Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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besucht. Vom fernen Norden bis an die süd-
lichc Grenze DeutschlandS ist die forschende Wis-
senschafl vertreten.

Den zweiten Theil der gcstrigcn erstcn Siz-
zung fülltcn zwei Vorträge ans; der erste von
Hrn. Fr. Marmor von hier gab in möglichster
Kürze ein treues und lebendigeS Blld von der
Geschichtc der Stadt Constanz von ihrem Be-
ginn bis auf die hentigen Tage. Der Vortrag
wird im Vcrcinsblatt erschciucn. Dcr zweile
Vortrag wurde von Hrn. Hafner-Alteneck auS
Mnnchen gehalten über die Barbarei. mit wel-
cher gegen die Werke alter Kunst und Archi-
tektur, Skulptur und Wansmalerei verfahren
wird; zahlreiche Beispiele wurdcn als Belege
im Grostcn aufgcführt.

Heute finden von 8 bis 2 Uyr die erstcn
Sectionssitzungcn statt.

Aus Bnde», 10. Sept. Was längst er-
wartet wcrdcn mußte, ist endlich geschehen.
Von Meßkirch aus, im badischen Seekreise, ist
einc Adresse »ach Freiburg gelangt, welche An-
hörnng des Laienelements begehrt in den gro-
ßen, kirchlich-politischen Fragen. Die Adresse
geht von rnhigen, besonnencn MLnnern ans
und namcntlich eincr der Unterzeichner (Herr
JunghauS) gehört einer durch ihren strengen
KatholiciSmus im Lande belannten Familie an.
So bedentcnd diese Erscheinung ist, als ein
Zeichcn, wic endlich das Princip der constitn-
tioncllen Berechtigung und der Manneswürdc
auch die kirchlichcn Kreise dnrchdringt, so ist
doch in dieser Form die Sache nicht unmittel-
bar practisch. Was zunächst noth thut, ist
lebendige Volksbetheiligung an der OrtSschul-
rathSwahl und kräftiges Austreten dcr Gemein-
den gegcn diejenigen Geistlichen, welche die Re-
giernng und das Gesetz schmähen. Hier kön-
nen die Leute zeigen, daß sie klar denken und
auch den Muth ihrer Ueberzeugung haben. Ste
sollen ihren Pfarrer nicht mit Wort noch Hand
anrühren, fie sollen einfach auS der Kirche
gehcn, wenn er ihr Landcsgejetz und dic Män-
ner lästert. dcnen sie ihr Vertraueu schcnkcn.
Thun sie das nicht, so ist cs entwcder unent-
schnldbare geistige Lahmheit oder eine an Feig-
heit grenzende Schwäche.

Aus Baöen, 13. Sept. Die GeschäftS-
ordnung für die Gerichtsnotare und die Notare
treten mit dem 1. October in Kraft, mit wel-
chem Tage die entgegeiistehenden früheren Ver-
ordnungen aufgehoben werden. Die Notare
bedienen sich, insolange sie nicht mit den vor-
geschricbenen neucn Dienstflegcln versehen sind,
ihrer bisherigen Siegel. Die Gerichtsnotare
benützen einstweilen die Dienststegel der seit»
herigen AmtSrevisorate.

Dcr GeschäftSkrciS der Gerichtsnotarc um-
faßt im AmtSbezirke dem ste bcigegeben siiw:
1) Die in § 2 und 3 dcs Gesetzes über die
Vcrwaltung der frciwilligen GerichtSbarkeit aus-
geführten Gejchästc. 2) Die Gcjchäfte, welchc
in den Dienstweisungcn sür die Waiscnrichter
und Vormünder den Amtsgerichten übertragen
stnd. 3)' Die Notariatsgeschäfle in den in
Art. 17 deS rcchtspolizeilichen Gebührengesctzes
bezeichneten Fällen. 4) Die Festsetzung der
Liegenschafts-, SchenkungS- und ErbjchaftS-

accise. Außerdem sind ste berechtigt: 1. Oefsent-
liche Urkunden nach § 26 deS GesctzeS dcr
srciwilligen Gerichtsbarkeit in ihrem Bczirke
anfzunchmen nnd 2. andere NotariatSgeschäfte
zu fertigen, sofern ihnen vvm Jnstizministerium
ein besonderer Nolariatsdistrict übcrtragen wird.
Mit der Ansnahme osfentlicher Urknnden haben
sie sich nnr in so weit zn befassen, als es mit
ihrem Dicnste als Gerichtsnotare verträglich ist
und ist das Znstizministerinm bestätigt, dic Er-
laubniß zur Ausnahme öffentlicher Urknnden
zu bejchränken, wenn durch sie der Dicnst be-
einträchtigt wird. Bci Vcrhindernng dcr Amts-
richter sind die Gerichtsnotare deren Stcllver-
treter auch bezüglich anderer als der genannten
Geschäste der freiwilligen Gerichtsbarkcit.

Dcr Wirknngskreis der Notare ist ebenfalls
durch daS Gesetz über die freiwillige Gerichts-
barkeit und das Notariat vorgezeichnet. Außcr-
dcm dnrfen sie unter dcn bei den Gerichtsno-
taren vorbehaltcnen Beschränknngen besorgen:
Fertigung von Privatnrknnden über Rechtsge-
schäfte. PrivatvermögenSaufnahmen und damit
in Verbindung stehende Schnldenrichligstellun-
gen. Privattheilnngen. Verstcigernngen. Stel-
lung von Rechnungen. Ausstcllnng von Vor-
anschlägen und Schuldentilgungsplanen. Berei-
nigung u. Erncuernngen von Berainen, Grnnd-
u. Pfandbüchern. Gnterbeschreibnngen. Außer-
halb seines DistricteS darf der Notar keine
Amtshandlnngen verrichtcn.

AuS Badeu. Man schreibt dem „Oberrh.
Kur.": Die bckannte Ermordung eincS jnngen
Frauenzimmcrs durch ihren Geliebten in Müll-
heim hat in Holzen (bei Kandern) am 8. d.
ein tragisches Nebenstück gesnnden. Ein dor-
tigcr Bnrgersohn hatte seit etwa füns Jahren
ein LiebeSverhältniß mit der zweiten Tochter
des Hirschenwirths B. hier. Die Eltern dcs
Mädchens sahen das Verhältniß nicht gern und
wollten in eine Verehelichung nicht willigen.
Am krtzten Sonntag war daS Mädchen an der
Seite eincs andern jungen Mannes ans dem
Sängersest in Tannenkirch erschienen, was den
S. zu einem jürchterlichen Entschluß brachte.
Seine Gctiebte war in Kandern auf der Oele,
er stcllte stch hlnler eineii Nußbaum am Heim-
weg, mid als ste, nichls ahnend, vorbei wollte,
schoß cr sie nieder. Sic gab augenblicklich
ihren Geist auf. Einen zweiten Schuß hatte
S. für fich iil Bereitschaft, der ihn aber nur
verletzte; anch andere Selbstmordversuche ge-
langen ihm nicht. Er ergriff sofort nach der
schrccklichen That die Flucht, wurdc äber am
folgenden Tage auf dem Mattfelde ln so ent-
kräftetem Zustaiide aufgesunden, daß cr auf
einer Tragbahre nach Hause gebracht werdcn
nmßtc. Dic Leiche der unglücklichen B. wurde
hcute unter hier nvch nie stattgesundener Theil-
nahme zur letzlen Ruhe gelcitet. — Die Stadt
Offenbnrg yat den Beschluß gefaßt, ihrer
Seits dnrch einc am 1. Okt. zu veranstaltenoe
Feier die Verwirküchniig der licueii GerichtS-
verfassung nnd die Bildung deS dortigen Ge-
richtshofes festlich zu begehen.

selbst ciner neuen Verschwörnng auf die Spur
gekommen sei, in Folge desscn zahlrciche Ver-
hastilngen stattgesunden haben. (F. Pz.)

A in e r i k a.

Nruyork, 3. Septbr. Die Consöderirten
bieten alle ihrc Krifte anf, um die Bundes-
trnppen aus der Posttion auf der Wcldoner
Bahn zn verdrängen. Am 25. machtcn sie
wicderhoile Angrifse auf daS bei Rcams stehende
'Hancock'sche Corps und gegen Abcnd gelang eS
ihnen, die feindliche Linie zn durchbrechen und
einen Theil der Bahn zu besetzen. Das S.
Corps unter Ward eilte den Angegriffenen zn
Hilfe und machte dcm Kanipfe ein Ende. Das
Resultat war jedoch, daß die Bundcslrnppcu
von den sieben Mcilen, die sie auf der Bahn
occupirt hatten, eine Strecke von vier Mcilen
aufgebeil mußten. Die Verluste waren beider-
seits sehr schwer; angeblich 5000 Mann auf
Seiten der Conföderirten, 2000 Mann und 9
Kanonen auf Seiten der Bnnbestruppen. Ge-
neral Shcrman marschirte am 28. nach Char-
leston vor nnd fand, daß Early den Rückzng
angetrcten hatte, die Einen sagcn in dcr Rich-
tung nach Martinsburg (?), die Andcrn nach
Richmond. Officiell ist angekimdig! worden,
daß General Sherman die Stadt Ätlanta ge-
nommen hat. Dcr Feind zieht sich nach Macon
hin zurnck; Shcrman schcint ihm schvn einc
Slrccke weit gcsolgt zu scin; benn in East
Point, einige Meilen südlich von Atlanta, hat
eine Schlacht stattgcfnnden, in welcher, bci bei-
derseitigem schwerem Verlust, die Bundcstrup-
pen die Oberhand behielten. Rood's Communi-
cationslinicn soll Sherman occupirt haben;
Oberst Kilpatrick hat vierzehn Mcilen der Eisen-
bahn nach Ntacon zerstört. Fort Morgan bei
Mobile hat sich ergeben, mit Mamischast, ein-
schtießlich des Commandanteii General Page,
und mit seiiien bcdeutendeii Proviant- und
Mnnitionsvorräthcn. Admiral Farragut hat
sich dcr Dienste jener Leutc versichert, welche
sür dic Conföderirten dic Explostonsmaschincn
in die Bucht von Mobile versenkt haben, um
dicsc Hemmnisse wieder aus dem Wege zu räu-
men. Auf dem Festlande bci Grant's Paß
stehen 4000 Mann Bundestruppcn.

Neueste Nachrichten.

Loudon, 13. Sept. Lord Palmerston hat
gestern dem Prinzen Humbcrt einen Bcsnch ge-
machl. S. K. H. hat Abcnds bei Lord Pal-
inerstvn dinirt. Der Prinz ist diesen Morgen
nach Duncastle gereist.

Liffabon, 13. Septbr. Die Wahlen sind
vorüber. Die Regierung hat cine anschntiche
Mchrheit erlangt. — Aus Peru wird gemeidet,
daß das dortige Ministerium zum Rücktritt
genöthigt wurde, weil es in der Streitsrage
mit Spanien nicht genng Encrgie gezeigt.

Konstanz, 13. Sept. Die Versammlung
dcr dcutschcn GeschichtS- und AltcrlhnmSforjcher
ist nach dcr gestern Abend ailsgegebenen zwel-
teu Fremdenliste von 54 Mitgliedern bis jetzt

Großh. ÄmtSgericht Heidelberg.

Aufforderung.

Steillhauer Larl Metz dahier hat IIIN Einwei-
sung in Befitz und Gewahr des Nachlasses seiner
verstorbcnen Ehesrau Ehristine geb. Knoll gebeten.

Etwaigc Etnsprachen sind binncn 4 Wochcn zu
begründen.

Hetdelberg, den 3t. August 1884.

Dcbafweide - Verpachtung.

Dlk Winterschafweide pro 1864/65 auf den Wie-
sen hiesiger Gemarkung, welche mit circa 200 Stück
Schafen betrkeben werden kann, wird
Montag. den 19. d. jM.,

Nachmittags 2 Uhr,

auf dem Rathhause dahier öffentlich verpachtet,
wozn Steigliebhaber eingeladen werden.

Sulzbach, Amts Weinheim, am 7. Sept. 1864.

_ Ehret._—

Fleischpreise.

Von heute an kostet bei sämmtlichen hiesigen
Metzgermcistern das Pfund Ochsensteisch 17 kr.,
Rindfleisch 14 kr., Sä>weinefleisch 15 kr., Kalb-
fleisch 12 kr., Hammelfleisch 15 kr. _

Mehrere solide Mädchen, Köchinen und Haus-

mädchen können Stellen erbalten auf das Ziel

L-"4. Nr. 14. "" ^

Zeitungs-Papier

wird fortivährend geknuft nnd gnt bezahlt.
Krahnengasse Nr. k bei Schlosser Müller
(2j im 3ten Stock.

Hamburger

Stadt-Lotterie.

Am 5. October dieses Iahres beginnt wiederum
die l8le 61L88K dieser Lußerst vortheilhaft einge-
richteten, vom Staate garantirten Lotterie, bestehend
auS

35,500 Loosen und 19000 Gewinnen,

zum Gesammtbetrage von über

Zwei und ein niertel Millionen Äiark,

wornnter sich befinden 1 Gewinn von eveut.

Crt, M-r- 2i»U,«»<»«»

1 i> 1«»0.000 Marc

7 -» 10,000 Marc

i» Z« auo ,,

2 -> 8000 «

1 n 30,0t»0 „

2 s «000

1 n 20 000 ,,

3 L sooo «

1 n tSOOO ,,

u. s. w.

Stets ist meine Lollecte vom Glücke besonders
aiisgezetchnet worden, und erst in der jüngst been-
deten 246sten Lotterie fiel in meine Lollecte
der Hauptgewinn von

Crt. Mmc -»»,«»<»<»

aus^L«L««

sowie in der 240sten und 243sten Lotterie

zweimal das große Loos,

nämlich ans M 1ISSS

Crt. Älarc 1«2,««o

nnd M »rr«»8

Crt. Marc 102,000

so wie eine große Anzahl bedeutender Hauptgewinne.

Zur Isten 61288k empfehle 0rixmLl-I.v08e '/i »
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