Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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fordert die Erledigung der Froge nicht bloS alS
MitexeculionSregierung, sonoern auch im eige-
ncn Namcn ans Grnnd sciner aus dem Frie-
densvertrag crwachsenen Ansprüche. Ocfterreich
und Preugen allein sino zur Verwaltung und
militarischen Besetzung der Herzogtyümcr be-
rcchtigt; jedes habe Ansxrnch auf Ausschlicßung
einer andern Obrigkeit und Truppenmacht. Di-
preußijche Regierung hat gcstern, wie in Dres-
den und Hannover mit dcr Aufsorderung (dcc
Znrüekziehung der sächstschen nnd hannoverschen
Truppen), in Frankfurl den FriedenSvertrag
einfach vorgclegt. Die Regiernng begrifs, daß
sie in Gemeinschaft mit Oestcrreich die Bcendi-
gung der Exccution in Arankfurt zu erklären
habe. Oestcrreich hat sich in dicser Anschannng
nicht von Preußen getrennt. Dies gibt uns die
Znversicht, daß die prenßische Regiernng der
Rothwendigkeit überhoben sein werde, stch selbst
ihr Recht zn verschafsen.

Dresden, 30. Rovbr. Aus zuverlassiger
Ouelle wird berichtet, daß die preußische Som-
mation mit fünftägiger Friftsetzung für die
Räumnng dcr Herzogthümcr, von der die „Bayr.
Zeitnng" gesprochen hat, bis heute Mittag noch
nicht an die sächjische Regierung gelangt war.

Deutschland.

Karlsruhe, 30. Nov. Das 16. Bulletin
über das Bcfindcn Jhrer Großh. Hoheit der
Fran Markgrifin Withelm lautet: Obgleich
der gcftrige Tag ruhig verlies, und die hohe
Kranke in dcr lctztcn Nacht meistenS schtief, so
ist doch dicsen Morgen wieder vermehrte
Schwäche wahrzunchmen. Dr. Buchegger.
Dr. Meier.

Karlsruhe, 30. Novbr. Das hcute er-
ichienene RegierungSblatt Sir. 68 enthält eine
Bekanntmachung des großh. Ministerinms oes
Znnern: oaS FestungSreglemcnt für die Bnndes-
festung Rastatt belrefsend.

Vom Iteckar, 24. November, wird dem
„Kranks. Journ." gcschricbcn: Die Oppofttion
in cinem Nüch so gni rcgicrten Lanbe isi nichr
allei» nütziich, sondrrn sogar »olhivendig. Aber
dic Art unb Wcife, wie diefe Öppofilion im
Augenblick von dcr uitrainonlanen Presse in
Baden betricben wird, darf geradezu ats un-
sittlich dczeichnel werden. Ein Artikcl, wie
jener dcs „Bad. BcobachterS", über Fürsten,
die sich durch Sucht nach falschcr Populariiät
deS VerlrauenS ihrer Pairs unwürdig machen,
anch wenn er nicht ausreichl, bas dctreffcnde
Blatt vor daS Schwurgcricht zn stellen, dürfte
doch dcn Ekel jedeS gcbildcten Lcsers erregen,
der noch nicht allen Sinn sür Anftand in der
Presse verloren hat. Und dcr edle Pfiff, dem
die Berechnung auf dcr Slirne gefchricben stcht,
dicse Darstellnng auf Victor Emanuel zn deu-
ten, auch wenn er, waS gar nichr sicher ist,
daS Blatt vor Strafe flchern kann, vcrmag
nicht, die gcrechte Entrüstung vor solchcr Ucdnng
deS politischen Schriststclleramts hcrabzumin-
dcrn. Es gibt gewiffe Grenzen, die jeder Par-
telmann, auch der cingefleifchteste conscrvative
Clericale, sich selbst zieht, wenn er anders ein
Gentleman ist. Man kann an der Grenze des

namcntltchcs Vcrzeichntß dcr Bewohncr mit dcn
jcdcSmai zugchörcndcn Angahcn aufzustcllen ist.
Dcr Zollocrein sclbst hat scithcr auf der Münchener
Conserenz tm vorlgen Jahr bic allgcmelne Ein-
führung namcntlichcr Verzcichniffe bcschlosscn.

Eö find indcß auch jcne Hauslistkn zur möglich- ^

daS namcntliche Verzclchniß nach dcn einzetncn
Kamilicn odcr HauShaltungcn anf sog. HauS-
haltungSltslcn zu fordcrn fel.

ES bedarf im AUgcmcincn wobl kaum der Bc-
gründung, daß dlc bczcichnctc ncucrc ZählnngSart
vor dcr frühcrcn den Borzug vcroicnt. Die erstc
Ansordcrung an allc statiftischcn (Zahlen-) Erhc-
bungcn ist dle Gcnauigkcit, dic zwcite dic mög-
lichstc Vi-lscitigkkit, das Elndringcn in dlc Ltnzcl-
heltcn. Bcidcs wird durch dtc ncuerc Zählungsart
fichercr und bcffcr errcicht, als durch die früherc.

E« ift hier nicht «cr Ranm, zu bcgründcn, weß-
halb gerade dle obcn bczctchnetcn Vcrhältnissc —
Gcschlcchl, Altcr, llicliglon, Familicn- und Bc-
rnfsstand, Hcrkunst, btind, tanbstnmm — ,u Ge-
gcnständcn dcr Bolköjählung gemacht wcrdc», wcß-

StrafgesetzbncheS journalistisch spielen, ohne da-
rnm im Kothe der Verdichtigung zn wühlen.
Daß die ultramontane Presse ans Eckardfts
EnIIassung Kapital zu machcn jucht, dars ihr
als Parleimanöver bis zu einem gewissen Grade
hingchen. Abcr die stete Verdächtignug AnderS-
denkender ist doch ein entsctzliches Zeugniß für
die Fäulniß der eigenen cierical reactionären
Sache, zumal wenn man bedenkt, daß alle diefe
Vcrdächtignngen wider bessereS Wiffen geschehen.
Jcdermann, der die Verhältnisse in dcr Nähe
kennt, weiß, daß Hr. Eckardt niemals der Ver-
traute deS Hrn. v. Roggcnbach gewesen ist, aber
er weiß auch, daß es cine badische Volkspartei
und eine Karlsruher demokratische Partei, wie
man ste einige Wochen lang in alleu Llättern
spuken sah nnd hörte, nicht gibt, ja streng ge-
nommen nach den dürgerlichen Verhältnissen
einer kleinern Residenz mit ihren BevölkerungS-
elemcnten nicht einmal geben kann. Schließlich
mußte man denn doch einsehen, daß es für die
Sache deS NationalvcreinS in Baden nicht an-
gezeigt war, unter einer Firma in Dcutfchland
anfzntreten, die sich, in der NLH- besehen, als
illusorisch ewies. Und so kam eS, daß die-
jenigcn Parteigenoffen, die wirklich das Natio-
NalvereinSprincip nvch repräsentiren, sich endlich
cntschlossen, eS wieder zur Geltung zn bringen.
Bis dahin hatte in diesem Punkte eine gewisse
Theilnahuilosigkeit gcherrscht, die allcrdings nicht
ohne Vcrjchulden ist, die sich aber doch leicht
begreifen läßt, wcnn man bedenkt, daß man
innerhalb der Parteicn so lange wie möglich
ben Zwiespalt zu vcrmeiden suchen muß, der
ja stetS von den Gegnern ausgcbeutet wird.
Der Erfolg dcr letzten Ereignisse (die Entlaj-
sung Eckardt's anS dcm Bibliothckamte gehört
als Hofdienstfache nicht hierher) ist jchr ein-
fach. Dcr Siationalverein in Baden und in
KarlSruhe wird zunLchst der Verantwortlichkcit
entledigt sein für die demokratijchen Feldzüge,
welche die sogenannte badische VolkSparlei unter
den derzeitigcn Vcrhältnissen in seinem Rainen
zu untcrnchmcn für gut ftndct. Die ctcrical-
großdcntfchc Partei fängl jctzt schon all, daS
alte Spiel zu trciben, d. h. Ulit densrlben MLn-
Iiern zu toketiren, über die sie vorher Spott
und Vcrachtung goß; die Ultrademokratie ist
ihr allemal lieber, als eine nationale Fort-
jchrittSpartei, aus dem einfacheii Grunde, weil
die erstcre eine idcale Größe ist, die letztere aber
eine rcale Macht dcs Liberalismus repräsen-
tirt. DaS badische StaatSieben endlich wird
keincrlci Aenderung erleiden, denn diesc Reac-
tion ging von einer nalionalen Partei aus,
nicht von der Regierung.

Frankfurt, 30. Nov. Wie wir des Wei-
teren übcr die gestrige außerordentliche Bnn-
deStagssitznng vcrnehmen, wnrde dcr k. säch-
stsche Antrag an die vercinigten Ansschüffe
verwiesen. Preußen stimmte bafür, jcdvch
unter Hinwcisung auf Arlikel Xlll. der Exe-
cntionsordnung, der keinen Zweisel für sofor-
tigc Zurückrusung der EreciitionStruppen zu-
laffe. Bayern sprach stch dahin aus, daß der
durch die srühcrcn Bundesbeschlüffe ertheilte
Aufirag noch nicht als anSgesührt anzusehen
sei rc.

halb iittt mehr, weßhalb nicht wenlger. Daß cS
fich aber nur uin wichtige Verhältnlsse hanvelt,
wird Aedcrniann ohne wcltereS erkennen.

Ebensowenig bedarf es der nähercn AuSclnan-
dersetznng, daß tie Einfortcrung d-r gcnannten
Angabrn snr jede elnzclne P-rson krinc eitle
Spielerci oder Ncugierde tst, sondcrn daß aus der
Einficht in die bctr. Zahlenverhältnisse ein wlrk-
licher, allgemciner Rutzen geschöpst werden kann
nnd wird. Die Staats- wir die Gemeindeverwal-
tnng muß dcn ihrer Fürforgr anvcrtrauten Körper
in selnen einzelnen Bestandtheilen kennen, um
ihrem Berufe gerecht zu werdcn, d. h. um fnr daS
Ganze und dir Theilc möglichft wohlthälig zu
«irken. Zn dieser Kenntniß dirncn verschtcden-
artigc statistischr Arbeiten; die Volkszählung ift
cine der wichtlgsten, wcnn nicht dir wichtigste.
Während die meisten übrlgen Aufnahmen fich auf
die Verändrrungen, anf die Bcwegung tm Zu-
stande der Bevölkernng (Grbnrts- und TodrSfälle,
Schließnng und Lrennung drr Lhen, Ein- und
AuSwandernng, Handel und Verkehr >c.) brzirhen,
crfaßt die VolkSzählung etnen bestlmmten Augcn-
blick, um dte Bevdlkrrnng tm Zustande der Ruhe

München, 16. Nov. Der Hr. Erzbifchvf
von Mnnchen hat für 1866 für die Pastvral-
conferenzen vier Thesen festgesetzt. unter welchen
sich auch die folgende befiiidet: „Welchc Be-
deutnng und Wirksamkeit hat in unseren Ta-
gen die Preffe? Wie kann der Clerns den
besseren Bestrcbungen derselben fördcrlich sein?"
Der Beantwortung dicser Frage wird man wohl
mit einem erhöhten Jntcresse entgcgensehen.

E » g l a » d

London, 29. Novbr. Der Specialcorre-
spondent der „Times" meldet nnterm 19. No-
vember ans Rew-Nvrk: Am 14. hat Brecken-
ridge Bulls-Gap in Tcnnessee genommen und
400 Gefangene gemacht. Außerdem fielen 6
Kanouen und der Train der Unionisten in
seine Hände.

S ch w e i z.

Bern, 28. Nov. Die „N. Z. Z." theilt
nnter allcm Vorbehalt daS Gerncht mit, Flora
Trümpy habe an ihre Mutler aus einer Stadt
OberitatienS geschrieben, Demme habe sie zn-
rückgelasjen; sie sei im Begriff nach Bcrn zn
ihrer Muttei znrückznkehren. An die schwei-
zcrijchen Consuie in den enropäischcn Seehäfen
find Sleckbriese gegen Demme mit bem Signale-
ment gerichtet woröen und mit Verhastnngs-
gesuch auf Grund der Entsnhrung.

Ueber den Stand der Anklage wegen Ent-
wendnng des Diamantriiigcs theilt das Kr. Z.
noch einigcs von feinem Berner Correspsndcnten
mit, was znr Austlärnng beitragen könnte.
„Sonntag Niorgens wurde Demme freigespro-
chen, und zwei Tage nachhcr von dem Unter-
suchungsrichter wegen des VerlobungSringes
besragt, woyer er denjclben habe? Da erzähltc
Demme eine schr mhsteriöfe Geschichte aus ber
Zeil jeineS Aufcnlhailes in Jtalien, in der ein
stcrbender österrcichifcher Hauptmaiin, eine Her-
zogin u»d eine NonNe vorkommen, und in bie
er jogar auf eine höchst verietzcnde Weise eine
nun vcrftordene Frau von hier verwickelle, in
bercn Haus cr dei deren Lebzeiten Arzt und
vertrauter Freund aller Famttienglieder war.
Demmc mußte von dieser Sache fehr Lngftlich
gestimmt sein; dcnn er gmg sofort zu eincm
angesehcnen yiesigen Rechtsgelehrten, dcr ihm
nach Anhörnng dcS SachoerhatteS die Mcinnng
aussxrach, diese Angelegenheit könne zu einer
nenen Verhastnng führen, nnd er gebe ihm
den Rath, das Weilc zu fucheii. Zn größter
Anfregung erklärte Dcmme, zu einer Vcrhaf-
tung tasse er es nicht kommen, dasür habe er
gejorgt. SonnkagS darauf flüchtete er sich mit
Flora, und, wie wir annehmcn zu müsscn Grünve
haben, damalS in dcr bcftimmten Absicht, im
Gensersee den Tod zu jucheii; aber wahrschein-
lich klammerte sich jeinc Genußfucht feft an's
Lcben. Ucbcr daS weiterc Schickfal der Flüch-
tigen ist jetzt noch undurchdringiichcs Dnnkel
verbreitet."

Z ta lte «

Rom, 28. Nvv. Hr. Pacheco hat heute
in einer Privatandienz dcm Papfte seinc Be-
glaubigungsschreiden als außcrordentlicher Ge-

zu schtldern. Die Wicderholung der Zählung nach

«tner zur andern vorgcgangcnen Wandelungcn.

Aus dem Verbältnisse dcr Zahlknergebntffc etncr
Zählung und noch mchr aus dem der Zahten ver-
schiedener Zählungen lasscn fich die wlchtigsten und
di- zuvcrläsfigften Schlüffe über das normale Be-
finden und die regetmäßtge Entwicklung der Be-
völkernng, sowie andcrscttS über Mängcl nnd Ge-
brechen in derselben entnchmen. Die Aufmerksam-
kett der Behördcn wird dadurch geweckt, und Uebelri,
welche sonst viclleicht erst spät fich dcutlich erkcnnbar
gemacht hätten, kann cntgcgengewirkt werden. So
erlaubt z. B. dtc Bcrlhcilung der Bevöikcrung nach
den AlterSclasscn eincn Schlnß anj dic größere,
ober geringere Sterblichkeit. Zeigt fich in cincm
Orte, einer Gcgend ein ungünstiges Stcrblichkcits-
verhällntß, d. h. ist die Zahl ber Lebenden in gc-
wtffen Ciaffen zu gertng, mit andern Worten sterbcn
mehr Mcnschen oder sterbcn dic Menschen in jrühc-
rem Altcr, als nach anderen Erjahrungen dcr Fall
sein sollte, so wlrd man strrben, den Grund auf-
zusindrn und Mittel der GesundbeitSpolizei, der Bc-
lehrung u. anwenden, denselben zu hebeil. (Krzs.f.)
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