Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Mill,, deS Conto - CorrentS der Privoten nm
6'/, Mill., und der Borschüsse anf Untcrxfän-
der nm Mill.

E ch w e t z.

Bern, 4. Oct. Dcm „Bnnd" zufolge ist
Hr. BundcSrath Knüjel beauftragt, mit dem
dadischen Gesandten, Hrn. v. Dusch, übcr eine
Rcvision dcS Vertrages von 1808 mit Badcn,
belresfend Ausliescrung von Verbrechern und
Leistung sonstiger RechtSverhältnisse in straf-
jachen, zu verhandeln.

Z ta l i e »

Turin, ö. Oct. Laut „StauiPa" erklärt
die itaiienische Negierung in einem der Con-
vention beigclcgten Protocolle, datz daS Parla-
ment ungehindert sei, seinerzeit den Beschlnß,
Rom zur Hauptstadt Ztaliens zn machcn, zu
erncucrn. Die Rachricht von dem Project
einer ncuen Anleihe von 500 Millionen und
der Addankung deS Königs ist erdichtet.

R u ß 1 a n d

Petersburg, 1. Oct. Ein interessantes,
für alle stieijenden tvichtiges Dccret ist so eben
verösscntlicht «orden: Bekannllich wurdcn dis
jctzr alle Bücher, welche Reisende mit sich führ-
te», an der Gränze conftscirt, selbst gcdruckte
Notizbücher, Reisehandbücher und Kochbücher
waren nicht auSgcnommcn, und man mutzte
immer einc gcwisse Geschicklichkeit im Verxacken
der Kofser enlwickcln, um allsällige Drucksachcn
den Augen der Zollbeamten zu entzichen. Dieß
wird nun einigcrmatzen bcsscr. Cs wird von
nun an den vom AuSIande kommenden Rei-
senden gestattct, Rcischanddücher, Sprachlehr-
dücher, Kalender, AlbumS, lltomane rc. (wenn
sie nicht specicll von der Censur verboteu sind),
in je einem Excmplar mitzubringen, so die-
selden ersichtlich znm persönltchen Gebrauch als
Lcctüre währeno der Reijc gedicnt haben, daS-
selde gilt von Landkarten, Plancn, Musika-
Iren rc., ausgenvmme» sind nnr dic im AuS-
lande gedrucklcn ortyvboren Gebetbücher, wenn
dieselben nicht das Jmprimatur der russischen
Eensurbehörde crlangt haben.

A m e r t k a.

Zn Amerika dauern die Friedensvermitt-
lungSversuche fort. Nach einer Milthcilung der
„lli. F. Z." ist Hr. Raymond (Eigcnthümer dcr
„New-Dvrk Times", Präsident deS Wahlcomi-
tee'S jür Präsident Lincoln, sowie dessen
Freund) mit z-vei anderen Nütgliedern nach
Richmond auf Ansucheu von angesehcnen Süd-
staatlichen gereist, um zu sehen, ob nicht einc
Vereinbarung zum Friebcn möglich sei.

Skeueste Rachrtchten.

Wicn, 7. Oct. Die „Wiener Abendpost"
mcldet dic Verlobung der Erzherzogin Maria
Theresia, Tochter des ErzherzogS Albrecht, mit
dem Herzog Philipp von Würicmberg.

PariS, 7. Octbr. Der „Aloniteur" ver-
öffentlicht den Wortlaut der Convenlion vom

galt dem StaatSminlfter der Jnftiz Dr. Stabel.
StaatSanwalt Dr. Bingn - r wandtc fich in seinem
Toastc an dcn Stand brr Anwäiic mit der Hoff.
nung aus schöneS collcgialeS Einvcrnehmcn, trotz
drs Kampfcs im Gerichtsaal. Der Vorstand der
Karlsr. Handclskammer, Bantirr Köllr, sricrtc
dcn Präsidcntcn des Handclsministrriums, Siaats.
rath Mathy, alS unermüdelcn Kördcrer der Krri-
heit dcS Handtls und der Gcwerbe und Kämpfcr
sür den Fortbcstand drs eben wicdcr ncu bkgrün-
detcn ZollvereiuS, Hrrr Dr. Ricgel, mit Geschick
anknüpfcnd an Buchrlin's Worte und an den eige-
ncn Bcruf, rief den Dampf zu Hilfc, als bkwe-
grndc Kraft und Symbol d,S FortschrittS, dem
sein Hoch galt. Advocat Levinger, ein längst
grschätztrr politifcher Rcdnrr, brachte in schwung-
voücr gehobcnrr Sprache srin donncrnd erwicderteS
„Hoch" dcm großen Leutschcn Vatcrlandc, dcsscn
Ringen nach Lchtcr Frcihcit und kraftvollcr Gc-
staltung in dem innercn Lcbcn unsereö LandcS und
in drn jrtzt geschaffrnen Gcstaltungen cinc ncuc
Bürgschast de« rndlichcn SiegeS grwinnt. Maschi-
nensabrikantZimmermailN sodann brachtc drm
treneu Kämpser sür VrrsaffungSrecht, dcm Kührer

15. Sept. Es stnd die bereits bekannten Sti-
pulationen. Fcrner veröffentlicht er eine Er-
llärung vom 3. Octbr. Satirl unb von Drouyn
de Lhuhs in Nigra unterzeichnet, welche einen
Termin von 6 Monaten für die Verlegung
der Hauptstadt sestsctzt und ferner stipulirt, daß
der Termin von zwei Zahre» sür die völlige
Räumung dcS päpstlichen Gebietes von dem
Dalum des königlichen DecrelS an gerechnet
wird, durch welches daS Gejetz srnclionirt wird,
daS dem Parlament bezüglich ber Berlegung
der Hauptstadt vorgelegt werden wird.

Berlin, 8. Ocl. 'Nach der „Norddentschen
Zeitung" liegt, sowcit die Conferenznachrichten
zugänglich sind, die Sache so, daß Dänemark
im Princip eine Theilung der Staatsacliva
ablehnte, worauf die deutschen Bevollmächtigten
auf den Lauschquantum-Vorschlag zurückge-
kommen siud. Däuemark nahm ihn »ck rete-
rencktuu, seine Erklärung wird erwartet.

" Heidelberg, k. Oct. Die 16. Gencral-
versammlung der Katholiken-Congresse in Würz-
burg ist zwar schon einigc Zeit vorüber, wir
glauben aber noch aus. der zweiten Sitzung einen
Bericht nachtragen zu müssen, der das Auf-
treten des Hrn. Brum mcl, dcr sich, wie wir
erfahren, in unserer Stadt alS Anwalt nieder-
zulasjen gedcnkl — etwas näher schildcrt. Wir
entnehmen unscre Mittheilung dem in Würz-
burg erschienenen „Congrcßbericht" und wün-
schen, daß diesclbe dem Herrn Brummel als
gute Empfehlnng für seine Anwaltschast diene.
Der Berichl lautclt „lliachbem P. Modeste unter
rauschcndem Beifall die Rednerbühne verlassen,
steigt eiue hohe stattliche Gestalt herauf, in der
strammen Haltung des MilitärS. Anf der
Brust glänzt daS Kreuz von Castelfibardo:
cs ist ein Held, dcr sein Leben eingcsetzl hat
sür den heil. Vater, der ncden Pimoda» und
Lamoriciere gesochten, der die Schlacht der
Martyrer, dic von Castelfidardo, mitgeschlagen,
die Belagerung vvn Ancona mitgemacht hat
und ein halbcS Jahr von den Piemontcsen ge-
fangen gehaiten wurde. Es ist Hr. Brummel
auS Baden. Seine Stimme, von mächtiger
Klangkraft, tönt fast wie KriegSdrommcten
tönen, w-nn's in die blutige Schlacht geht.
Die SLtze, die er spricht, zünden wie wohlge-
ladene Bomben und jchlagen ein wic Vollkugein
aus gezogcnen Kanoncn. Das Ganzc nahm
sjch auS wic dcr heftigstc Kriegssturm gegen
die übcr alle Maßen klägliche und elende Wirlh-
schask im badischen Lande.

Man merkte bald, jedes Blutkügelchen in
dicsem Redner ist kalholisch; mit bcr gewal-
tigen Kraft vcrbindct sich daS tiefe starke Gc-
fühl, mit ber glänzenden Bravour, der soldä-
tijchcn Furia und dem glühendcn Hasse AlleS
Bösen die kindlichste Liebe zur Kirche und zur
Wahrheit. Es war derTankredim badischen
Krcuzzug gegen die Tyrannen der Karlsrnher
und Heideiberger Volksbcglücker, der für den
greisen Erzbischos von Krcidurg in die Schranken
trat. Und Tankrcd war bekanntlich ein wild-
dreinschlagender Recke; so auch unser edler
Ritter. Seinc Rede gehört zu denjcnigen, dic,

tm Kampfe sür Einheit und Macht des großen
beutschen Valerlandcs, dem Freiherrn v. Roggcn-
bach, drn Zoll deS DankeS und oer Ancrkennung.
Di, deutschcn Frauen -ndlich, die lahnenden Ge-
nicn all' unsere« MühcnS tm Kampfc des LedenS,
seicrte Herr Gkh. Refercndär Dietz unter bem
beistimmendcn Zuruf seincr Hörcr. Manch kerntger
Spruch, manch krastvoll vaherbrausender Manner-
grsang ersreute noch die dis zn später Stundr ge-
eint! V-rsammiung; fi- trrnntc fich mtl dem frohcn
Bcwußtsein, daß die Einrichtungen, die schon in
ihrcm Erstehcn solch einen Tag gemiinfamer Denk-
art und srendvoller Eintgung zu schaffcn »ermögen,
reich scin müffen an schöpferischrr Krast sür dic
Zukunft und an fegensvollen Früchten für daS
Wohl ber Gefamnithcit. (B. L.)

Dic „Tiroier Schützcnzeitung" erzähtt folgcndcS
^„Jagdstück": Ein aleer erprobter Jäger von Sec-
seld sckoß auf einen starken Rehbock, der ihm auf
wcnige Schritte ankam; ein einziger „Psosten" aber
traf denselden, nnd zwar am G-Hörn („Gwichtel").
Der Bock stcl zu Bvden, und der Zäger sprang
hin, um ihn zn „Inickcn", als er, um diese Opc-

wenn sic gedrnckt erscheinen, an Kraft so s-hr
vcrlieren, daß man jie kaum wieder erkennt.
Diesen Redner mnß man hvren, nicht lcscn,
und iolche Rcdner soll es auf jedem Katholiken-
Cvngreß recht Vicle geben, sie rufen die wahre
Begeisterung hervor nnd lassen nnaustilgbare
Eindrücke zurück. AuS diescm Grundc gcben
wir hier auch die Ansführnngcn nicht wiedcr,
die Rcdner üder die badischen Zustände, den
consejstons- und religionslosen Obcrjchulrath
und üder die Kinder dieseS Obcrjchuirathes,
die religionsseindlichen sützlichen Knies'schen
Thesen vorgebracht hat. Der ganzen saubcren
Gesellschast der badijchen Schulresormer stand
Redner gegenüber — man erlanbe den Ver-
glcich — als hälte er in jeder Hand einen
siebenläufigen Revolver. Auch die Ramen Eck-
hardt, Nbnge, Ducat — schmutzigen Anbenkens
allc — wußte cr in seine Rede zu verflechten.

Die Schlußworte lauteten: „Zerspliltern Sie
nicht Jhre Krifte, zertheilcn Sie nicht Zhre
Truppcn auf langgestreckte Linien; greifen Sie
da an, wo die Gcfahr droht, in Baden ist der
Ort, wo diegemcinsameoeutscheKirchc
den gemeinsamen Fcind zu Boden
jchlagen muß. llnterstützen Sie den greisen
Erzbischof von Freibnrg, ber im Martyrium
wetteifert mit Pius IX. Gott schütze Bayern
vor badischer Freiheit, Gott bewahre
Se. Maj. König Ludwig II. vor Rath-
gebcr, wie sie den badischen Thron
umstehen."

Dic Versammlung war michtig angcregt.
Die feine Bemerkung des Präsisenten, daß er
die Politik, die Hr. Redner hier statutenwidrig
getrieben habe, zu mißbilligen. nicht dcn Muth
habe, wurde vvn allen Anwejenden mit don-
nernden Bravos begrüßt.

Aus Baden. Jn Rastatt «urden evan-
gelischer SeitS in deu Ortsschulrath mit Stim-
menmehrheit gewahlt: großh. Oberstlieutcnant
Schellenberg, Kausmann Gustav Zepf, Stadt-
apothckcr Ludwig Cnefeiius und Giascr Johann
Schmidt. Jn Badcn wurden katholischer
Seits gewähtt: die Herren Rechtsanwalt Wal-
ther, Gcmeidcrath Schwamberger, Schlvsiermei-
ster Großholz und Waisenrichter Graser; in den
evangclischen: die Herren Hofrath Grimm, Ge-
meinderath Feder und Dr. Frech; in Offen-
burg: die Herren Rechlsanwalt Eckhard, Ober-
amtmann Montsort, Kaufmann F. Burg und
prailischer Arzt Dr. Volk. Di- sämmtlichen
Gewähllen sind entschiedcne Freunde der Schul-
resorm. Ferner fanden die Wahlen statt in
Knielingen, A. KartSruhe, Btankenloch,
Büchig, Ulm, A.Oderkirch, Sepau, Ober-
haujen, Königschaffhausen, St. Bta-
sien, Viltingen, Konstanz, Langen-
rain, Reihen, Rheinbischofshetm,
Oberhaujen, Huttenheim, Zeutern,
Ladenburg, Bruchsat, Deutschneu-
reuth, Rust, Pfullcndorf; in der Baar
fallen die Wahlen allgemein sehr gut anS, nnd
eS ist kaum cin Zweisel, daß nicht cine Ge-
meinde deS Bczirks dem „Bad. Beobachter" dic
Frende bereiten wird, in seiner Liste zu figuri-
rcn. DaS zur Stunde »orliegcndc Gesammt-

ratton vorzunchmcn, sich bückte, ficl ihm das Ge-
wehr oon der Schuiier, s° daß dcr Gcwehrricmcn
zwischcn dse Gwichiel kam; bcvor aber noch der
ZSger seinen Knickcr angesrtzi hatte, spraug der
Rehbock aus uud stürjte mit dem Gcwchr tn srinem
Gehörn davon. D-r ZSgcr hat rs zwar wirdcr
gesundrn, abcr dcn Bock hat er ntc mehr zu Gc-
fichte gebracht.

(AuchetneHeirathSanzeige.) D»S »Schlcs.
Morgenblatt" bringt cin Hcirathegesuch, in dcm
eS hcißt: ES wird wrniger auf körperliche Schön-
heti und Zugcnd, sowtc Consesfion gefehen, als
aus rincn gutmüthigen Charakter, häusltchc Thä-
tigkeit, auch wird -s durchau« kcinen Anfioß cr-
regen, fich mit einer Damr zu vrrehclichen, sollte
auch ein Ktnd am Leben sein. Damrn im paffen-
den Alt-r, wctchr hicrauf rrffrclirru und im Bc-
fitz eines stirßenven VcrmögcnS von einigen Hun-
dert Thalrrn find, werdcn ersucht u. f. w.

Rtch-rd Wagner tft am Schleimsteber,r-
kranki; sein Zustand ist nicht unbedenklich.
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