Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Mann aufgestrllt und mit diesem Geschäft be-
traut wcrdeiu Der Name deS ManueS joll
iudeflen uicht öffentlich genannt werdcn. Man
scheint denn doch in Freiburg zu ahnen, daß
man mit einer solchcn Agitation eincn Weg
betritt, der einer krchlichcn Oberbehvrde keineS-
«egS wohl ansteht. Durch eine solche Massen-
verbreitung hört der Hirtcnbrief auf, ein kirch-
lich-ossiciclleS Schriftstück zu sein; cr wird zu
einem Flugblatt gestempelt, daS nach seinem
Jnhalt wie nach der Form seiner Verbreitung
den Bestimmungen uusercs Preßgesetzes und
deS Strasgesetzbuchs verfällt. Wir sind cin auf-
richtiger Freund jedcr anständigen Freiheit, und
wissen wohl, daß man um dieser willen man-
cheS Ungehörigc und Unverständigc mit in den
Kauf nehmcn muß. Wenn aber eine kirchliche
Bchörde die der gejctzlichen Orvnung deS StaatS
gebührende Rücksicht so sehr vergißt, daß sic aus
ihrer eigenthümlichen Stellung heraustrilt, um
mittelst privater Verbreituug eineS FlugblatteS
die Autorität der StaatSrcgierung und der
StaatSgesetzc dnrch offenkundige Entstellungen
zu untergraben und dadurch wenigstcnS schwache
Gemüther zu beunruhigen, so dürfte es wohl
an dcr Zeit sein, die Gesetze zu handhabcn, um
Unkundigc vor Beirrung zu schützen.

Man schreibt der N. Frkf. Ztg. von Wien:
„Gewiß ist, daß BiSmarck'S Ziele auf die Main-
linie gerichtet stnd: er ist unzweifelhast sehr
gcrn bereit, den südlich von dieser Linie befind-
lichcn Theil von Deutschland dem österreichischcn
Einfluß freizugeben, so zwar, daß er auch anf
die Mitbesetzung »on Rastatt zu verzichten sich
bercits erboten hat, falls ihn Oesterreich nur
im deutschen Norden und Nordweften ungc-
hindert schalten und walten läßt. Dem ent-
sprechend wird er keinen Widerspruch erheben,
ja es viclmehr wünschenSwerth finden, daß
Oesterrcich mit den süddeutschcn Staaten einen
besonderen Zollbund bildc, und erklärt, er ver-
zichte am liebstcn ganz auf den Eintritt Bayerns,
WürttembergS und BadenS in den Zollverein.
Aber alle diese Jnsinnationen und Anträgc sind
hier aus die entschiedenste Ablehnung gestoßen."

Darmstadt, 18. Aug. Die „Hcss.Ldsztg."
schließt eincn Aufsatz: „Die Jesuiten vor dem
Richterstuhl dcS Papstes und nach ihren eigenen
Lehren" mit folgenden Fragen an daS „Mainzcr
Zoumal": 1) Wie kann ein in solcher Weise
vom Papst verworfener, verurtheilker und vcr-
botener Orden eine Einrichtung der katholischen
Kirche sein? 2) Wie kann ein gutcr Katholik
einen vom Oberhanpt der Kirche als schädlich
und stttenvcrderblich auf ewige Zeiten aufge-
hobenen Orden, welchen alle katholischen Staa-
ten seiner Zeit austrieben, loben und preisen
oder auch nur vcrtheidigen? 3) Warum star-
ben alle drei gegen die Jesuiten vorgehenden
PLpste eineS unerwarteten TodeS und wie kam
"ClemenS XIV. zu der Andeutung, daß seine
Vorgänger vergiftet seien und er vergiftet wer-
den würde? 4) Erregen die Jesuiten nicht jetzt
wie früher durch die nämlichen Laster und
Fehler, welche vor etwa 90 Zahren ihre Auf-
hebung veranlaßten, wiederum den nämlichen
Scandal und Unfrieden ? 5) Muß nicht jeder
chrliche Deutschc ohne Unterschied der Confes-

Der große Srand in Limoges.

Eine schrecklichc FeuerSdrnnst hat die Stadt Li-
mogeS in dem Departement des Haute Vienne
(ehemalige Hauptstadt des Limoufin, fic hat bl,00i)
Linwohner) hcimgefucht. Dieselbe brach am 15. Au-
gust, AbcndS g llhr, anS, im Augenblicke, wo da«
Fcuerwerl, wclchcS znr Verhcrrlichung deS Rapo-
lconStageS abgebrannt werdcn sollte, dte ganzc
Bevölkernng dorthin gezogen hatte. Am 18., Mor-
genS um 8 llhr, waren dcreit« IM bis 150 Häuser
eine Bent« der Flammcn geworden; daS Fcucr war
nur noch 150 Fuß von d-r Präfcctnr cntfernt, die
ma» nur durch dic größten Anstrengungcn und
durch das Niederrcißen eintgcr Häufer ficherstellen
lonntc. llm 3 llhr Rachmittags wurde man erst
Hcrr deS FeuerS. Hülfe war von Perigcur, lLha-
t-aurour, BourgeS und von Argenton verlangt
worden. Die Spritzcn au« der näheren Umgebung
warc» sofort herbeigeetlt. Wie man vernimmt, ift
Niemand umgelommen, nur wurven einigc Per-
soncn, jedoch nicht erhcblich verwundet. DaS Fcuer
war in einem der vollreichstcn Viertel dcr Stadt '

ston biese religiösen Störenfriede auSgetrieben
und über die Grenze gejagt wünschen?

Mainz, 17. August. Heute ist der sechste
allgemcinc Vereinstag dcr dcutschen Genossen-
schaften geschlossen worden. Derselbe legte nicht
nur durch unwiderlegbare progressive Zahlen-
verhältnisse Zeugiß ab von den stets tiefer in
das Volksbewußtsein eindringenden Wahrheiten,
auf dcreu sichcren Fundamenten das Genossen-
schaftswesen beruht, sondcrn eS muß auch der
mehrtägige geistige Derkehr einer größeren An-
zahl entschiedener Männer aus dcn verschieden-
sten Theilen von Deutschland als eine, für die
größtmöglichste Verbreitung als richtig erkannter
Anschauungen über gemeinsame Jntercssen und
hiermit in Vcrbindung stehende Fragcn hoch-
«ichtige Erscheinung bcgrüßt «erden. Der be-
deutsamste Bcschluß des VereinStageS war wohl
derjenige, wclchcr auf die Gründung einer cen-
tralen Genossenschaftsbank zu Berlin mit einem
auf vorläufig 250,000 Thlr. festgesetzten Grund-
kapital gerichtet war. DiejeS Kapital soll in
Actien ä 200 Thlr. von den Mitgliedern deut-
scher Genoflenschaften aufgebracht werden. Die
wichtigste Erscheinung anf dem Vercinstagc war
der anjpruchslose Mann, «elchem das Genossen-
schaftSwesen scine jctzigc großartige Gestaltung
verdankt. Wie tief nnd mächtig wirkt die Be-
redtsamkeit von Schulze-Delitzsch! Seine
längcrc Anwescnheit in Süddeutschland wird
den von ihm vcrtretenen Wahrheiten neue
Siege verschaffcn. (Frkf. I.)

Kaffel, 19. Aug., Abcnds. Stadtrath und
Bürgerausschuß haben den Oberpostmeister Ne-
belthau einstimmig auf 20 Jahre zum Ober-
bürgermeister der Residenz gewihlt.

St. Goarsbausen, 19. Aug. Dcr AmtS-
affefsor Brück dahier, welchcr sich bei der letzten
Wahl des Abgeordneten zur Ständeverjamm-
lung seiner Stimme enthalten hatte und deß-
halb nach einer Strafstelle auf den Westerwald
dirigirt werden sollte, hat seinen Austritt auS
dem StaatSdienst angezeigt.

Müiichen, 15. Aug. Das AppcllationS-
gericht von Oberbayern erkannte bezüglich einer
Anklage auf Majestätsbeleidigung, begangen
an dcm verstorbenen König Mar dadurch, daß
die Nachricht von seineni Tode mit einer un-
ziemlichen Aeußernng aufgenommen wurde, im
Gcgcnsatz zur crsten Znstanz auf Freisprechung,
weil mit dem Tode dic Majestät erlösche und
cin besonderer Antrag der nächsten Angehörigen
auf Bestrafung (Art. 265 des Strafgejetzbuchs)
nicht vorliege. (N. C.)

Wien, 20. Aug. Der König von Preußen
ist kurz nach 6 Udr im Bahnhof von Penzing
im besten Wohlscin eingetroffen, und wurde
vom Kaijer Franz Zoseph am Perron empfan-
gen. Der Kaiser trug preußische Unisorm, der
König dic Uniform seineS österreichischcn Regi-
ments. Der König inspicirte die aufgcstellte
Ehrencompagnie dicses RegimentS, worauf die
Majestiten nach Schönbrunn suhren, von der
zahlreich vcrsammclten Volksmengc mit lebhaftcn
Hochrufen begrüßt.

F r a nkr e » ch

Paris, 17. Aug. ES gehen übcr die große

ausgebrochen und hatte fich mit ctner svlchenSchnel-
ligleit verbrcitet, daß cs jeden Augenbltck llntcr-
gang der ganzen Stadt bcfürchtcn ließ. Die Be-
hörden der Stadt nnd auch der Bischof suchte sogar
die FencrSbrunft mit gcistigen Waffen zu beliimpfen
nnd proiesfiontrte mit seiner Geistlichkeit. Bctm
Abgaug dcr lctzten Nachrichten war man wohl Herr
deS FeuerS, es branntc aber tmmcr noch fort, und
man hatte, besonderS währcnd der letzten Nacht,
grvßartige Vorfichtsmaßregcln getroffen. Hundcrte
von Personen sind natürlich ohne Obdach. Dc»
Kaiser und die Minister habcn sosort dte nöthigen
HilsSmittel zur Versügung des Präfeitcn gestellt.
Jn LimogeS sclbst ist etne Subscription iröffnet
worden, in PartS ebensalls, dic „France" hat da-
mit den Ansang g-macht. Der Kaiser wollte zuerst
nach LimogeS etlen, die Ankunft des KönigS von
Spanien verhinderte ihn aber daran. BiS jetzt
hat man nur de» Bertcht etneS in LimogeS am
18. -rschiencnen BlatteS, d-n ich im Nachstehenden
mittheile: Sin schrecklicheS Nnglück, deffen Trag-
weite fich noch nicht berechnc» läßt, verhcert im
Augeublicke, wo wtr fchrciben, die Stadt LimogeS.
Line FiuerSbrunst, die g-stern Abend in der Rne

FeuerSbruust, welche in LimvgeS stattgefunden,
nähere Nachrichten ein, wclche »on 200 Häu-
sern sprechen, die den Flammen zum Raube
gewvrden sind. Die „Prcsse" spricht von einem
Verluste »on 4 bis 5 Millionen. Der Mini-
ster des Znnern hat den nöthigen Credit eröff-
net, um für dic dringendsten Bedürfnisse der
Abgebrannten zu sorgen.

Paris, 19. Aug. Trotz eines leichten Re-
genS war die Revue prachtvoll. Es war eine
große VolkSmenge anf dem MarSfeide und dem
Wege des Kaisers und des Königs von Spa-
nien versammelt.

Paris, 19. Aug. AuS Rom wird gemel-
det: Der Papst wird Mitte Scptember zurück-
kehren; seine Gesundheit hat sich gebessert.

Paris, 20. August, AbendS. Die Prin-
zessin Czartoriska, Tvchter der Königin Chri-
stine, ist gestorben. Nichts desto wcniger wird
daS Fest von Versailles stattfinden. Der König
von Spanien wird morgen Abend abreisen.

E » g l a ii d

Dublin, 18. Aug. Zn der verflossenen
Nacht traf einc Depcsche von Belfnst hier ein,
welche die Nachricht von einem entschiedcnen
Sieg der Orangemänner und der augenblick-
lichcn Herstellung dcr Ruhe brachte. Nachdem
die Schisfszimmerlcute die Epcesse am Dubliner
Bahnhof »erübt hatten, zogen sie vereint mit
dem anderen protestantischcn Pöbel dnrch die
Stadt, ihre katholischen Gegner suchend. Jn
dem Hascn fanden sie die Docksarbeitcr und
katholisches Schiffsvolk. Sogleich warfcn ste
sich über diese her und trieben sie in den
Schlamm des Ufers, ja in den Hafen selbst.
Dann eröffueten sie auf die gegen die Wellen
und das Versinken im Schlamm KLmpfenden
ein Gewehrfeuer, durch welches 9 — 10 ver-
wundet und ein Mann getödtet worden sein
sollen. Militär und Polizei zog in starken Ab-
theilungcn durch die Stadt. DaS Schießen
hörte allmahlig auf, und um 30 Minuten
nach Mitternacht herrschte vollkommene Ruhe
in Belfast.

Z ta l i e n

Rom, 9. Aug. Die Mutter dcs geraubten
Zudenknaben Kohen ift gefaugen gesetzt worden.
Ohne Erfolg au alle Thüren klopfend, damit
man ihr ihr Kind wiedergebe, zog sie die Auf-
merksamkcit dcr römischcn Polizei auf sich. Sie
war fast wahnsinnig g-worden, nachdem sie
mehrcre Male täglich sich vom Ghelto nach der
Thür deS Katechumenen gcschlcppt hatte, nm
ihren Sohn wiederzusehen, ader immer ohnc
Ersolg. — Msgr. Merodc ist ernstlich crkrankt
(Patric.)

A m e r i k a.

Neuyork, 30. Juli. Die Steuer auf
Streichhölzer ist so bedeutend, daß ökonomische
Leute bald wieder zu Feuerstahl und Zunder
ihre Zustucht nehmen dürften. Dem neuen
Steuergesetz zufolge mußjedesBüchschen Streich-
hölzer mit einem Stempel versehen sein, dessen
Belrag sich nach der Anzahl der Hölzchen rich-
let, die es enthält. Der entsprechende Stempel

des Arenes beim Hutmacher Crouce gerade zu der
Stunde auSbrach, wo man daS Feuerwerk auf dem
Julifelde abbrannte, hat dte ganze Häusermasse
ergriffen, welche zwischen der Rue deS AreneS,
dem Platze de la Mothe, dem Boulevard St. Ca-
therine und dem Aene-Platze ltegt. Man spricht
von wenigstenS 150 Häusern, die vom Feuer er-
griffen find, und ben Schaden an Immobilien,
Möbeln und Waaren berechnet man auf 4—5 Mill.
Fr. Glücklicherweise sind eine gewiffe Anzahl HauS-
cigenthümer nnd Miether versichert. Die städtische
Feuerwehr und die Mannschaft deS EisenbahnhofeS,
die Besatzung und die Bevölkerung bekämpften mit
vereinten Kräften das Fortschreiten deS FeuerS,
aber dasselbe war so heftig, und des WasserS so
wenig vorhanden, daß man während der ganzen
Nacht trotz der größtcn Anstrengungen deffelben
nicht Herr werden konnte. (Schluß f.)

In einem Wiener Gasthof lieSt mun folgende
gedruckte Bitte: „Ieder Gast wird ersucht, mit den
Aufwärterinnen auf der Treppe nicht freundlich zu
sein, weil auf diese Weise zu viel Tafelgeschirr zer-
brochen wird.
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