Böker, Doris [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 19): Landkreis Cuxhaven — Braunschweig, 1997

Seite: 245
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sich beim Auftreffen auf die Geest nach Norden
wendet und als Dorfstraße die Siedlung durch-
zieht. Östlich davon durchschneidet in fast paral-
lelem Verlauf eine 1951 angelegte Umgehungs-
straße (heute L 135) den Ort und grenzt ein seit
1951 entstandenes Wohngebiet gegen das alte
Straßendorf ab. Die beiden Verkehrswege treffen
im nördlichen Bereich Midlums spitzwinklig zu-
sammen.

Ev. Kirche St. Pankratius

Von einer Feldsteinmauer umgeben, liegt süd-
westlich des Marktplatzes der Friedhof mit der
dem HI. Pankratius geweihten Kirche (Dorfstr.).
Nach dem Befund einer 1969 durchgeführten
Grabung ist dieser Platz schon seit dem 9.Jh. be-
legt. Ältester Teil des bestehenden Saalbaus ist
das wohl noch vor 1200 aus Feldstein aufgeführ-
te Schiff, das ursprünglich einen trapezförmigen
Chor besaß. Die heutige Form der Kirche ent-
stand wahrscheinlich im Anschluß an die Kloster-
gründung 1219, indem das Schiff um sechs Me-
ter nach Westen verlängert wurde und einen
neuen langrechteckigen Chor als Ostabschluß
erhielt. Der in halber Höhe von einem Backstein-
gesims umzogene Westturm mit oktogonalem,
im unteren Bereich geschweiftem Helm, dürfte im
14.Jh. hinzugefügt worden sein. Auf der Nordsei-
te des Schiffs sind die ursprünglichen vier kleinen
Rundbogenfenster erhalten. Mit Ausnahme eines
Fensters wurden dagegen diejenigen der Süd-
seite später vergrößert bzw. verlegt. An der mit
Backstein verblendeten, östlichen Giebelwand
des Schiffs markiert eine Kalkleiste eine frühere
flachere Dachneigung.

Der von einer Bretterdecke (bez. 1754) geschlos-
sene Innenraum wurde einschließlich des Inven-
tars 1968-70 nach einem Schwelbrand restau-
riert. Dabei deckte man an den Bogenlaibungen
der nördlichen Schiffenster eine in Rot gehaltene
Bemalung geometrischer Muster auf rötlichem
Kalkgrund auf und ergänzte sie. Der ursprünglich
schmalere Chorbogen war wohl beim Einbau der
Kanzel 1623 korbbogig erweitert worden. Ver-
mutlich ist die über ein Portal zugängliche Kan-
zel, getragen von einer qualitätvollen Sandsteinfi-
gur des Evangelisten Johannes und am reliefbe-
setzten Korb sowie am Schalldeckel mit reichem
Rollwerk verziert, ebenso ein Werk des M. Ringk-
macher wie die aufwendig gearbeiteten Wangen
der ersten Gestühlreihen (dat. 1622). Dem Heidt-
mann-Schüler Friedrich Eggers wird der 1696 be-
zeichnete Altaraufsatz mit gedrehten Säulen, ei-
nem üppigen Akanthusschmuck der Flügelbret-
ter und Figuren der vier Evangelisten zuge-
schrieben. Die beiden Gemälde hingegen, als
Hauptstück das Abendmahl und darüber Chri-
stus am Ölberg, stammen von Nicolaus Bernütz.

Weithin sichtbar erhebt sich im Norden des Dor-
fes die 1857 errichtete Galerieholländermühle.
Über dem oktogonalen, von Lisenen geglieder-
ten Ziegelunterbau ragt der reetgedeckte Rumpf
auf. Die mittels eines Steerts drehoare Haube
trägt Segelgatterflügel (Dorfstr.).

Nordöstlich von Midlum liegt in einem Feldgehölz
südlich des Weges nach Wanhöden der 1848
eröffnete Friedhof der jüdischen Gemeinde Land
Wursten, die 1894 zugunsten eines Zusammen-
schlusses mit der Gemeinde Lehe-Geestemünde



Ss;









Midlum, Kirche St. Pankratius, Grundriß (Haiduck, 1979, S. 84)

Midlum, Kirche St. Pankratius, 12./13.Jh., Ansicht von Nordosten





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