Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Gemeinlrbrn.' Auch Professor Ecknrdt hat 12
Borlesungen übrr Literalur, Ätujik u»d bil-
dende Künste deS 19. Jahrhundcrls angekün-
digt. Wir wünsche», daß sich dazu rcchi viele
Zuhorer einfinden »wge». Denn wenn wir
unS auch von der xotitischen Thätigkeit de«
Herrn Eckardt nieniats ersxrießliche' Resultate
zu versprechen vermochte», so ist er doch uiit
jeiner immer nicht gewöhnlichen Beredsamkeit
gauz der Mann dazu, die schöiigeistigen Be-
dürsnisse der Karlöruher i» angenchmer Weise
zu besriedigen. Bciläufig bemcrken wir, daß
die von der „Landeszeitung" gegen Eckardt be-
liebte Angriffsweise hier ziemlich allgemein, ohne
Unterjchicd der Parteicn, als eine nicht takt-
volle verurtheilt wird. Sehr wünschenSwerth
wire es, wenn diejenigen Mitglicder deS hie-
sigen Nationalvereins, welche jene andcre poli-
lijche Richtung, als dic von Herrn Eckardt
vcrlrctenc, empfohlcn sehen möchten, in dcn
Sitzungen zahtreicher erscheinen möchtcn, da es
für sie nicht schwer fallen wird, die Majorität
dald zu erlangen.

Karlsruhe, 10. Dez. Heutc Nachmiltag
1 Uhr 20 Min. stnd Zhre Königl. Hoheiten
der Kronprinz und die Kronprinzcssin von
Preußen, von der Schwciz konimend, dahier
eingelrosscn. Höchstdicsclben haben im großh.
Schlossc Adsteigequarticr gcnommcn und ge-
denken cinige Tage im Krcise Jhrer hohen Ver-
wandlcn zu verweilen, um Sich sodann »ach
Berlin zu bcgcbcn.

Mannheim, 6. Dez. Das „Mannh.-Z/'
schreibt: Dcr z 79 Abs. 2 des Polizeistrasge-
setzcs verdiclel das s. Vcrheucrn in- und aus-
ländischer Loose fnr oen Untcrnchmer bei Gcld-
strase dis zu fl. 100 oder 6 Wochen Gcsäng-
niß und sür dic Unterhändler bis zu sl. 50
oder 14 Tagenz nach I 14 jollen die Ver-
össcnllichungen der Einladungcn dazu mit der
Hälsle der auf daS Utttcrnchmen selbst gesetzten
Strase bei den Vcrlretern dcr betr. Zcitungen
gebüßt werden. Dagcgen wäre nun nichis cin-
zuwenden, wcnn dicscS Berbot nach allcn Äeiten
hin gehandhabt würdc, allcin nach der ncncsten
Verordnung des großh. Ministcriums des Jn-
nern «om 28. Novcmbcr soll dcr sj 14 nur
gcgen die inländischcn Zeitungen in Auwen-
dung gebracht, gcgen die anSländlschcn- aber
unterlassen werdcn. Wir betrachten diese Maß-
rcgcl als eine halbe, ihrem Zweck dnrchauS
nicht cntsprechendc. Durch dcn ungehinderten
Absatz der, die verpöntcn Bckanntmachungen
enthaltenden, ausländijchen Blälter iu Baden
ist der Lockung zum Promcssenspicl keiu Ein-
halt gelhan, und das cinzige Resultat davon,
den inländischcn Zeitungeck zu Gunsten aus-
ländischer cinen nainhastcn Theil ihrer Znserate
zu cntziehcn. Wir sprccheir durchauS nicht ir-
gend ciner Art von Einschreitungcu gcgen die
fremden Blätler das Wort, allein wenn, wie
hier, der Zwcck deS VerbotS, sosern solcheS nur
auf daS Znland angewandt wird, vdllständig
illusorisch gemacht wird, könncn wir eS nicht
im entserntesten mit dem Willen einer sonst
so sürsorglichen RcgicrungSbehörde vcreinbaren,
einzelnen Landesangehörigcn, wie eS hier ge-
schieht, wehe zu thun, ohne der Allgcmeinhcit

Lärm zu machen, ihren Mann anfsuchen ging. Die
Zwischenzeit hatte Stürze dazu henützt, einc Mengc
Beld und geldwrrrhcr Sachen zu siehlcn und fich dann
eilig zu entscrnen. Einige Tage nach diesem Diid-
ftahle sand adir die Frau unter dim Schranke ein
haarschars geschliffeneS Schlachtmeffrr, so daß tie
Vermuthung nahc lag, Stürzc habe auch hier einen
Raubmord intendlct und fei nur durch die gleich-
zrittge Anwesenheit deS Knaben an deffen Aus-
sührung verbindert worden.' Zn ähnlicher Weise
bekundete schließlich noch ein Z-Ugc, daß Stürzc
ihm, weil er fich helchwert hatte, Stürze habc ihm
18 Groschcn geftohlen, gedroht hade, „weun cr
nicht still sei, würde er ibm mit dcm Mkffer durch
dcn Leib sahren." Alle diese Jndijicn überzeugten
indeß dte Geschworcnen nur in so wcit von der
Schuld be» Stürze, daß fi- mit fiebcn gkgen süns
Stimmrn ihr verurthcilendes Verdict über ihn
ausfprachen. Dieser Spruch, welcher bei solchem
Slimmverhältnisse nach preußifchem Rrchtc durck
den Gerichtshos crgänzt werden muß, wurde jedoch
von lrtztrrcm wiedcrum ausgcbobcn und Stürzc von
der Anklage deS MoideS fretgesprochen. Damit >r-

die beabsichtigten Vortheile dagegen zuwenden
zu können.

Wiesbaden, 8. Dec. Als der Redacteur
dcr „Mittelrh. Ltg." sich aus daS Postamt bi-
gab, um wegen deS von unbefugter Hand er-
brochenen BricfeS nähcre Erkundigung cinzu-
ziehen, wurde ihm gesagt, der Brief sei auf dcr
nassauischen Landes-Zeitung und nicht wie dcr
Postbote sagte, ans der Landesregierung abge-
geben worden. Da zu letzterem kein Grund
vorlag, — denn aus dem Brief stand mit sehr
denllicher Eanzleischrist: „An die Redaction dcr
Mittcl-Rhcinischen Zeilung" — so hat der Re-
dacteur dei dem Postamt Beschwerde erhoben.
Demnach ändert sich hiemit die Sachlage jcden-
falls sehr. (N. F. Z.)

Kaffel, 9. Dec. Der Premierlieutenant
o. Loßberg im Jägerbataillon ist wegen seiner
Theilnahme am Sturm auf Alsen (bezw. Ur-
laubsüberschreitung) zu 4 Wochen Arrest vom
Kriegsgericht verurrheilt worden. Der Antrag
des Auditeurs war auf 3 Monate gerichtet.

AugSburg, 7. Dez. Einer hier weilenden
braven Familie ist durch den L-chillerverein eine
große Weihnachtsfreude gewordcn. Frau Dr.
Kottenkamp, dic Wittwe des vor mehreren Jah-
ren als Mitredakteur der Allg. Ztg. verstorbe-
nen Gclehrten, der sich durch seiue Schristen
über Völkerkunde und Geschichte cinen in ganz
Deutschland geachtetcn Namen erworben, hal
von dcm SchiUcrvercin 200Thlr. jährlich auf
sünf Zahre erhalten.

Berlin, 8. Dez. Bei der gcstrigcn Fest-
tascl brachte Se. Majestät der König ein Hoch
auS auf jeinen Irenen Lerbündeteu, den Kaiser
von Oesterreich, sodann aus seine wackcren hcim-
kehrendcn Krieger. Prinz Fricdrich Kärl dankte
Sr. Maj. in längcrer Rede NamenS der Trup-
pe» mit cinem Hoch aus den König. (Kln. Z.)

Berlin, 8. Dez. Gcstcrn nach beendigler
Parade wurde auf Bcfehl deS Königs bei der
Parole-Ausgabe der nachstcheude Armcebefehl
bckannt gemacht: „Der glorreiche Krieg gcgen
Dänemark ist deendigt. Seit fast einem halben
Jahrhundert habcn mit kurzer, aber chrcuvollcr
Unterbrcchung PrcußenS Wasscn gcrnht. Jhr
Soldaten MeineS HcercS, die Jhr bevorzugt
warrt, dic Thaten des letzten KricgeS zn voll-
bringen, habt den preußischen Waffenruhm cr-
»eut. Die Tage von Düppel und Alsen stnd
durch Enren Hcldrnmuth auf cwigc Zeiteu in
der KricgSgejchichtc vcrzcichnet'. Meine neu be-
gründele Flotte hat sich de» Landtruppen würdig
angeschlossen und zählte in ihrem Erstkampfe
nichl die Zahl der feindtichcn schisse. Vcreint
mik dcn tapfern Truppcn MeineS -rhabenen
Verbündetrn, des Kaiscrs von Oesterreich Ma-
jcstät, habt Jhr den Feind übcrall besiegt. Der
Segen der Vorsehnng hat auf Euch geruhet,
weil ihr goltesfürchtig, pfüchtgetren, gehorsäm
und tapfer waret. Aber auch die anderen
Theile NieineS HcereS haben sich Meinc Zu-
friebenhcit erworben. Bedeutendc Slrcitkräfte
dcsselbe» häbc» in jchwerem Dienst dic östliche»
Grcnzcn dcs Staatcs gcgen den andringcnden
Anfruhr geschützt; die übrigen Abtheilungen
haben durch unvcrdrossenc üebung den Rnf
unserer Kriegsbereitschaft ausrccht erhalten. s

swetnt dieser Mord nock tmmcr uicht aufgehelli,

ES springt in dtc Augeu, daß dieser Faü dcm
Müiier'schen in London sehr ähnlich ist. Desto un-
glcichcr ist das Verhalten derGcschwornen. Jn Eng-
land würde man vielleicht zur Vermeidung von
Wctilänsigkettin einfack NicolauS gehängt baben,
und Stürzc hätte fich 2000 Thlr. verbienen kön-

auSgesprochen habcn wollcn. Wir behauptcn nur,
daß zu wcutg uud zu schsccht geprüfte Thalsachen
vorliegen, um Krauz Müller sür den Mörder von
Briggs zu erkiären.

Dcr „Wettcrauer Bote" Nr. 14ö entbalt fvigcn-
deS Jnferai: „(Gesundene Perrückc und Kappe.) i
Am Katharinenmarkt-Abend ist tn der Gegend dcr I
Adfahrt zur Eiscubahn auf der Thauffee einc blondc I
Perrückr uud eine Kappe glfundeu worden. Der I
wadrfchrtnltch gegrnwirtig kahlköpfige und bet so
üb-lrr Witterung Mitleid crregende, stch zurrichend ^
legilimirenbe nnd persönlich fich «iusiillenbe Ligen- j
thümer kann diese beiben Kppsbedeckungen in Em-

Somit hnt sich dic neue Organisativn, welche
Jch der Armee gegeben habe, giänzend bewährt.
Jn Slolz und Frcude blicke Jch auf Meine
ruhmreiche gejammtc Kriegsmachk. Jn Meincm,
in des Vaterlandes Namen spreche Jch Euch
Allen Meine Anerkennung, Meinen Königli-
chen Dank aus. Gott walle ferncr gnädig über
Prcußen. Berlin, den 7. December 1864.
gez. Wilhelm."

Wien, 5. Decbr. (Fewisttzung der Adreß-
debatte.) Professor Herbst gab, an das Thema
des VorrednerS antuüpseno, eiue ebenso mei-
sterhafte wie detaillirte Critik der Budgelvor-
lagen, um zu dem schluß zu gelangen, daß
es, wie die Aoresse sage, mit dem Streben nach
Ersparungen und dem Verjprechen wic seither,
nicht gelhan, daß eine totale Umkehr nothwen-
dig sli nnter Festhaltung des Princips, daß
die Ausgaben sich durch dic Einuahmen decken
inüssc». Das gcgcnwärtige System sühre zu
einer immer gcsteigerten, immer ansgedehnteren
Controle, also zu fortwährender Vermehrung
der Beamten, also zu immer größeren Kosten.
Die Budgetvorlage betrachte er schon als cine
Vermiiidcrung des Dcficits, wemi ein Schuld-
poften durch eiue Anleihe, einen StaatSgüter-
vcrkauf, oder in ähnücher Weise gedeckt werde.
Deckung sei aber keine Verminderung. Auf
Koftcii deS ActivvermögenS des StaateS eiue
geringere Deficitziffer herzustellen, gehöre zu
jener Schönfärberci und Selbstläuschung, mit
der man eiu sür alle Mal brechen müsse. Es
sei jchon gesagk worden: so köune eS nicht
ffortgehen; das sei auch deshalb nichl mögüch,
weit bereits die Stcucrkraft auf's Aeußerfte
angcspamit sci; di- Vermindcruug d-S Saiz-
steuerertragS ergebe dies für die indirccte»
Sleuern; die dirccten Steuern könne mau
allerdingS cxequircu, abcr wohiii solle die
uugeheure Zunahme der Steuerexecutioncn
sühren? Reoncr geht dann auf dic Besprech-
uug des bisherigen volkSivirthschastlichen Sy-
stemS übcr; dic Zudustrie kömie die gcgcnwär-
tige Bclastung nicht länger ertragen und die
in derseiben unler den bcdeutendsten Steuer-
zahiern herrjchende Crijis lasjc auch bcfürchten,
daß die Voranschläge des Finanzministers, den
übrigeno Redner durchauS nicht allein verant-
wortlich machcn wolle, da cben daS ganze Rc-
giermigssystem fchlerhast sci, in der Wirküchkeit
nicht errcicht weroen würdcn. Der Finanzmi-
nister ging nicht bloS auf dic in der General-
debatte vorgekommcnen Aeußerungen über die
Finanzgebahrung ein; dcr Vorwurf dcS Grafcn
Kinsky, daß die Regierung das Bankstasut
umgangen habc, sci unbegründet; es handle
sich hierbei um ein einfacheS Lombardgeschäst.
Jm Uebrigen habe die versassnngsmißige Bc-
handlung der Finanzangelegenheiken seit 1861
auf dieje dcn wohlthätigstcn Einflnß genbt;
es ergebc dies der Knrs der wichtigsten Börsen-
papiere. Mit der Zdee der Konvcrtirung der
Staatsschulden erkiärt sich Hcrr ». Plener
unter gewisse» Cautclen einverstanden. Dic
von ihm vorgelegken Steuerrcformgesetze wcrde
das Haus prüfen; er hoffe auf deren Annahmc.
Auf die Herbst'sche Kritik des Budgets sür
1865 erwidert cr, daß dasselbe genau nach bcm

pfang nehmen und drn gegenwärtigen, seine pcc-
sönlichc Betanntschaft sehnlickst wünschenden Zn-
habcr bei dcr Erpedition d. Bl. erfragen.

(Die berühmte Nidclungenhandfchrift),
die stch setzt in Brrlin befindct, wurdc uesprüngiich
in dem an altdcutschen Manuscripten fehr reilhcn
Tyroler Vlntfchgau von Beda Wcbcr aufgcfunden,
der fie für 200 Guldcn ins Ausiand verkaufte.
Don hter ging das sür Deutschland so merkwürdige
Schrtftstück für 2600 Thaler nach Englanb und
wuede dann »on Berlin ans um mehr als daS
Doppeltc dteseS PreiseS wieder zurückcrworben.

Newyork. An dcn Ver. Staatcn von Nord-
amerika kvmmen zur Zrit 1SS dculschc Zcisungcn
herauS, davon in Calisornien 4, Lonnecticut 1,
District Solumbia 1, Zlltnonts 14, Zndiana S,
EansaS 1, Kentucky 2, Louifiana 2, Maryland 2,
Maffatnselts 2, Mi-bigan 3, Minyesota 4, Mis-
sollii 8, Ncw-Zersey z, New-Aork 18, Obio 21,
Pennsylvanien 45, WiSconfin 15, Tenneffce und
Wcstvirginicn I. Während deS KriegeS gingcn
48 dentsche Zettungen etn und 60 neue entstanden.
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