglühtcn sandlgen Marken

dahier eiu Comitse gebildet, daS eiue umfassende
Thätigkeit entsatten will, um das Project d-s
Jngenieurs Wilhelm Bauer, di- .Erbauung
von Brandtauchersehiffen, znr Durchführnng zu
bringen.

Berlin, 5. August. D-r auf Requisttion
des k. Anitsgerichts in Hannover wegcn einer
von ihm vcrfaßtcn Brojchüre unter dem Titcl
„Briefc auS dem Welfcnland" hicr verhastete
Premierlieutenant a. D. Nanne ist geftern
Abend, begleitet von einem hannover'schen Be-
amten und einem S-chntzmann, nach Hannvver
abgeführt worden.

Magdeburg, 2. August. (Nat.-Ztg.)
Etne hier abgehaltene Arbeiterversammlung hat
cinstimmig beschlosscn, der von Seiten des Ber-
liner ArbeitervcreinS an da« L>taatsmiiiisterium
gerichteten Petition um Einführnng voller Ge-
werbefretheit und Freizügigkeit beizutretcn.

Köni sacrg, 4. August. Der Prosessor
der Zurisprudenz Dr. Krhr. von Kattenborn
dahier ist dem an ihn nach Kassel ergangenen
Rnf gefolgt, um in dem dortigen StaatSmini-
sterium als LegationSrath die BundeS- und
VerfassungSangelegcnheiten Kurhessens zu be-
arbeiten.

Wien, 3. Aug. Einc Confercnz von öster-
reichischcn und sächsischen Eisenbahnverwaltun-
gen fand am 1. d. M. in DreSden statt, und
wurden in dcrselben die näheren Modalitäten
der Zurückführung der österreichischen Truppen
auS Schlcswig-Holstein bejprochen.

Wicn, 3. Aug. Eine sehr strcnge Verord-
nung ist hinsichtlich der Betheiligung der Mi-
litärpersoncn an dcr Tagesprcsfe ertassen wor-
den. Es wird durch diejelbe daS für einzctnc
Klassen der znr Mititärgerichtsbarkeit gchörigen
Personen bestehende Verbot, potitijche Artikel
in periodischen Druckschristen ohne Genehmi-
gnng dcs KriegsminiftcrS zu veröffenUichen,
von jetzt an aus alle Milttärpcrsonen (auch auf
die penstvnirten nnd mit Beidehallung dcS
Dieiistcharakters ausgetretenen Offiziere ausge-
dehnt und die HerauSgavc von Zeilfchriften
durch MilitärS neben den befrehendcn allge-
meinen Prcßbcftimuiungen, von der auSdrück-
lichen Beivilligung des KriegsministerS adhLugig
gemacht. Die Ucbertrctnng biejer Bestimuinngen
ist mit schweren Strafen bedroht.

Wien, 6. Aug. Die „Wiener Abendpost"
veröffcntlicht den vffizicllcn Text dcr Friedens-
präliminarien und WaffeiistillstandSbediugungen.
Dersclbe lautet: 1) Der König von Dänemark
cntsagt atten seinen Rechlcn auf die Herzog-
thümer Schlcswig, Holstein und Lauenburg zn
Gunsten dcS KäiserS von Oesterretch uud deS
KönigS von Preußcn, und vcrpflichtct sich, alle
Verfügungen anzuerkemien, welche die genannten
Majcftäten bczüglich diescr Herzogthümcr trcffen
werdcn. 2) Die Abtrctuug dcs HcrzogthumS
SchleSwig bcgrcrft ebeuso alle dazu gchörcubeu
Zujclii wie das auf dcm Kesttaiid getegene Ge-
bict. Znr Vcreinfachung der Grenzfejtstellung
und zur Beseitigung der auS der Lage der anf
schleSwig'schem Gcbiele befinblichcn jütischen En-
clavcn hervorgehendcn Schwierigkciien tritl der
König von Däncmark ieine iui Süden der jüd-
lichen Gränzliuie vcS DistrikleS Rtbe gelegeuen

nachgeraoe zn schwül nnd unbchagltch wird, weß-
hald man, wenn man die nölhlgen finanztellcn
Mtttcl bksitzt, bie srtschercn Gkfiloc deS süowest-
lichen Deulfchlands besucht. Zm hiesigen Schlvß-
hofe mit dem Prachlbau des Karfürstcn Olto Hein-
rich kann man jetzl tägllch fast alle Sprachen
Europa'S sprcchcn hören, und IM Stückgartcn, vor
dem gespreiigtrn Thurm, auf der großen Terraffe
sttzen junge und alte Ladies, um die malertschen
und romantifchen Schönheiten dcs Heidelbcrgcr
Schloffes in ihrc Reiseatbums einzuzclchnen. —
Zu dem heute in Pforzhrtm stattfindenden Feste
bcgah sich auch clne namhastc Zahl hlesigerSchützcn,
von denen Manchc Bcchcr, Bückftn, Stutzen und
andere Preift mitzuvringen hoffen. — Unfcrc Jäger
aus ühurpsalz srcuen fich jetzt schon, daß in vter-
zehn Tagcn die Zagd angeht oocr aufgcbt, dcr
hciligc Barthotomäu« brtngt ihnen die Kreuden
und Lelden d-S HubertuS, des SchntzpatronS bcr
ZSg-r. Jn de» snmpsigen Ktächen und Niedernngcn,
die der Rhetn despült, tst dte Zagd aufRebhühner be-
reits in vollem Gange und fällt, wenn schlaue JSger
und dic rcchten Hnnde aus den rcchtcn Plätzcn sind,
jiemltch ergiebig und sür die Ntmrodc ersreulich auS.
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