Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Donnerstag, I September L8«L.

» Auf die „Heidelbertzer
Zeitung" kauu man sich
noch für den Monat
Zeptembcr mit 18 Kreuzern abonniren bei
allen Postanstalten. den Boten und Trägern,
sowie der Erpedition (Schiffgasse Nr. 4).

* Politische llinschaii.

Zm Laufe des Oklobers soll eine Gencraloer-
sammlnng dcs Rational-Vereins wahrscheinlich
zu Eisenach stattfinden.

Es haben sich mehrere Capitalislcn zusam-
mengethan, um ein großes italicnifches Zour-
nal, ähnlich der „Times", zu gründen. Das
GründungScapital soll auf SlXj,000 Liv. sest-
gesetzt sein.

Auch zu Venedig wurden mehrere Berhaf-
tungen vorgenommen, welchc mit den in Süd-
tyrol »orgekommcnen in Verbindung stehen. Die
Griifin Montalban-Cornello, welche soeben eine
14monatliche Gefangenschaft verbüßt hat, soll
aus dem Gefängnisse heraus an dcn FLden zu
der neuen Vcrschwörung gesponnen haben, und
steht ihr nun ein neuer Hochverrathsproceß
bevor. Die „Botzcn. Ztg." meldet, die erste
Nachricht über den beabsichtigten Putsch sei den
öfterreichischcn Behörden von der Turiner Re-
gierung zugekommen. Es wird dies auch von
anderer S-ile bestätigt und scheint, daß man
in Turin zu der Sache kein großes Vertrauen
hatte und vvrzog, die in Tyrol bctheiligten
Anhänger der Sache znm Opscr zu bringen,
um sich nicht zu compromittiren.

Verschiedcne englische Blätter äußern die Be-
sorgniß, aus einer Vermählung des Kronprin-
zen von Jtalien mit der Prinzessin Anna Mu-
rat würdcn Kriegsgefahren für Oesterreich ent-
stehen. Für's Erste haltcn wir jedoch diese
Heirath keineSwegs sür ansgemacht. Der Name
Murat bedcntet in Jtalien viel zn wcnig, als
daß die italienische Politik auf cin solches Pro-
jekt großes Gewicht legen kvnntc.

Nach dem Reapolitanischen Blattc „Nomadc"
haben die Franzosen auf der päpstlichen Grenze
die bciden Bandcnsührer Curumale und Gar-
gone festgenonnnen. Ein anderer Bandenführer,
Totaro, ist im Kampse mit italienischen Trup-
pen verwundct worden. Dennoch hat das Bri-
gantaggio noch keineswegs aufgehört.

Ziir Schleslvig-Holstein'scheN
Gache.

Wyek auf Föhr, 22. Augufi. Gcstern
traf Prinz Friedrich Karl hier ein und wurde

von Männeru und Frauen oer Jnsel mit Be-
gcisterung -mpfangen. Die Ivegen ihrer schön-
heit berühmten Fvhrerinnen hattcn chre Natio-
naltracht angelegt und wetteiferten mit den
Mannern, den Befreier ihrer Heimath durch
Händcklatschen und Willkommenruse zu be-
grüßen. Abends wurde dcm Prinzen ein Fackel-
zug gebracht; die Musik der steierischen Zäger
spielte lustige Märsche, und der kleinc Ort,
der noch vor Kurzcm untcr Hamincrs Regi-
ment senszte, war bis in die spätcste Nacht
Zeuge der ausgelaffensten und herzlichsten
Frende. Bei einem imprvvisirten Balle, an
welchem österreichische und preußische Marine-
soldatcn, friesische Seefahrer und steierische
Ziger Theil nahmcn, wurde cin Hoch auf die
deutsche Flotte ansgebracht. Der Redner machtc
darauf aufmerksam, daß noch nie ein Friese
freiwillig auf der dänischen Flvtte gedient habe:
„Wenn aber Zhre Majestäten der Kaiscr von
Oestcrreich oder der König von Preußen uns
rufen, dann kommen wir Alle — Alle bis auf
den letzten Mann und tragen unsere Schuld
ab" — sagte er — „und dcßwegen Hurrah
für PreußenS und Oesterreichs Flotten I Hurrah
sür Prinz Friedrich Kärl!"

Hamburg, 28. August. Dcr schlcswig-
holsteinische Vcrein zu Oldesloc hat in seiner
letzten Generalversammlnng mehrerc gegen das
Jnterim gerichtete und auf die eheste Einsetzung
Herzogs Friedrich VIII. abzielendc Resolutionen
gefaßt, daruntcr den benierkcnswcrthen Aus-
spruch: „Der Hohn, mit welchem vfficiöse aus-
wärtige Blätter unsere Gcsinnung und unser
Recht überschütten, kann bei dcr erprobten
Standhaftigkcit des schleswig - holsteinischen
Bolkes nur allein den Einfluß aus uns habcn,
daß er dic Dankbarkeit, die wir für unscre Be-
freier empfinden, trübt."

Kiel, 29. Angust, 3V- Uhr NachmittagS.
Eben ist daS preußische Geschwader, bestehcnd
auS der „Grillc", der „Nymphe", der „Vineta",
dcr „Arcona" und vier Känonenbooten, hier
eingelaufen und gcgenüber dem Schloßgarten
vor Anker gegangen.

Altona, 30. August. Ein Wiener Tele-
gramm des „Altonacr Mcrkur" bestätigt meine
frühcre, vielfach unberechtigt demenlirtc Mit-
theilung. Dasselbe lautet: Laut „Wicncr Abend-
post" vom 29. d. ist Schccl-Plcsscn zur Aus-
einandersetzung der Finanzverhältniffe zu dcn
Friedcnsconfercnzen gezogen worden, und wäre
zu wünschen, daß diesc ehrenvollc Berufung
den Herrn Baron vor Parteiangriffen schützen
sollte. Das preußische Cabinct hat die von
Oesterreich prvponirte Bcrufnng Reinckes

nach Wien nicht acceptirt. Die Mißtrauens-
voten schlcswig-holsteinischer Corporationen ge-
gen Scheel mehren sich tagtäglich.

Deutschland.

Karlsruhe, 22. August. Nach einer der
großh. Regiernng zngekommenen Mittheilung
wird demnächst cine Ausstellung religiöser Kunst-
gegenstände in Mecheln (Belgien) stattfinden.

Um den deutschen Künstlern die Bctheiligung
an dieser Ausstellung zu erleichtern, hat daS
königl. preußische Finanzministerium für die-
jenigen Gegenstände, welche znr MuSstellung
gesandt werden, beim Wiedereingang die Zvll-
sreiheit zugcstanden. Die Betheiligten haben
zu dem Ende die zu versendenden Gegenstände
dem Hauptamt deS Versendungsorts vorzu-
führen, wclches dieselben auf Grund specieller
Revision und Verzeichnung und, soweit thun-
lich, unter Anlegung eines Bleies oder Siegels
zum Ausgang absertigt. Dcr Wiedereingang
muß über dasselbe Hauptamt ersolgen.

Gleiche Anordnung ist von Seitcn des gr.
badischen Finanzministeriums ergangen.

(Kärlsr. Ztg.)

Liada», 28. Aug. Man schreibt der „Allg.
Ztg.": Diescn Mittag uni 11 Uhr traf mittelst
ExtradampfbootS, von Mainau kommend, der
Großhcrzog von Baden mit dcr Großhcrzögin
und dem Erbgroßherzog hier ein, um den könig-
lichen Vater zu crwarten. Der Kvnig von
Preußen langte um halb 12 Uhr mil Extrazug
von Kempten hier an, wurde vvn den vben
gcnannten hohen Herrschasten am Bahnhof em-
pfangen und nach dem Boot geleitet, mit wel-
chem derfelbe nach kurzcm Aufenthalt dic Fahrt
nach Mainau fortsetzte. Der König, sichtlich
gekräftlgt dnrch die vorhergegangenc Badekur,
empfing seinc Verwandtcn in heiterster Stim-
muug, und zeigte überhaupt grvße Freund-
lichkeit.

Berlin, 27. Aug. Der Neuen Preuß. Ztg.
werdcn aus Wicn die Münchener Punktativncn
mitgetheilt, welche von Bayern, Württemberg,
Darmstadt und Nassau ausgestellt, von Oefter-
reich angenommen und Namens jener Regie-
rungcn in Berlin mittelst dcr Depcsche vom
29. v. M. überreicht waren. Aus die Forde-
rung der gegcnwärtigen Zolleinigung hat Oester-
reich vorläufig verzichtet, cS hält dagegen das
Princip dcs Februar-Vertrages, gegenseitige
Begünstigung durch Differentialzöllc, sest und
verlangt die «eitere vertragSmäßige Feststellung
derselben. Nun ist aber eine besonderc Bcvor-
zugung Oesterreichs mit Ausschluß anderer

Die crstc babische LanLcs-Fcuerwchr-
Versammlung.
lKortsetzimg.)

Obgleich daS Programm der TageSordmmg eincr
Besprechung gemelnnützlgcr tcchntscher Fragcn be-
züglich des FcuerlöschwesenS, welcheS doch sicherllch
oiel Stoff hiezu bl-tet, Raum glbt, hatte ffch
sonderbarer Dlngc dennoch Niemand zur Erstat-
tung elnes Berlchtes oder zu einem derartigcn Vor-
tragc früher angemeldet. Erst auf V-ranlaffnng
d-S Herrn Ltthographen H-ilig von KarlSrnhc,
welcher mlt Recht auf die Zweckmäßigteit drr Er-
örternng solcher praktlscher Fragen bei diesen Zu-
sanimeiikünften Hlnwi-S, berlchtete der Comman-
dant der Uliner Feuerwehr, Herr MaglriiS, übcr
scine achtz-hnsährigen Ersahrungen bei verschicbe-
nen Löschmethodcn mit chcmischen Stoffen, mit
sog. Löschvulvcr und den sog. Bucher'schcn Lösch.
dofen, deren vorzüglichster Bestandtheil Schwefel
sci; der letzterc erhalt, zvm Zweck eineS rafcheren
VerbrennungSpro-ess-S Znsätzc von Salpcter nnd
Kvhle; nur miiffe man bei d-r lelcht zu biwerk-

stelllgenden blllig-n Selbstansertigung deS LSsch-
pulverS, — dle Zusammensetzung jener für den
nllgrmeinrrn Gebrauch allzu kostspteiiger Löschd-fen
tst zur Z-it noch etn Fabrikgeheimnlß — stch vvr d-m
b-kannten Mischungsverhältnlffe fraglicher Stvffe
bewahren, in wclchem ste das rasch verpuffcnde
Schicßpulver bildcn; die praktlsche Anwcndung
dieser chemischen Löschmittel, deren schr starkc GaS°
entwicklung (zumelst schweselig, Säure) in bewohn-
ten Raumen lebensgefährlich werdcn könnte, sel
am b-stcn nur b-i Kamln- nnd -twa Magazin-
Bränden nngczelgt. Herr Dölling stcllte nvch die
Behauptung auf, daß Kaminfeger und Ptftolcn-
schüffe die ält-sten und besten Löschmtttel sür Ka-
minbrände seien, und hlemit schloß dlc Gencral-
versammlnng thre Sitzimg. Untcr dcn Anw-s-nd-n
bemerktc ma» mit Freude den sriihcrn Comman-
danten unserer K-u-rwchr, H-rrn Ob-rschulrath
Profcffor Dr. Frlck.

Man fchritt nnn — um 11>/, Uhr — znr Be-
fichtigung dcr vor der Festhalle auSgestelltcn F-uer-
wchrg-rälhfchaft-n. Die Geginstände warcn u. A.:
Mrhrere Fahrfcli-rsprltzen, dreirädrige nnd zlbci-
rädrige und Handfenerlprltzen, schön nnd svlid !n

H«lj nnd Metall g-arb-ttet vvn UniverfitätSmecha-
niknS Linl und Zlnngleßcr Kirch; Stelgerleltern,
Dachleitern, Laternen, Bcile, Gurten, Helme nnd
dergl. auSgestcllt von H-rrn Sulgrr >n Kvnstanz;
Hrlme von K-ll-r in Löffingen; Helmbüsch, nnd
Anfsätze, Gurten und d-rgl. «vn Hvfposamentler
L. Veit in KarlSrnhe; verfchiedene Hans-, Segel-
tuch-, Sangt- und Gummi-Snugeschläuche (letztere
mit Spiralen), g-firnißt- Hanseltner und rohe,
znsammcnlegbare von Knr u. Wcbcr i» Halber-
stadt (Prcußen); hanfene SpritzenschlSuch- von Gc-
brüder Burbach in Gotha; sog. KarlSruher Ret-
tungshauben zur Ermöglichung, mtt Ranch nnd
Onalm angefüllte Räumc betreten zu können; ihr
Erfinder, Schneidermeistcr Hetnrich Kühfuß, erhtelt
aus der Londoncr Andnstrteausstcllung einc PretS-
medalllc; znglelch hntte dcrfelbc -in-n sehr großen
RcttungssLlauch nnd ein Sprungtuch auSgestellt;
H-rr Anstrum-ntrnhändl-r Ruckmich nnd Krnncr
Trommeln, Signakbörn-r nnd Pfeifen geliestrt.

Dte auswärligrn Fenerwehrmäntter nahmen alS-
dann ihr MittagSmahl ln den verschledcnen Gaft-
höfen d-r hl-figen Stadt ein. (Fvrts. s.)
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