Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 19): Landkreis Cuxhaven — Braunschweig, 1997

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Im Gegensatz zu dem erst 1856 eröffneten Fried-
hof der christlichen Gemeinde wurde der Fried-
hof der ehemaligen jüdischen Gemeinde Ha-
gens, deren Synagoge in der Blumenstraße
stand, wohl schon vor 1786 eröffnet. Er liegt Öst-
lich der Ortschaft am Rande des Döhren genann-
ten Waldstücks und besitzt Grabplatten vorwie-
gend des 19. Jh. Der schmiedeeiserne Eingang
ist 1887 datiert.

Am südwestlichen Ortsrand erhebt sich weithin
sichtbar auf ihrem Ziegelunterbau die reetgedeck-
te Hagener Windmühle, die 1778 als Galerie-
holländer errichtet wurde (Mühlenstr. 1). Bauherr
war nach der vorhandenen Inschrift der Müller
Joachim Andreas Hoyer. Ebenso wie das nördlich
davon stehende Wohnwirtschaftsgebäude, ein im
19.Jh. durch die Errichtung eines massiven
Wohnteils und die Erhöhung der östlichen Außen-
wand veränderter Zweiständerbau von 1754, wird
sie heute nur noch zu Wohnzwecken genutzt.

HAGEN - DORFHAGEN



Dorfhagen, charakterisiert durch einen langge-
streckten Ortsgrundriß, liegt am Rand einer
Grundmoränenplatte unmittelbar westlich der
L 135, die als Bremer Chaussee erstmals von
1817 bis 1839 ausgebaut wurde. Für ihre Benut-
zung wurde ein Wegegeld erhoben, das in der
Poststation entrichtet werden mußte, einem klei-
nen Backsteinhaus von 1829 mit jüngeren Verän-
derungen (An der Bundesstr. 9). Die in weiten
Teilen erneuerte Bausubstanz der Höfe, deren
Anzahl bei der Flurbereinigung 1863 26 betrug,
stammt zum großen Teil aus der Zeit der Jahr-
hundertwende. 1887 erhielt Dorfhagen erstmals
ein Schulhaus, das 1927 durch einen Klinkerneu-
bau mit großem Klassenraum und einer Lehrer-
wohnung ersetzt wurde (Lindenstr. 3).

HAGEN - KASSEBRUCH



Das Haufendorf Kassebruch, in etwa einem Kilo-
meter Entfernung nördlich von Hagen am westli-
chen Drepteufer gelegen, geht auf eine Damm-
siediung der Herren von Wersebe zurück, die



Hagen, jüdischer Friedhof

nachweisbar zuerst 1403 vom Kloster St. Paul
vor Bremen mit den dortigen, 1847 in ihr Eigen-
tum überführten Ländereien belehnt wurden und
als Erbrichter des Freien Damms Kassebruch
fungierten. Ihre auf einer Drepteinsel errichtete
Burg ist schon gegen Ende des 15.Jh. verfallen.
Im 18.Jh. waren Herren von Wersebe aus der
Meyenburger Linie in Kassebruch ansässig. Aus
dieser Familie ließen sich der Kgl. Großbritanni-
sche Hauptmann Anton Diedrich (1747-1796)
und dessen Frau Catherine Marie (1765-1798)
im Kassebrucher Holz südlich des Orts ein Mau-
soleum errichten, einen quadratischen Ziegelbau
mit abschlie8endem Mansarddach. Infolge eines
Brandes 1869, dem 30 Wohn- und ebenso viele
Nebengebäude zum Opfer fielen, besteht der
größte Teil des rezenten Baubestandes innerhalb
des Ortes aus massiven Ziegelbauten in zumeist
verändertem Zustand.

HECHTHAUSEN



Östlich der Lamstedter Geest erstreckt sich an
der Grenze zum Landkreis Stade das Gebiet der

Hagen, Mausoleum Fam. Hüncken, 1886

Gemeinde Hechthausen mit den bis 1962 selb-
ständigen Dörfern Bornberg, Hechthausen,
Kleinwörden, Klint, Laumühlen und Wisch. Die
Gemarkung setzt sich aus einer Geestinsel sowie
dem sie umgebenden Marsch- und Moorland zu-
sammen und wird im Osten, Norden und Süden
von der Oste umfaßt, deren stark mäandrieren-
des Flußbett hier die Landschaft prägt. Das Dorf
Hechthausen, ab 1233 urkundlich in Verbindung
mit einem Ministerialengeschlecht „de Hekethu-
sen“ genannt, entstand an dem nahe an die Oste
herangeschobenen Ostrand der Geestinsel. Im
Verlauf des 15.Jh. erwarben die seit dem Beginn
dieses Jahrhunderts mit der benachbarten Kra-
nenburg belehnten Herren von Marschalck fast
die gesamte Grundherrschaft über das Kirchspiel
und erlangten in der Folge auch die Gerichtsbar-
keit (Auflösung des Patrimonialgerichts 1850).
Die einzelnen Linien der Familie errichteten seit
dem 16.Jh. mehrere Gutshöfe (Geesthof, Hutloh,
Klint | und Il, Laumühlen, Ovelgönne, Wischhof).

Von der steigenden Bedeutung des Ortes, die mit
der Einrichtung einer Fährverbindung über die
Oste 1659 einsetzte, zeugen zwei ab 1674 abge-







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