Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 19): Landkreis Cuxhaven — Braunschweig, 1997

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beiderseits von quer abzweigenden, kleineren
Verkehrswegen begleitet werden. Durch die Ent-
wicklung Wremens zum Ferienort und einer damit
einhergehenden Neubautätigkeit weist der Orts-
grundriß leicht ausfasernde Randbereiche auf;
außerdem ist die historische Bausubstanz der
Hofanlagen bzw. Handwerker- und Fischerhäu-
ser nahezu vollständig überformt.

Ev. Kirche St. Willehadi

Auf der von einer Backsteinmauer eingefaßten
Kirchwurt erhebt sich die vermutlich aus dem
1. Viertel des 13.Jh. stammende Saalkirche mit
eingezogenem Rechteckchor und Westturm
(Lange Straße). Sie ist mit Eifeltuffstein verblen-
det, einem vergleichsweise weichen und deshalb
gut zu bearbeitenden Material. Während die Süd-
seite des Schiffs vermutlich um 1500 in Backstein
erneuert wurde, zeigen Nordseite und Chor die
originale Lisenengliederung mit abschließendem
Rundbogenfries. Am Verlauf der Bogenfriese ent-
lang den Giebelschrägen an Chor und Schiff läßt
sich die ursprüngliche flachere Neigung der
Dächer ablesen. Von den ehemaligen, hochlie-
genden Rundbogenfenstern - die vermauerten
Reste erkennbar auf der Nordseite — hat sich nur
eines auf der Südseite erhalten. Die jetzigen, tie-
fergelegten wurden 1895 eingebrochen. Der im
Untergeschoß mit eisenhaltigen Sandsteinqua-
dern verstärkte Westturm (1990 restauriert), den
in den Obergeschossen Rundbogenfriese hori-
zontal gliedern, wurde erst 1930, nachdem er auf
militärische Anordnung hin 1914 im oberen Be-
reich abgetragen worden war, in voller Höhe mit
einem Helm nach dem Vorbild des 1689 ge-
schaffenen wieder aufgebaut.

Im Innern war der nachträglich mit einem achttei-
ligen Gewölbe überspannte Chor ursprünglich
durch einen weiten Triumphbogen mit dem Schiff
verbunden, der vermutlich im 15.Jh. von zwei
Stützpfeilern unterfangen wurde. Reste von Säu-
lenbasen vor der Ostwand und Eckkonsolen
deuten darauf hin, daß im östlichen Schiff einst
zwei überwölbte Seitenaltäre bestanden haben.
Harmonisch fügt sich in den schlichten Saal, an
dessen Ostwand 1930 ein wohl aus dem 13.Jh.



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Hülsing, Wurster Landstr. 29, Hofanlage, Mitte 19.Jh.

stammendes Wandbild (Kampf Simsons mit dem
Löwen) freigelegt wurde, die prächtige Innenaus-
stattung ein. Sie zeugt vom Reichtum ihrer Stifter,
die am wirtschaftlichen Aufschwung der Mar-
schenhöfe im 17. und 18.Jh. Anteil hatten. Be-
stimmend für den Raumeindruck ist die 1737 be-
malte Balkendecke des Schiffs, in deren Feldern
kartuschengerahmte Szenen des Alten Testa-
ments dargestellt sind. Die 1670 im Stil des Ba-
rock gearbeitete Kanzel, die eine Tragefigur des
Moses stützt, zeigt am Korb und auf dem reich
dekorierten Schalldeckel die Figuren der zwölf
Apostel. Im Gegensatz zu der Nüchternheit der
zentralen Schrifttafel des 1709 von Jacob Hel-
merß aus Stade geschaffenen Altarretabels steht
die aufwendige Rahmung des zweigeschossigen
Aufbaus durch gedrehte Säulchen, Assistenzfi-
guren und die Akanthusschnitzereien der Flügel-
bretter. Den pokalförmigen Taufständer aus Holz
von 1738 mit sitzenden Figuren der vier Evangeli-
sten auf dem Deckel umgibt eine Umwehrung
vom Ende des 18.Jh. Abgerundet wird das Inte-
rieur durch bemalte bzw. geschnitzte Kirchen-
stühle des 16. bis 18.Jh. sowie die zwischen
1702 und 1739 datierten Wangen des ehemali-
gen Gemeindegestühls.

Wremen, Lange Str. 23, Pfarrhaus, 1774/76

Westlich der Kirche erhebt sich ein backsteiner-
nes Glockenhaus des 15.Jh., das im 18.Jh. unter
Anlage zweier Schalluken mit Dreiecksgiebeln
geschlossen wurde. Von den wertvollen Grab-
steinen und Grabplatten (16. bis 18.Jh.), die sich
auf dem Friedhof befinden, sind einige heute im
Kirchenschiff untergebracht.

Das nördlich der Kirche auf einer großzügig be-
messenen Parzelle stehende Pfarrhaus ist ein
langgestreckter, breitgelagerter Ziegelbau von
1774, der bereits zwei Jahre später nach einem
Brand wieder aufgebaut werden mußte (Lange
Str. 23). Der westliche Bereich mit weitgehend
erhaltenem Innengerüst wurde ursprünglich als
Wirtschaftsteil genutzt. Am östlichen Ortsrand hat
sich mit dem Ziegelbau Wremer Specken 7 ein
Wohnwirtschaftsgebäude (erb. 1815) in der Art
eines Vierständerhallenhauses erhalten, dessen
Giebel wohl ursprünglich abgewalmt waren.

WREMEN —- HÜLSING



Die Ortsdurchfahrt von Hülsing, eine aus nur we-
nigen Höfen bestehende Marschensiedlung zwi-









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