Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Uridrlbergcr IeitiML

N?: 237. SamKag, 8. October

Bestellungen auf die „Heidelberger
Zeirung" nebst Beiloge „Heidelder-
ger Familienblätter" für das mit 1.
October 18t»L begonnene 4. Quartal
werden fortwäyrend angenouimen.

Die Gxpedition.

* Palitische Umschan.^

Der „N. Pr. Z." wird auS stcherer Quelle
gemeldet, daß die oldenburgische Begründungs-
jchrift am 13., spätestens am 20. October der
Bundcsvcrsammlung vorgelegt werden wird.

Die Einbcrusung des preußischen Landtags
ist in der ersten Hälste des Monats December
zu erwarten.

Dcr würtcmbergische Justizmiuister Frhr. v.
WLchter-Spittler ist in dcn Ruhestand versetzt
und GcheiinerathS-Präsident v. Reurath zum
interimistischen Justizminister crnannt worden.

Zm Großherzogthum Oldenburg ist mil dcm
1. October das allgemeinc dcutjche HandelSgc-
setzbuch in Kraft gctreten.

Das sächsische Ministerium hat die Ab-
haltung des zweiten Vcrcinstages deutscher
Arbcitervercine zu Leipzig am 23. und 24.
Octobcr gestattct-, nnter Dispcnsion des § 23
deS Vercinsgesctzcs, der solcheu Vcrsammlungcn
entgegenjtcht.

Die dänische Armee wird auf den FriedcuS-
suß gejetzt. Am 1. October wurdcn alle Un-
terbeamtcn entlassen. Pferdcversteigerungen sind
eingclcitet.

Die Kaiserin Eugenie ist am 5. AbendS in
St. Cloud cingetrosscn.

Anr Schleswig-Holsteiir schen
Sache.

Berlin, 5. Oct. Nach der „Prvvinzial-
correspondenz" soll das fcste Auftreten der
deutschen Großmächte die dänische Regierung
zu dem Entschlusse gebracht haben, auf der
Wiener Conferenz zw einer befricdigenden Er-
ledigung der ftnanziellen Schwierigkeiten die
Hand zu bieten. Demuach stehe zu hoffen, daß
das Friedensmcrk bald werde zu glücklichem
Ende geführt werden. — Dcr Landrath v. Ahle-
feld hatte eine längcre Bejprechung mit Herrn
v. Bismarck, die dazu beigetragcn haben dürfte,
in die Stellung des Herzogs von Augustenburg,
„der bisher vielfach auf irrige Bahneu geleitet
war", und besouders in sein Verhältniß zu
Preußen Klarheit zu bringen.

Wien, 6. Oct. Jn der geftrigen Confe-

renzsitzung haben die dänischen Bevollmächtig-
ten angeblich Zugeständnisse in der Grenzbe-
rechtigungs- und Finauzfraqe gemacht, beharr-
ten aber auf dem Ausschluß der Sundzollab-
lösung von dem Gesammlvermögen bestanden.
Schließlich wurde von Seiten DänemarkS ein
neuer Ausgleichungsvorschlag gemacht. Hr. v.
Balau war in der Conferenzsitzung anwesend.

Deutschland.

Karlsruhe, 6. Octbr. Laut Allerhöchster
Ordre vom 5. ds. tritt Obcrlieutenant Gastel
vom 1. Füsilierbataillon, bisher commanvirt
als Aufsichtsofsizier zum Cadettencorps, in das
Bataillo'n zurück, und Oberlieutenant Schon-
hard vom 4. Jnfanterieregiment wird als Aus-
sichtSoffizier zum Cadettencorps befehligt.

Karisruhe, 6. Oct. Die „Karlsr. Ztg."
ist in der Lage, zwei interessante Actenstücke
über die Schulangelegenheit mitzutheilen, wclche
zeigen, daß die großh. Negierung eben so fest
entschlossen ist, dem zu Necht bestchenden Ge-
setz über die Aussichtsbehörden sür die Volks-
schulen ungeachtet aller gegen dasselbe gerichte-
-ten Umtriebe den Vollzug zu sichern, wie sie
unauSgesetzt bemüht ist, die Theilnahme der
Kirchen an der VolkSschule zu erleichtern und
zu crhalten, welche derselben zur Zeit von
Seiten der katholischen Kirche leider entzogen
werden soll. Die zwei Actenstücke sind Erlasse
deS Ministeriu.ms des Jnnern, der eine an die
sämmtlichcn Bezirköämter, der andere an den
Oberschulrath gerichtet. Jener lautet:

„Nachdem an einigen ^rten dic durch das
Gesetz vom 29. Juli d. I., die AufsichtSbehör-
den für die Volksschulen betreffend, vorgeschrie-
benen Wahlen in den Ortsschulrath nicht zu
Stande gekommen siud, werden die großh. Be-
zirksämter angewiesen, in Gemeinden, in wel-
chen eine erste Wahl resultatlos blieb, ohne
Aufenthalt eine zweite Wahl zu veranlassen, zu
welcher unter dem Anfügen einzuladen ist, daß,
wenn auch die zweite Wahl nicht zu Stande
kommt, für einen Ersatz der zu wählenden
Mitglieder dcs OrtSschulraths durch die großh.
Regierungsbehörden sclbst werde gcsorgt werdcn.

Wir sprechen bei diesem Anlaß zugleich die
Erwartung aus, daß die HH. Bezirksbeamten
es als eine wichtige Pflicht betrachten werden,
durch Aufklärung über Sinn und Geist des
oben gedachtcn Gesetzes und durch Widerlegung
grundloscr, an dasselbe geknüpften Befürchtun-
gen zum ungestörten Vollzug einer Einrichtung
beizutragen, welche von der großh. Rcgicrung
in Uebereinstimmung mit der emincnten Ma-


jorität der bciden Kammern als nothwendige
Folge dcr Selbstständigkcit der Kirchen, übrigens
unter dcr gewissenhaftesten Schonung der Jn-
teressen derselben bcschlossen worden ist, und
wclche für eines der wichtigsten Gebicte deS
öffentlichen Lebens dem Grundsatze der Selbst»
verwaltung eine neue und fruchlbare Auwen-
dung sichert."

Der Erlaß an den Oberschulrath lautet:

„Die ursprüngliche Absicht der großh. Negie-
rüng, in der Regel und abgesehcn von bcson-
deren Verhältuissen, znm Vorsitz im OrtSschul-
rath den Ortspfarrer zu berusen, ist zur Zeit
nicht vollständig ausführbar, nachdem den ka-
tholischen Gcistlichen der Eintritt in diese Be-
hörde durch ihre kirchlichen Vorgesetzten verbo-
ten worden ist.

Dagegen steht der Eintritt dcr evangelischen
Pfarrgeistlichkeit in den evangdlischcn Confes-
sionSschulen um so mehr zu erwartcn, als
deren vorgesetzte Kirchenbehörde die Theilnahme
der Gcistlichen in dem pfarramtlichen Berufe
begründet findet.

Unter diesen Umftänden, und da die Con-
stituirung der Ortöjchulräthe nunmehr erfolgen
muß, wird der Oberschulrath, zuglcich zur Ver-
einfachung deS Geschäftsganges bei Ernennung
des Vorsitzenden, veranlaßt, die großh. Bezirks-
ämter anzuweisen, in dortseitigem Namen und
in dortseitigem besondern Auflrag sür die ein«
fache, evangelische confessioneüe Volksschule in
allen Landorten den Ortspfarrer zum Vor-
sitzenben zu crnennen, sofern keine besonderen
erheblichen Gründe entgegenstehen, und sofern
dem Bezirksamt nicht bekannt ift, daß der
evangclische OrtSpfarrcr diesen Vorsitz ablehnt.

Jn den katholifchen Landgemcinden und in
denjenigen evangelichen Landgemeinden, in denen
der Ortspfarrer den Vorsitz ablehnt, ist der OrtS-
schulrath zunächst gemäß § 1 der VollzugS-Ver-
ordnung vom 30t Aug. d. I., RegierungSblatt
Nr. 45, unter dem Vorsitz des Bürgermeisters
zu constituiren, und, sofern sich dcr katholische
OrtSgeistliche, was ihm nach dem Gesetz srei-
steht, nicht zum Eintritt in den Ortsschulrath
einsindet, für die dermalige Zusammensetzung
des Ortsschulrathes, sofern keine besondern Be-
denken entgegenstehen, in dortseitigem Namen
uno besondern Auftrag der (katholischc) Orts«
bürgermeister zum Vorsitzenden zu ernennen.

Bezüglich dcr confessionellen einfachen Volks-
schulen in Städten, der erweitcrten und der ge-
mischten Volksschulen und der israelitischen
Volksschulen, sowie der Orte, wo mchrere
Gcistliche derselben Confession sind, oder wo
bcsondere Umstände nach dem Vorhergehenden

§ie Huifcder.

(Ein Bild aus Tirol.)

(Schluß.)

Jetzt schicn Hanns etwas zu ermatten; seine
rechte Faust war ein wenig aus der Lage gekom-
men, während sein linker Arm, sowie sein rechtes
Bein einem unwiderstehltchen Drucke zu wcichen
schieuen.

Evt erkannte den Stand beS DuellS aus dem
Gesichtsausdrucke ihres Vaters, des berühmten
Ringkmners von weit und breit, sowie aus bem
schwereren Drucke auf ihre Schulter, und stille
Thränen fielen auf das schwarze Mieder hinab;
aber ein plötzliches Erbleichen dcS Mädchens deutete
auf einen Umschlag bes Kampfes; des Altbauers
Auge blitzte, seine Lippen waren halbgeöffnet und
sein Oberleib neigte sich wie zum Sprunge.

Der Toni war jetzt enlschieden im Nachthril. Die
Finger seiner linkrn Hanb hielten des Feindes
rcchteu Arm noch fest umrankt; abcr dieser rechte
Arm war jetzt ausgestreckt und deffen Faust lag
würgend an seinem Halsr. Ein Sprung nach hinten
befreite ihn aus dieser grfährlichen Lage, und bride

deren zu heben oder nach rückwärts zu beugen (im
Kreuze brechen, ist der technische Ausdruck) im
Stande ist, hat die Wahrscheinlichkeit drs Sieges
für sich.

„Im Namen des Grfttzes!" scholls, auf einmal

Gensdarmen durchbrachen den Kreis und trennten
die Kämpfenden. Der Führer hatte rasch dte rechtrn
Daumen der betden Burschen untersucht, darauf den
Boden ringS in Augenschein genommen, und da
der verpöntc Kampfring nicht zu fiuden war, die
beiden Burschen auch keine Verwundungen im Ge-
sichte aufzuwciscn hatten, so entfernte sich die Pa-
trouille wieder. Früher aber hatte der Unterofficier
den Kreis gemustert, und scin Auge hing einen
Moment fragend auf dem spöttischen Antlitz bes
AltbauerS, der die Gensdarmen gar nicht zu bc-

Nach einigen Minuten aber trat er auf die betden
Iünglinge zu, die Evi hatte er zurückgelaffen, und
sprach laut und vernehmlich: „Ietzt, ihr Buben,
hat's an End'; gerauft habt ihr ehrlich, und ketner
hat dem andern was abgewonnen."

nehmlich dem Umstande, daß man GenSdarmerie
in der Nähe wußte, zuzuschreiben, daß man dcn
Vorhang fallen ließ, bevor noch dcr letzte Akt deS
Dramas ftinen Anfang genommen hatte. Nur
Eines verwirrte Aller Köpfe. Nach einem alten,
fest aufrecht erhaltenen Brauche muß nach eincm
solchen Zweikampfe Jcder, ber tanzen will, die
Erlaubniß hirzu von dem Sieger erbitten, und
heute hatte wohl rin Kampf stattgefunden, aber
der Sieger war nicht offenkundig. Da kam der
Altbauer der allgemeiiie«, Rathlosigkeit zu Hilfe.
Die Evi an der linken, den Toni an der rrchten
Hand führend, trat er hinzu und sagte trocken:
„Mein Dua wird nir dawider haben, wann'S den
Toni um Erlaubniß bitts. Den HannS hat er
zwar nil uuterkricgt, aber mei Dirn hat er mir
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