Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Ucivember und Deeember mit 36 Krcuzeru
abonuiren bei alleu Postaustalteu, den Boteu
uud Trägeru, sowie der Expeditiou (Schissgasse
Nr. 4).

* Politische Zlnischatt.

Wie der Berliuer „Staatsanzeiger" meldet,
wurdeu am 12. die Nalisicatiousurkuudeu bc-
IreffS deS Beitritts Bayerns, WürtembergS,
Hcssen-Darmstadts uud Nassaus zu den Zoll-
vcreiuSverträgeu vom 28. Juni uud 11. Juli
ausgetauscht.

Jn der Sitzung vom 12. Nov der Zweiten
Kammer des Großherzoglhums Hessen wurdc
ein Antrag auf Ueberweisuug der politischen
Preßvergehen an die Schwurgerichte mit 30
gegcn 11 Stimmen augeuommcn.

Prager Blätter vom 6. d. meldcu: Der
oberste GerichtShos hat der außerordentlichen
RevisiouSbeschwerde gegeü das Urtheil, mittelst
dessen der juuge Kober zu dreijährigem schweren
Kerker verurtheilt worden, kcine Folge gegeben.
Der Vater des Verurtheilten reiste gestern nach
Wieu, um sich an die kaiserliche Gnade zu
wcnden.

Der Altouaer „Merkur" besorgt, Preußen
werde den Herzogthümern in demselben Maße
die fiuauzielle Last erleichtcru, in welchem sie
ihre Selbststäudigkeit opfcrteu. '

Die „Allgem. Ztg." schrcibt: „Dcr jetzige
Kaiser vou Nußlaud autwortete, als mau ihu
fragte, ob cr wohl eiue Verfassuug vcrleiheu
werde: „Jch werde die Grundzüge eiuer freicu
Versassung als Selbstwrrseher gebeu; deuu so
wie ich dcu russischeu Adel keuue, würde er nic
so weit geheu, um diese Gruudlage eiuer die
Meuscheurechte durchaus auerkcuueudeu Cou--
stitutiou zu lcgcu." Dies ist eiu Alexauder'S
würdiges Wort, das zuglcich bezeichuct, mit
wclcheu Schwierigkciteu der Befreier vou 24
Milliouen Leibeigcneu zie kämpfeu hat."

Der Kreisrichter Parisius iu Gardelegcu ist,
wie das ncueste Amtsblatt der Negierung in
Magdcburg amtlich meldet, iu Folge der gegcu
ihu eiugeleitet gcweseucu DiSciplinaruuter-
suchuug seines Amtes eutsetzt wordcn.

Zuverlässiger Mittheiluug aus Turiu zu-
folge ist der dort weilcude russische Throufolger
mit eincr wichtigeu Missiou betraut, die An-
bahnung eincr cvcntucllen Vcrmittluug Ruß-
lauds zwischeu Oestcrrcich und Jtalieu be-
zweckend.

Zrrr Schleswig-HoLfteirr'schett
' Sache.

Kopenhagen, ll. Novbr. Morgen ist
Sitzuug des geheimeu StaatSraths zur Uuter-
zeichuuug des FriedeuS durch den Köuig.

KvPenhagen, 11. Nov. Nach eiucr ziem-
lich iuhaltlosen Debatte stimmte heule das Lands-
thing dem Wiener Friedeusvertrag mit 55 ge-
geu 4 Dtimmen zu. „Flyveposten" glaubt, die
Natificaliou werde wahrscheiulich uächsteu Soun-
tag statlfiuden.

Kopenhagen, 12. Nov. Nächstens werden
sämmtliche Armeemanuschafteu der Jahrgäuge
1858 — 1860 beurlaubt, sowie sämmtliche
KriegSschiffe zur völligeu Abtakeluug iu den
iuueren Flottenhafen eiulaufeu werdeu. Die
jeit dcm AuSbruch deS Kriegs bestehende Ein-
richtuug, woruach die Negimenter auö zwei
Bataillouen zusammcu gesetzt siud, hört mit
uächstem Moutag' auf, weil sich das Doubli-
ruugssystem im Kriege uicht bewährt hat.

Hnmbu g, 12. Nov. Den „Hamb. Nach-
richlen" wird aus Kiisl berichtet: Gestern über-
reichteu der Aiagistrllt uud die Bürgerschaft
Kiels auö Aulaß d^s Friedeusschlusses dem
Herzog eiue Adresse. Dcr Herzog autwortete
uugefähr: „Dem Kaiser vou Oesterreich und
dem Köuige von Preußcn, sowie deren Truppeu
gebühre vor Allem Dank. Die Herzogthümer
müßteu stets darau gedeukcu, was sie dem Ge-
sammtvaterlande/uameutlich Preußeu, schuldeu.
WaS das Laud uach dieser Seite au Opfcrn
darbriuge, das liege rn sciuem eigcuen Zuter-
esse. Die Herzogthümer, wcun sie ihre gev-
graphischc Lage und ihrc seetüchtige Manuschaft
für die preußischc Scemacht verweudeteu, köun-
leu GroßeS leisten, Tie Aufrcchthaltuug der
Uuabhäugigkeit der Herzogthümer gegeuüber
vou Däuemark sei sciu Hauptaugeume.rk. Er
hoffe, daß sein Nccht biuueu Kurzem allseitig
aucrkauut scin werde."

Dreöden, 12. Novbr. Das „Dresdencr
Jourual" berichtet, daß die Commifsiou'zur
Uutersuchung der Neudöburger BesatzuugSan-
gclegenhcitcu am 15. November iu Kiel zu-
sammeutritt.

D e « t s ch ! a tt d.

Karlsruhe, 9. Nov. Zm nächsteu Jahre
wird keiue neue Eisenbahuliuie iu Badeu cr°
öffnct wcrdeu. Zm Frühliug, längsteus im
Sommer 1866, wcrdeu jedoch folgeude Eiseu-
bahubauten völlcudet sciu: 1) Dic gauze Liuie
von Mosbach über Osterburkeu und Gerlachs-

^ -- -

heim durch das Tauberthal uach Lauda (Ger-
lachsheim). 3) Die Kiuzigthalbahu vou Offeu-
burg bis Hausach. 4) Die Bahn vou Nadolf-
zell uach Stockach. Die im Bau begriffeue
Strccke vou Villiugen über Donaueschingeu und
Eugen uach Singen wird wegeu technischer
Schwierigkeiten schwerlich vor 1867 auSgeführt
werdeu köuuen. Bis dahin wird auch die Bahn
vou Meckeöheim über Sinsheim, Nappenau uud
Wimpseu nach Heilbrouu hergestellt sein.

/X Von der bayerischen Grenze,
9. Novbr. Die Denkfchrift bayerischer Volks-
schullehrer, welche dem Cultusministerium und
allen Acitgliederu der Stäudekammer überreicht
wurde, faud die beifälligste Aufuahme nameut-
lich vou Seiteu Letzterer; die Schrift ist in
sehr bescheidener und ruhig gehalteuer Form
abgefaßt und bleibeu die betreffcuden Lehrer
Bayerus uicht hiuter deu mäßigen Forderungcn
der badischen Lehrer zurück. Jm Cultusmiui-
sterium ist mau denu auch mil der Abfassung
eines ueueu Schulgesetzes beschäftigt, wobei die
Wünschc dcr Lehrer möglichst berücksichtigt wer-
deu solleu. Dcr ueue Cultusminister ist bc-
kauut als eiu Lehrer- und Schulfreuud. Die
clericale Partei läßt es au Anstreuguug nicht
fehleu, das seither iuue gehabte Gebict auch für
die Zukuuft zu erobern, was derselbeu bei dem
damaligcu Stand der Cultur der Völker nicht
mehr leicht möglich seiu dürfte. Zwar hört
auch bei vieleu Gemeiuden BayernS, wie wir
aus vielen Fällen wissen, die Gemüthlichkeit
auf, weun sie au deu armen Lehrer eiuigc
Guldeu Gehalt mehr auszahleu sollen. Da
darf wohl auch noch eiu Meuscheualtcr vcr-
geheu, bis die bessere Eiusicht auf eiue solche
Vcrkeuuuug der Leistuugeu cines Jugend-Er-
ziehers folgt. Gibt es doch viele „Käuze", bei
dcneu die Gemüthlichkeit aushört, wenn es au'S
Zahlen geht.

Berlin, 11. Novbr. Der AuSschuß des
Deutscheu Haudelstages hat vorgestern die
Neuwahl eiucs Präsidcuten vorgeuommen. Ge-
wählt wurde Cousul Meyer vou Bremen und
der bishcrigc Präsideut, B. Liebermaun von
hier, ersucht, das Vicepräsidium zu übcruehmeu.

Wien, 10. Nov. Die Mehrzahl der Ab-
geordueteu ist bereits eiugctrosfen, auch die
Polen besiudeu sich bereits hier, um ihre Plätze
cinzuuehmeu. Aus Böhmen erfährt man, daß
auch die au die Stellc der Nenitenten gewählten
czechischen Abgeordueten, dem Beispiele ihrer
Vorgäuger solgcu uud uicht erscheiuen werden.
Die täglicheu Miuisterralhssitzuugcn beschäftigen
sich fast ausschließlich mit der Throurcde, selbst-

N: 268

^rscheint, MontagS auSgenommen, täglich.
PreiS vikrkeliahrtkch 51 kr.

Dienstag^ LS. November

Znlerrionögebübren mr dte 5ivalrtge -ktit.
ieile werden,mt ^ kr. berechner.

L864

proceß Müller in Loudon.

Die German Legal Protcction Socicty hat am
2. November cinc Versammlung gchalten, in wel-
chcr eine Pctition an Sir George Grcy bcscklossen
wurde, die, gestützt auf den nngcnügenden That-
bcfund, um einen Aufsckub der Urtbcilsvollstrcckung
bitten soll. Während dieses Anfschnbs gedcnkt dte
GcseUschaft eincn neuen Thatbcstanv herstellcn zu
können. Das Material hierzu glaubt sie in dem
Folgendcn gefunden zu haben:

Müller hat cinc gcnaue Beschreibung des Hau-
sirerS gegebcn, von welchem er die Uhr in dcn
DockS gckauft habeu will. Man hat bei den Docks-
bebördcn Nackforschungen angestellt und ermittelt,
daß der Hausircr, auf wclchcn MüUcr's Bcschrei-
bnng pastte, sick knrze Zcit nach dem Mord a»S
den Docks entfernt und nach dieser Zeit häufig
seiuen Ausenthaltsort gewechsclt habe. Man ist jctzt
seincr habhaft gewordcn, und cr soll nur eine un-
genügendc Auskunft über sein Thun und Trcibcn
gebcn können. Ferner hat man in Erfahrung ge-
brackt, daß tn der Nacht des Mordes einem Mr.
Poolr, welchcr in Edmonton wohnt, ein Packet auS
riner vorüberfahrenden Droscke durch das Fenster
in sein Schlafzimmer geworfen wurde. Poole lief
dcm Wagen nach, um Entsckädigung für die zcr-
brochene Fensterschcibe zu erhalteu — er holte dre
Droschke cin nnd bemerkte vicr Männer in der-
sclbcn, darunter einen ohne Hut mit verbundrncm

Kopf. Diesc Leute warcn in großer Aufregung und
ricfcn Mr. Poole zu, er solle bezablt werdcu, daun
fnhren sie weiter. AlS Mr. Poole das Packet öffnetc,
fand er ein Paar Bcinkleidcr darin, auf wclcken sich
Blutfleckcn befandcn. Um 1i Uhr am folgcnden
Morgen kam dieselbe Drosckke, welche in der Nacht
die von London wcgführende Chausscc eingeschlagen
hatte, zurück. Mr. Poole bemerkte sie und machte
einige Bekannte auf sie aufmerksam, cö befanden
sich damals nur noch zwei Personcn iu dcm Wagen.

Weitcr rrklären zwei Chirurgen, Mr. Brereton
und Vincent M. Cooper, daß dic ganze Masse
des im Wagen vorgesunvcnen Blutcs nickt mehr
als cin WeinglaS voU gewescn sei, nnv vaß, wte
man sagt, sich iinter vicsem Blut Lhcilchen von
der Hirnmasse bcfundcn haben, diescs Blut nicht
allein von den Kvpswunden Mr. Briggs herrühren
kann, da — wic sämmtliche 6 ver Tovtensckau bei-
wohncnve Lhirurgen eiiistimmig auSsagen, kcine
der Wunden deö Mr. Briggs einen Gehirnausfluß i
zur Folge hattc, nock übcrhaupt haben konute,
wci: dcr Hirnsckädel nicht durchbrochen war. DaS
Innere das WagenS zcigte keine Spnr von Kampf
und auf daS am Boden licgende Uhrketteiicude war
nicht getreten wordcn. (Schluß f.)

proceß Demme-Trümpy.

(Fortsetzung.)

Sitzung vom 3. November. Die Erpcrten Em- j
mcrt und Kupfer werden über thrc abgcgebenen

Eö entspunit sich besonderS zwischcn Emmcrt uu
Vogt cinc lebhaftc Dcbattc, in welcher Enmu
der Vorwurf gemacht wird, die ihm alö Medicin
gcsetzten Greiizcn in seincn Berichten überschriitei
uiid uiiter Andern sich übcr die Glaubwürdigkc
von Zcugen ein Urtheil crlaubt zu baben ''

Pezug darauf, ob eS dcn Erpcrten obliegt, na
dem Besitz von Gist zu forschcn, beruft sich Pi
Mlor Emmert auf Kaspar. Wciui Gift iii d
Wcitentasche eines Todtcn gefundeii werde, zei
dies cuicn Sclbstmord a„.

Hr. Vogt. Eö handelt sich hier nicht um G
fuudkncs, sondern um das Nichtauffiiiden.

. dros. Enuncrt. Jch schließe auS dem Find
von Gift aiis Sclbstmord - a»S dcm Nichtfindl
aiis Tod durch srcmde Haud. DaS ist metne Log>

Hr. Vogt lau und bcftig: Die Mcinc nickt!
^ Ihrem Gi.tachtcn, dcr Eindruck d

am 14. Februar ui Ln.mvy'ö Händc gckommcn
Telegrammcs konne am 15. nickt mehr bci dc
vorhanden gewescn scin. WorauS schlicß

Dr. Kupfcr: Weil sich Lrümpy nicht am I
entlervt hat!

Dr. Vogs: Gri'uidcn Sic dtcsen BewetS a
ttch/MEn?' M-nsch-"v-,st°„d odcr dtt g.ri«

Die Erperten schweigen.

(Fortsetzung folgt.)
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