Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Sammlung »on Psahlbautcn-Funden — durch
die anfgestelllen Fragen dcr Abtheilungssitzun-
gen bcionders lehrrerch — »nd deu räthjelyas-
ten Heidenlöcheru, ganz geeiguet sein, der hie-
sigen Verjammlung ein freundlichcs Andenken
zu sichern.

Aus dem Unterlando, ZO. August.
Sicherem Vernehmen nach werden sich die cvan-
gelischen Geistlichen bci dcr Entjcheidnng des
eoangelischen Oberkirchenraths in Betrcss des
Buches vvn Schenkel nicht beruhigen. Sic
wollen vielmehr einen weitern ösfenllichen Pro-
test gcgen die AuSsührung des oberkirchenräth-
lichen Erlaffes vorbercitcn, weit derselbe deu
ganzen zu Rccht bestchenden Bekenntnißsland
dcr evangelischen Landcskirche in Krage stellt,
mindestens demseibcn cinc AuSlegung gibl,
welche nachweisbar unrichtig ist. Auch die Gc-
meinden erwarten, daß die Geistlichen mit
Festigkeit vvrgehen. sB. B.)

Frankfurt, 30. Aug. Heule Bormittag
langten mit dem Nachtjchnellzug ans der Main-
Wcserbahn Prinz nnd Prinzessin Karl von
Prcußen, »on Potsdam kommend, hier an und
setzten nach einem im Hotel Westendhall ein-
genommenen Frühstnck ihre Reise auf der Main-
Neckarbahn nach Baden-Baden weiter sort.

Erlangen, 29. Aug. Zn der gestrigen
Versammlung deS jchleswig-hoistcinijchen Ver-
eins wnrdc cine Eingabe um Einbcrufung dcs
LaiidtagS an dcn König bejchlossen.

Würzburg, 26. Augujt. L-icherem Ver-
uchmc» nach wird Cardinal Wijcmann von
London zur 16. Gencralvrrsammlnng der katho-
lischen Vcrcinc Dcutschlands hieher kommen
und in dcr Domkirche das Eröstnungsamt cele-
briren. (Allg. Z.)

Drcsden, 29. Aug. Dcr Staatsminijicr
Frhr. v. Beust hal eincn mehrwöchcntlichen Ur-
laub angetreten und sich zum Gebrauch dcr
Kur nach Gastein begebcn. Dr. I.)

Köln, 28. August. Die Opser, welche
bci dem Judiläum der heil. drei Könige, nwi-
stcnS in Kuhfcrmimze, dargebracht wurden, be-
lauscn sich aus ctwa 1600 Thlr.

Hauiburg, 30. Aug, AbendS. Der rus-
stschc Großfürjt-Thronfolger Nicolaus ist in-
cognito hicr eingetroffcn und rcist mvrgcn nach
Kiel weitcr, wahrschcinlich um sich nach Kopcn-
hagen zu bcgeben.

Wien, 28. Aug. Der „Botfchaftcr" faßt
das Ergebniß des prcnßischcn Bejuchs in fvi-
genden Punkten znjammen: 1) die beiden Mo-
narchen sinb perjönlich auf das Frenndlichste
und Verlrautichste von einander gcjchieden, ihr
Verkehr war cin intimer; 2) die beideu Rcgic-
rungcn sinb von dcm eutschiedencn Wunsche
deseelt, ihre Allianz anfrecht zu halten, dcnn
nicht das Trennendc, sondern daS Gemeinjame
in dcn beiderseitigen Jnteresscn muß maßgebend
sein" — wie Herr von BiSmarck nach dem
„Fremdenblatt" gcjagt haben soll; 3) Von
Ocsterreich wird das Zusainnienfasseii der Kräfte
von ganz Deutschland in voller Einigkeit seincr
Glieder betonl, und auch in diesem Punkt soll
Prenßen mit Oestcrreich einverstanden sein.—
Doch in Bezug anf das positive Ergcbniß, bei
dem die haubetspolitische Fragc hauptsächlich in

liche Acuerwchrmäiiner belhciliglcn. Dic Gallericn
warcn mit Zuschanern brccheudvoll besetzl. Vorlrägc
der Feucrwehrmnsik wechsclten mit allgrmein ge-
jungcnen Llkvcrll, welche vertheUt wurden, ab.
Hcrr Director Mohr trug zur Erhöhung der sest-
lichen Stimmung, indcm er seine hochgeseicrte
„Loncordia" mehrcre Gcsallgc, darunter Abt's
„Vincta", mit welchcr.fic fich in Bern Lorbecren
errungen, vortragcn licß, nicht wenig bei.

Hcrr Kaufmann Maier, lLommandant dcr hic-
sigen Feuerwehr, eiöffnetc die üilichen Trinksvrüche
durch folgende, mit ftürmischcm Betfallc von den
Anwefcndcn begrüßten Toaste:

Kameradcn! llnser crster gemcinschaftiicher Toast
gcltc unserem Fürsten! Laffln Sie mich linigc Wortc
der innigstcn Verehrung aussprcchen.

Wohl kcin Land darf stoljcr auf scincn Fürsten
scin, als das unsere; unbcirrt von so vtelcn fremd-
tändrschcn Einflüffcn, von fo manchcn ctnheimischcn
G-g-nftivmuilgiil, versolgt er muthig di- Bahn dcS
Rechts und eineS gedeihlichen Fortfchritts! fich nicht
ä.S Herrschcr rines LandeS, sondern rrsten Bürgcr
ctnrs frrirn Staates betrachtrnd, hak er rs sich zur
Aufgade gcmacht, den Bürger von drn vieten

Bekacht kommt, hat auch der „Bolschafler"
nnr daraiss zu verweisen, Laß Prenßen „nach
näherer Prüsung und Berathnng" so viel zu-
gesteyen «ill „wie mögiich."

O e stc rr eich iscPe M » » a r «hie.

Bencdig, 25. Aug. Wie bekannt, wnrden
in Rovcreoo und niehreren anderen Orten Süd-
tyrols Waffen und rvthc Hcmden confiScirt und
zahlreiche Verhastungcn vorgenommen. Die an«
gejtcllte Unterjuchung hat nun erwiejen, daß
es sich um neue Vorbereitungen zu einem
Putjlh der Actionspartei handelte, und daß auch
in Venetien mehrere Zndividuen in eine tolle
Verschwörung verwickell waren, dercn Zweck es
Ivar, eine gleichzeitige Erhibung im Lombardi-
schen Königreich und in Shdtyrol zu arrangi-
ren und die cingeschmuggcileu Waffen zur Ar-
mirnng von iu beiden Provinzen zu bildenbcn
Freicorps zu verivenoen, welche sich in die Ge-
birgsgegenden Südtyrols und Belluno's wersen
und dort deu kleinen Krieg iu's Leben rnfen
sollten. Jn mehreren StädtenBenelienS wur-
den Verhaftungen vorgenomme» und mehrere
verborgene Waffendepvts entdeckt. ES soll so-
gar eine Liste vorgefnntzen worden jein, wciche
bie Rainen jungcr Leute enthielt, die, von pie-
inonlesischen Agenten angeworben, den Stamm
der erivähntcn Gnerilladanden zu bilden be-
stimint waren. Somil ijt gewiß, daß zwischen
hiejigcn unb Sübtyroler Agitalvrcu einc intiine
Verbindung bestand, und daß jogar der Tag
fejlgcjetzt war (man nenut ais sotchen dcn27.
ds. 'Mts.), an welchcm der Putsch ausgeführt
werdcn sollte.

K r « » kr e « ch

PariS, 28. Aug. Zacques Latour ist in
Aoix zum Todc uno Anoouy zu lebcnsläng-
iicyer Zwangsarbeil verurtheilt worden. Bei
Vcrkündigung bes richterlichen Spruches ries
der Mörder Latour in höhuijchem Tone aus:
Es lebe der Kaiser!

Paris, 30. Aug., Abcnds. Dcr Kaiser,
dcr kaijertichc Prinz, der Prinz Rapoleon nnd
der Prinz Humbcrl jind heute nacy Chalons
gcreist, wo niorgcn großc Manövcr stattsinden.

MarseiUe, 30. August. Briefc auS Rom
vom 27. ds. bcstätigen dic Nachrichl, daß der
Papjt von scincr UnpLßlichkeit hergestellt ist,
und scine tägiichcn Spazicrgänge wieder be-
gonnen hat.

E ii g t « » d

Pondvn, 28. Ängust Jn der City von
Loudon ist eine Snbscriplion zu Gunsten dcr
Abgebranntcn von LimogcS eröstnel worden.

I t « i i e ii

Turin, 30. August. Die Verhaftnngen
daucrn in Trient und Veneticn sort. Es geht
das Gerncht, die Poiizei habe DepotS von
Waffen, Munilion und dreisarbigen Fahnen
cntdcckl.

E p « n » e ii

Madrid, 30. Aug. Die Waarenmagazinc
und das Malerial deö Südbahnhofes sind gcstern
abgcbrannt. Der zweite Proceß der „Jberia"

im Laufe der Zett eingcfchllchenen Bormundschaftcn
zu defreien und itzm di, gcbühr-nde Stellnng im
Staaic anzuweisen.

Dics scin Ziel isi ein großcs! an Euch, Kame-
raden, ist es, alö Rcpräsentanten dks KrrnS un-
screS Bügerlhums, rhm cntgegenzukommen und
thm durch opferwiUlges Mltwirken die Löfnng der
großen Aufgabc zu erleichtcrn.

Glcich einer kleinen Jnsel im Occane wird unser
Land von gefährlichen Wellcn umbrandct, sic gchcn
imincr höher und schadensroh wähnt schon cin lüster-
ner Kkind den Augenbltck gekommcn, wo er unsere
schönc Hcimath ju überfluthen hofft.

Kommt diescr Angenblick, waS Gott verhüte,
dann, Kamcraden, zrigcn Sie, daß Sie cines
Kürsien, wi, unfer Großherzog ift, würdig find,
-rachlen Sic es als H-Uigst- Psiicht, ihn als
schützenden Wall zn nmgedcn, trcn unsercr Devise:
D-m Fürsr znr Lhr,
dem Land zur Wehr,
das ist der Sprnch der Feuerwehr.

Wenn ich Sie nun cinlade, mit mtr ein Hoch
auf unscrn Großherzog auSzubringen, so wiffcn
Sic, was ich darnnter »erstche, und tch bin über-

ist heute vom KriegSgericht entschieden worden.
Dcis Blatt wurde srcigejprocheii.

R » st l « ii S

Vo« der polnischen Grenze, 27. Aug.
Jm Königreich Polen ist die stiiiiniuiig miiider
gut als vor einigen Wochen, und an die schon
so bestimmt erhofftc Aufhebnng des Kriegszu-
standes ist vorderhand nicht zn denke». Die
Agilationen der AusrnhrSparkei haben wieder
zugenommen, und an vcrjchiedcncn Orten kom-
men wieder kteine Znsnrgentenbandeii zum Vor-
schein, von denen man freilich nicht weiß, ob
sie wirktich Kampftustige oder bloße Ränber
sind; denn wohin sie kommen, erheben sie Con-
tribniionen oder plündern. Sie fallen jedoch
größtentheilS dem rusflschen Militär bald in
die Hände. Auch diesseits der Grenze treibt
sich viel Gestndel umher, denn cs vergeht kein
Tag, an dem man nichk Verhaftete einbringt,
die dann bald nach Westen weiter transportirt
werden. Unlängst ist indessen Einer gefairgen
genommcn wordcn, dessen Loos fich wohl schlim-
mer gestaltcn dürste; es ist dies der Hänge-
gendarmen - Führcr Oxinski, der ein halbes
Dutzend Mordthaten nachgewiesener Maßen mit
eigener Hand vollführt hat. Unter unsercn
polnijchen Damen ijt eine Verbindung unter
der Beneniinng „eijerne Kette", die ihren Cen-
traipunkt in dec Stadt Gnesen hat, entdeckt
worden, und es ist die Untersuchung gegen ste
eingelcitel. Zhr Zweck ist Unterstützuiig und
Förderung der Znjurrection. Mit der Regu-
iirung der bänerlichen Angelcgenheiten wird in
Polen jctzt.rüstig vorgegangen; die Früchte
werden aber nicht die erwarteten sein, weil die
aussührenden Beamten der Bestechnng im hohen
Grad zugänglich scin jolleu, so daß ein b^frie-
digendes Rejultat nicht zu hosfen ist.

A m e r t k a.

Neuyork, 12. August. Das M'Clcllaii-
Meeting vom 10. d. soll die massenhaftestc
Vvlksverjauiiiilniig gewesen sein, welchc je in
Ncuyvrk stallgefnnden hat. Die Anzahi der
Zujammeiigeströmteri wird verjchiedentiich zwi-
jchen 60,000 und 100,000 angegeben. Deu
sechs untcr großeni EiithusiasmuS gefaßten Re-
solnlionen ward eine den Standpuilkt der Leute
keniizeichiicnde Einlcitnng vorausgeschickt: „Jn
Erivägung, daß die von dem vbcrstcn Bcaiiiten
der Nation eingejchlagene Pvlitik im Wider-
spruch fteht mit den klaren Forderungeii der
Verfaffung und scincn eigenen srüheren Er-
klärungeir, daß er fcrner unier dem Schcin-
grunde niiliiärijchcr Rothwendigkeit ein Systeni
dirccter Eingrifse in daS Rechl oer Staaten
und des VolkeS begonlien hat, indem er will-
kürliche Verhaftungcn voriiimmt, die Freihcit
der Nede und der Prcsse unterdrückt, die
HabeaS-Corpns-Acie aufhcbi, wo keine Rebellion
eristirt, indem er auf sauatischc Weise einc so-
ciaie und politische Gl-ichheit zwijchcn von Na-
tur verschiedeneii Racen durchzusetzeii sucht, in-
dem er daS Wahlrecht beschränkr und der Än-
tvrität deS CongresseS zum Trotz die Wahl-
stiuimen oer Staaten seinem pcrjönlichen Ehr-
gcize dienstdar machl; daß er somit ein allge-

zeugt, daß Sie eben so warm aus dem Innerstcn
JhreS HerzenS, wi! ich, Mlt mir in dcn Rnf ,ln-
stimmcn: Hoch nnd lange lebe Großherzog Friedrich
zum Nutzen und Frommen scines VotkeS! Hoch! tc.

Heri Dölling brachte sodann einen Toaft aus die
Stadt Freiburg und dcren Gastsrcnndschast, wcichcr
Trinkspruch spätcr von Herrn Oberbärgermcistcr
Faulcr mit eincr trcsfllchcn Ansprackc, wcichc wir
wörtllch wikderzugebrn leidcr tm Augcnblickc Nlcht
oermögen, erwlbcrt wurdc. Er wreS u. A. aus den
erhabenen Zweck der Feuerwchren hln, welcher auf
der von unserm Mcistcr cmpfohlcuen höchst'cn Tu-
gcnd, der Nächstenliebe bernhe; er gcdachte serncr
dcr Anwcsenheit der Schwiizcr-GLsl- von Olten
nnd Bascl, welchc, wic allc Kcuerwchrcn, denselben
hohen Zweck vcrfolgen, und erbUcktc hierin cine
feste Wehr gcgen alle Gefahrcn, welchc dcm ge-
meinsamen Vatcrlande drohen mögen. Der Rcdncr
schloß Mlt einem HoL aus dlc badischcn Feuer-
wehrcn, wclchcs bcgcistrrtcn Anklang sand.

Es svlgte noch cine ganzc Reihe von Trinksprüchen,
wclche wörtlich anzuführe» uns drr Ranm nlchl ge-
stattet. Grst die späten Rachtstunden machtcn dem
sröhlichen Beisammensein ein Ellde. (Schluß s.)
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