Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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N: 224


Freitag, 2S September


* Politische Ümschau.

Dem Vernetzmen nach wird die diesjätzrige
Gencrnlvcrsammlung des deulschen National-
vereins am 31. October und 1. Novbr., Vvr-
nnttags 10 Uhr, iu Eisenach statlfinde».

Ein Telegranim dcr „Allg. Ztg." aus Stutt-
gart, 20. Scpt., berichM: Finanzrath Riekc
wcrde noch vor dem 22. die Anzeige vom Bei-
tritt Würtcmbcrgs zum neuen Zollverein nach
Bcrlin überbringcn.

Wic der „M. Anz." hört, ist das Gnaden-
gesuch, welches kürzlich zahlreichc Bürger von,
Mainz für Warburg an Se. Königl. Hvheir
den Großherzog richictcn, abjchläglich beschicden
worden.

Die „Ostd. Post" tzört von sehr verläßlichcr
Seite, daß dic Anerkcnnnng deS Königs Geor-
gios vvn Griechenland ScitenS der östcrrcichi-
schcn Regicrung am Mitlwoch Abends von hier
nach Athen abgegangen sei.

Dic srüher gehegte Meinung, daß das Wie-
dererscheinen deS KaiserS von Oesterrcich auf
ungarijchcm Boden politischc Bedeutung zu ge-
winnen bestimmt sei, ist cntschieden widcrlegt
wordcn, und man wciß jetzt, daß dcr AuSfliig,
welchcr kanm zwei Tage in Anspruch nehme»
wird, militärischen Zwecken gewidmet ist.

Pariser Nachrichten verjichern, dic Angabcn
beznglich eincs sranzösijchtitalicuischen Vertrags
scicn stark üdertrieben.

Aus Bclfast vernimmt man, daß 800 prote-
stantische Arbeiter anf den Werftcn ihre Bc-
schäftigung eingestcllt hättcn, weil dcr Direclor
sich geweigert habe, 50 katholischc Arbeiter fvrt-
zuschickcn. So berichtct wenigstens „Pays."

Dic geheime polnische lliationalrcgicrung hat
an das polnische Volk cinen Aufruf erlasscn,
daß dcr Kampf gcgen Rußland noch nicht be-
endigl jei, viclmchr in encrgischer Weise sort-
gesctzt werden solle.

Znr Schleswig-Holsteiii'sche»
Enche.

Rendsburg, 1k. Sept. Dic „KielerZtg."
gibt den Betrag der bcsonderen Staatsschuld
der Herzogthümcr folgendermaßen an: 1. aus
dcn Jahren 1848 bis 1850: s) mit 4 pCt.
verzinslichc Anlcihc: 1) laut Gcsctz vom 2. Mäi
1849 4,183,148 Mark Crt, hierauf ward zn-
rückbezahtt 1850 241,000 Mark, Rcst 3,852,148
Mark, 2) laut Gejetz vom 10. April 1850
3,304,661 Mark, 3) laut Gesetz vom 4. Ok-
tober 18Ä8 625,180 Mark, 4) laut Gesetz
voni 4. Oktober 1850 3,357,430 Mark, 5)

frciwilligc Anleihe, vom 1. Oktober 185t)
176,730 Maxk, zusimmcn 11,396,153 Mark;
'd) unverzmsliche Anleihe: 6) laut Gesctz vom
31. Jnli 1848 3,932,954 Mark, 7) laut Gc-
sctz vom 29. MLrz 1848 3,367,024 Mark,
8) laüt Gcsctz vom 10. April l859 1,383,073
Mark, znsämmen 8,683,051 P!ark; II. , aus
dcn Jahrcn 1854 bis 1864: hoksteinische und
schlcswig'sche Dbmamalobligalioncii, auSgestellt
zur Enkschädigung sür Aufhcbuiig des Mnh-
lcnzwangs laut Gesetz voin 30. Mäi 1856
750,000 Mark tzdic Summe ist nicht genan
anzngebcn, nach dem angezogenen Gesetz darf
diese Domanialschuld 1,037,000 Thlr. Rm. nicht
überstcigen, laut Staatsrcchnung von 1862 biS
1863 betrng sie 360,000 Thlr. Rm.) Die
Recäpitülütion von I. a) 11,396,159 Mark,
I. b) 8,683,061 Mark, I t. 750,000 Mark er-
gibt mithin 20,829,210 Mark Crt.

Wicn, 21. Sept. Heute hat eine Confe-
renzsitzüng, in welcher die danischen Erklärun-
gen bezüglich der Jinanzfrage znr Berathung
kommen jolltcn, nicht stattstndcn können, da den
'preüßijchen Bcvollmächtigten die benöthigten
Znstructioncn von Seiten dcS in Pommern
reiscndcn Ministcrpräsideulen fehlten.

Lvndon, 21. Septbr. „TimeS" veröffent-
licht eine Depesche deS Hrn. v. BiSmarck vom
9. August und Graf Russell's Antwort daranf
vom 20. Angnst. A, oer crstcren ist die Hoff-
nung auSgksprochen, England werde Deutsch-
lands Mäßigung anerkenuen, da dieses seinc
ursprünglichcn Fordcrungen nicht steigcrtc, sür
dst dänischcn Enctaven in SchtcSwig eine Com-
pcnjätion bewilligtc, anf Ripen nnd Ersatz der
KricgSkostcn vcrzichtete und Däncmark sonüt
nicht zcrstückeltc. Zn Graf Russell's Antwort
ist gcsagt, daß Englaiid, nachdem cs UIN eiue
Meinungsäüßerung aiigegangen, gcstehen müffe,
daß es Dänemarks Zerstücketung bedaucre, daß
eS deutschen Sprachzwang für die Nordschles-
wiger kesürchte, daß cs von emer Mäßigung
dcr Sicger nichts gewahrc, nnd daß cs im
Jntercsse eines daucrnden Friedens wünjche, in
Bctrefs dcr Wahl des SonveränS möchtcn die
Herzogthnmer selbst befragt werden.

D e n t s ch l a ,r d.

Karlsruhe, 21. Septbr. Das heute er-
schienene Negbl. Nr. 48 enthält (außer Per-
sonalnachrichten):

I. Dicnstnachrichten: Cameralpraklikant Jos.
Schmidt von Bruchsal ist zum Buchhalter bei
dcr Gcneralstaatskasse ernannt.

II. Verfügungen nnd Bekanntmachungen dcr

Ministerien. 1) Bekanntmachung des großh.
Justizministeriums: Die Besetzung der Notars-
stellen betreffcnd. 2) Bekanntmachung des gr.
Ministeriums des Jnnern: Die Generalagen-
tur der Basler Versicherungsgesellschaft gegen
Feuerschaden betreffend. (Darnach wurde der
von.der Direction der genannten Gesellschaft
zu ihrem Gcneralagenten für das Großherzog-
thum ernannte Wilhelm Fecht in Mannheim
als folcher bestätigt.) 3) Bekanntmachungen
des großh. Finanzminifteriums: s) Die Se-
rienziehung für die 75. Gewinnziehung des
Lotterieanlchens von 14 Milli.onen Gulden vom
Jahr 1845 betreffend. b) Die 28. Gewinn-
ziehung des Anlehens ver AmortisationSkaffe
zu 5 Mlllionen Gulben vom Jahr 1848 be-
treffend.

Aus Äaden, 18. Septbr. Die von dem
Ministerium des Jnncrn soeben erlassene Voll-
zugsverordilung zu dem Gesetze, dic Gerichts-
barkeit und das Verfahren in Polizeistrafsachen
betreffend, weist die Aemter als die Polizeibe-
hörden des Bezirks an, darapf hinzuwirkcn, daß
die Polizeistrafsachen so rasch als thunlich crle-
digt werden, versteht sich, ohne daß der Gründ-
lichkeit und Vollständigkeit des Verfahrens Ein-
trag geschieht. Zugleich werden die Bezirks-
ämter bevollmächtigt, in geeigneten Fallen ein
bereits eingeleitetes Verfahren einzustellen, ohne
vorerst höhere Ermächtigung wie bisher einzu.
hölen. Wenn das Bezirksamt alS Polizeibe.
hörde die Anzcige eines Verletzten oder den
Antrag deffelben aus Einleitung deS Strafver-
fahrens bei dem zustandigen Gepschte nicht sür
bcgründet stndet, )o hat es dies demselbcn unter
Angabe der Gründe zu eröffnen. Jn solchen
Fällen kann dann der Verletzte scine Beschwerde
an den dem Bezirksamte vorgesetzten LandeS-
commissär bringen, der über die Zulässigkcit
oder Nichtzulässigkeit der Beschwerde Namens
des Miüsteriums deö Jnnern endgiltig ent-
scheidet. Dabei versteht sich von selbst, daß der
Landescommiffär als Mitglied desMinisteriums
in wichtigeren Fällen die Ansicht dieser Stelle
selbst einholt. Die ganze Anorhnung bezweckt
möglichste Beschleunigung und Abkürzung deS
polizeilichen Strafversahrens, was nur zu bil-
ligen ist.

-s- Heidelberg, 19. Sept. Jn der dritten
Resolution der Generalversammlung der katho-
lischen Vereine in Würzburg heißt es wörtlich:
„Die Regierung des Großherzogs von Baden
laffe sich gegen die kirchlichen Würdenträger zu
Beleidiguilgen fortreißen, welche alle katholischen
Herzen tief verletzen!" Es gab zu aüen Zeiten
Katholiken von eminentem Verstand und es gibt

Aeber -as Ende Lassalle's.

(Schluß.)

Es war nämlich abgemacht, auf 15 Schrittc und
mit dem gegenscitigen Recht, innerhalb 20 Secun-
dcn abzufeuern. Der Wallache hattc zu Sccun-
danten Herrn Arndt und Herrn v. Kaiserlingk.
Lassalle hatte Rüstow, General Bethlen und Herrn
v. Hofstctter alS Unparteiischen. Racowich schoß
zuerst ab, nachdem er nach dem Unterleib gezielt
hatte, so cin Schuß, dem man dic bestimmte Ab-
ficht, den Gegncr zu tödten, anmerkte; als Laffalle
abdrückte, war dic Kugel schon in dic ltnke Weiche
gedrungen; er schoß nebenbei, wollte noch einmal
Kugcln wechseln, aber die Secundanten lkgten fich
ins Mittel, weil fie sahen, daß er zusammensank.
Um 5 Uhr wUrde er inS Hotel gefahren, wo er
die Treppen noch hinaufging, ohne Ahnung, tödt-
lich verwundet zu sein. Abends erhielten wir die
Depesche der Gräfin-: „Laffalle schwer verwundet,
Griefinger schicken, so schnell als möglich." Zu
spät von einem Spaziergange heimkehrend, um
noch Iemanden am selben Abend absLicken zu kön-
pen, und da Griesinger, ber übrigrns nur sür

innere Krankheiten ist, verreist war, stürzten wir
zu Billroth, rinem der vortrefflichsten Lhirurgen,
und bestimmten ihn zur Abrsise mit dem nachsten
Schnellzuge, Montag früh um 10 Uhr. Scine
Abretse melbete ^ierwegh noch am selbigen Abend.
Unterwcgs in Olten traf Billroth mit Profeffor
ChcliuS (auS Heidelbrrg) zusammen, der ebenfallS
berusen war; beide kamen Montag Abend 7 Uhr
bei dem Verwundeten an, dem man wegen der
hefttgen Schmerzen schon I Vr Gran Morphium

gegcben hatte. Frl. v. D.fuhr am Tage

nach der Verwundung vierspännig mit ihrcm Wal-
lachen unter den Fenstern deS tödtlich Verwundeten
vorüber. — Kcine Nachfrage Seitens des Gegners
oder des Mädchens! nichts! — „Drrißig ähnliche
Geschichten," so sagte l)r. Hähnle, „sind von ihr
in Münchcn bckannt." Und darum fiel solch ein
Mann! Was Menschenhilfe leisten konnte, Ällcs
geschah. „Wir standen zu Vieren," so sagte unS
Billroth, „um LaffaüeS Lager, wie einst die Aerzte
um das GaribalviS — ohne diese Titanen-Natur
hatte rr schon nach 2 Stunden erliegen müffen;
denn die Kugel war weder zu suchen noch zu fiuven,
uud die BauchfeU-Enfzüiidung, dic mristens tödt-

lich, so heftig, daß nur noch an eine Linderuyg
der Schmerzen, aber keineswegs an eine Rettung
zu 'denken war." Dienstag Mittag erhielt Frau
Billroth solgende Depesche von ihrcm Mann:
„Kann heutc noch nicht kommen, Zustand bcS
Kr^inken schr zweifelhaft, komme morgrn." Zhr
folgte eine Stunde später eine der Gräfin gn uns:
„Tausend Dank für den Arzt, der möglichst lange
verweilen wird, höchste Gefahr, Diagnose unbe-
stimmt." Mrttwoch Nachmittag kam die letzte:
Freund Lassallc seit Morgens 7 Uhr 5 Miriuten
nicht mehr. Die Gräfin war von Sonntag bis zur
Todesstunde uicht aus den Kleidern gekommen, sie
war die letztc, welche rr erkannte; gesprochen hat
er nur wenig, glcich mit der Stimme, die wir an
ihm kannten, später leise nur, etrvaS Trunk zu
vcrlangen, denn er hatte entsetzlichen Durst. Nach
dem Ausspruch des ArzteS umschleierte fich setn
Bewichtsein Dienstag Nachmittag; bte Vräfin be-
hauptet, daß er eS noch bis eine Stunde vor dem
Tode so weit gehabt, um die Umstehenden zu er-
kennen und so oft fie ihm eingegrben, nach ihrer
Hand gegriffen habc. Gcorg reiste Donnerstag nach
Genf, um den geliebten Todten noch zu fchen und
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