Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Staaten, also auch Fraukrcichs, nach dem fran-
zöflschen Handelsvcrtrage nichk möglich. Tarij-
Aenderungcn, wieOcsterreich ste wünscht, !ön<
ncn onrch Verhandlungen der Contrahcnten
erzielt werden, aber mehr auch nicht, ausschließ-
liche Degüllstigungen sind unausführbar. Die
Frankfurter Postzeitung warnt in ihren Rum-
mern vom 2d. und 28. d. M. die Mittelstaa-
ten vor Ueberhebung, indcm sie auf die Roth-
wendigkeit einer Verständigung mit den deutschen
Großmächten hinweist. Dic geographische Ge-
lrenntheit der Mitrelstaäten, ihre militärische
Schwache, die Unfähigkeit zur Unterordnnng
und Lhnliche Hindernisse zur Vcrfolgung einer
bcsonderen mittclstaatlicheu Politit werden ein-
gehend erörtert und diefcn lliegiernngen dringend
der Anfchluß an Preußen und Oesterreich an-
gerathen. L ie Bejprechung dieses Gegenstandes
ist unier den odwaltenden Verhällnissen, wo
unser Äönig auch dem baherifchen Königshause
einen Besuch macht, sehr deachtenswerth.

(Köln. Ztg.)

Köln, 28. Augnft. Der KrankhcitSznjtand
des Cardinals und Erzdijchoss Zvh. r. Geisscl
hat sich fo sehr verschlimmcrk, daß seit heute
sür die Diöcese Kirchengebele angeordnet sind.
Gcstern hat der Cardinal gebcichtet und hcute
Morgen communicirt.

Zm letzten Jahre wurden in Zollvereins-
staatcu 888 ErfindungsPatcute erthcilt, darun-
ter 60 Patente, die zuglcich in 3 verschiedenen
deutjche» Staatcu crtheilt si»d. Die meisten
wurden in Sachscn, 178, ertheilt; dann kom-
men Württemberg mit 85, Preußen mit 71,
Hannover 54, Baoen 33 u. j. w. Hesfen-Hom-
burg ist der cinzige deutschc Staat, in wclchcm
1863 kein Pateut ertheilt wurdc und hat stch
dicser sonst ausgezeichuete Staat auch i» dieser
Beziehuug gegenüber den anderu ausgezeichnet.

EVicn, 27. Aug. Nach allen verschieden-
artigen Nachrichtcn fcheint fcstznstehcn, daß aus
den Zufannnenkunsk dcs KönigS vou Preußen
mit dem Kaiscr wcder eine Einigung in holiti-
scher noch handelspolitijchcr Beziehung hcrvor-
gegangen ist. Ebenso dürfte die Friedcnsconsc-
renz mit mancherlei Hakchen noch zu kämhfen
haben, daß sich ihrc Arbciten nicht sehr fördcrn
werden und der ganze Zustand ein höchst un-
erquicklichcr ist, dcr durch den Zudel der offt-
cicllcn und officiöfen Organe übcr die Fürsten-
zufammenkünfte in Wien, München, Baden

и. s. w. nichl verbefsert werden kann. Die
Bevölkerung in Deutschland füllt inzwischcn
geduldig die Zuschauerräume ihres National-
theaters an und blcibt gcduldig . . . trotzdem
die Ausführungen vor und hinter dcn Coulissen
nicht gcradc crbaulich sind.

Dcm Reichsrath, der Mitte Oktober zusam-
mentrctcn soll, werden 5 Gesetzentwürfe vorge-
legt werden, darunter die Entwürfe eines Straf-
gcjetzbucheS, einer Strafproceß- und Concnrs-
ordnung und eine Grundbuchsordnnng.

LLien. Der ehemalige großherz. badische
Ojficier im 1. Lcibinfanterieregiment Robert
Lcist von Heidelberg, seit einigcn Jahren im

к. k. österr. Kriegsheere als Kadet-Feldwcbel
und Fahnenträger Lienend, hat sich auf dcm
Kriegsschauhlatze in Schieswig und Jütland

Der KchlohbranL in Altcnburg.

Für Die, wetche den stolzen Ban dcs Altcnbur-
ger FürstenschlosseS nicht k-nnen, dicne KolgendeS:
„DaS auf etnem mächtige», znm Th-il senkrccht
aus dcm Thale aufstcigenden Porphyrfelfen fich
erhebende Schtoß stammt in skinen Grundmauern
oiellctcht aus dcm II. Zahrhnndert, hat im 17.
Zahrhundert bedentcnde Bergrößerungcn und seine
jetzige Gestatt erhaltcn und tst ohne Zweifel eine
oer fchönften Fnrsten-Residenzen in D-utschland.
Rachdcm der Pleißengan im Zahrc 1134 durch
Kauf an d-n Kaiser Lothar üb-rg-gang-n, wurde
die Stadt Altcnbnrg der Hauptort d-S G-bietcS,
freie Rcichsstavt, und auf dem Schlosse zu Alkcn-
burg nahmcn kaiscrlichc Burggrafen, wclche das
Land regierten, ihren Sitz; neben ihnen, in dcn
beiden andern Flügcln oder iLurien, wohnteu dcr
Landrichter und die Burgmanncn. Die Kaiser aus
dcm schwäbischcn Hause besuchten das Pleißenland
oft. Konrad U1 hielt l iöü Itncn Aürstcntag in
Aitenburg ab, Friedrich I., dcr Rothbart, weilte
mehrmal« dafeldst und belehnte u. A. in dem
Schlosse drn Psalzgrajen o. WittelSbach mit dcm

dnrch mehrfache tapfere Thaten so ausgczeich-
net, daß er souohl von seiucm KriegSherrn,
dem Kaiser von Oesterreich, als auch von dem
Könige von Preußen in kurz auf einander fol-
gender Zeit mit zwei Tapscrkeitsmedaillen de-
corirt worde» ist. (B. L.-Z.)

Fraukre > ch

Paris. Die „Revue des deux Mondes"
constätirt die ringetretene Umgestaltung der
europäischen Lage znm Stachtheile FrankreichS.
1) Frankreich sei nicht bcigezogen worden zur
Regelung von Vcrhältnisicn, durch welche das
Schicksat des europäischen Rordens, der seit
100 Jahren auf FrankreichS Schutz vertraute,
wesentlich berührt wird. 2) Durch die Erhöh-
ung der Machtstcllung PrcnßenS habe die
MachtsteÜung Frankreichs eine Schwächnng
erlitten. 3) Die Verbindnng der 3 östlichen
MLchte, welche von Krankreich im Krimkriege
mit unverhäitnißmäßigen Opsern gejprengt
wurde, sei wicder hergestellt. Alles dies sei
Folgc der thatenlosen franzöjijchen Politik! —
wenn man dcoenkt, daß in Frankreich nichts
gegen den Willen der Regierung gedrnckt wer-
den darf, so kann man die Tragweite des Ar-,
tikels der Pariser Zeitjchrift nicht nnterschätzen.
— Dazu kommt nun die Veröfsenttichung der
Depeschen des dällijchen Gesandten in Paris,
durch welchc die kaijcrliche Politik in dem dcutsch-
dänijchen Slreitc mit dürrcn Wortcn als eine
Politik der Furcht vor dcn 3 Ostmächten und
des Mißtrauens gegen England dargestellt wird.
Rapolcon III. befindct jich in einer Srellung,
in welcher er nicht mehr lange anshalten kann.

PariS, 29. Aug. Der Kaiscr geht erst
niorgcn nach Chalous. — Nach Berichten aus
Tunis vom 21. haben sich vierzehn Stämme
unterworfen, während vicrzig im Aufstand ver-
harren und die Enttassung des Kasnadars ver-
langen.

S ch w e i z.

Bern, 27. August. Die Ruhe ist srcilich
äußerlich in Genf nicht mehr gestörl worden,
aber in dcn Gcmüthern hcrrfcht noch große
Ausregung, und manches harte Wort entsließt
den Lippen und der Feder. Alles kommt jetzt
auf die Führung der Procedur an. Wenn zu-
letzl uur der Glaube an die Gerechtigkeit be-
steht, dann wird sich auch die inncre Nuhe
schon wieder finden. Vorlaufig hat der Bundes-
rath noch ein Bataillon Berner nach Genf ge-
sandt. Ob diese Vorsichtsmaßregel mit Rück-
sicht auf die Stammverschiedenheit und Schwer-
fälligkeit der Berner odcr wegen Rücksichten
nach Außen getroffen wurde, ist ungewiß. Ge-
wiß ist aber, daß sich der französische Gesandte,
Marquis Turgot, sehr eifrig und oft lange nach
den Vorgängen in Gens erkundigt. Ein Schuß
an der Gränze ohne Erlaubniß des Kaisers
abgefeuert, ist sehr gefährlich. So was könnte
in Paris nachgemacht werden, wie 1848. Genf
kümmert sich lange nicht so viel um die Zu-
stände in Frankreich, das wird auch die Feier
des Nationalfestes (im September, Befreiung
Genfs von der französifchen Herrschast) unge-
achtet der Vorfälle vom 22. zeigen. Nur eine

Herzogthume Bayern, Frtedrich II. hielt von 1214
bis 1234 wtederholt Hoflager daselbst, trat aber
1246, als er seine Tochter Margarethe mit Hein-
rich deS Erlauchten, Markgrafen zu Meißen, drei-
jährigen Sohn Albrecht (später der Unartige ge-
nannt), für die der Tochter ausgesetzte Mitgift
von 10,000 Mark Schloß und Stadt Altenburg
nebst dem ganzen übrigen Pleißenlande alS Pfand-
eigenthum ab. Rudolph von Habsburg ließ es sich
ntcht nehmen, über das blos verpfändete Land dte
Oberherrenrechte auszuüben; Adolph von Naffau
that desgleichen, sein Nachfolger Albrecht aber
vermochte sich nicht in den Besitz des Plcißenlandes
zu setzen, und seit 1308, wo Kriedrich der Gebiffene,
Markgraf zu Meißen und Landgraf in Thüringen,
sich der Herrschaft bemächtigte, blieb Altenburg
ununterbrochen im Befitze von Fürsten aus dem
Gesammthause Sachsen. Im Iahre 1455 raubte
der wtlde Kunz von Kauffungen aus dem Schlosse,
wo damals Friedrich der Sanftmüthtge Hof htelt,
dessen brtde Söhne Ernst und Albert, dte nach-
herigen Stammväter der beiden noch jetzt bestehen-
den'Hauptlinien des Hauses Sacksen, der Ernestiner
und der Alberttner, und noch jetzt zeigt man die

kleine Rotte denkt und wirkt für Frankreich.
— Aus Rücksicht auf die erhitzten Gemüther
verlangten die eidgenös. Commisfäre, daß das
nächste Woche abzuhaltende Nationalfchießen
verfchoben werde, was auch geschehen ist.

Bern, 29. Aug. Die eidgen. Commissäre
in Genf haben dem Bundesrath Kenntniß ge-
geben, daß die Untersuchung mit Energie be-
lrieben werde und daß auch bereits einige Ver-
hastungen stattgefunden, John Perrier, Pinard
und Badel. Andere dürfen nachsolgen. Ueber-
haupt kann man versichert sein, daß die Unter-
suchung, wie es nicht anderS sich erwarten laßt,
mit dem der Sache angemessenen Ernst und
mit rücksichtslosem Eifer betrieben werde. Aus
einem Bericht des Hrn. Verrier, Jnspector der
beiden Arsenale, ergibt es sich, daß aus dem
einen (Grand Pre) sechs Kanonen weggenom-
men worden waren und daß gegenwärtig noch
150 Gewehre in jedem Arfenal fehlen. Die
Commissäre haben eine wiederholte Aufforde-
rung zur Rückgabe bis 31. August erlassen,
nnter Androhung nachheriger Strafe.

Dem eidgen. Justiz- und Polizeidepartement
sind Berichte eingegangen, daß aus Oesterreich
1000 bis 1200 und aus Sachsen bei 1000
polnische Flüchtlinge nach der Sckweiz instra-
dirt werden wollen und daß die kleineren Trans-
porte schon heute beginnen sollen. Der Bundes-
rath hat daher beschlossen, bei den Regicrungen
jener Staaten sich zu erkundigen, ob dies wahr
sei, und wenn es sich bestätigen würde, gegen
diese Art der Zuschiebung zu protestiren, die
ein anderer Slaat von Seite der Schweiz auch
nicht dulden würde.

B e l g i e n.

Brüssel, 27. August. Die Abgcordneten-
kammer hat gestern ihr Bnreau gewählt, das
ganz in der alten Weise zusammengesetzt wurde:
Hr. Ernst »an den Pecrebvom mit 61 Stimmen
gcgen 37 und 3 verlorenen Stimmen Präsi-
dent; ÜPoreau, erstcr Viceprästdent rc. Dcr
Finanzininister, Frere Orban, besticg die Tri-
büne und legte einc groste Anzahl von Credit-
sorderungen ans den Tisch des Hauses nieder,
woruntcr die Creditfordernng von 5*/, Mill.
Franken für die Antwerpencr Befcstigung,
Obwohl dieselbe schon vvr längerer Zeit in
AuSsicht gestellt und der Kricgsminister Chazal
sie vorigcs Jahr bereits als wahrscheinltch be-
zcichnet, so wird sie doch nicht ohne scharfe
Lebatte bewilligt werden.

S P a >r i e n

Madrid, 26. August. Der für Mädrid
ernannte Gesandte Mexico's, Hr. Frazio, ist
hier eingetroffen ; er überbringt das Notifica-
tionsschreiben bezüglich der Thronbesteigung des
Kaisers Maximilian.

A m e r i k a.

Neuyork, 18. Aug. Es ist das Gerücht
im Umlaus, es fei den südstaatlichen Oberbe-
fehlshabern in Georgien, General Hood ge-
lungen, Wheeler mit Cavallerie zu verstärken.
Wheeler hat die Uebergabe von Dalton ver-
langt. Dre Unionisten haben mit einer Wei-

Stelle, wo der kühne ReiterSmann auf Strickleitern
in die gefährliche Höhe stieg, um fich an des Kur-
fürsten „Leib und Blut" zu rächen. Friebrich der
Weise, Luther's Gönner und Beschützer, that viel
zur Berschönerung des Schlosses, so baß Spalati-
nus mit Recht sagen konnte, auch ein römischer
Kaiser brauche sich eines solchen HauseS nicht zu
schämen. DamalS wettetferte das Schloß, obwohl
im Styl abwetchend, an äußerer und innerer Pracht
mit jenem zu Meißen, einem Wunder seiner Zeit.
Fast ein Iahrhundert lang wurde nun daS Schloß
zu Altenburg wenig als Refidenz benutzt, von 1603
bis 1673 hielt der Herzog der Altenburger Linie des
ernestinischen Hauses hier Hof, dann blieb es wieder
ohne Hof bis 1826, wo bei der Thetlung, in Folge
des Aussterbens ver gothaischen Linie Altenburg an
den bisherigen Herzog von Hildburghausen fiel.
Seitdem habcn die Herzöge von Sachsen-Altenburg
wieder ununterbrochen hier resivirt. Unter den zahl-
losen Geviachern des weitläufigen Schloffes gibt es
mehrere Prachtsäle, von denen einer, ber soge-
nannte Königssaal, mit zerstort worden ist; der
Thronsaal hat vortreffliche Deckengemälde, der
Kirchensaal zeigt Scenen aus ber sächsischen Ge-
schichte von Lucas Eranach, die Rüstkainmer und
das Antikencabtnet find sehenswerth, die unmittel-
bar an den südlichen Flügel des SchloffeS stoßende
Schloßkirche ist etn wahres Kleinod der anmuthig-
sten Golbik. Nach Olten zu find noch bedeutende
Ueberbleibsel älterer Schloßbauten vorhanben.
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