Böker, Doris [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 19): Landkreis Cuxhaven — Braunschweig, 1997

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DIE SÜDLICHE FELDMARK:
OBERNDORF - BRAAK, AHRENSFLUCHTER
MOOR, NIEDERSTRICH

Südlich des Kirchdorfs entwässert, von Westen
kommend, das Oberndorfer Mühlenfleth in die
Oste. Das an dieser Stelle 1926/27 entstandene
Schöpfwerk nimmt ein Ziegelbau auf, der neben
dem traditionellen Krüppelwalmdach auch De-
tails der expressionistischen Architektursprache
zeigt. Nach Süden schließt sich am Westufer der
Oste die kleine Deichreihensiedlung Braak an,
die 1848 aus elf Hausstellen bestand und durch
sehr schmale Parzellenstreifen gekennzeichnet
wird. Wohnhäuser vom Anfang des 20. Jh. wech-
seln sich mit älteren Hofanlagen ab, deren Archi-
tektur in der Regel durch Modernisierungen ver-
ändert ist. Von der Erscheinung des einstigen
Straßenbildes vermittelt trotz der erneuerten
Ziegelausfachung lediglich das _Hallenhaus
Braak 15 (erb. 1. Hälfte 19. Jh.) einen Eindruck,
wobei der Wirtschaftsgiebel unter Halbwalm den
landwirtschaftlich genutzten Flächen im Westen
zugewandt ist, während der Steilgiebel des
Wohnteils zur Straße hin zeigt.



Ahrensflucht, Ahrensflucht 2, Hofanlage









Niederstrich, Niederstrich 5, Wohngiebel, 1858

Zwischen den beiden Höhenzügen von Wingst
und Westerberg entwickelte sich auf anmoori-
gem Boden die am Südwestrand der Oberndor-
fer Feldmark liegende Siedlung Ahrensfluchter
Moor, die 1848 16 Wohngebäude zählte. Die we-
nigen Hofanlagen stehen in lockerer Reihung zu
beiden Seiten der Bundesstraße 73, eines frühe-
ren Deichs, der die Marsch vor dem Eindringen
des Geestwassers schützte. Die zum großen Teil
aus der 2. Hälfte des 19.Jh. stammende Bausub-
stanz in Fachwerk ist weitgehend durch massive
Teilerneuerungen ersetzt. Eine Ausnahme bildet
das Wohnwirtschaftsgebäude Ahrensfluchter
Moor 12 mit dem dazugehörigen Stall, für des-
sen Entstehungszeit im Jahre 1870 die hohen
Seitenwände des in Zweiständerbauweise kon-
struierten Wirtschaftsteils mit Steilgiebel charak-
teristisch sind. Einen völlig anderen Querschnitt
besitzt das 1773 erbaute Hallenhaus des zwi-
schen Ahrensfluchter Deich an der Oste und Ah-
rensflucht an der Deichlinie des Schinkelwegs
gelegenen Einzelhofs Ahrensflucht 2. Seine
Außenhaut wurde bis auf den Wirtschaftsgiebel
mit dem auf Knaggen vorkragenden Dreieck
massiv ersetzt, jedoch ist das historische Innen-











gerüst erhalten. Die nordöstlich des Haupthau-
ses stehende, größtenteils senkrecht verbretterte
Scheune mit abgeschlepptem Walm über den
Giebelkübbungen stammt etwa aus der Mitte des
9. Jh:

Auf der Höhe von Braak grenzen rechts der Oste
ein Flankendeich (Oberndorfer Sietwende) und
die dem Ostedeich vorgelagerte Linie des Nie-
derstrichs (heute ein Abschnitt der L 113) die
Oberndorfer von der Ostener Gemarkung ab.
Zwei der auf der Westseite des Niederstrichs im
19.Jh. angesiedelten Hofanlagen - 1848 gab es
erst vier davon - liegen benachbart weit zurück-
gesetzt von der Straße und dürften etwa gleich-
zeitig entstanden sein. Das 1858 datierte Wohn-
wirtschaftsgebäude Niederstrich 5 wurde eben-
so wie das des Hofes Niederstrich 6 als
Ziegelbau mit einem Wirtschaftsgiebel in Fach-
werk errichtet, wobei letztgenanntes Gebäude
durch den über Stichbalken vorkragenden Halb-
walm des Wohngiebels und die Gestaltung der
südlichen Eingangsnische mit zwei Holzstützen
auffällt.

An der Stelle des Niederstricher Deichs, an der
das Große Fleth in die Oste entwässert, errichtete
man im Jahr 1900 ein Schöpfwerk, dessen Pum-
pe ursprünglich von einer Dampfmaschine be-
trieben wurde. Entsprechend gliedert sich das
von einem Schornstein flankierte Gebäude in
zwei Trakte, wovon der niedrigere, mit Blendfel-
dern gestaltete Trakt auf der südlichen Schmal-
seite polygonal abschließt.

Bei dem gegenüberstehenden, ehemaligen

Schulgebäude Niederstricher Deich 16 (erb.
letztes Drittel 19. Jh.) handelt es sich um einen
eingeschossigen Rohziegelbau zu sieben Ach-
sen mit den zeittypischen Ziersetzungen an Fen-
sterstürzen und Ortgangfries.



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AI in

Bentwisch 7, Wohngiebel, 1852



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