Heidelberger Zeitung — 1864 (Juli bis Dezember)

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Juli 186S auf 2L23,vbt,677 DollarS und
fxricht dabei die Ansich! rus , daß/ wcnn ,»au
die Dauer uud die Kosteu dreses KriegeS von
Anbeginn rn hätte vorruSsehen könnc». man
ihn wohl nie unternommen haben würde.

Deutschland.

1- Mannheini, 14. Decbr. Mit einem
Dampfer der niederiändischen G-sellsch-fl fuhren
wir kürzlich zu unserer Erfrischung und Erho-
lung (der Hr. Correfpondent hat sich cine clwas
nngünstige Jahreszeit dazu ausgewählt) eine
ziemliche Strecke den herrlichen deutschen Strom
hinab. Ein mit unS fahrender Berliner sprach
rusführlich von einem einheitlichcn deutschen
Rcich mit Preußen an der Spitze, denn gegen
Osten hin, ctwa nach Bndapesth, habe Oester-
rcich jeinen Schwerpuukt zu verlegen. Man
crwiderte dem sophislischen Nhetor von der
Spree, daß scin gnlcr «önig nicht nur Deutsch-
lands wohlwollende Sympathicn, sondern auch
dic llntcrstützung seiner eigenen „sortschrittli-
chen" Unterthanen zurückgewiesen habe. Anf
dicicr VcrgnügungSsahrt crfuhrcn wir auch zu
unserm Bedauern, in wclcher schlimmen und
nachtheiligen Lagc die Schissfahrt aus dem Rhein
und seiner.schissbaren Ncbcnflüsse jeit einer Rcihe
»o» Jahren sich befindct, odwohl zur Verbesse-
rung manchcS gcschchen ist. Was aber zn diesem
Zweck noch gcschehen kann, sollte nichl längcr
verschoben werden. Es handelt sich darnm, das
fiskalische System gänzlich aufzugeben,
welchcS mchrcre deutsche Uferstaaten noch auf-
rccht erhaltcn, insbesondere Hcsscn und Nassau,
die sich noch immer nicht entschließen könncn,
auf die Einnahmcn auS dem Rheinverkehr
wenigstens so weit zu verzichtcn, wie die übri-
gcn dculschen Uferstaaten. Nicht mächtig genug,
um die Hüler und WLchtcr des Rhcinslroms
vorzustelleu, wollen Hcsjcn und Rassau die
vornehinsten Zöllncr dort scin, und es wird
ihren Rhcinzollämtern mancheS nachgesagt, waS
wahrlich nicht erbaulich klingt.

Die Schisssahrt aus der Lahn liesert im Klci-
nen cben wrcder ern Bcispiel, wohin man mil
dicsem von den angcschensten dcutschen ZSoiks-
wirthcn längst vcrnrlhejlten fiskalischcn System
kommt. Die bcrüchtigten Schleuscngeldcr
verursachen, daß die großcn Hüttenwerkc, welche
auf die Vcrschisfung der Lahnerze angewiesen
sind, rhre zahlreichcn rigencn L,chissc leer stehen
lassen und die Eisenbahn benützen; cinc Menge
ArbeilSkräste sind dadurch außer THLtigkeit ge-
setzt, die Existenz vicler Mcnschen gcfährdet,
ganzc Gemcinden, wie die von Niederlahnstein,
auf daS schwerste betrosfen. ES ist eine trau-
rige Thatsache, sagte uich cin Mann, dcr dicse
«Lerhälinissc genau kennt,' daß cin großer Theil
unserer einst so wohlhabenden Rheinschisfer von
Jahr zu Jahr in größcre Noth geräth, daß die
mcisteu nur noch ein kümmeriiches Leben von
der Hand in den Mund führen, vielc genöthigt
srnd, ihre Schiffe zn vcrkaufen und daß die
Schiffjahn nur noch von den Rhedern mit
ganz geringem Rntzen betrieben wird. Wenn,
was zu crwarteu stcht, die Eisenbahncn den
Pfennigtaris auch erst auf andere Gegen-

wissrS Gleichgewicht geireien smd. Hier ist zuerst
rn drn Briefen des Zgnatius der Name und Be-
griff de» „K-lholischen" enldeckt worden, und
Rom erwieS sich als dic eigcniliche Stätte der Ver-
wirklichung der Ä-tholieität; d-nn >s vertrug im
zweiten Jahrhundert den Zusammensluß aller, anch
der schroffsten Parteiunterfchicde.

Rach dem Angesührtcn wird cs ntckt hefremdcn,
daß Zrenaus Endr deS zwciten Aahrhunderts
Rom als dic angeschenste Gcmeinde preist, als vie
zuverlässigste Bewahrerin d'er Tradition, als dte
Metropole der Metropolen, dorthin wenden sich
allc Blickc, dortbin sließen alle Berichte und Mit>
Iheilungen, dort erschlirßt sich jener großartige
Ueberblick über die nnendliche Vtelheit der Zn-
t-reffen tn dem ganzen isebiete der christlichcn
W-lt.

Der Bischos Vietor trägt drn irstcn rvmtschcn
Namcn unter den Bischöfen; bis dahin kommen
nur griechische Namen vor. Unter thm und setncn
Nachfolgern g'rlingt cS, der skindfeligst-n Oppvsi-
Iton, welche daS Spiskopat im MoutaniSmuS zu
bekämpsen hatte, vollkommcn Herr zu werden. Und i
wie hier im Jnnern, so triumphirt die römtsche

stände alS Kohlen ausdehnen, ist d-r Schifffahrt
-die Concurrenz fast unmöglich. Was ihr helfen
kann, ist die nnverzögerte Einführung einer
ganz geringen allgcmeinen Abgabe. Man erhebe
von jcdem Schisse jc nach seiner Ladungsfähig-
keit cine Steuer, wie von einem Gebäude und
lasse Jeden fahren, wohin er will, so oft es
ihm bcliebt. Was der Schiffahrt ferner Noth
thut, ist die Bescitignng von Hindernissen im
Fahrwasser. Jn dieser Beziehnng leisten
gerade diejenigen Staaten, welche die meistcn
Gefälle erhebcn, das Wenigste, wie der gegen-
wärtige Zustand dcs Stromes im Rheingan
zeigt, wo die Schiffer wegen der Versandung
genöthigt stnd, sogen. Lichtcrkosten zu tragen,
um vora» zu kommen. Baden ist auch aus
diesem Gebietc mit schönem und gutem Beispicl
vorangegangen, aber dcn Andern pressirt es
nicht, dicses Gute nachzuahmen. Die badijche
Regiernng hat auf manchc den Schiffcrn lästige
Gesälle verzichtct, und in jüngster Zeit ließ sie
niit lobenswerther Anstrengung daS Fahrwasscr
dcS NeckarS, insbesondere oberhalb Hcidel-
berg, vo» gcfährlichen Klippen, von L-leinge-
rünipel und sonstigen Hcmmnissen säubern.
Wo Hilfe nöthig ist, darf man nicht langc
crwägen und sich bcsinncn. Werden die er-
wähnten Bedingnngen nicht erfüllt, so geht die
Schifffahrt auf dem Rhein und seinen Reben-
flüssen unrelldar zu Grunde.

Wiiesbaden, 18. Dec. Dic „Mittelrh. Z."
enthält einen amtliche» Artikel, wonach die
Wiesbadener Wahlversammlung nnr dem Ver-
langen zugcstimmt habe, daß die Beschlußjassung
über die Wahlfähigkeit dcs Hrn. RegierungS-
dircctorS Wcrren, bis zur Vorlage dcr betref-
sendcn Unlersuchungsacten, auSgesetzt bleibcn
sollte. Zugleich bescheinigt daS KricgSdeparte-
ment, daß Herr Wcrrcn von 18S4 biS 1864,
während jeiner Amtszeit als Generalauditeur,
»iemals in Untersnchung und namcntlich wegen
Zinswncher gestanden habe. — Die Verhand-
lung dagcgen soll ergeben haben, daß auS jener
Uutersuchung aus Wuchcr der Militärbehörde
von denr Civilgericht Mittheilung gemacht wurde.

Berlin, 18. Dcc. Gegen zwei Nummern
dcr „N. Frankf. Ztg ", wclche Besprechungen
dcs PolenprocesseS u»d dcr Politik Preußcns
in der schleSwig-holstcinischen Frage enthalten,
wnrde Vernichtung der incriminirten stellen
erkannt.

Drvsden, 16. Dec. Der König hat dem
F.-A!.-L. v. Gablcnz das Großkreuz deS Mili-
tär-St.-Heinrich-OrdenS verliehen.

Wien, 16. Dez. Der deutsch - französische
HandelSverirag ist definiiiv untcrzeichnct und
damit ist die Zollfrage, die zn so heftigcn
Kämpscn Beranlassung gab, endgiltig erlcdiget
in einer dcn voikswirthschaftlichen Jntereffen
DeutschlandS entsprechcnden Weise. Daß Frank-
reich an Oestcrreich keine Zugeständnisse gcmachl
und eS abgclehnt hat, Disserentialzölle zu
Gunsten Oefterreichs zu konzediren, enlspricht
ganz dem Slandpunkte, den Frankreich von
allem Anfange an in der Handelssrage be-
obachtet hat. Hr. v. Hock ist gestcrn ÄbcndS
nach Bcrlin abgcreist, um die Verhandlungen

Kirche nach Außrn in dem Streite mtt der asiatischrn
Kirchc übcr dir Ostcrfcicr.

Sicherer als je fühlt üch dic röinische Gemctnde
yls Hauptfitz dcr ckristlichen Welt. Dic alte Welt-
herrfchaft konntc fallen, dic Bcdingungcn einer
ncuen, viel umfasscndcren und sruchtbarercn lagcn
vor, die Rom als ttnivcrsalcrben aller Culturvöl-
k-r darstellen »nd »erherrllchen svllte.

I Mufikalisches.

Heidelberg, 2V. Dec. Zm grvßen Laalr de»
hlesigen MnsenmS fand gestern das zwcite Abon-
ncmrntS-Loiicrrt dcs ZnstrumentalvereinS unter
L-itnng d>s Hcrrn Boch statt. Die RSumc warcn
gedrängt vvll, nnd das Publiknm wird nickt ohnr
grvje Befriedigung drn Saal verlaffrn habrn.

Nach dcr ausgczcichneten Aufführuvg der D-dur-
Symphontc von Mozart I-rnten wir in Hrn. Hugo
Hrermann aus Paris einen Künsrlcr -rstcn
RangcS kenncn. Dcrselie trug ein Conccrt für
Vtoline'mit Orchester von Becthovcn vor, und
spätcr nock cinc Balladc nnd Polonaise von Vi-nr-
tcmps. Anf eine »ussührliche Beurlheilung könnc»

wicder aufzunehmen. Es wird stch hierbei
hauptsächlich um gewisje VerkehrSerieichterun-
gen, sowie um das Zustandckommen eines Zoll-
karteUS handeln, wobci die Jnleressen beider
Zollgruppen maßgebend sein wcrdc». Ein
Staat wie Oesterrcich, der von Krakau bis
Bregenz an dcn Zollverein grenzt, kann d-m
letzteren nicht feindlich gegenübcr lreten und
muß sich mit ihm auseinanderzusetzen suchen,
und daß man diese Wahrheit in n»seren maß-
gebenden Kreisen begreift, ist der einzige Lichl-
punkt, den die österreichische Handelspolitik seit
dem Tode Brucks anfzuweisen hat.

Der Effcctivstand dcr anf unbestimmten Ur-
laub heimzusendenden italienischen Soldaten ist
positiv aus 80,000 Mann beziffert; da die neue
AuShebung nnr 60,000 Mann bcträgt, so er-
reicht also die wirkliche Heeresrednclion 30,000
Mann. Dcr Pferdebestand wird bei dcr Ca-
vallerie cbenfalls bedeutend vermindert.

Wie», 17. Dec. Hente um 11 Uhr Vor-
mittags ist der Transportdampfcr Jndrana mrt
38 Offizieren und 1182 Mann dcs kaijerlich
österreichisch-merikanischcn Freiwilligencorps von
Lriest nach Veracruz ausgelauscn. ES sind
demnach seit 19. v. MtL. 156 Offiziere und
5486 Mann (zusammen 6640) unterwegs nach
Meriko. Der Rest des Corps wird Ende Za-
nuar oder Anfangs Februar 1865 dahin ab-
gchen. (Prefse.)

Wien, 19. Dec. Ein Artikcl der „Cvnst.
Ocstcrr. Ztg." bctrachtct die Einsetzung des
Erbprinzen von Augustenburg als Hcrzog von
Schleswig - Holstein für gesichert. — Der Re-
dacteur des „Wandercr" wnrde wegc» Belei-
digung dcs KönigS von Preußcn zu dreitägigcm
Arrest verurtheill.

Wien, 19. Dcc. Der Enlwnrf eiues be-
sondern nngarischen PreßgesetzeS, das bcstimmt
ist, mit der Aushebnng dcS KriegSznstandeS in
Wirksaurkcit zu lreten, ist dem Kaiser zur Sanc-
tion untcrbreitct worden. (Fr. Postztg.)

F- r a u k r e i ch

Paris, 17. Dez. DaS „Memor. diplvm."

Angelegcnhcit dcs KohlenbcckcnS geben ^zu kön-
nen, das von Frankreich angebiich auf dculschenr
Boden crworbcn wcrdcn soll. „Wir glaubcn
in dcr That (sagt daS „Memor."), ohne cin
Dementi von irgend einer Seite fürchlen zn
müssen, die Behanptung aufstcllen zu können,
daß auch nicht die geringste Unterhandlung übcr
'die angebliche Ueberiassung eincS KohlenbeckenS
zwischen den Tuilerien und dem Beriiner Ea-
binct angcknüpft ist, wiewohl eS osfenkundig ist,
daß eine französische Gcsellschaft fürAnSbentung
auSwärtiger Kohlenwerkc von u„crschöpfliche,n
Gehalt unb auSgczeichneter Qualität jich gebil-
det hat. Wcnn, wohlvcrstanden unabhängig
von jeder Beeinflussung deS TuilericncabinetS,
dieses Geschäst zum Abschluß kömmt, so bchält
sich die Gescllschaft vor, um die Erlaubniß
einzukommen, diese Kohlen steuerfrei nach
Frankreich einführen zu dnrfen, »nd dann crst
würde die Rcgierung indircct mit dcr Frage stch
befassen, der ste bis jetzt fremd geblieben ist."

er scines Jnstrumentes vollständig Meistcc tst, alle
technischen Schwierigkciten übcrwundcn hat und mit
der größtcn Leichtigkeit wahrhaft zauberhaftc Tönc
scincr Violine zn cntlockcn wciß, wclchc gcwiß jcdem
mustkaltschcn Ohr no» langc im Gevächtniß bicibcn
wcrdcn. Einc glänzendc Laufbahn stcht dem gc-
nanntcn Küiistlcr stchcrlich brvor. — Auch Fräulein
Hcntz auS Mannhclm trug durch ihren ansprcchen-
dcn Gcsang sehr virl dazu bri, den mustkalischen
G-nuß zu erhöhen. Jn ber Arte dcr Alicc aus
Robcrt drm T-us-l zeigtc fi- si« als einc Sängc.
rin von gnker Schule, begabt mit ciner, namentlich
in den höhcrcn Tönen, licblichcn Sopranstimme. —
Dcn Schluß des LoncertcS bildete di« großartige
Ouvertürc zu BecthovcnS „Lconorc", deren gelun-
gcne Ausführung unter der sichern Leitung unferrS
dewährten Dirrctors den musikaiischcn Abcnd tn
würdtgcr und vollständig b-frtcdigendcr W-isc schloß.
Jnvcm wir H-rrn Boch sür den auSgezrichnriin
Genuß hiermit noch unscre besondcrc Anerkcnnung
zollcn, hoffcn wir, daß cs ihm gclingc, für die
folgcnden ü-nl-rt- cbcn s° tüchtigc Kräftr zn gc-
«innen, wic sür das gckrige.
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