Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Ukidelbkrgkr Itilmig.


Auf die „Heiselberger
Zeitung" kauu man sich
noch snr die Monatc
August und Ieptember mit 36 Krcuzern abvn-
nircn bci allcn Postanstalten, dcn Boten und
Trägern, so wie der Expedition (Schiffgasje
Nr. 4).

Zur Verwaltungs -Organisation
in Baden.

Rachdem in diescm Betreffe nunmehr auch
die erwartete Vollzugsveroronung erschienen ist,
wird eb am Platze sein, eine Uebersicht der Or-
gane zu geben, durch welche künstig die inncre
Lerwaitung in unserm Großherzogthum besorgt
wird. Es geschieht dics:

1) Für das ganze Land: durch daS Mini-
sterium des Znnern, welchc« einen Thcil seiner
Zustandigkcit durch bcsondcre Bevollmächtigtc
hLandkScommisiare) ausüben läßt, ferner durch
den dem Ministerium untergeordneten Verwal-
tungshof. 2) Zn den Bezirken: durch die
Bezirksämter in Vcrbindung mit Bczirksrälhen.
— Zur Pflege gemeinsamor öffentlicher Jn-
teresseu und Angelegenhciten werden Kreisvcr-
bände errichtet, flnncrhalb deren kleinere Ver-
bände (Bezirks - Verbände) sich bilden konnen.
Die RechtSpflege in beftimmlen Streiligkeiten
über öffentliches Recht wird in crster Jn-
stanz rcgelmäßig von oen Bezirksräthen unter
dem Vorsitze der BezirkSbeamten, und in letzter
Znstanz von dem VerwaltungSgerichtShos ans-
geübt. Bctrachtct man diesen VerwallungS-
organiSmuS in seinem ftufenweiscn Anfbau von
unten und oben, so ergibt stch:

Der BczirkSrath besteht jc nach der Größe
des AmtSbezirk« aus 8 bis 9 durch Kenntnisse,
Tüchtigkeit und Gemcinsinn auSgezeichnetcn Per-
soncn des AmtSbezirkS. Sie werden aus einer
Listc, welche die Kreisversammlung durch frcie
Wahl für jeden AmtSvezirk deS Kreijes aus-
stelll, von dem Ministerium deS Znnern aus
je 2 Zahre ernannt. Zhr Dienst ist ciu Ehren-
amt; nur solche Mitglieder, die nicht im AmtS-
sitze wohnen, erhalten eine angemessenc Enl-
jchadigung für ihre Auslagen.

Niemand darf das Amt ablehnen; unge-
gründete Ablehnung zieht eine Geldstrafe von
2s—190 fl. nach sich, die in die OrtSarmen-
kasie fallen. — Dcr Bczirksrath steht dcn stän-
digen Beamten deS BezirkS zur Mitwirkung
bei dcr Entscheidung öffenllich rcchtlicher Slrei-
tigkeitcn und zur Unterstützung bci der staat-
lichen Verwaltnng des BczirkS zur Seite. Hier-
her gchören z. B. Ansprüche anf das Orts-

Das Niedcrbadischc Sreisschicßen.

Pforzheim, 7. Auguü. HkUle bigann das Nii-
derbadischc Kriisschießen, von einem Wctter be-
günstlgt, welcheS Vielen nur allzuschön war, denn
die Sonne fandte thre Strahlcn so unbchindert
auf die Erde und die aus ihr Wandcluden herab,
daß es unter den Ioppen außergewöhnlich heiß
wurde. DaS störte jcdoch nicht im mindcften dcn
jovialen Geist, wclchcn die auswärtigen Schützcn
mitbrachten und zu dcsscn Untcrbaltuug dtc Psorz-
heimer AlleS ausgebotcn hatten. Ein Thcil der
Besuchcr war gestcrn schon eingetroffen und hrutc
brachten alle Züge, von MorgenS früh bis zum
Mittage, dti Schützen, welche am Bahnhofc em-
pfangen und mit Mnstk in di- Stadt geteitet wur-
din. Obgliich das lcitcnde Comitec das Fest nur
zu einim eigentllchcn Schütz - ns«st bestimmt hatte,
so zeigte der reiche Fahnenschmuck und dii srcudigi
Begrüßung in der Stadt, daß alle Einwohner
Thetl nahmen, wie namentlich z»r Beherbcrgung
der Gäste die Bürgerschast das Comitee bestenS
nnterstützt hatte. Mtttags tS Uhr ordncte st» in

Donnerstag, 11. Angust

bürgerrecht und das Heimathsrecht, über die
bürgerlichen Voraussctzungen zur Verehelichung,
über Bürgernutzungcn, über die Beiträge zu
Gemeindezwecken, zu den Kosten der Kirchen-
und Schulverbände, oie Entscheidung über die
Nolhwendigkeit öffentlicher Baulen, über
Zwangsablretungen und Entschädigungen, Be-
schwerden gegendie Dienstführungder Gemeinde-
beamten, Gesuche und Aulräge auf Vertethung
von Wirthschastsrcchten u. j. w. — Bezirks-
polizettiche Vorschristen, welche eine sorldauernd
geltenve Aenderung enlhalten, kann der Beztrks-
beamle nur unler Zustiminung des Amlsralhs
güttig erlassen, ebenso polizeiliche Aenderungen
über Benntzung des Wassers, über Keuerlöjch-
anstalten und Bausachen.

Zur Berathung endtich kann der Amksrath
beigezogen werden bei allen das Jnteresse des
Volks berührenden allgemeinen Maßregeln,
z. B. Förderung der Gewerve, des Haudels,
der Land- und Forstwirthschast und Biehzucht,
so wie zur Abwendung von Theuerung und
Mangel. Der Amtsrath versammett stch in
der Regel monatlich einmal. Er isr beschluß-
fähig, wenn, außer dem Bezirksamtmann, wel-
cher den Vorsitz sührt, mindestens 4 Mitglieder
anwesend sind. Aus diesem Umsange der wesent-
lichen Gejchäste, welche der Selbstverwallung
der Bezirke durch das neuc Gesetz überlassen
ist, ersteht man, daß diese in Zukunft eine sehr
bedeutenve werden wird. Die Betheiligung des
bürgerlichen Elements stndet in allen Fäüen
statt, wo dies iheils wegen örtlicher Erjahrun-
gcn und Kcnnlnisje, lheils zur Begründung
größeren VertranenS in die Verwaltung, und
dem Versahren erwünscht uno zweckoienlich er-
scheint. (Schluß solgt.)

* Politische ttirrschair.

Ueber die kürzlich in der Oldenb. Ztg. er-
schienenc Deduktion der oldenburgischen An-
jprüche außerte Pros. Marquardseu in der
jüngsten Sitzung des Schleswig-Holstein-Ber-
eins zu Erlangen: „Vor wenig Wochen haben
wir vielsach hören müssen, es sei im Olden-
burger Staatsarchiv ein wunderbares Perga-
ment, welches der deutschen DtaatSrechtslehre
ganz gehörtg den Staar stechen würde. Die
deutschen Staatsrechtslehrer, welche sich sast
einsttmmig für das Necht des Augustenburgers
erkärt haben, sagtcn einsach, sie wollten ab-
warlen. Wir haben gewartet, — es isl aber
nichts gekommen. Jn den letzten Tagen ist in
ossicieller odcr osstciöser Weise eine Kundgebnng
erjchienen, wclche die Rechtödeduction sür den

^ dcr Lindenallee drr Festzug, voran ritten eine An-
zahl Festreiter, diesen folgte ein Musikcorps, dann
dic Mitgliedcr des Vororts des Landes-Schützen-
vrrcinS mit der Landesschützensahne, die beiven
Obcrschützenmeister dcs Pforzheimer Schützenvereins,
hierauf die anwesenden SchützcngeftUschaften in al-
phabetischcr Reihenfolge mit ihren Fahnen, und
waren ungcfahr 400 Schützen anwesend. Der Zug
ging durch die Stadt nach dem auf der Höhe be-
findlichen Schießplatze, dcr herrlich gelegen und eine
Rundschau auf die Stadt und die eingränzcnden
Berge bietet, die das Auge fesselte. Oben war die
geräumige Bankethalle erricktet, links von derselben
die Sckießhalle, weiter unten eine Bierhalle und
zwischen der ersten und letzten die Gabenhütte. Bei
Ankunft deS ZugeS stcllte sich solcher vor der Ban-
kethalle auf, an dessen Eingang der Gemeinderath
i» eorpore, die beiten Bürgermetster an ber Spitze,
vcrsammelt war. Herr Oberbürgermeister Sckmidt
empfing im Namen der Stabt die Schützengäste
und richtcte an dieselben warme Worte der Be-
grüßung, welcke die Gestnnung, mit welcher die
Einwohnersckaft und der Gemeinberath solchen ent-
gcgcnkomme, rnthicltcu. Da§ Banket, an dcm alle


Großherzog Peter, resp. für den Kaiser Alexan-
der enthäll, und was haben wir da gesehend
Nichls als lauter alte, gute Bckannte, die wir
schon vor Monaten in oie Numpelkammer zu
werfen berechligt waren. Also die StaatsrechtS-
wissenschast hat nicht ohne Kenntniß des ge-
sammten Materials geurtheilt. Was die Her-
ren Pernice und Schultze uns brachten, daS
haben wir schon längft gewußt, und was sie
gegen uns jetzt als Gründe geltcnd machcn,
das haben wir schon vor Monalen als Schein-
gründe abgefertigt. Also die Berufung auf das
lcgitime Necht steht sest wie immer, und dicseS
weift einzig und allein auf den Herzog Fried-
rich. Dcr Großherzog von Oldenburg hat keine
Ansprüche."

Wie die „Fr. Pstztg." vernimmt, dürste in
Kürze vou Berlin aus cine sehr energische
Note in der Nendsburger Angelegenheit an die
hannover'sche Negierung abgchcn, wenngleich
man in der Haupisachc hier unv in Wien die
Angelegenheit für erledigt ansieht.

Ocsterreich hat zur Vcrmith'lung zwischen
Preußen und dem Bunve den Vorschlag ge-
machl, das Bundesland Holstein 'und das von
den deutjchen Großmächten eroberte, ihnen von
Dänemark sörinlich abgctretenc Herzogthum
Schleswig unter gemeinjame provisorijche Ver-
waltung Oesterreichs, Preußcns und des Bun-
des zu stellen; Schteswig btiebe während dieses
Provijoriums von den Truppen der deutjchen
Großmächte ausjchtießlich bejetzt, während zur
Bejetzung von Holstein die vier Staaten, wel-
chcn die bisherige Execution überlragen war,
nämlich Oesterreich, Preußen, Hannover und
Sachjen, berufen werden. Ueber diesen Vor-
schlag wird im Moment zwischen Wien und
Gastcin unterhandelt.

Bei ven in Jtalien Dtatt gehabten Wahlen
der Gcmeinde- und Provinzialrälhe jhaben*die
gemäßigten Jdecn gcsiegt, und man bcmcrkt
zugleich, daß in den großcn Städten fast gar
keine Wahlenthaltnngen vorkamcn. Die poli-
tischc Gleichgiltigkeit srüherer Zeiten, die immer
die wirksamste Stütze schtcchler Negierungen
war, hat einer intelligentcn Nührigkeit und
einem aufgektärten Eiser sür die öffentlichen
Jnteressen Platz gemacht.

Das Königreich Jtalien umfaßt nach der
neuesten allgcmeinen Volkszählung cine Bcvöl-
kerung von 21,777,334 Vcelen. Es ist daher
nach der Einwohnerzahl die fünfte Macht Eu-
ropas und der spanischen Monarchie überlegen,
obgleich deren Flächeninhalt ein zweimal so
ausgedehnter ist. Das gauz vereinigte Jtalien
würde 27 Millionen zählen.

Schützen und der gesammte Gemeinderath Theil
nahmen, begann um 2 Uhr und flossen die Stun-

Oberbürgermeister Schmidt auf Seine Königliche
Hoheit den Großherzog Frtedrich. Er resumirtc
dabei den Gang des Schützenwesens in der neuesten
Zrit, wie seit dem erstcn deutschen Bundesschießen
1862 in Frankfurt a. M., zu dem vie Schützen
aus allen deutschen Gauen gekommen waren und
das Jnteresse an dem Sckützenwesen und deffen
Wichtigkcit docnmentirt hatlen, in Offenburg daS
eiste badiscke KreiSschießen, dann in Mannheim
daS erste badische Landcsschicßen gefeiert worden
seien, diesem letztern habe ein edler deutscher Fürst
angewohnt, der bei Allem zeige, wie sein Herz
für alleS Gute warm schlage, er brauche diesen
Mann nickt zu nennen, sein Name sei Zedem in'S
Herz gegrabcn, der Geist Karl FriedrichS umwehe
densclben und in diesem Geifte wollten auch wir
unS die Hände reichcn. Er berührte bairn das ^
heutige Fest und sagte, Pforzheim wolle. seinen
lieben Gästen den Aufenthalt so angenehm al-
möglich machen, wir kommen Zhnen entgegen mit
eiuem Herze», welches süe Fürfl und unsere Mit-
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