Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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vo» Hannovcr verliehme Großkrcuz deS königl.
Guclphenordcn« anznnehme» und zn tragcn.
Die giciche Erlaubniß erhielten dcr großherz.
Banrath a. D. Dr. C. Baader in Freidurg in
Betreff des ihm von Sr. Heiligkeit dcm Papste
vcrliehcnen NitterkreuzeS deS päpstl. Gregorius-
ordenS, Prof. Dr. Karl Rvder zu Heidrlberg
fnr daS ihm vvn Sr. Maj. dem König dcr
Nicderlandc verlichenc Nitterkrcuz deS Nieder-
ländischen LöwenordenS und Baurath Profcssor
«ternberg an der polytechnischcn Schule dahier
für den ihm von Sr. Maj. dem König vou
Preußen vcrliehenc» Kronenorden 4. Klasse.
3) Bekanntmachnng deS großh. Justizministe-
riumS: die Dienstweisung für die Gcrichtsärzte
betreffend.

Arankflirt, 12. Aug. (Ofsiciclle Mitthei-
lung über die BundestagSsitzung vom 11. Ang.)
Zn ihrer hcutigen Sitzung bcschästigte sich dic
Bundcsvcrsammlung mit Berichten der BundeS-
Civilcommission in Holstein über vcrschiedene
administrative Gegcnslände, ingleichen mit wei-
tcrcn Berichten deS GcncralS v. Hake übcr bie
Vorgänge in NendSburg. Sämmtliche Berichte
wurden zur weitcren Behandlung an die ver-
einigten AuSjchüsse gewiescn. Außerdem wur-
den Bcschlüsse gefaßt über Aufhedung dcs auf
den Grund deS BundcSbcschlusses vom 2. Zuni
dS. JS. crlasscncn VcrbotcS der Aussuhr von
Pnlver und MunitionSgegenständen anS den
dcntschen Nord- und Ostscchäsen, serncr über
ein PcnsionSgesuch eincS OffizicrS dcr ehema-
ligen schlcSwig holstcinischcn Armee nnd über
Festungsangclcgenhciten. Eine Regierung cr-
stattcte Anzeigc nber dik Einführung der Zu-
satzbcstimmnngen zu der allgeineinen dent-
schen Wechselordnnng und endlich kamen noch.
Vorlagen über dic BundeSfinanzen und mehrere
Eingabcn von Privatpersoncn zur Erörterung.

Äirininqen, 9. Aug. Der Minister von
Krosigk hat scit gestern jeine Entlassung er-
haltcn und ist zur Disposition gestellt worden,
ein Ereigniß, das faft allgemcine Freuoe er-
rcgte. Herr von Krosigk war als preußischer
RegicrungSbeamter und Angehöriger der je^-
daten Partci hierher vcrschricben wordcn, er
hat eS aber nicht vcrstandcn, sich die Ancrken-
nung, sci eS deS HerzogS, sei eS deS Landes,
zu erwcrben; cr hat sich nicht die Mühe ge-
gebcn, dic Verhältnisse scineS neuen Baterlan-
dcS gcnaner zu studircn, und mit der Gestn-
nuiigStüchtigkcit cincs Junkers allein ist eS doch
nicht gcthan.

Lcipzig, 7. Ang. Ein hicsiges Blatt bringt
die Rachrichk auS Dresdcn, daß Hr. v. Beust
bestinimt erklart habe: cr werde daS ihm zu-
gcdachte nationale Ehrengeschenk nicht anneh-
nicn, da er nicht gern Hrn. Schulze-Dclitzjch
nachjtchcn möchte. Viclleicht nivchte diesc Nach-
richt geeignet sein, dic Veranstaltcr der Samm-
lung für daS in Aussicht genommene Rittergut
auS ciner Vcrlegenheit zu befreien; denn es
wird versichert, daß die Subscriptionen im wei-
terii Vcrlaus hinter allen Erwartungen zurück-
geblicben scien.

Bertin, 10. Aug. Zn Lauenburg (Pom-
mcrn) lebt ein armet, arbeitSunfähiger Vcteran,
dcr die Fcldzüge von 1813 — 15 mitgckämpst,

in England vicl von sich reden machcn. Jn cinem
Vorfallc, dcr fich am vortgcn Donncrstagc, dcn i
4. v. M., zwischcn Lonvon und Prtcrborougb in
cincm Eiscnbahn-Coupe zugctragcn hat, habcn wir j
etnc ncuc Illustration der Gcfahrcn des Eiscnbahn-
wcscns in Englanb und der Nothwendigkett, jencS
bciuahc pcnnshlvanische Abspcrriings-Shstliu ab-
zuschaffen, welches dcn Verkchr zwischcn bcn ein-
zclncn WaggonS cincs Zugcs vcrbindert. Am Mor-
gcn dcS bcsagtcn DonncrstagS sticgcn in dcm von
London nach Edtnburg fahrendcn Zuge vicr Rel-
fende in cin Loupc z. Etaffc. Zu ihncn gcsellte
ffch als fünftcr ctn anschcinend in brtrunkcncm
Zustandc bcfindlichcr Matrosc. Kaum hatte fich
der Zug in Bcwcgung gcsctzt, ats dcr Matrose schr
unriihig wurde, bchauptctc, man habc thm s-in
Gcld gcstohlen, zum Wagcn hlnauSzuspringen
suchtc, woran er nur mit großer Mühc vcrhindert
rvurdc und dann fürchtcrtich zu t-bcn und nach
aücli Sriten um sich zu schlagcn anfing. Sclnen
vter R isegesährten gelang rs, ka bcr Kcrl srhr
stark war, nur nach großen Anstrenguiigcn und
dadurch, daß sir thm die Händc mit rlncm Rieincn
auf dcm Rückcn zusanimruschnürten und lhm dic

ailch Verwnndungen erhalten hat, aber mit
seincr Jnvalidenpenston nicht auskommen kann.
Er wandtc sich deßhaib an sein Conimando mit
der Bitte um Erböhung sciner Pension oder
Ausnahme in ein Jnvalidenhans. Jn dem Be-
scheidc heißt eS, nach Abweisung deS Gesuch»
um PenstonScrhöhung, wörtlich: „Was Jhre
sernere BiNe nin Aufiiahme in ein Jnvaliden-
hauS anbetrifft, so bcdauert daS Bataillon,
Jhnen hiermit eröffnen zn müssen, daß ein
derartiges Gesuch dießseits nicht bcfürwortet
werden kann. Nach den eingczogenen Ermitt-
lungen besitzen Sic nicht den pairiotischcn Sinn
cines preußischcn alten KriegerS; Sic haben,
obgleich gewarnt, dennoch wicderhoil bci den
Wahlcn mit der demokratischcn Partei gcgen
die Regierung JhrcS Kriegsherrn gestimmt und
dadurch bewiesen, daß Zhr Umgang für die
andcren Kameradcn in dcn JnvalidenhLusern
kein cmpfehlcnswcrther, vielmehr nur cin nach-
theiliger i,n Allcrhöchstcn Jntercsse Sr. Maj.
deS KönigS und Vaterlandes scin würde. Fer-
neie Gejuche Jhrerjeits wird daS Bataillon,
mit Porto belcgt, uiibcantwortet zurücksenden.
Graudenz, den 11. Zuli 1864. Der Major
und BatailloiiScoininandcur Zanke."

Berlin, II. Aug. Ueber den Tvd Moll's,
durch welchen zur Zcit der Brief des Finauz-
ministerS v. d. Heydt an oen Kriesmiiiister v.
Rvon (über dic Armceorganisation uno daS
Militärbndget) der hicsigc» Presse bekannt
wurde, und dcr aus diese Weife inöirect den
Anlaß zum Rücktrilte v. d. Hcydt'S gab, wird
ber „Rheinischen Zeitung" von hier FolgendeS
berichte!; Am vorigen Mitlwoch starb unter
besonderen Uinständen der ehemalige Bcainte
im KricgSmiiiistcriuin, Moll, der wegen der
Mitlheilung des BriefeS von Hrn. v. d. Heydt
an Hrn. v. Roon entiassen wnrde. Die Fort-
schriltSpartci nahm sich jciner LN, und er erhielt
die stelle deS GeschäftSführerS und verantwort-
lichen HeranSgcders dcr liberalcn Correspondenz.
Als jvicher wurde er wegen eincs Artikels zu
ciuer Gejängnißhast vvn sechs Wochen verur-
thcilt. Ats cr sich zu dieser stellen Iiiußtc, fühlte
er sich krauk und brachte mehrere Zeugnisse von
Aerzten darüber bei, daß ihm die Hast zur Zeit
schädlich jein könne. Darauf wurde jedoch keinc
Nücksicht genommcn. Er mußle scine Haft Ende
Zuni antretcn und wurde in der L>tadt«oigtei
schr strenge bchandelt; er bekam z. B. seine
Frau nicht zu sprechen. Er fühlte sich wieder-
holt unwohl nnd verlangte nach dcr Charits
gcbracht zu wcrden. Der Arzt der Stadwoigtei
erklärte jcboch, dazu sci sein Zustand nicht an-
gethan, er möge nur recht vici cssen und gut
lebcn, dann wcrde er stch erholen. So mußte
Moll sich hiiiquälen, biS seine Zeit oorüber
war. Als scine Frau ihn am oorigcn Dicnstag
abholtc, mußte cr in ohnmächtigem Zustande
in die Droschke getragen ivcrden und gelangte
in seiner Wohnuiig kaum mehr zur Besinnung.
Der herbcigehvlte Arzt erklärte seinen Zustand
sofort für lebensgesährlich. Kurze Zeit kam
Moll zum Bewußtsein und theilte mit, waö er
in dcr Stadtvoigtei ersahrcn hatte, und daß er
ohne Lrztliche Pflege gebliebcn sei. Am Milt-
woch starb er. Der Fall war der Art, daß eine

Füßc mit thren Taschcntütcni jusammcubanden,
unsckädüch zu machcn. Auch so war noch immcr
dic Grfahr vorhandcn, daß der Rcisende, von dem
sriu, Mitrciscudeu glaubtcn, daß er an cincm
Ansalle vou ckvllriam tremeus leide, losbrcchcn
wcrvc. Man rief dahcr, so laut man rufcn konnte,
nach dcm Schaffncr, wtuktr mit dcn Taschcntüchern,
gab allc möglichcn Zcichcn und vcrkangte, baß der
Zug haltc. Zn dcu Nachbarwagrn grschah daS
Glcicke, dcnn dcr Höllcnlärm war ntckt unbcmrrkt
gcbltrbcn, und Weibcr und Kindrr bcgannrn schon
vor Angst zu hrnlrn. Kcin Schaffner abcr ließ
fich blickrn, und der Zug branstr unaufhaltsam bi«
nach Pltcrborongh sort, Prtcrborongh li-gt achtztg
inglischc M-Ilcn von Londvn cntfcrnt, rine Zwi-
schlnstation gtbt c« nicht, und die Fahrt daucrt
zwci Slundcn. Ei» schönc« Vccgnügcn, zwci Slun-
dcn lang mit cincm todsüchtigen Vcrrückicn i»
eincm Loupc zusammcnzusitzcn! AlS man tn Pc-
tcrborough ankam, ward drr Tollc von scincn
Bandcn bcfrcil imd der Obhut drr Poltzri über-
gcben, nachdem cr vorhcr noch setnen Mitreisendcn,
dic mit Angabc ihrcr Namcn nlcht zurückhirlten,
zu wiedcrholtcn Malcn auf'S hcstigstc vorglworfcn

Obdukiivn nöthig schien, und auS dirser ergad
sich, daß die Lnngeii angegriffen waren, uno
dieS seinen Tod vernrsacht hat. Ehe er in'S
Gesängniß ging, yatle er darüber nicht gekiagt,
sondcrii nur über Magenleiden, und cS dürfie
anzunehmen sein, daß diese Krankheit erst im
Gesängniß entftandeid und ihm den Tod gcbracht
hat. Wir wollen wünjchcn, daß dieser Fall Ver-
anlassnng zu eincr bcsscren Behandlnng der Ge-
sangenen in dcr Stabtvoigtei gebcn und daß
man namenllich auf daS Zeugniß anderer Aerzte
Rücksicht nehmen werde. — Die Hailsordnuug
der Stadwolgtei, deren Urheber Hr. Stieber
sein soll, ist so hart als mögiich. Es fiorirt
darin sogar noch die Prügelstpafe, welche für
DiSciplinarvtrgehen crtheilt werden kann. —
Ucbcr Moll'S Krankheit und die von Virchow
geleitete sorgfältige Obductton wird in den
iiächsten Tagen eiuc geuauere Mitthcilung in
den Zeituugcn erfolgen.

Wien. Wie man dem „Kolosvari Közlöny"
auS dcr Türkei berichtet, sind in Folge der
Wirkjamkeit der Missionire an 20,000 OS-
manli's znm protestantischen Glanben über-
gegangcn.

Wicn, 10. Aug. Die Feier der Kreuz-
einweihung und Kreuzerhöhung für dcn hohen
Thurm am St. L-tcphansdoine wird Montag,
dcn 1.5., VormittagS 11 Uhr, stattfinden, Se.
Majcstät der Kaiser wird dem feierlichen Acte,
welcher von dcm Cardinal Raujcher vorgcnom-
men werden wird, beiwohncn.

Wien, 10. August. Lvchnjelka wurde in
seinem neuen Preßprocesse zu eiiimoiiatlichem,
durch eiiieu Tag Einzeihaft vcrschärftcn Arrejr
und 60 Gulden Cauiionsverlust verurtheiil.

<s ch w e t z.

Zürich, 9. Aug. Die letztcn VergleichS-
vcrjuche mit den noch zurnckgebliebenen Poly-
tcchnikern sind gescheiiert. ES wurden dloß
dte Zurückgebliebenen ihrcS Ehrcnwortcs enc-
buirden, die Vergleichungsanerbiet-n abcr ver-
worscn.

K r a n k r e i ch

P.iris, 11. Aug. Carnot, Garnier-PagcS
und die übrigcn 11 Mitaiigejchnidigten haben
gegen das bekanntc Urtheil erstcr Jnstauz Be-
rufung eingclegt.

C » g l a n v

London, 9. August. Die Hiirrichtunge» in
Warschau ziehcn die Ausmerksamkeit der Blätter
eiucir Augcnblick von Dänemark ab. D-r MLr-
lyrcrlod der fünf Patrioten iu Warschau, jagt
der „'star", ist eiu Ereiguiß von tieser Bedeut-
samkeit sür Europa. Er ist ein Unterpfand da-
sür, daß die polnische Frage noch ihrer Lösung
harrt, baß der Aufstaud stch dereiiist wieder
erhcben wird. Es gibl Leute, dic zuweilen vou
der List und Gewandtheit RnßlandS »itt Be-
wunderung sprcchen. Wann hat eS je seine
Klugheit unterjochteil Racen gegennber bewie-
sen? Es ist ganz anßer Stande, cine einzige
sciner cinzigen nichl-moökowitischen Provinzcn
sür sich zu gewinnen. ES versteht auSzurotlcn,
nicht zu versöhuen. Es vermag ein ganzeS Volk

haltc, daß fic ihm scin Gcld gcstoblcn hättcn.
Aiißirdcm bcrichtm bic ncucsten ciigllschcn Blältcr
vvn dcn gröblichstcn Znsultcn, welchc cincr schutz-
losrn Damc bicscr Tage aus cincr Eisenbahn widcr-
sahrrn sind.

Dcr Kaiscrin Engcnie passirtc diescr Tage in
St. Eloud rin klcincs Abcnteuer. Stc suhr tn eincr
Gondkt auf dcr Skine unb grrieth dabci in eine
Ltnir »on Atschcrnctzcn, bcren Jnhader, Zanhagcl
crstcr Dorte, dic Fürstin mit den ungcwähltcstcn
Ausdrückcn bcwarsen. Dle cinzigc Entschuldigung
für jcne Lcute war, daß sie rbcn die Kaifcrtn ntcht
kanntrn. Engcnien sticgcn die Thräncn in die
Augcn und da« Blut in die Wangcn. WoS war
zu Ibuiis Sic scndctc, a»S Land gcsticgcn, sofort
dcn Bcschädigtcn rcichlichcn Schadcncrfatz zu, und
die Vcrrwigrr hochhcrzigcr Zügc au« dcm Lcbcn
cdlec Fürstcn allcin dürften im Standc scln, dic
Arl und Wcisr würdig darznstrllen, in drr dtc
Miffclhäicr van Scham und Rrnr rrgriffcn «or-
drn, als sie crfnbrcn, «cn fic bclcidigt.
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